Live-Blog: Wenn zwei sich streiten, freut sich die Dritte – Dänemark schickt Soluna Samay nach Aserbaidschan

Der Prinz-Blog war live dabei, als am Samstag Abend ab 20 Uhr unsere nördlichen Nachbarn im Gigantium von Aalborg ihren Beitrag für Baku kürten. Nach der Schweiz und Albanien haben wir mit „Should´ve known better“ von Soluna Samay (22), der in Guatemala geborenen Tochter eines Straßenmusikers aus Stuttgart und einer Schweizerin, unseren dritten Song für den Eurovision Song Contest in Aserbaidschan. Lest hier noch einmal den Live-Blog in voller Länge.

 

Hallo und Guten Abend aus Hamburg – wir sind heute abend zu Viert und lassen uns jetzt zur Einstimmung erst einmal einen leckeren dänischen Krustenbraten mit Knödeln smekken…..Wir melden uns wieder um 20 Uhr! Dann berichten wir über die dänische Vorentscheidung in diesem Jahr. Einer von uns kennt schon alle Lieder, die anderen sind noch völlig unbeleckt.

Die Dänen haben sich in diesem Jahr entschieden, neben nationalen auch internationale Juries zu Wort kommen zu lassen, und zwar aus den vier letzten Siegerländern. So sind z.B. Ell & Niggi, Roger Cicero oder auch Alexander Rybak und Alex Sparrow mit von der Partie. Aber natürlich haben die dänischen Zuschauer am meisten zu sagen.

Es geht los!! Wir sehen zunächst einen Rückblick auf die letzten dänischen Vertreter. Daniel freut sich wie ein Kind, dass er es endlich geschafft hat, seinen Laptop mit dem TV zu verbinden.

Jetzt wird erst einmal gescratcht. Die Bühne ist ein bisschen bei Düsseldorf abgeschaut. Die Moderatoren begrüßen die Zuschauer. Sind die direkt aus einem Comic entsprungen??? Beim Einzug der Gladiatoren lässt sich noch nicht ausmachen, wer Favorit ist.

Also, wir lernen, dass die dänische Jury die drei Finalisten heute abend festlegt, und die internationale Jury erst im Superfinale tätig wird. Die einheimischen Fachleute scheinen schon ganz schön rumgekommen zu sein, ihre Musik scheint eher nicht dem typischen ESC-Geschmack zu entsprechen. Es folgen Interviews, Interviews, Interviews…..und alle haben heiße Kartoffeln im Mund!

Jetzt aber!

1 – Jesper Nohrstedt – Take our hearts

Zu Anfang gleich ein Favorit auf den Sieg, wenn man den dänischen Zeitungen glauben darf. Total bescheuert, den Song schon im Vorfilm fast komplett abzuspielen – wo bleibt da die Spannung für den Zuschauer?

Daniel steht auf den Komponisten, keiner steht auf Jesper, das Babyface….Das erste „der gewinnt“ wird in den Raum gerufen , im Gigantium werden Herzen geschwenkt, der Background ist etwas out of tune. Aber alle finden, dass dieser Song ein guter Einstand ist, auch wenn die Stimme etwas dünn ist.

Unsere Wertung: 31 von 40 möglichen Punkten!!!

(Offizielles Video – kein Liveauftritt)

2 Aya – The best thing that I´ve got

Unsere Satellite-Helden treten wieder als Autorenteam an. Julie Frost ist gar nicht in Aalborg, wahrscheinlich liegt sie noch betrunken mit Madonna unterm Tisch! Auf der Bühne eine dänische Katie Perry  mit einem guten Refrain im Motown-Stil. Ach Gott, sie singt wie ein Kleinkind, dünn ist die Stimme eigentlich auch – zu ihrem alten Gesicht passt das gar nicht….

Nee, Julie und John – no chance! Und Aya war auch keine Lena! 18/40 Punkten

Den männlichen Moderator ordnen wir comicmäßig Tim und Struppi zu, währen ein dänischer Reporter von einer deutschen Autobahnraststätte über deutsche Beiträge der Vergangenheit spricht. Offenbar werden die deutschen Tankstellen und die deutsche Musikszene auf die Geeignetheit geprüft, den dänischen Beitrag mitzubestimmen. Jetzt auch noch Hansi Hinterseer – es reicht, Kopenhagen! Wir verabschieden uns mit einer deutschen Bratwurst….

Weiter geht´s.

3 Kenneth Potempa – Reach for the sky

Sweeeeeeeeeet!!!! Guter Sänger, gutes Gitarrenintro. Zeig uns noch mehr Bauch, Baby! Die Strophen sind stärker als der Refrain, aber wen interessiert denn hier die Musik?? Na ja, stimmt, ein Ohrwurm ist es nicht, mehr ein Coldplay-Schlager. Jetzt verlässt er die Düsseldorfer Bühne, was Dänen ja ganz gerne mal tun und klatscht das Publikum ab.

