Live-Blog: Die Pressekonferenz der ESC Siegerin Loreen

Schweden hat den Eurovision Song Contest 2012 in Baku vor Russland und Serbien gewonnen, mit einem Rekord von 372 Punkten. Hier der Live-Blog der Pressekonferenz der ESC-Siegerin LOREEN, die kurz nach Übergabe des Siegerpokals stattfand, zum Nachlesen.

3 Uhr 28 in Baku. Der Raum für die Pressekonferenz füllt sich langsam, viele Journalisten und Fans sind noch nicht aus der Halle zurück. Wir erwarten Loreen, Christer Björkman und die siegreiche schwedische Delegation in Kürze. Die Stimmung ist prima, es war kein sehr spannender, aber dennoch ein aufregender Abend. Carola bloggt auf Facebook „Yeah, Sweden Number 1“. Sie weiss, wovon sie spricht.

Vor dem Podium der Conference Hall drängeln die Fotografen schon in vier Reihen (auch wir sind dabei), mehrere Dutzend Kamerateams sind vor Ort, aber noch tut sich wenig.

Es wird spannend. Wird „Sing for Democracy“ ein Thema werden? Ihr erinnert Euch an unsere Berichterstattung von der Sieger PK nach dem Semi 2?! Loreen hat sich hier in Baku auch mit Oppositionellen getroffen und wurde von einer Journalistin aus Georgien auf der PK gefragt, welche Eindrücke sie aus diesen Gesprächen mitgenommen habe. Daraufhin ist der PK-Moderator eingeschritten und hat energisch darauf hingewiesen, dass politische Fragen kein Forum haben auf einer ESC-PK, woraufhin Loreen wiederum sagte, dass sie sich zunächst auf den Song Contest konzentrieren will. Die Sache hatte ein weiteres Nachspiel: Die aserbaidschanische Regierung hat eine offizielle Protestnote bei der EBU abgegeben, dass die EBU solche unpassenden Fragen von Journalisten zu unterbinden habe. Ernsthaft! Ausgang offen.

Wir warten weiter auf Loreen. Janni zeigt mir derweil auf seinem neuen htc one s die Wetterverhältnisse in Stockholm im Monat Mai.

Applaus in der Halle. Die Vizesiegerinnen, die russischen Omas, treffen ein und durchqueren das Pressecenter. Diverse russische Medien begleiten sie, aber die internationale Presse hat sich logischerweise jetzt im PK-Saal versammelt.

In der Halle werden während der Wartezeit die Ergebnisse diskutiert. Schweden hat triumphiert, aber ansonsten war dieser ESC für Skandinavien ein Desaster. Dänemark, Norwegen und Island landen am Ende der Punktetabelle, wenn auch in guter Gesellschaft (Engelbert). Und Finnland hat es leider, leider, leider nicht einmal ins Finale geschafft. Ein wunderbarer sechster Platz für Otti versöhnt uns etwas.

Es dauert und dauert. Reden wir in der Wartezeit ein wenig über die deutschen Punkte. Schweden hat die 12, gefolgt von Serbien und der Türkei, danach Russland, Albanien, Dänemark, Estland, Island, Italien und Griechenland. Keine Punkte für unseren anderen Favoriten Spanien, erstaunlich wenig für Italien. Signifikante Aufschlüsse, wie die deutsche Jury abgestimmt haben koennte, lässt das Ergebnis noch nicht zu.

18x hat Loreen die Zwölf bekommen. Wir stellen fest, wir brauchen Tjabe hier in Baku. Ist das ein neuer Rekord? Alex Rybak hatte 16x die Zwölf erhalten. Albanien und Mazedonien haben die besten Ergebnisse ihrer ESC Geschichte erzielt. Das ist toll, sowohl Rona als auch Kaliopi haben sich hier mit viel Empathie und Sympathie vorgestellt. Der fünfte Platz für Albanien ist eindrucksvoll, erst recht, wenn man das Fashion-Desaster, mit dem Rona auf die Bühne trat, bedenkt.

Und hier noch einmal die Länder, die Schweden die maximale Punktzahl gegeben haben: Belgien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Grossbritanien, Irland, Island, Israel, Lettland, Niederlande, Norwegen, Österreich, Ungarn, Russland, Slowakei, Spanien. Well done.

Die Semiergebnisse liegen vor und offenbaren einige Überraschungen. Österreich belegt den letzten Platz im ersten Semi, das ist nicht zu fassen. Gewonnen hat das erste Semi Russland vor Albanien und Rumänien. Im zweiten Semi ist die Slowakei das Schlusslicht, gewonnen hat selbstverständlich Loreen vor Serbien und – Achtung – Litauen. Der letzte Startplatz hat Donny sicher dabei geholfen, aber toll ist es dennoch. Schade, dass er diesen Drive nicht ins Finale retten konnte.

