Belgiens Iris fragt in Baku: „Would You?“

Als eines der letzten Länder hat nun auch Belgien sein Lied für Baku. Die Zuschauer durften aus zwei Balladen auswählen, die Iris, vom flämischen Sender VRT als belgische Repräsentatin für den ESC 2012 bestimmt, am Samstagabend vorstellte. Damit war die letzte Vorentscheidung dieser ESC-Saison gleichzeitig die kürzeste (die Sendung dauerte nur eine Viertelstunde). Hier unsere Live-Eindrücke der 15-Minuten-Show, mit den Videos der beiden Songs, sowie die Verkündung des Ergebnisses 2 1/2 Stunden später.

Die Belgier bieten uns in diesem Jahr wieder nur eine kleine Vorentscheidung. Die Flamen, die sich jährlich mit den Wallonen beim Stellen des Grand-Prix-Kandidaten abwechseln, halten nur eine kurze Show ab, in der die vorab vom Sender VRT ausgewählte Sängerin Iris (eigentlich Laura van den Bruel) zwei Lieder zur Auswahl stellt.

Das ist immerhin schon mehr als vor zwei Jahren, als die Flamen zuletzt an der Reihe waren: Da präsentierte der zuständige TV-Sender einfach nur Interpret und Lied. Das war immerhin von Erfolg gekrönt: Tom Dice belegte mit „Me and My Guitar“ beim Eurovision Song Contest in Oslo den 6. Platz und besserte so die schlechtere Bilanz der Flamen (gegenüber den Wallonen) etwas auf.

Ansonsten sind unsere belgischen Nachbarn seit Einführung von Halbfinals beim Contest wenig erfolgsverwöhnt: Tom Dice ist der einzige, dem seit 2005 überhaupt der Finaleinzug gelang. Auch die großen Vorentscheidungsprozeduren 2006 und 2008, als die Flamen mit Vorrunden und Finals ein Lied für den ESC suchten, brachten keinen Erfolg – 2008 auch deshalb, weil trotz guten Angebots am Ende ein dümmliches Lied gewann. Voriges Jahr versuchten sich die Wallonen an einer großen Liedsuche inklusive Casting im Internet – gereicht hat es in Düsseldorf dann doch nur für Platz 11 im Semifinale.

Jetzt also eine Show mit zwei Songs. Iris, eine junge Sängerin, die in diesem Jahr erst 17 Jahre alt wird, wird zwei Balladen zu Gehör bringen. Immerhin hat sie das Glück, in Baku im ersten Semifinale zu starten, das noch eher balladen-arm ist (außer „Suus“ aus Albanien sowie den beiden eher ruhigen Stücken „När jag blundar“ aus Finnland und „Mundu eftir mér“ aus Island).

Nach kurzzeitigen technischen Problemen (irgendwie legt diese Octoshape-Technik von eurovision.tv gern meinen Rechner lahm) sind wir nun dabei, als Iris (in der Sendung stets als „Airis“ ausgesprochen) auf einer ziemlich schlicht gehaltenen Bühne in einem Fernsehstudio zwei Lieder singt, zunächst „Safety Net“ und danach „Would You?“.

Iris hat süße Shirley-Temple-Löckchen und trägt ein einfaches weißes Kleidchen, mit kleegrünem Kragen und orangefarbenem Bändchen als Gürtel. Sie wirkt natürlich, kommt sympathisch rüber. Das Mädel singt beide Stücke sicher, es klingt alles sehr gut. Die zweite Nummer hat aber eher instant appeal, „Would You?“ wirkt eingängiger.

Zwar klingt auch „Safety Net“ ganz schön, es ist wunderbar schlicht instrumentiert, das Klavierspiel dominiert. Iris wird auf der ganz dunkel gehaltenen Bühne unterstützt vom Pianospieler und mehreren Streichern.

Auch diese Ballade könnte sich in Baku durchaus sehen lassen.