Am Ende fehlt uns doch irgendwas – wir geben 25/40 Punkten.

4 Ditte Marie – Overflow

Ditte hat im vergangenen Jahr schon den Smash-Hite „25 hours a day“ abgeliefert. Das Outfit finden wir billig, um nicht zu sagen: dittig! Sie sieht aus wie eingenäht in ihr Kostüm. Der Song passt auf irgendein Kylie-Album. Dann aber nur als „hidden track“, ruft hier jemand. Wolfgang fühlt sich nicht erreicht und meint ein konspiratives Spiel der Produzenten mit homosexuellen Antennen zu erleben. Im Grunde sind wir ganz zufrieden – 26/40 Punkte!

Jetzt erfahren wir erst einmal was über die russische Musikszene – Igitt – Dima Bilan!!!! Nachdem wir auch den Moskauer Balalaika-Verein überlebt haben, geht es weiter:

5 Philip Halloun & Emilia – Baby love me

Na, endlich mal ne schöne Ballade! Zumindest ich finde das – alle anderen schauen etwas angewidert in der Gegend rum…..Daniel ist vom Takt genervt, sowas hab ich ja auch noch nie gehört! Wolfgang findet, das Lied gehört nach Litauen, und huch – die beiden wurden am Klavier geklont und jetzt wird auch noch geküsst – 17/40 Punkte!

6 Suriya – Forever I B young

Gab es eigentlich schon mal einen ESC-Teilnehmer mit kackbrauner Tätowierung? Suriya wäre eine, aber sie fährt gaaaaaanz sicher nicht nach Baku. Anbiederndes Outfit, R&B gemischt mit Rap und Dub-Step – das kann man uns nun wirklich nicht anbieten! Wer hat das denn ausgesucht? Wir wollen auf der Stelle alle vorherigen Songs höher bewerten….. na gut, wir geben 5/40 Punkte.

7 Karen Viuff – Universe

Karen singt einen Song aus der Feder von Lise Cabble („Fra Mols til Skagen“, „New tomorrow“). Wir finden, dass Nasenringe eigentlich inzwischen out sind, ihr Michelinmännchen-Outfit kommt bei uns auch nicht besonders an. Ausstrahlung ist hier auch Mangelware, aber der Song kommt eigentlich nicht so schlecht an, kommt an den Vorjahressieger aber nicht ran. Lise Cabble wird ja gerne mal Fünfte, das könnte auch heute Abend funktionieren, wenn auch nur national….Mensch, Karen, lächle doch mal – wir geben 27/40 Punkte!

Können die beiden Moderatoren eigentlich wie Playmobil-Männchen die Frisuren tauschen? Das hat so etwas helmmäßiges!

Jetzt die norwegische Musik- bzw. ESC-Szene, da waren wirklich sehr merkwürdige Sachen dabei….

8  Soluna Samay – Should´ve known better

Ein Song von Remee, der uns Deutschen schon das Debakel von Belgrad beschert hat. Ach Gott, schon wieder ein Nasenstecker…..Fergie im Background. Wolfgang ist hin und weg – wir wundern uns zwar sehr über die Klamotten (Kapitänsmützen, Schulterklappen mit Bommeln), aber der Song hat wirklich Instant Appeal. Oh wie süß – ein Glockenspiel……

30 von 40 Punkten, fast wäre sie unsere Favoritin geworden.

9 Christian Brons & Patrik Isaksson – Venter

Das ist neben Startnummer 1 der andere Favorit der dänischen Zeitungen. Patrik hat es schon zweimal vergeblich in Schweden versucht, vielleicht klappt es ja beim Nachbarn. Wir befinden uns auf einer Altherrenparty mit einem zusammengeklauten U2-Schlager, der uns trotz aller Ähnlichkeiten mit diversen anderen Songs erreicht. Das schwedisch-dänische Sprachgemisch gefällt uns, auch wenn Patrik zu klein für seinen Gesangspartner ist.

Mein Favorit sind die beiden nicht, aber ganz offensichtlich der der anderen Drei, die hier mit mir schauen. Macht zusammen 34/40 Punkte

(nur Live-Audio)

Unsere drei Empfehlungen für das Superfinale lauten also:

Christian Brons & Patrik Isaksson – Venter 34/40 Punkte

Jesper Nohrstedt – Take our hearts 31/40 Punkte

Soluna Samay – Should´ve known better 30/40 Punkte

Das dänische TV zeigt uns jetzt 0-Punkte-Songs vom ESC – große Erheiterung Im Wohnzimmer! Jetzt singen ein Haufen Kinder (MGP-Allstars?), was das soll, verstehen wir leider nicht……

So der erste Finalist ist…….Jesper Nohrstedt!!! Wir freuen uns!

