Live-Blog Albanien: Eugent Bushpepa fährt mit „Mall“ nach Lissabon

Die ESC-Saison 2018 startete traditionell mit Albanien. Am Tag vor Heiligabend fand das Finale der 56. Ausgabe des traditionsreichen Festivali i Këngës statt. Am Ende stand fest, dass Eugent Bushpepa mit seinem Song „Mall“ zum Eurovision Song Contest nach Lissabon fährt. Hier ist unser Live-Blog zum Nachlesen.

Ein Livestream wird hier zur Verfügung gestellt. Auch auf Facebook gibt es ein Live-Video.

Das Ergebnis wird zu 100% von einer Jury bestimmt, ein Televoting findet nicht statt.

Bereits gestern und vorgestern fanden die beiden Halbfinals des Festivali i Këngës statt. Unseren Ankündigungsbeitrag mit euren Kommentaren und der Diskussion über die Semis findet ihr hier.

Die 14 Acts, die sich aus diesen beiden Shows für das Finale qualifiziert haben, sind:

1. Artemisa Mithi – E dua botën (Ich liebe die Welt)
2. Bojken Lako – Sytë e shpirtit (Die Augen der Seele)
3. Denisa Gjezo – Zemër ku je (Meine Liebe, wo bist du)
4. Elton Deda – Fjalët (Die Worte)
5. Eugent Bushpepa – Mall (Sehnsucht)
6. Inis Neziri – Piedestal (Sockel)
7. Manjola Nallbani –  I njëjti qiell (Derselbe Himmel)
8. Mariza Ikonomi – Unë (Ich)
9. NA & Festina Mezini – Tjetër jetë (Ein anderes Leben)
10. Orgesa Zaimi – Ngrije zërin (Erhebe deine Stimme)
11. Redon Makashi – Ekziston (Es existiert)
12. Rezarta Smaja & Luis Ejlli – Ra një yll (Ein Stern ist gefallen)
13. Tiri Gjoci – Orë e ndalur (Gestoppte Uhr)
14. Voltan Prodani – E pamundur (Unmöglich)

Guten Abend liebe PRINZ-Blog-Leser zu dieser ersten Entscheidung der ESC-Saison 2018. Wir sitzen heute nur zu zweit vor dem Fernseher, komischerweise haben die meisten Freunde mit ESC-Bezug dankend abgewunken. Sie werden etwas verpassen.

Die Suche nach der Startzeit der Sendung glich in den vergangenen Tagen einer Mission Impossible. Schließlich hieß es 20:45 Uhr. Heute nun vermeldet die Facebook-Seite des Festivali i Këngës, dass es um 21 Uhr losgeht.

Der Livestream läuft jedenfalls schon, allerdings wird bislang nur albanische Werbung gezeigt. Gleich beginnt dann aber die Sendung live aus dem Kongresspalast und Tiriana.

Wie immer vergeben wir auch heute wieder für jeden Beitrag zwischen 10 und einem Punkt, jeder Act kann heute also höchstens 20 Punkte erhalten.

Die Eröffnung des Finals geht schon mal relativ unspektakulär und steril über die Bühne: Kurzes Intro, kurzer Applaus, kurze Begrüßung.

Was kommt nun? Sieht aus wie Werbung für den veranstaltenden Sender RTSH. Auch das Logo scheint angepriesen zu werden.

Überhaupt passiert in den ersten zehn Minuten erwartungsgemäß noch nicht so viel. Moderator Adi Kastra hat sehr viel Redeanteil und meine Albanisch-Kenntnisse machen diesen Teil nicht gerade zum spannendsten des Abends. Das Orchester wird standesgemäß begrüßt und mittlerweile auch Siegertrophäe ihren Weg auf die Bühne gefunden.

Eines muss man dem FiK aber lassen: Für Freunde der Abendkleider und Anzüge ist das hier durchaus sehenswert. Das Saalpublikum ist aber eher lahm.

Huch und jetzt schon der erste Beitrag? Aber schon wird abgebrochen („Stop“) und es geht nochmal von vorne los. Wie einst Thomas Anders…

1. Redon Makashi – Ekziston (Es existiert)

Redon singt den Song zunächst am Flügel sitzend und steht zur Mitte der zweiten Strophe auf. Er konnte sich anscheinend nicht entscheiden, ob er heute großer Showmann oder eher Rocker sein möchte, Outfit und Haare bewegen sich irgendwo dazwischen. Ich muss sagen, für Albanien war dieser Song erstaunlich melodisch und gut zu ertragen.

