Lissabonner Leben (11) – Partyhopping oder „Wo sind meine Freunde?“

Lissabon ist eine schöne Stadt und zeigte sich auch als gute Gastgeberin für den Eurovision Song Contest 2018. In einer Hinsicht hat das Planungsteam aber gnadenlos versagt: Das gemeinsame Feiern und Tanzen mit Freunden aus ganz Europa, das immer ein wichtiger Bestandteil der beiden Eurovision-Wochen ist, war diesmal so problembehaftet wie selten zuvor.

Kurzer Blick zurück: Nach einigem Hin und Her hat selbst Kiew es hinbekommen, einen Euroclub auf die Beine zu stellen, der den Delegationen, der Presse sowie akkreditierten und nicht-akkreditierten Fans gleichermaßen offen stand (Aufmacherfoto und Foto unten). Dass es hinter den Kulissen auch dort etliche organisatorische Schwierigkeiten gab, steht auf einem anderen Blatt. Aber: Jeden Abend konnte man sich im Euroclub verabreden, denn dieser stand allen offen und war dementsprechend auch allabendlicher Anlaufpunkt für alle.

Euroclub Kiew - Foyer 2

Nicht so in Lissabon. Sollte der Euroclub zuerst in das Lust in Rio einziehen, zog er letztendlich in den – kleineren – Ministeriums Club ein. Die verringerte Kapazität führte dazu, dass exklusiv akkreditierte Fans und Journalisten Zutritt zum Euroclub hatten – und nicht die normalen Fans. Für diese organisierte der Fanclub OGAE Portugal dann – auch vergleichsweise kurzfristig – ein Euro Fan Café im Club MoMe. Allerdings: Um hier Eintritt zu erhalten, musste man a) Mitglied in einem der organisierten Fanclubs sein und b) einen extrem teuren Wochenpass kaufen oder sich Abend für Abend ohne Erfolgsgarantie in eine lange Schlange stellen. (Dass beide Fan-Locations diesmal erst in der zweiten Woche öffneten, war ebenfalls schade, ist aber ein anderes Thema). Alle anderen mussten in das – auf diesem Blog schon häutig erwähnte – Trumps (Foto unten) ausweichen.

Eurofestival Party im Trumps Lisboa (14)

Mich persönlich stellte diese Konstellation Abend für Abend vor die schwierige Frage, mit welchen meiner Freunde ich feiern wollte – manche waren im Euroclub, manche im Euro Fan Café und manche im Trumps. Nun gut, musste ich mich halt entscheiden – aber manchmal waren diese Entscheidungen auch falsch, denn gerade auch der Euroclub war an einigen Abenden sehr schlecht besucht – wie übrigens immer in den letzten Jahren, wenn es mehrere Feier-Locations gab. Oder Leute hatten sich spontan umentschieden, wo sie hingehen wollten. Das führte dazu, dass ich an manchen Tagen richtig Partyhopping betrieb und mich mehrmals im Uber zu einem anderen Club wiedergefunden habe. Entspanntes Feiern ist anders.

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Noch mehr Alternativabendprogramm: Oder sind die Anderen etwa beim WiwiJam (Supersymbolbild)?

Für Israel und Jerusalem/Tel Aviv/Haifa/Eilat wünsche ich mir, dass es wieder eine Location für alle Fans, Delegationen und Journalisten für alle Tage der kompletten zwei ESC-Wochen gibt. Dann können wir auch all die Forderungen der Organisatoren – #JoinUs, Come Together, Share the Moment etc. – erfüllen.

Bisher in der Serie „Lissabonner Leben“ erschienen:
(1) Es lebe die Fankultur (BennyBenny)
(2) Nicht dabei und doch mittendrin (Douze Points)
(3) Backstage Tour in der Altice Arena (Marc)
(4) Eurovision Zumba im Euro Fan Café (Salman)
(5) Wie man sich einen Jahrgang schönhört (Peter)
(6) Die Frankfurter Grippe (BennyBenny)
(7) Déjà-vu in Sintra (DJ Ohrmeister)
(8) Die Glücksspirale (Jan)
(9) Ein ESC-Jahrgang ohne persönliches Song-Highlight (Douze Points)
(10) Der Red Carpet ist der heimliche ESC Höhepunkt (Peter)