Die nächsten………Christian Brons & Patrik Isaksson!!! Wir freuen uns schon wieder!!!!!!

Und jetzt – die Nr. 3 im Finale ist………Soluna Samay!!!!!!!!Wir rasten aus!!!!!!100% Trefferquote! Mal sehen, ob wir jetzt auch den Sieger voraussagen können.

Nachdem wir die internationale Jury kennengelernt haben, geht es jetzt weiter – alle drei Finalisten singen ihren Song noch einmal. Vorher aber sehen wir die Dänen noch einmal bei einer ihrer Lieblingsbeschäftigungen: Nackt saufen mit allen Konsequenzen!

Wir haben beschlossen, jetzt wie beim Eiskunstlauf Platzziffern zu vergeben, um unseren Sieger zu bestimmen. Unsere Wertung steht also erst nach dem dritten Vortrag.

Was macht Moderator Tim denn jetzt? Xylophon? Ding – a dong? Quizfrage: Aus welchem Lied stammt die Zeile „Seit Wochen spielt ein Türke schon auf dem Balkon Marimbaphon“ – Answers on a postcard….

Bushido am Cello war uns beim ersten Auftritt von Soluna gar nicht aufgefallen…….die Bühne ist wirklich sowas von abgekupfert …bei diesem Song sieht man es besonders gut!

Grrrrrrooooooosssssssartig!!!!!! Die Moderatoren geben uns „Diggi-Loo Diggi Ley“, den ESC-Siegertitel von 1984. Was technisch heutzutage alles so geht…..die spontane Dreiteilung auf der Bühne zum Beispiel!

Die hohen Töne machen Patrik und Christian beim zweiten Mal doch ziemliche Probleme.

Jetzt unsere Wertung:

Unser Platz 3: „Should´ve known better“ von Soluna Samay – Platzziffer 10

Unser Platz 2: „Venter“ von Patrik Isaksson und Christian Brons – Platzziffer 8

Unser Sieger: „Take our hearts“ von Jesper Nohrstedt – Platzziffer 6

Jetzt ein Showteil mit Mr. Geige Alexander Rybak, der drei Jahre nach seinem Sieg von Moskau schon Grand-Prix-Medleys singen muss……..das bringt unserem Stream jetzt leider zum Erliegen, was einzelne Verzweiflungsbekundungen auslöst!

Jetzt geht´s wieder – Gott sei Dank! Tusen Tack til Älexänder von den Moderatoren. Und der muss jetzt norwegische Punkte geben. 8 für die alten Herren,  10 für Soluna und 12 für Jesper!!! WHOOOOOHOOOOOHOOOOOO!!!!!!!

Alex skypt aus Moskau und gibt 8 für das Duo, 10 für Soluna und auch hier 12 für Jesper!

Oceana aus Berlin gibt auch 8 an die Herren, 10 an Soluna und auch hier 12 an Jesper!

„Niggi“ aus Baku gibt 8 an die Herren, 10 an Jesper und 12 an Soluna!

Die dänische Fachjury vergibt 8 an die alten Männer, 10 an Jesper und 12 an Soluna!

Der Stand vor dem Televotingergebnis ist also:

1. Jesper Nohrstedt – 56

2. Soluna Samay – 54

3. Christian Brons & Patrik Isaksson – 40

So – auch Tim Schou von A Friend in London beweist, dass in Dänemark in diesem Frühjahr Betonfrisuren ausgesprochen angesagt sind. „New Tomorrow“ wird hier gefeatured von Howie D. von den Backstreet Boys – leider sind die Mikros komplett falsch geschaltet…..schade, hätte er in den USA bleiben können…..

Und jetzt die Entscheidung! Wer gewinnt das Televoting? Wer fährt nach Baku?

3. werden Christian und Patrik mit insgesamt 88 Punkten.

Wer gewinnt, wer gewinnt? Kreisch!!!!!!! Unser Stream ist weg!!!!!!!! Hilfeeeeeeeeee!!!!!!

Oh!!!! Soluna Samay fährt nach Baku!!!!! Remee kann die Scharte von Belgrad wieder auswetzen. Wir sind zwar ein wenig enttäuscht, glauben aber überwiegend an eine gute Platzierung Dänemarks in Baku.  Über Soluna müssen wir jetzt erst einmal ein bisschen recherchieren. Sie hat wohl gewonnen, weil sich die Männer mit ihren hymnischen Songs die Stimmen am Ende gegenseitig streitig gemacht haben.

Darauf trinken wir jetzt erst einmal einen Kaffee und verabschieden uns für´s Erste mit der Siegerin: