Lissabonner Leben (3) – Backstage Tour in der Altice Arena

Der Eurovision Song Contest ist eine Veranstaltung der Superlative. Beim ESC 2018 gab es die Möglichkeit bei einer Backstage-Tour einen Blick hinter die Kulissen der Arena zu werfen, insbesondere Ablauf, Organisation und Logistik standen im Mittelpunkt der Tour.

Das klang sehr interessant und so meldeten sich die PrinzBlogger Salman und Marc zur Backstage-Tour an und bekamen auch den Zuschlag. Hurra. Wir bekamen den Mittwoch in der Finalwoche um 18 Uhr zugeteilt und freuten uns. Dann bekamen wir einen Tag vorher eine E-Mail, dass unsere Tour nun schon am Dienstag 18 Uhr direkt vor dem Semifinal stattfindet. Wir waren etwas verwundert. Am Dienstag um 16:21 Uhr kam dann erneut eine E-Mail mit Betreff „Urgent“ und die Tour wurde auf 17 Uhr vorverlegt mit Treffpunkt 16:45 Uhr am Pavillion bei der Altice Arena. Für Blogger Salman und die meisten anderen Teilnehmer unserer Tour war dies zeitlich so kurzfristig nicht machbar.

Nachdem die „Urgent“ Mail kam rannte ich sofort los. Nur wohin? Pavillion bei der Arena? Mir schwante schon Böses, denn vor der Arena waren unzählig viele weiße Pavillions aufgebaut. Ich fragte am Pavillion vor dem Security Check und es hieß, ich solle erst mal durch den Security Check. Von dort wurde ich zu den Offices geschickt, wo auch niemand Bescheid wusste und ich solle doch mal im Pressezentrum nachfragen. Von dort wurde ich zum Tourist Desk geschickt, die mich dann wieder zurück zum Security Check verwiesen, wo ich bereits zuallererst gefragt hatte. Da offensichtlich niemand außer mir auf die Backstage-Tour wartete (es war mittlerweile 17:15 Uhr), sollte ich dann zu einer Gruppe von Mango TV dazu, die am Eingang wartete. Dann kamen doch noch überraschend ein paar Teilnehmer meines 17 Uhr Termins , die die Mail nicht rechtzeitig gelesen hatten und es wurde doch wieder 2 Gruppen gebildet und es konnte endlich losgehen.

Da am Dienstag Abend um 20 Uhr Ortszeit ja bereits die Live-Show Semifinal 1 stattfand, hatte ich mich eh schon gewundert, wie man da noch vorher eine einstündige Backstage-Tour unterbringen möchte, schließlich soll das Publikum ja auch rechtzeitig in der Halle sein und so ging es bei der Tour dann auch etwas gehetzt zu. Nichtsdestotrotz war es jedoch sehr interessant.

Die zwei Volunteers, die durch die Tour führten, berichteten, dass Bühnenaufbau und Technikinstallation ganze 20 Tage beansprucht haben. Der komplette Abbau hingegen muss in 3 Tagen durchgeführt werden, da die Altice Arena dann schon für das nächste Event gebucht ist. Die Bühne, die vom Designer Florian Wieder gestaltet wurde, soll dabei die maritime Geschichte und Kultur Portugals verkörpern.

Insgesamt fasst die Altice Arena 11.500 Zuschauer. Die Bühne selbst ist 460 Quadratmeter groß und der Laufsteg mit den beiden 12m langen Brücken insgesamt nochmal 220 Quadratmeter lang. LED’s gab es zwar beim ESC 2018 keine, aber trotzdem wirkte das Bühnenbild mit seiner Höhe von über 13 Meter imposant.

Wir konnten dann auch einen Blick hinauf zu den Kommentatoren-Kabinen werfen und erfuhren, dass immer mehr Sender dazu übergehen aus Kostengründen keine Kommentatoren mehr vor Ort zu haben. Eine Entwicklung, die der EBU jedoch missfällt. Beim Blick nach oben stellt man auch erstaunt fest, dass es unter dem Arena-Dach eine große Holzkonstruktion gibt. Circa 220 Tonnen Equipment hängen dort oben.

Sehr interessant war es auch einen Blick auf die Technik zu werfen: an 14 Pulten können circa 150.000 verschiedene Lichteinstellungen vorgenommen werden. 239 Lautsprecher sollten für einen guten Sound sorgen. Allerdings war die Akustik in der Arena während der Live-Shows trotzdem nicht optimal.

Über 60 Mitarbeiter sind für die 30 Übertragungskameras zuständig. Dazu gibt es in der Altice Arena 3 Kamera-Kräne sowie zwei schwebende Steadicams.

Dann eines meiner persönlichen Highlights: es ging hinter die Bühne zu den sogenannten Props. Da es keine LED-Wände beim ESC 2018 gab, haben viele Länder diesmal mehr Bühnengegengenstände als sonst üblich dabei. Alles ist feinsäuberlich nach Ländern sortiert. Auf dem Foto oben sieht man ganz links z.B. das Schlagzeug von Zibbz und rechts die Winkekatzen von Netta. Beim ESC 2018 war genau 60 Sekunden Zeit zwischen den Auftritten zur Verfügung. Vorgabe für jedes Land war, dass der jeweilige Aufbau in 40 Sekunden vollzogen wird und 20 Sekunden Puffer bleiben.

Hier nun ein Blick auf den Eingang zur Artist Waiting Area (Foto oben). Hier bekommen die maximal 6 Personen, die auf der Bühne zugelassen sind, ihre In-Ears sowie eine Zahl von 1 bis 6 und eine Farbe zugeteilt. Zahl und Farbe sind auf dem Boden markiert und jedes Mal wenn ein Land mit seinem Auftritt durch ist, darf man eine Position vorrücken

Da dann schon das Semifinalfinal-Publikum in die Halle drängte, mussten wir unsere Tour verkürzen und wieder aus der Arena nach draußen. Wenn die Artists schnell von A nach B gelangen müssen, kann eine Art Golf Caddy genutzt werden. An uns düste beispielsweise SuRie vorbei (Foto oben mit Schlabberjeans).

Zum Abschluss durften wir noch eine kurzen Blick hinüber zu den Übertragungswagen werfen. 186 Millionen Menschen haben die 3 Live-Shows aus Lissabon gesehen. Ruck zuck war die Backstage Tour dann auch schon vorbei und hiermit endet dann auch unsere dritte Folge der Serie „Lissabonner Leben“.

Bisher in der Serie „Lissabonner Leben“ erschienen:
(1) Es lebe die Fankultur (BennyBenny)
(2) Nicht dabei und doch mittendrin (Douze Points)