Lissabonner Leben (6) – Die Frankfurter Grippe

Jessica Mauboy aus Australien landete beim ESC 2018 – sicherlich nicht nur, aber bestimmt auch – wegen der für ihre Verhältnisse schlechten stimmlichen Performance auf einem enttäuschenden 20. Platz. Schuld waren falsche Versprechungen im Hinblick auf die Gastgeberstadt Lissabon und – ich.

„Toll, endlich mal eine Host-City, in der es warm ist“, haben sie gesagt. Nun ja. Zumindest in der ersten Probenwoche zeigte sich Portugal noch von seiner eher kühlen Seite. Bei meiner Ankunft etwa begrüßte Lissabon mich im strömenden Regen (in dem ich dann samt Koffer meinen Weg zum nicht ausgeschilderten Pressezentrum finden musste, aber das ist eine andere Geschichte).

ESC 2018 - Banner um die Arena herum

ESC 2018 - Weg zum Pressezentrum (2)

Gegen Ende der Woche und in der zweiten Woche wurde es dann zwar immer sonniger, gleichzeitig machte es eine kalte Meeresbrise einem aber wirklich schwer, die passende Kleiderwahl zu treffen. Schon der (für mich sehr kurze) Fußweg zur Halle war tückisch: Mit Jacke war es zu warm, ohne war es zu kalt. Schwierig, schwierig.

Der Wind hatte aber zum Beispiel auch den Nebeneffekt, dass das Fantreffen mit Michael Schulte in einem kleinen und eher stickigen Hotelzimmer stattfinden musste und nicht, wie von der deutschen Delegation ursprünglich geplant, auf die schöne Terrasse verlegt werden konnte (Ausblick s. zweites Foto unten). Was Michaels Gesundheit anging, wollte man kein Risiko eingehen – zurecht, wie sich später herausstellen sollte.

_M1I7164 2018 michael schulte fan treffen

_M1I7240 2018 michael schulte fan treffen

Nach und nach forderte die anspruchsvolle Klimasituation nämlich ihre Opfer. Klar, in der ESC-Zeit bekommt man immer wenig Schlaf und ist viel auf Achse, das wirkt sich auf die Gesundheit aus – aber meistens erst nach dem Finale, wenn der Alltag und die Post Eurovision Depression (PED) so richtig zuschlagen. Dass so viele Fans im Laufe der zwei Wochen vor Ort krank werden, habe ich bislang noch nicht erlebt. Gefühlt gab es kaum jemanden, der nicht zumindest ein kleines Halskratzen oder eine triefende Nase hatte (obwohl immerhin der Heuschnupfen weg war!).

Auch mich hat es an einem Tag so richtig erwischt, so dass ich mich zwar (voller Einsatz für die PRINZ-Blog-Leser!) bis zum Ende des Probentages gequält und sogar noch ein halbmotiviertes TGTBATU geschrieben habe, dann aber zügig nach Hause gegangen bin, alle meine Abendpläne (Hallo Tiefkühlpizza, tschüss Trumps!) über Bord geworfen und mich nur noch im Bett verkrochen habe (Barbara war leider nicht in der Nähe).

Barbara als Krankenschwester in der Premierenausgabe von BARBARA

Und was hat das alles jetzt eigentlich mit Jessica Mauboy zu tun? Nun, nachdem sich Jessicas Stimme immer weiter verschlechterte und sich herausstellte, dass die Arme leider richtig erkältet war, fingen meine Blogger-Kollegen an, mir die Schuld dafür in die Schuhe zu schieben: Ich sei schließlich zuerst krank gewesen und müsse Jessica Mauboy – möglicherweise während eines wilden Kusses – angesteckt haben. Dieses Spiel wurde dann immer weiter fortgesetzt, als „die Krankheit“ nach und nach weiter um sich griff – Ausgangspunkt war immer ich und damit auch schuld an jedem kleinsten Hüsteln im Pressezentrum und an jedem falschen Ton auf der Bühne. Schuldig im Sinne der Anklage!

Glücklicherweise sind keine bleibenden Schäden bei Stars und Fans bekannt und am Ende doch wieder alle wohlbehalten in ihren Heimatländern angekommen. Trotzdem hoffe ich, das sich Israel nächstes Jahr dann aber wirklich, wirklich von seiner klimatisch besten Seite zeigt – wann auch immer.

Bisher in der Serie „Lissabonner Leben“ erschienen:
(1) Es lebe die Fankultur (BennyBenny)
(2) Nicht dabei und doch mittendrin (Douze Points)
(3) Backstage Tour in der Altice Arena (Marc)
(4) Eurovision Zumba im Euro Fan Café (Salman)
(5) Wie man sich einen Jahrgang schönhört (Peter)