Türchen #6 im Eurovision Songkalender: Weihnachtliche Wiederaufbaukur

Auch wenn in unserem heutigen Eurovision-Gastland am 6. Dezember Nikolajs seinen Namenstag feiert, verbindet man dort keine vorweihnachtliche Tradition mit ihm. Geradezu märchenhaftetes widerfuhr jedoch unserem heutigen Interpreten, dessen Erfolg sich nach seiner Grand-Prix-Blamage vor heimischen Publikum ausgerechnet mit einer weihnachtlichen Pop-Ballade wieder einstellte. Dennoch wird er das Lied in diesem Jahr vermutlich nicht unbekümmert vortragen, denn im Januar starb überraschend sein Eurovision-Mitstreiter.

Lauris Reiniks ist der lettische Superstar. Nicht nur als Sänger und Songwriter hat er sich einen Namen gemacht; auch als TV-Moderator und Schauspieler konnte er reüssieren. Selbst beim Tanzen scheint er einige Begabung zu besitzen: So siegte er in der ersten Staffel des lettischen Dancing with the Stars.

Bereits sechs Mal hat sich Lauris um das Ticket für den Eurovision Song Contest bemüht. Nach einem zweiten Platz 2001 und einem fünften Platz 2002 war es 2003 endlich so weit: Als Mitglied der Gruppe F.L.Y. konnte er Lettland mit dem Titel Hello from Mars beim Grand Prix im eigenen Land repräsentieren. Jedoch ohne großen Erfolg: Mit ganzen fünf Punkten reichte es am Ende gerade noch so für den drittletzten Platz.

Nach dieser Schmach versuchte es Lauris erst 2009 wieder im nationalen Vorentscheid. Seitdem war er in jedem Jahr dabei. Seine Platzierungen in den letzten drei Jahren – zwei zweite und ein vierter Platz – unterstreichen dabei seine Vorrangstellung im lettischen Musikgeschäft.

Trotz der negativen Erfahrungen beim ESC 2003 versuchte Lauris immer wieder, außerhalb Lettlands Fuß zu fassen. 2005 sang er ein Duett mit der estnischen Eurovision-Wiederholungstäterin Maarja-Liis Ilus, das in beiden Ländern ein Hit wurde. Der Durchbruch im gesamten Baltikum gelang ihm 2010 mit dem Smash-Hit Es skrienu, den er auch auf Deutsch veröffentlichte. Diese Fassung hat es hierzulande bisher nur in die Playlist des Rhythmus der Nacht auf WDR 4 geschafft.

Tik Balti (So weiß) heißt der Weihnachtshit von Lauris Reiniks. Es ist nicht nur eines der populärsten neuen lettischen Weihnachtslieder. Es dürfte aufgrund seines Erfolges 2003 auch das Selbstbewusstsein des Interpreten nach seiner Grand-Prix-Schmach wieder aufgebaut haben. Umso trauriger ist, dass Lauris‘ F.L.Y.-Kollege Mārtiņš Freimanis am Anfang des Jahres nach kurzer Krankheit verstarb.

Eine deutsche oder überhaupt anderssprachige Version des Weihnachtslieds Tik Balti fehlt leider. Auch die Übersetzung des Liedtextes in Google Translate ist nicht zufriedenstellend. Von dem, was man schlussfolgern kann, schneit es und ist weiß, der Fußboden ist kalt, die Straßenreinigung spielt eine Rolle und die Schnee-Engel haben Flügel.

Was das wiederum mit historisch gekleideten Kindern, Frauen und einem Fotografen vor knapp 100 Jahren zu tun hat, erschließt sich nicht wirklich. Nunja, in jedem Fall ist die Melodie hübsch und auch die Einbettung des weißen Flügels in eine Tannenbaumlandschaft lässt weihnachtliche Gefühle aufkommen.

Priecīgus Ziemassvētkus!