Live-Blog Estland: Eighties coming back – Koit und Laura nach Kiew

Koit Toome Laura Estland 2017

Das Eesti Laul gilt als einer der innovativsten Vorentscheide zum ESC. 10 Acts standen heute im Finale. Gewonnen hat aber keineswegs ein innovatives Musikstück à la 2017, sondern ein reliktisches Duett aus den 80-er Jahren, dargeboten von Koit Toome und Laura. Hier gibt es noch einmal unseren Live-Blog zum Nachlesen, was in Tallinn passiert ist.

Guten Abend aus Hamburg zu verhältnismäßig früher Stunde am Samstag Abend! In der Saku Suurhall in Tallinn sitzt jetzt auch unser Co-Blogger Matthias, den wir an dieser Stelle herzlich grüßen wollen. Hoffen wir, dass in Kürze der Livestream steht!

So, nachdem es ein paar Schwierigkeiten gab, die estnische Homepage überhaupt zu erreichen, klappt es jetzt über einen alternativen Link ganz gut. Jüri Pootsman is in the hause und singt erst etwas rhythmisches und jetzt natürlich „Play“ in einer Unplugged-Version mit Mädchencorbegleitung. In Estland bekommt auch der Verlierer noch einmal seinen großen Auftritt!!!

 

Die Moderatoren Ott und Märt betreten die Bühne. Nach kurzer Conference ziehen die zehn Kandidaten in die Arena ein. Und dann geht es auch schon los. Keine Zeit zu verlieren!

1. Liis Lemsalu: Keep Running
(Musik: Liis Lemsalu, Mihkel Mattisen, Gustaf Svenungsson, Magnus Wallin; Text: Liis Lemsalu)

Es beginnt mit einem Uptempo-Song. Liis könnte mit dem Aussehen und dem Körper auch gut modeln. Bei einer Drehung bekommen wir durch eine ungünstige Kameraposition sogar kurz ihr Höschen zu sehen. Stimmlich ist sie etwas dünn unterwegs, der Song lebt eigentlich ausschließlich von dem flotten Refrain. Nichts besonderes, aber auch nicht zum Weglaufen. Ordentlicher Beginn.

5 von 10 Punkten für den Anfang!

 

Aus irgendeinem Grund schießt jetzt ein Mann zwei pinke Fußbälle ins Publikum. Man fragt sich….zu verstehen ist ja kein Wort! Es folgt Reklaam. Schnaps zum Mittagessen. Moment, das ist eine Verlade. Der Moderator spielt mit und kippt sich vor den Kindern am Familientisch ordentlich einen hinter Binde…

 

2. Koit Toome & Laura: Verona
(Musik & Text: Sven Lõhmus)

In bester Modern-Talking-Manier wird hier die zweite Ehefrau von Dieter Bohlen besungen. Oder? Nein, es geht natürlich um Romeo und Julia von der Ostsee, die zwischenzeitlich in ihren besten Jahren angekommen sind. Beide in absoluten Galaklamotten – Abendkleid und Smoking. Eigentlich könnte man sich zu dem flotten Song mit dem Ohrwurmrefrain auch mal bewegen, aber es bleibt sehr statisch. Viele schmachtende Blicke seinerseits in die Kamera. Spaß haben aber ganz offensichtlich beide.

8 von 10 Punkten.

 

So richtig gute Stimmung scheint in der Saku Suurhall allerdings nicht zu herrschen. Man ist sehr diszipliniert und bricht den Applaus nach zwanzig Sekunden einheitlich ab und setzt sich wieder…

 

3. Whogaux & Karl-Kristjan feat. Maian: Have You Now
(Musik & Text: Karl-Kristjan Kingi, Hugo Martin Maasikas, Maian Lomp)

Die Handylichter gehen an. Maian im luftigen Sommerkleid und in Turnschuhen, Hugo (oder ist es Karl-Kristjan) mit Rundhut.  Beide umkreisen sich halb singend, halb rappend auf der Bühne und versuchen, cool rüberzukommen. Der Song ist leider sehr, sehr redundant, verfügt nicht wirklich über etwas, das man sich merken, geschweige denn mitsingen könnte. Am Ende sind beide von der Bühnenpirsch total aus der Puste. Nein, das gefällt mir gar nicht.

2 von 10 Punkten

 

4. Lenna Kuurmaa: Slingshot
(Musik & Text: Lenna Kuurmaa, Nicolas Rebscher, Michelle Leonard)

Nicolas Rebscher hatte schon einmal einen Song beim ESC (Aserbaidschan 2015), die Berlinerin Michelle Leonard hat bereits diverse DSDS-Stars mit Hits versorgt.

Lenna beginnt in einer Kreistanzgruppe sitzend. Alle in schwarz. Der Song ist eigentlich das, was ich mir unter einem typischen ESC-Beitrag aus Nordeuropa vorstelle. Gut aufgebautes Popmaterial, starker Refrain, Bridge mit langem Ton. Und zum Schluss darf Lenna auch noch über das Publikum fliegen – das hat ja beinahe schwedische Ausmaße. Im anschließenden Interview hängt sie weiterhin in der Luft und darf auch noch etwas artistisches vorführen. Ich fand das alles sehr überzeugend.

9 von 10 Punkten.

 

5. Daniel Levi: All I Need
(Musik & Text: Ago Teppand, Daniel Levi Viinalass)

Daniel hat die Frisur von Levina, nur andersrum. Er steht in einer Art Laser-Kaleidoskop und bleibt den gesamten Song über im Halbdunkel. Während des Vortrags richtet er sich etwa 68 mal die Haare, sehr unvorteilhaft. Der Song ist eine Uptempo-Nummer mit Kopfstimme im Refrain. Die beherrscht er wenigstens halbwegs. Aber gut hört sich das trotzdem nicht an. Großer Applaus, aber nicht so wirklich nicht mein Cup of Tea. Und wenn Daniel nicht bald zum Friseur geht, sieht er aus wie der US-Präsident…

4 von 10 Punkten.

 

Zwichendurch laufen immer wieder Spaßreklamen mit den beiden Moderatoren – sicher sehr witzig. Ich habe nur einmal verstanden, dass ein Russe zur weiblichen Stimme im Off gesagt hat: „When I meet you, I will grab you by the p….“. Na, Ihr wisst schon.

 

6. Elina Born: In Or Out
(Musik & Text: Stig Rästa, Vallo Kikas, Fred Krieger)

Elina Born sieht heute klamottenmäßig aus wie Elina Porn. Hübsch ist sie ja, aber das Tabledance-Outfit muss ja eigentlich nicht sein. Zum Refrain ihres Mitwipp- und Mitklatsch-Songs mit ganz leichten 20-er Jahre-Anklängen räkelt sie sich dann auch passend in einem riesigen O. Oder ist es eine Null oder einfach nur ein Kreis? Der Song ist wirklich catchy, aber diese Präsentation macht wirklich viel kaputt. Also mit dieser Laufhaus-Choreo bekommt „In or out“ plötzlich eine ganz neue Bedeutung….Song gut, Auftritt Mist, das macht

6 von 10 Punkten.

 

7. Ivo Linna: Suur Loterii
(Musik: Rainer Michelson; Text: Urmas Jaarman)

Nun also der große alte Mann der estnischen Pop-Musik, der mit seinen fast 70 Jahren immer noch locker der Sohn eines diesjährigen Mello-Finalisten sein könnte. Elegante Bühnenoptik in schwarz und weiß. Seinen Song hat er vielleicht schon vor Jahrzehnten gechrieben, es klingt vielleicht nicht zeitgemäß, aber der Mann ist ein absoluter Profi. Keine Gimmicks, nur er selbst und seine Band zu dieser Art Rockschlager der Sechziger oder Siebziger Jahre. Sowas muss früher in der Plattenbau-Disco von Tallin-Süd gelaufen sein. Das hat etwas so Normales und Nostalgisches, dass es mir sogar ziemlich gut gefällt. Besser jedenfalls als die leichte Dame vor ihm…

7 von 10 Punkten.

 

8. Rasmus Rändvee: This Love
(Musik: Bert Prikenfeld, Stewart James Brock, Ewert Sundja, Rasmus Rändvee; Text: Stewart James Brock, Ewert Sundja, Rasmus Rändvee)

Wilde Frisuren sind offenbar angesagt an der Ostsee. Vom Beat erinnert der Song stark an „Play“ aus dem Vorjahr, aber hinter „This love“ steckt mehr wumms. Wilde Kameraführung. Geht es nur mir so oder fehlt dem Song eine Grundmelodie und eine Hook? Dramatisch bis zum Abwinken, Rasmus gibt alles, schüttelt sein Haar und füllt die Bühne wirklich aus, eine richtige Rampensau. Fast schon ein bisschen zu viel für meinen Geschmack. Tja, Song durchschnittlich, Auftritt gut. Na gut, aber letztlich auch ein Hingucker.