Wertung: 10/20 Punkten.

 

Anscheinend werden heute vor jedem Beitrag Kleider eines Designers vorgeführt und die jeweiligen Models dürfen dann den folgenden Beitrag ansagen.

Nun werden noch Witze über Harvey Weinstein gemacht, ob das so eine gute Idee ist?

2. NA & Festina Mezini – Tjetër jetë (Ein anderes Leben)

Auch Festina und der Frontmann von NA treten beide ganz in schwarz auf und singen ihre Hymne über „Das andere Leben“. Seltsam ist nur, dass er seinen Bass die ganze Zeit in der Hand hält, aber ihn gar nicht spielt. Ansonsten aber ein ganz nettes Duett, das auch wieder weit über dem Niveau liegt, das ich von dem heutigen Abend erwartet habe.

Wertung: 12,5/20 Punkten.

 

Auch jetzt gibt es wieder technische Probleme, so dass der nächste Beitrag nach wenigen Sekunden abgebrochen werden muss. Aber auf ein neues:

3. Voltan Prodani – E pamundur (Unmöglich)

Diesen Song fand ich ja auch im ersten Semi schon ganz okay, auch wenn mir die Strophen weitaus besser gefallen als der Refrain. Voltan sitzt mit abgewätzter Baseball-Kappe am Klavier, obwohl man sich das halbe Lied über fragt, warum, da überhaupt kein Klavier zu hören ist.

Wertung: 8/20 Punkten.

 

Die Technik beim FiK ist wirklich…ähm…gewöhnungsbedürftig. Der Backdrop ist absolut willkürlich bei jedem Lied und zwei von drei Beiträgen mussten wegen technischer Probleme abgebrochen werden. Und das Publikum ist wirklich sehr zurückhaltend und träge. Aber immerhin scheinen die Albaner die Sache heute zügig durchziehen zu wollen, nun kommt schon der vierte Beitrag.

4. Denisa Gjezo – Zemër ku je (Meine Liebe, wo bist du)

Denisa trägt ein üppiges Kleid mit Glitzerapplikationen und eine 80er-Jahre-Dauerwellen-Frisur. Der Song ist relativ leidende, relativ harmlos und leider nicht 100% auf den Punkt gesungen. Bislang die schwächste Performance.

Wertung: 6/20 Punkten.

 

Jetzt ist eine Pause und es passiert genau nichts. Es wird einfach nur die leere Bühne in der Totalen gezeigt. Bestimmt eine halbe Minute…

Nun spielt das Orchester ein Instrumentalstück, während im Hintergrund ein älterer Herr auf der Leinwand zu sehen ist. Vermutlich ist er in diesem Jahr gestorben und das ist eine Hommage an ihn? Etwas verstörend ist aber die junge Frau ganz in Weiss, die nun mit ihrem Fahrrad dazu über die Bühne fährt. Aber dem Publikum scheint es gefallen zu haben, zum ersten Mal (!) an diesem Abend ausufernder Applaus und Standing Ovations.

Und jetzt: Werbung.

Die ersten vier Lieder gingen ja doch relativ flott über die Bühne. Aber jetzt hängen wir langsam doch schon etwas hinterher. Zur Erinnerung: 10 Songs kommen noch…

Trotzdem: Nach der Werbung jetzt erstmal ein weiterer Intervall-Act. Eine Tanzperformance zu schwer erträglicher Musik vom Typ Fliegeralarm. Ob das am Ende ein musikalisches Statement für die „Ehe für alle“ ist? Jedenfalls dürfen hier auch zwei Männer ein Tanzpaar bilden.

5. Tiri Gjoci – Orë e ndalur (Gestoppte Uhr)

Im Gegensatz zu all den alten Männern hat Tiri tatsächlich so etwas wie Ausstrahlung und Bühnenpräsenz (mehr oder weniger). Trotz des gar nicht mal so langweiligen Beats klingt der Song aber leider etwas abgehangen und es müsste einfach noch mehr auf der Bühne passieren.

Wertung: 5/20 Punkten.

