Lissabonner Leben (10) – Der Red Carpet ist der heimliche ESC Höhepunkt

Alljährlich markiert der Red Carpet einen Höhepunkt der eurovisionären Musikfestspiele. Für PRINZ Blogger Peter ist das Schaulaufen der „Stars“ sogar DAS ultimative Highlight der ESC Finalwoche – selbst dann, wenn der „Red Carpet“ plötzlich „Blue Carpet“ heißt. In unserer Reihe Lissabonner Leben könnt Ihr nachlesen, warum der „Whatever Color Carpet“ etwas ganz Besonderes ist!

2018 Slovenien Lea Blue Carpet2018 Litauen Blue Carpet2018 Zypern Eleni Blue Carpet_M1I6138 2018 blue carpet

Der „Red Carpet“ ist ein gutes Beispiel für die (digitale) „Larger Than Life“-Gigantomanie, die der ESC in den letzten zehn, zwölf Jahren entwickelt hat. Er ist genauso bombastisch und pseudo-wichtig gewachsen wie z.B. auch der „Euroclub“ (zu Riga-Zeiten noch ein Keller in einem Mittelklasse-Hotel, wo spontan ein Delegationsmitglied auflegte) oder wie die sinnentleerten, ritualisierten Huldigungsveranstaltungen, die (auch) beim ESC „Pressekonferenz“ genannt werden.

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Während das Eintreffen der Delegationen vor der – zumeist drögen – offiziellen Eröffnungsfeier mit dem Bürgermeister der Gastgeberstadt bis vor gut einem Dutzend Jahren zumeist noch eine unaufgeregte Pflichtübung war, so ist der Red Carpet heute die erste zentrale breitenwirksame PR-Plattform der EBU. Inzwischen ist der Red Carpet weitgehend von der (unverändert langweiligen) Eröffnungsveranstaltung entkoppelt, oft müssen die Delegation nach dem Flanieren auf dem Empfangsteppich in Shuttles zum offiziellen Bürgermeister-Get-Together gekarrt werden. In Lissabon wurde der klassisch rote Teppich fremdverkehrswirksam zum „Blue Carpet“ umbenannt (siehe Photos) und zum Glück war wie schon in Kiew der Wettergott auch in diesem Jahr ein großer ESC-Fan.

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Im Hinblick auf seine Über-Inszenierung und Pseudo-Professionalisierung hat der Red Carpet in der jüngsten Vergangenheit schon wieder viel von seinem Charme verloren. Alles ist heute streng geregelt. Es gibt die hässliche Fotowand, wo die Agenturfotografen die besten Plätze zugeteilt bekommen, und jedes Land hat dahinter einen ordentlich abgesteckten Bereich und wehe, man photographiert freestyle mal hier mal dort, sofort gibt es böse Blicke und anstrengende Ermahnungen. Völlig blown out of proportion.

Klar, die impact-starke Inszenierung des Red Carpet seit Malmö hat viele Vorteile und produziert fantastische Bilder, aber der Charme der „Übergangsjahre“ zwischen dem hektischen Intro vor dem Bürgermeister-Handshake (bis Mitte der 90er) zum „längsten Red Carpet aller Zeiten“ (Kiew 2017) ist weg. Der schönste Red Carpet war definitiv Baku (wovon auch unser Aufmacherbild stammt), wo Fans und „Journalisten“ gleichberechtigt auf beiden Seiten den Red Carpet „einzäumten“ und wo es noch keine organisierte Hackordnung unter den Pressevertretern gab. Ausgerechnet in Baku war am Red Carpet viel „We are family“ und wenig „Follow the orders please“. In Baku war viel Raum für Spontaneität, zugegebenermaßen auch, weil sich der Ansturm der Zaungäste in Grenzen hielt. So entstanden unvergeßliche Aufnahmen wie das Aufmacherbild, welches zu einem „Signature Visuals“ des PRINZ Blogs wurden und auf das Roman sogar in Interviews immer wieder angesprochen wurde.

Red Carpet Baku Nina ZilliRed Carpet Baku 2012 Ivi Ivi IviRed Carpet Baku Ott LeplandRoman Lob in Baku

Regelmäßig ist der Red Carpet eine fantastische Gelegenheit, die Künstler photographisch so prägnant einzufangen, dass die Bilder ihre Ausstrahlung und Individualität wiedergeben – und das, obwohl diese inzwischen geschätzte 70 Mal in drei Stunden die gleichen Fragen beantworten dürfen und – by the way – darin auch von Jahr zu Jahr besser gecoacht werden. Respekt vor denjenigen, die auch beim 40sten Interview noch authenisch und zugewandt rüberkommen (die Schweden ganz vorne). So ist der Red Carpet für den interessierten Blogger auch eine großartige ESC-Milieustudie.

ESC 2016 Red Carpet Douwe Bob NiederlandeRed Carpet ESC 2017 Anja Nissen Danmark smiling sexyESC 2016 Red Carpet Måns Zelmerlöw Host Schweden lachenMalmö 2013 Bürgermeisterempfang Red Carpet ElitsaRed Carpet Baku 2012 Soluna DanmarkESC 2016 Red Carpet Frankreich Amir

Für PRINZ Blog Fotograf Volli und den Autor dieser Zeilen ist der Red Carpet alljährlich der anstrengendste „Job“ der zwei Wochen in der Finale-City. Zunächst heißt es zwei bis drei Stunden Warten, dann nochmal drei bis vier Stunden intensivstes Photographieren. Rechnerisch haben wir für jeden Künstler etwa drei Minuten, wenn wir eine vollständige Dokumentation aller Teilnehmer anstreben (was wir wollen). Das ist wenig Zeit für einen guten Schnappschuß, zumal wir gleichzeitig ja auch noch die Atmo, wichtige Multiplikatoren (prominente HoDs, Stargäste, Moderatorinnen und Moderatoren etc.) sowie individuelle Künstlerbegegnungen photographieren.