Fast eine Stunde ist vergangen und wir warten immer noch auf die schwedische Delegation. Aber es tut sich was, der Moderator kündigt Loreen an „in a few seconds“. Musik (EUPHORIA, you know) setzt ein, sie betritt den Raum. Mit ihr vorne sind Christer Bjoerkman, Thomas G:son und Peter Boström, die beiden Komponisten des Songs.

Die Fotografen schlagen sich um einen guten Platz für ein Siegerbild, noch ist keine Frage gestellt.

Der Moderator der Pressekonferenz überreicht Loreen zunächst einen Strauß Rosen.

Loreen wird jetzt darauf angesprochen, wie sie in den letzten Wochen mit dem Erwartungsdruck umgegangen sei. „Viel schlafen und viel essen“ lautet die Antwort.

Eine schwedische Journalisten fragte sie nach einigen Worten speziell ans schwedische Publikum, worauf sie sich für die grosse Chance bedankte, die ihr das Publikum gegeben hat, indem sie sie zur Gewinnerin des Melodifestivalens gekürt haben.

Loreen berichtet von gestern Abend, als sie beim Juryfinale eine Schneeflocke verschluckte und während ihres Vortrags husten musste. Das sei aber folgenlos geblieben und habe sie nicht nervös gemacht, auch nicht in Bezug auf das Juryvoting.

Loreen erzählt, dass sie die Menschen in Aserbaidschan als sehr zuvorkommend und gastfreundlich erlebt hat.

Der Moderator ruft nun Loreens Mutter auf die Bühne und überreicht auch ihr einen Strauß Blumen. Mutter und Tochter herzen sich auf dem Podium. Das bringt ein wenig Schwung in eine eher langatmige Fragerunde ohne viel Substanz.

Weil Loreen Startnummer 17 hatte, wird sie gefragt, ob das jetzt ihre Glückzahl ist. Meine Güte. Sie sagt „I feel happy“.

Loreen wird gefragt, ob sie nächstes Jahr wie Lena es gemacht hat nochmal antreten will. Sie antwortet, sie habe darüber noch nicht nachgedacht.

Auf die Frage, wo der ESC im nächsten Jahr stattfinden wird, sagt Christer Bjoerkman, es werde „in Schweden“ stattfinden, Schweden habe mehrere Städte und Arenen, die passen würden.

Jetzt wird Loreen gefragt, ob sie in ein Wettbüro investieren will, weil die Wettbüros ihren Sieg vorausgesagt hätten. Ganz im Ernst, solche Fragen werden hier staatstragend behandelt. Loreen sagt schlicht, sie sei kein Spielertyp. Vorher hat sie noch ein weiteres Mal gesagt, sie mag das Essen in Aserbaidschan und werde das auch in Schweden allen erzählen.

OLiver berichtet am Bloggertisch, dass seine diesjährige ESC Wette ihm 300,– Euro eingebracht hat. Endlich mal eine Nachricht mit Nachrichtenwert.

Derweil antwortet Loreen einem französischen Journalisten auf seine Frage, wie sie Anggun findet, dass Anggun „a great singer“ sei. Was soll sie auch sagen?

Jan Ola Sand wird aufs Podium gerufen und er umarmt Loreen und gratuliert ihr. Er lädt die schwedische Delegation für den Juni nach Genf ein, um über die Vorbereitungen des ESC 2013 zu sprechen. Er lobt Schweden für das Melodifestivalen und ermuntert alle EBU-Mitglieder von Schweden zu lernen.

Ein österreichischer Journalist vom „Standard“ dankt Loreen für ihren Einsatz für die Human-Rights-Kampagne, fragt sie dann aber nach der Bedeutung ihres Dancestyles. Näher dran ans Thema darf man beim angeblich unpolitischen ESC wohl nicht. Sie antwortet, dass man sich im Tanz befreit selbst verwirklichen kann „be who you wanna be“. Das kann man auch auf die Menschensrechtsdebatte uebetragen interpretieren.

Vor dem Fotocall schaffen es die Journalisten vom Expressen sogar noch, Loreen zwei Titelseiten von morgen in die Hand zu drücken, die diese dann fleissig hochhält. Die ebenfalls anwesenden Kollegen vom Aftonbladet werden wahrscheinlich „not amused“ sein.

P.S.: Inzwischen haben wir hier den Wortlaut des Statements von Anke Engelke vorliegen, das sie bei der Punktevergabe platziert hat und das im Trubel im Pressezentrum unterging: „It is good to be able to vote and it is good to have a choice. Good luck on your journey Aserbaidschan, Europe is watching you.“

Nach einer Achterbahnfahrt hier, die auch wir jenseits des ESC persönlich erlebt haben (worüber wir schon geschrieben haben aber auch noch schreiben werden), tun diese Worte richtig gut. Anke hat mit Herz und Verstand das Wort ergriffen.