Lissabonner Leben (12) – Public Viewing im Eurovillage (1. Semi)

Seit Düsseldorf 2011 unterstützt der Autor dieser Zeilen das Blogger-Team beim deutschen Vorentscheid und (gelegentlich) beim ESC als Fotograf und sehr selten auch als Gastautor. So auch 2018 in Lissabon. Die Arbeitsteilung ist in der Regel so, dass Fotograf Volli die Proben fotografiert und ich die parallel stattfindenden Pressekonferenzen. Beim Blue Carpet waren wir beide am Start und hatten nicht ganz so viel Spaß wie 2014 in Kopenhagen. Der Grund: Isaura Santos und Cláudia Pascoal ließen sich stundenlang Zeit auf dem Blue Carpet, bis sie endlich an der uns offiziell zugeteilten Stelle ankamen.

 

Foto-Volli und Foto-Frank 2014 in Kopenhagen
Cláudia und Isaura nehmen sich sehr viel Zeit für Ihre Fans
Nach langer, sehr langer Wartezeit bekommen wir endlich unser Foto mit den portugiesischen Teilnehmerinnen

Aber nun zum eigentlichen Thema: „Lissabon ist eine schöne Stadt…“, schreibt BennyBenny zutreffend, und neben Euroclub und Euro Fan Café gibt es auch noch das Eurovision Village, kurz Eurovillage. Hier treffen sich die Fans, die keinen Zugang zum Euroclub haben und/oder kein Ticket für’s Fan Café kaufen wollen oder einfach nur tagsüber Livemusik hören wollen. Aber vor allem richtet sich das Angebot im Village ganz allgemein ans interessierte Publikum, Touristen und sonstige. Auch in Lissabon wurde dort so einiges an Musik geboten – nicht nur mit ESC-Bezug.

In Lissabon befand sich das Eurovillage in unmittelbarer Nähe zum Euroclub auf dem großen Praça do Comércio, was man frei mit „Marktplatz“ übersetzen könnte. Er gehört zu den drei wichtigsten Plätzen innerhalb des aufgrund des Erdbebens von 1755 neu gebauten innerstädtischen Bereichs und liegt direkt am Ufer des Tejo. Dort fand sich, wie gesagt, auch der Euroclub.

Quasi direkt gegenüber vom Eurovillage: der Euroclub mit prominenten Gästen

Uns verschlug es zu dritt am 8. Mai zum Public Viewing des ersten Semifinales ins Eurovision Village. Am Einlass bildete sich eine lange Schlange – die Sicherheitskräfte nahmen ihren Job sehr ernst. So war dann Albanien bereits durch und die belgische Postkarte noch kurz zu sehen, als wir dann endlich die LED-Wände mit der Liveübertragung sahen.

Der riesige Praça do Comércio mit der Reiterstatue von José I in der Mitte des Platzes ist beim erste Semifinale nur zu einem Drittel gefüllt

Der Platz vor der Bühne und den Leinwänden war zunächst nur mäßig gefüllt. Dies war wohl vor allem der zähen Einlassprozedur geschuldet, denn zur zweiten Hälfte des 1. Semis war das Eurovillage dann doch recht gut besucht.

Im hinteren Bereich gab es eine Chillout-Zone mit Sitzsäcken und seitlich der Bühnen diverse Stände mit Essen und Getränken. Da wir zuvor bereits in einem der zahlreichen preisgünstigen Lissaboner Restaurants hervorragend gegessen hatten, kann ich zur Qualität jedoch nichts sagen. Auffällig war jedoch, das kaum jemand dort Schlange stand; vermutlich waren die Preise recht hoch. Wie übrigens auch im Euro Fan Café.

Der große mittlere Screen im 21:9 Format lässt die Teilnehmer recht breit aussehen.

Die Soundanlage war für so eine Veranstaltung mehr als ausreichend dimensioniert und klang recht gut. Allerdings ist der Praça do Comércio an drei Seiten durch große Gebäude eingefasst, so dass Hall und Echo doch das Hörvergnügen etwas trübten. Wie auch die sehr breite LED-Wand das Sehvergnügen einschränkte, da sie alle Teilnehmer sehr füllig wirken ließ.

Bei Nettas Auftritt kam zudem direkt vor uns kurz Unruhe auf, als vier bis fünf etwas verloren wirkende Demonstranten gegen Israels Siedlungspolitik demonstrierten und zu „Zero Points for Israel“ aufriefen.

Politische Statements beim ESC unerwünscht…?

Die Zeit verging trotz einiger Werbeunterbrechungen mit immer gleichen Werbespots der ESC-Sponsoren wie im Fluge und insgesamt war das 1. Semi im Eurovillage sehr kurzweilig und unterhaltsam. Die Stimmung war nicht ausgelassen, aber doch sehr gut und bei Schnelldurchlauf und Voting gab es reichlich Applaus. Meine Tochter, ihr Freund und ich haben den Abend sehr genossen und können einen Besuch des Eurovision Village in Tel Aviv? nur empfehlen.

 

Bisher in der Serie „Lissabonner Leben“ erschienen:
(1) Es lebe die Fankultur (BennyBenny)
(2) Nicht dabei und doch mittendrin (Douze Points)
(3) Backstage Tour in der Altice Arena (Marc)
(4) Eurovision Zumba im Euro Fan Café (Salman)
(5) Wie man sich einen Jahrgang schönhört (Peter)
(6) Die Frankfurter Grippe (BennyBenny)
(7) Déjà-vu in Sintra (DJ Ohrmeister)
(8) Die Glücksspirale (Jan)
(9) Ein ESC-Jahrgang ohne persönliches Song-Highlight (Douze Points)
(10) Der Red Carpet ist der heimliche ESC Höhepunkt (Peter)
(11) Partyhopping oder „Wo sind meine Freunde?“ (BennyBenny)