ESC 2016 Red Carpet UK Joe and Jake_M1I5669 2018 blue carpet2018 Tschechien Mikolas Blue Carpet

Even More Red Carpet ESC 2017 Team Brandon singing dying to try
Red Carpet 2017 Brendan Murray

Es ist schade, dass in den letzten Jahren der Veranstaltungsort der Eröffnungsfeier und der Red Carpet gar nichts mehr miteinander zu tun hatten, das gibt dem Red Carpet zuweilen etwas Xtra Synthetisches. Und zunehmend lässt sich auch feststellen, dass die Acts die After-Show-Party nach dem Bürgermeister-Empfang (die im Euroclub stattfindet) skippen. Da erinnere ich mich gerne an Malmö zurück, wo „We are one“ tatsächlich gelebt wurde – und nicht nur, weil Magnus Carlsson aufgetreten ist und wir wie wild mit der dreiköpfigen jüngeren Heilsarmee-Hälfte die Schwedenschlager von Magnus gefeiert haben…

Top 20 Malmö Euroclub Christoph Sarah Jonas

Christoph, Sarah und Jonas im Euroclub in Malmö

Malmö 2013 Bürgermeisterempfang Red Carpet Takasa Jonas GygaxMalmö 2013 Bürgermeisterempfang Red Carpet Farid MammadovMalmö 2013 Bürgermeisterempfang Red Carpet Cascada Ryan DolanMalmö 2013 Bürgermeisterempfang Red Carpet Esma Redzepova

Die Malmöer Euroclub-Party nach der Eröffnungsfeier gehört heute noch zu den schönsten Erinnerungen überhaupt, die der Autor dieser Zeilen mit dem ESC verbindet. In den letzten Jahren sind Volli und ich nach dem Red Carpet Kraftakt gar nicht mehr in den Euroclub gegangen. Nach sieben Stunden Konzentration (und Gerangel) um die besten Bilder suchen wir uns inzwischen lieber eine Entspannungsoase mit Late-Nite-Küche und das sind dann auch wieder schöne Erinnerungen wie die an die Bar vom Grand Hotel in Stockholm.

ABBA The Museum Stockholm Signature Drink im Grandhotel Cadier BarESC 2016 Red Carpet Iveta Mukuychan ArmenienESC 2016 Red Carpet Francesca Michielin Italien HandyESC 2016 Red Carpet LIghthouse X Dänemark

Die Red / Blue / Whatever-Carpet-Geschichten wären sogar für eine eigene PRINZ Blog-Serie gut, aber wir wollen diesen Foto-Blog mit einigen weiteren unveröffentlichen Bildern aus Lissabon ausklingen lassen und wünschen uns ganz doll, dass der Red Carpet in Tel Aviv (bitte bitte!) nicht der längste, aber dafür der beste aller Zeiten wird.

2018 Blue Carpet2018 Zypern Eleni Blue Carpet2018 Österreich Cesar Blue Carpet2018 Deutschland Michael Blue Carpet2018 Deutschland Michael Blue Carpet_M1I5639 2018 blue carpet2018 Schweden Benjamin Blue Carpet_M1I5748 2018 blue carpet

Bisher in der Serie „Lissabonner Leben“ erschienen:
(1) Es lebe die Fankultur (BennyBenny)
(2) Nicht dabei und doch mittendrin (Douze Points)
(3) Backstage Tour in der Altice Arena (Marc)
(4) Eurovision Zumba im Euro Fan Café (Salman)
(5) Wie man sich einen Jahrgang schönhört (Peter)
(6) Die Frankfurter Grippe (BennyBenny)
(7) Déjà-vu in Sintra (DJ Ohrmeister)
(8) Die Glücksspirale (Jan)
(9) Ein ESC-Jahrgang ohne persönliches Song-Highlight (Douze Points)

2018 Lettland Laura Blue Carpet_M1I5710 2018 blue carpet_M1I6039 2018 blue carpet2018 Kroatien Franka Blue Carpet

In eigener Sache: Wir sind leidenschaftlich motiviert, Euch mit beschwingten ESC-Veröffentlichungen auch die nachrichtenarme Sommerzeit zu verschönern. Die PED ist weitgehend überstanden, insofern findet Ihr bei uns auch – jahreszeiten-kompatibel – „leichte Kost“. Der Autor dieser Zeilen ist der weltweit größte Fans von Douze Points „ESC privat“ (hier die aktuellste Folge) und will daran anknüpfen. Deshalb findet Ihr hier auf dem Blog bald eine zweite Serie mit „Fundstücken“ von Blogger Peter (genannt „Club Camp by PR“) mit mal mehr mal weniger ESC-Bezug. Los geht es in Kürze mit den besten unveröffentlichten Bildern von Ralph Siegels Münchener Dschinghis-Khan-Revival, den allerwitzigsten Momenten aus der Graham-Norton-Show und einer wahrhaftigen Entdeckung, einer modernen Beatles-Hommage namens „Fab Sounds“. Und den Schlagermove 2018 gibt´s auch noch. Stay tuned.

Hamburger Schlagermove 2016 Eye Candy SmileSchlagermove Hamburg 2015 Junges SchlagerglückMore Red Carpet ESC 2017 Eye Candy am Red CarpetRed Carpet ESC 2017 Nathan und Kristian Kostov2018 Ungarn AWS Blue Carpet_M1I5979 2018 blue carpetRed Carpet ESC 2017 Alma Sexy Smile