 

6. Orgesa Zaimi – Ngrije zërin (Erhebe deine Stimme)

Orgesa kommt mit Sonnenbrille und schwarzer Bopp-Perücke auf die Bühne (wie Little Imp in den Kommentaren schreibt: Sie erinnert an Nadine Beiler). Sie performt tatsächlich und auch der Backdrop scheint auf den Song abgestimmt zu sein. Es geschehen noch Zeichen und Wunder! Das ist bis jetzt der modernste Song und sicherlich auch der mit den größten Chancen beim ESC. Gefällt mir gut! Allerdings erinnert der Song stellenweise doch auch ziemlich an „Hold On“ von Nano.

Wertung: 14/20 Punkten.

 

Jetzt wird die albanische Seniorengruppe in der ersten Reihe interviewt. Ach nee, das scheint die Jury zu sein.

7. Rezarta Smaja & Luis Ejlli – Ra një yll (Ein Stern ist gefallen)

Bei diesem Song hängt nun der Stream, so dass wir ihn nicht komplett beurteilen können. Aber das meiste haben wir doch mitbekommen. Rezarta und Luis zeigen große Gefühle und schmachten sich an. Ganz okaye Drama-Ballade, aber nichts besonderes.

Leider keine Wertung wegen Stream-Problemen.

 

8. Artemisa Mithi – E dua botën (Ich liebe die Welt)

Konnten wir leider wegen Problemen mit dem Livestream ebenfalls nicht sehen und nicht bewerten.

 

So, jetzt läuft aber alles wieder. Dafür hat sich das albanische Fernsehen nun entschieden, die Liedtitel nicht mehr einzublenden, so dass ich keine Ahnung habe, wer hier jetzt singt.

Ah, anscheinend dann also doch nur ein Interval-Act. Und weil’s so schön war, darf der Herr jetzt gleich nochmal mit einer Zugabe ran. Kein Problem, wir haben ja nur noch sechs Songs vor uns und noch so viele Stunden Zeit…

Vielen Dank an Leserin Nicole, die in den Kommentaren aufgeklärt hat: „Der Mann gerade ist Alban Skenderaj, einer der bekanntesten albanischen Sänger, singt außer Konkurrenz. Er lebt in München.“

Na wenn es in diesem Tempo weitergeht, könnten wir bis halb 1 ja tatsächlich mit allen Beiträgen durch sein. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber jetzt erstmal: Werbung.

9. Manjola Nallbani –  I njëjti qiell (Derselbe Himmel)

Das ist die albanische Loreen – nur mit weniger Stimmt und weniger Ausstrahlung. Aber ansonsten doch ganz klar angelehnt, zumindest in den Strophen. Im Refrain macht sie dann eher auf Malena Ernmann. Das ist leider viel zu viel von allem und wirkt deshalb kein bisschen sympathisch.

Wertung: 6/20 Punkten.

 

10. Inis Neziri – Piedestal (Sockel)

Eine klassische Ballade mit einer ordentlichen Brise albanischem Drama. Ines‘ Kleid sieht toll aus und auch der Backdrop und die Effekte passen diesmal. Das sollte zu den heutigen Favoriten zählen.

Wertung: 14/20 Punkten.

 

11. Bojken Lako – Sytë e shpirtit (Die Augen der Seele)

Also die Frisur ist schlimm, aber es sei ihm verziehen, so sah ich schließlich in den 90ern auch mal aus. Der Song ist eine Rockballade, wobei Bojken immer abwechselt zwischen harten, lauten und zarten, fast gehauchten Passagen. Aber insgesamt plätschert das Lied ganz schön vor sich hin und ich kann nicht immer sagen, ob wir gerade im Refrain oder in der Strophe sind.

Wertung: 9/20 Punkten.

 

Nun also der nächste Interval-Act (wer kommt eigentlich auf die Idee, in einer Musik-Show Pausen mit noch mehr Musik zu füllen???). Das ist eine Mischung aus Chicago und Moulin Rouge, vorgetragen in schlechtem Englisch und ich verstehe immer „Be Italian“. Ist das der Werbeblock zur massenhaften Ausbürgerung?

Ha, der Song heißt wohl tatsächlich „Be Italian“ und stammt aus dem Musical „Nine“, 2009 unter anderem mit Daniel Day-Lewis verfilmt und produziert von Harvey Weinstein, was die ständige Erwähnung dieser beiden Namen während der Show erklärt. Danke an Little Imp für den Hinweis.