7 von 10 Punkten.

 

Aber wirklich interessant, dass so viele estnische Männer offenbar unsere Levina als ihr Role-Model ausgewählt haben – zumindest, wenn es um die Haare geht…

 

9. Ariadne: Feel Me Now
(Musik: Margus Piik, Tomi Rahula; Text: Anni Rahula)

Ariadne in kurzen Hosen und Jäckchen – alles in weiß. Die Bühnenpräsenz eines Rasmus Rändvee geht ihr nun aber völlig ab. Der Song ist unaufdringlich, ein hübsches Stückchen Popmusik mit leichten Elektroanteilen. Aber über den Schirm kommt da nicht wirklich viel. Höhepunkte im Song sind Fehlanzeige, er plätschert gegen Ende doch arg vor sich hin. Da nützt jetzt leider auch die rehhafte Ausstrahlung der Sängerin nicht mehr viel.

3 von 10 Punkten.

 

10. Kerli: Spirit Animal
(Musik: Kerli Kõiv, Brian Ziff; Text: Kerli Kõiv)

Viiiiel weiß auf der Bühne! Kerli und vier Tänzer auf einer kleinen Drehbühne. Der Song ist ein kraftvoller Midtempo-Popsong, der von der sehr ausgefeilten Choreographie mitlebt. Es gibt Feuer, Trommeln, Schneefall und zum Schluss hin auch noch eine Menge Tierlaute. Und mit dem letzten Ton dann auch noch die Konfetti-Kanone, es werden alle Register gezogen, um Kerli nach Kiew zu bringen. Ich bin gespannt, fand es aber eigentlich ganz sehens- und hörenswert.

8 von 10 Punkten.

 

Die TV-Zuschauer und die Jury haben jetzt die Gelegenheit, abzustimmen – allerdings wird die Bekanntgabe der drei Superfinalisten erst um etwa 20.35 Uhr stattfinden. Meine Wünsche wären: Lenna Kuurmaa, Kerli sowie das Duett von Koit und Laura.

Bis später!

Zurück in Tallinn. Ott und Märt machen nochmal ordentlich Stimmung, bevor die Superfinalisten bekannt gegeben werden. Ein bisschen darf aber wohl noch angerufen werden, es gibt einen erneuten Schnelldurchlauf. Noch 15 Minuten zum Anrufen. Und der erste, der seine Jurypunkte vergibt, ist MONZ!!!

8 gibt er an Rasmus, 10 bekommen Whogaux etc. pp. und 12 gibt er an Kerli!

Nächster Juror (ein Este): 8 an Koit und Laura, 10 für Kerli und 12 an Ivo Linna! Donnerwetter!

Jurorin Nr. 3 (Julia) gibt 8 an Kerli, 10 an Elina und 12 an Koit und Laura.

Harry ist der vierte im Bunde und gibt 8 Punkte an Liis, 10 an Kerli und 12 an Lenna.

Marju Länik gibt 8 an Ivo, 10 bekommt Lenna und 12 gehen an Koit und Laura.

Valner Valme gibt 8 an Ivo, 10 an Kerli und 12 an Whogaux etc. pp.

Von Henry Körvits gibt es 8 an Whogaux etc. pp, 8 an Kerli und 12 für Ariadne!

Im Moment führt Kerli (67 Punkte) mehr als deutlich vor Koit und Laura (47) sowie Lenna (46).

Weitere Juroren stimmen ab.  Siim Nestor gibt 8 an Rasmus, 10 an Daniel und 12 an Ariadne. Hier bekommt jeder mal was!

Piret Krumm verteilt 8 an Lenna, 10 an Rasmus und 12 an Kerli!

Alon Amir aus Israel verteilt zusammen mit Poli Genova (was macht die denn da?) seine Punkte: 8 an Whogaux etc. pp, 10 für Kerli und 12 bekommt Rasmus!