Aber irgendwie ist „Would You?“ die stärkere Nummer, auch weil sie sich – anders als „Safety Net“ – eher zu einem starken Ende hin steigert, wo das Lied auch ein bisschen an Dynamik gewinnt.

Iris hier also nun allein auf der Bühne – auch sehr gut umgesetzt. Sie sieht einfach süß aus, und singen kann sie auch noch prima. Bis zu den letzten hohen Tönen. Wirklich eine gute Wahl, egal welcher der beiden Songs am Ende das Ticket für Baku bekommt.

Der TV-Sender Één zieht das ganze, „EuroSong 2012“ genannt, ziemlich zügig durch. Iris singt die beiden Songs, dann nimmt sie kurz Platz, ein paar Sätze Wortwechsel mit dem Moderator (auf seine Frage hin will sie aber nicht sagen, welches Lied sie präferiert) – danach gibt’s einen Schnelldurchlauf, der Moderator Peter van de Veire nennt die Telefonnummern… und dann war’s das auch schon. 20:19 Uhr, die Präsentation der beiden Songs ist nach etwas über einer Viertelstunde rum.  Nun zeigt das flämische Fernsehen eine Talkshow.

———————————————

22:45 Uhr. Es geht weiter mit dem Livestream. In wenigen Minuten soll das Ergebnis verkünden werden, im Rahmen von Peter van de Veires Talkshow – und dann wird Iris den Siegertitel nochmal singen. Wir sind schon gespannt. Aus Belgien hören wir, dass die Resonanz auf die Lieder ganz positiv ist.

Wir kommen rechtzeitig zur Talkshow zurück. Van de Veire beendet gerade sein Gespräch mit Kris Wouters, einem der beiden Mitglieder von Clouseau (die waren auch mal für Belgien beim Song Contest), und begrüßt zu den Klängen von „Euro-Vision“ (Belgiens Beitrag 1980) Iris zurück im Studio.

Das Televoting ist beendet. Das Ergebnis kommt in Kürze. Doch erst wird noch ein bisschen über die beiden Songs geredet – Kris Wouters spricht sich für „Would You?“ aus, das er passender für Iris findet. Und dann kommt ein kurzer Einspielfilm über die vergangenen Monate im Leben der jungen Sängerin, seit sie im Spätherbst 2011 für Baku ausgewählt wurde.

Kris Wouters erzählt, wie das 1991 war, als Clouseau kaum Punkte beim ESC in Rom bekamen: „Wir warteten und warteten bei der Verkündung der Ergebnisse – 1 Punkt nicht für uns, 2 Punkte nicht für uns, 3 Punkte nicht für uns… und so weiter. 8 Punkte auch nicht für uns. Dann kamen die 10 und die 12…. und somit keine Punkte für uns aus diesem Land.  Da sagten wir zu uns: okay, da fahren wir nicht mehr in den Urlaub hin (lacht). Aber dann kam das nächste Land, und da war es auch nicht anders. Und so ging das weiter beim nächsten Land, und beim nächsten Land.“

Noch schnell ein kurzer Einspielfilm, in dem der Moderator die Konkurrenz der nördlichen Nachbarn zeigt: Die Niederlande treten mit dem Apanatschi-Double Joan an. Außerdem wird ein kleiner Ausschnitt der russischen Babushki gezeigt, was für ein paar Lacher sorgt. Mehr nicht. Das hätte etwas liebevoller sein dürfen…

Aber jetzt bekommt Moderator Peter den goldenen Umschlag mit dem Siegertitel. Er öffnet den Umschlag. Es sei total spannend gewesen, sagt er. 47 Prozent für das eine Lied, und 53 Prozent für das andere. Und das Lied mit den 53 Prozent ist…. „WOULD YOU?„!

Eine gute Entscheidung – ich hatte ja oben schon angemerkt, dass ich das schon bei der Präsentation für das etwas bessere der beiden Lieder gehalten hatte. Iris singt ihren Song für Baku noch einmal, und dann endet die Sendung auch schon, ziemlich abrupt.