Und weil’s so schön war, jetzt wieder Werbung…

12. Mariza Ikonomi – Unë (Ich)

Mariza schafft es in ihrem Kleid kaum allein die Showtreppe runter, so dass der Moderator zu Hilfe eilen muss. Das Kleid ist sehr gewagt und hat buchstäblich einen Ausschnitt bis zum Bauchnabel. Ein paar stimmliche Wackler gab es aber. Der Rest war eine ziemlich landestypische Drama-Ballade. Nicht schlecht, aber auch nicht herausstechend.

Wertung: 8/20 Punkten.

 

13. Eugent Bushpepa – Mall (Sehnsucht)

Nun also der Song, der hier schon von einigen Lesern als Favorit genannt wurde, und auch im Saal gibt es bereits vorab großen Applaus. Ein paar Flöten, ein bisschen Olsen Brothers-Stimmung, ein bisschen Rochstar-Attitüde und schon ist der FiK-Hit fertig. „Mall“ ist eine Hymne und geht in’s Ohr. Auch mein Favorit heute Abend. Ohohohohohohohoh!

Wertung: 15/20 Punkten.

…und das albanische Saalpublikum rastet aus!

 

14. Elton Deda – Fjalët (Die Worte)

Ein knackiger Rock-Song, gar nicht schlecht. Bevor Elton seine Performance beginnt, dankt er erstmal Band und Orchester und hält eine längere Ansprache. Ist das nun nett oder macht man so etwas, wenn man weiß, dass das Lied noch einen kleinen Push braucht? Auch hier gibt es wieder hymnenartige ohohoh-Chöre.

Wertung: 10/20 Punkten.

 

Damit sind wir für’s erste durch. Die Jury schreitet nun zur Tat. Wie oben schon erwähnt, gibt es in Albanien KEIN Televoting, ganz allein die Jury entscheidet.

Und das hier wäre die Top3, wenn es nach uns gehen würde:

1. Eugent Bushpepa – Mall
2. Orgesa Zaimi – Ngrije zërin
3. Inis Neziri – Piedestal

Es folgt ein äußerst dramatischer (wie sollte es anders sein, it’s Albanien, baby) Interval-Act, der kein Ende nimmt.

Wir nähern uns mit großen Schritten der magischen 3 Stunden-Marke. Ob wir vorher ein Ergebnis haben werden? Ich wage es zu bezweifeln…

Und ich befürchte, dass die nette Dame gleich noch eine Zugabe spielt. Bitte nicht, bitte nicht…

Braucht die Jury jetzt wirklich so viel Zeit zur Entscheidungsfindung?

Irgendwie geht es um Mozart und Vivaldi, aber worum genau? Das verliert sich in den Nebeln von Norwegen…

Du weißt, dass die Vorentscheidung zu lange dauert, wenn sich dein Fernseher automatisch abschalten will, weil du zu lange keine Taste mehr gedrückt hast.

So ihr Lieben, jetzt ist es soweit: Wir haben drei Stunden geschafft und ich kann euch allen FROHE WEIHNACHTEN wünschen!

Macht es euch eigentlich etwas aus, wenn ich jetzt ins Bett gehe und wir den Sieger morgen heute früh dann an dieser Stelle nachreichen?

NEIN! Sie setzt sich nochmal… Bitte, bitte geh doch von der Bühne! Wer ist sie? Und warum?

Jetzt weiß ich auch, warum alle Blogger-Kollegen heute wichtige anderweitige Verpflichtungen hatten.

Aber jetzt: Bewegen wir uns tatsächlich auf die Ergebnisverkündung zu? Is it true? Jedenfalls wird schon ein Umschlag auf die Bühne gebracht.

Nicht zu glaube, da nimmt der Abend doch noch ein glückliches Ende: Eugent Bushpepa gewinnt mit „Mall“ das 56. Festivali i Këngës und fährt damit zum Eurovision Song Contest 2018 nach Lissabon.

 Eugent Bushpepa – Mall

So, das war’s für heute! Während Eugent nochmal performt, fange ich an, den Live-Blog aufzuräumen und wünsche euch allen eine gute Nacht. Schön, dass ihr mit durchgehalten habt. Bis zum nächsten Mal!

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