Aber Poli darf auch selbst noch abstimmen. Sie belohnt Liis mit 8 Punkten, Whogaux etc. pp mit 10 und Rasmus mit 12 Punkten.

Nach der Jury-Abstimmung führt also nun Kerli vor Rasmus Rändvee. Whogaux & Karl-Kristjan feat. Maian liegen auf Platz 3. Für mich dann doch ein wenig überraschendes Ergebnis…Aber das Televoting kann ja theoretisch noch alles auf den Kopf stellen.

Jetzt wird Elina Born genannt, keine Ahnung, warum. Dann Daniel Levi – freundlicher Applaus. Danach Lenna Kuurmaa. Aha, es sind die kombinierten Platzierungen. Platz 7 Liis Lemsalu, Platz 6 Ariadne, Platz 5 Ivo Linna.

Kerli ist auf jeden Fall schon mal im Superfinale. Koit & Laura haben es auch geschafft. Und dazu gesellt sich Rasmus Rändvee. Das war jetzt ganz klug vom estnischen TV, so weiß man nicht, wer im Televoting vorn lag. Aber es müssen eigentlich Koit und Laura sein, denn die lagen eigentlich nach der Jury schon etwas zurück. Nun denn, wir werden es sehen. Jetzt hat zwischen diesen Dreien nur noch das Publikum die Wahl!

Meine Favoritin Lenna Kuurmaa findet sich also nur auf dem achten Platz wieder, Elina Born wurde gar Letzte!

Im erneuten Schnelldurchlauf entscheide ich mich jetzt doch für Koit und Laura. Das hat für mich den stärksten Instant Appeal und auch die stärkste Melodie. Rasmus hielte ich für eine Fehlwahl, ihn könnte das gleiche Schicksal ereilen wie seinen Vorgänger.

So, nun aber Interval Acts. Zunächst Herr Zelmerlöw mit „Heroes“. Jeans, Rolli und Jacke – muss er gleich weg? Egal, er kann alles tragen! Und einen zweiten Song gibt es auch noch, seinen neuesten: „Glorious“.

 

Die Moderatoren teilen Monz mit, dass man gern wieder von Schweden versklavt werden würde wie im 17. Jahrhundert. Wie das ist, wissen von uns Fans ja auch schon einige…

Schalte in den Greenroom, wo alle Superfinalisten kurz noch einmal interviewt werden. Apropos kurz – Kerli ist überraschend klein zwischen den ganzen Erwachsenen…

Den nächsten Interval Act bestreiten Beyound Beyond, eine im vergangenen Jahr gegründete und von Stig Rästa produzierte Art Schülerband. Sie singen „Get used to me“ und klingen ganz erfrischend. Klassisches Boyband-Material mit verschiedenen weiteren Stilen gemixt.

Gerade höre ich, dass Loreen in Schweden ausgeschieden ist – das überschattet ja fast alles heute Abend – die Schweden sind ja alle paar Jahre wieder zu einem Königinnenmord fähig…

Und plötzlich werden in Tallinn Umschläge geöffnet. Platz 3 geht an Rasmus Rändvee, Platz 2 geht an Kerli und Koit Toome und Laura fahren nach Kiew!!!

Und dann gibt es noch einen Oscar-Gag von den Moderatoren, der Laura kurz vor eine Ohnmacht bringt. Aber es war nur ein Witz, der Sieger wird nicht mehr gewechselt. Matthias berichtet aus Tallinn, dass mehrere Personen geschockt die Halle verlassen und wohl Kerli die eindeutige Favoritin des Publikums gewesen sei. Nun denn, das TV-Publikum hat anders entschieden. Und es kann einen doch auch freuen – nach zahlreichen Versuchen schafft es Laura endlich zum ESC. Und ihr Steigbügelhalter Koit feiert nach 19 Jahren ein Wiedersehen mit dem Wettbewerb. Damals musste er sich mit Guildo Horn messen – diesmal begeget ihm ein Mensch im Affenkostüm. Merkwürdiger Wettbewerb…

Koit Toome & Laura – Verona (Estland 2017)

Koit und Laura dürfen natürlich noch einmal singen und ich verabschiede mich aus Hamburg und bedanke mich für´s Dabeisein. Morgen geht es weiter mit Liveblogs aus Rumänien und Portugal. Stay tuned!

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