Live-Blog: Estland liegt in Italien – Elina Nechayeva nach Lissabon

Estland bleibt vorerst fest in italienischer Hand. Beim Finale des Eesti Laul 2018 im Tallinner Stadtteil Rocca al Mare siegte als Nachfolgerin des Titels „Verona“ die große Favoritin Elina Nechayeva mit ihrem Crossover-Pop-Opera-Titel „La Forza“ unter den Augen des italienischen ESC-Delegationsleiters. Mehr Italien geht fast nicht! Hier könnt Ihr noch einmal unseren Live-Blog zum estnischen Finale verfolgen.

Einen wunderschönen Guten Abend aus Hamburg bzw. Tallinn zum Finale von Eesti Laul 2018. Hoffen wir mal, dass technisch alles klappt und hoffen wir weiterhin auf einen ordentlichen Sieger. Die Diskussion ist hiermit eröffnet, die Show soll gegen 18.30 Uhr starten.

Und los geht es in der Saku Suurhall, dem Austragungsort des ESC 2002! Lange ist´s her! Auf der Bühne am Piano Sven Lohmus, und Verona-Laura singt einen neuen Song von ihm – „Waterfall“. Damit könnte sie heute wohl auch recht weit vorn landen. Sieht aus, als stünde sie wirklich in einem Wasserfall. Und dann gibt es natürlich nochmal „Verona“. Solo von Koit Toome. Koit war aber auch schon mal besser bei Stimme! Laura rettet ihn dann aber doch noch! Tja, so ein eingängiges Schlagerchen haben wir heute nicht am Start – leider!

 

Die beiden Moderatoren heizen dem Publikum ordentlich ein und machen Witzchen mit Koit und Laura. Und lassen die beiden flugs hinter einem Stadtplan von Verona verschwinden. Und dann folgt auch schon der Einzug der 10 Finalisten.

Und dann geht es auch schon los. Die Interpreten werden in kleinen Filmchen vorgestellt und müssen offenbar etwas nettes über Portugal singen.

1 Karl Kristjan & Karl Killing (ft. WATEVA) – Young

Ah ja…ich sehe gelb, gelb und gelb. Über die Bühne hüpfen Karl und Karl zu diesem leicht reggaeinspirierten Banjo- und Gitarren-Popsong. Es geht offenbar darum, noch ein letztes Mal jung zu bleiben. Aber die beiden sind doch jung – und zwar sowas von! Also mir gefällt das ganz gut! Der Catwalk wird ausführlich genutzt, der Song verbreitet gute Laune. Großer Jubel, ich gebe erst einmal vorsichtig 6 von 10 Punkten.

 

Der Stream hakt bei mir ein bisschen, aber das bekommen wir schon hin heute Abend! Bevor es weiter geht, gibt es aber erst einmal einen sicher ganz witzigen Kurzfilm – wenn man estnisch versteht!

2 Eliis Pärna & Gerli Padar – Taevas

Gerli war ja 2007 schon mal beim ESC. Schafft sie es erneut? Erst einmal singt Eliis in ihr Spiegelbild. Ich glaube, sie erzählt sich etwas ziemlich Schönes. Gerli kommt gelockt dazu und erzählt ganz offensichtlich nochmal das Gleiche. Mir gefällt die ruhige Melodie. Der Song über die Sterne und den Himmel baut sich langsam und gleichmäßig auf. Aber so einen richtigen Höhepunkt gibt es nicht. Macht nichts – ich sehe gern hin und höre gern zu. Der Beifall zum Ende ist aber sehr übersichtlich. Ich gebe gern 7 von 10 Punkten!

 

3 Nika – Knock Knock

Es folgt die blondierte und bezopfte Nika. Schöner Klavierbeginn und wilde Kameraschnitte. Nika singt ein wenig wie eine Gesangsroboter – mehr gesprochen als geträllert. Zwei shirtlose Tänzer und eine Tänzerin kommen dazu und machen ganz viel Pantomime zu diesem etwas dissonanten Song, der überhaupt nicht mein „Cup of tea“ ist, wie ich ziemlich schnell gemerkt habe. Also nein, auch die Schlusspose und der Blick der Tänzer machen mir Angst. Gar nichts für mich irgendwie – wohlwollende 2 von 10 Punkten.

 

Auf die diversen Filmchen zwischen den Songs gehe ich jetzt mal nicht näher ein – ich verstehe sowieso nur Bahnhof.

4 Sibyl Vane – Thousand words

Sibyl trägt einen hübschen roten Hut zu einem Sakko mit einem quadratischen Muster wie auf meinem Küchenfußboden. Der Song ist eine veritable Gitarrenrock-Nummer. Nicht schlecht, aber jetzt auch nichts, an das man sich sofort erinnert oder das man sofort noch einmal hören möchte.  Dazu gibt es ganz viele Animationen auf dem Bildschirm, die mich fast hypnotisieren – ich muss wegschauen! Ach ja – das tut nicht weh, holt mich aber auch nirgendwo ab. Sagen wir mal 4 von 10 Punkten.

 

5 Stig Rästa – Home

Stig mit Gitarre auf der Bühne. Er singt einen durchaus radiotauglichen Song mit einem etwas gebremsten Refrain, der mich ein bisschen an „Playing with numbers“ erinnert. Das gefiel ihm wohl, als man sich in Wien vor drei Jahren begegnete.  Stimmlich geht das sicher noch besser, aber wollen wir mal nicht allzu sehr meckern. Doch meckern, er versemmelt zum Schluss hin fast alle Töne. Das hier ist kein zweites „Goodbye to yesterday“ – definitiv nicht. Ich gebe mal 5 von 10 Punkten, der Song ist irgendwie dann doch ziemlich belanglos.

 

6 Vajé – Laura (Walk with me)

Na, das hat doch einen guten Beat! Und der Sänger ist ja auch mal ein Hingucker. Und er lächelt so nett – ich schmelze! Durch eine Laserwand greifen Arme nach ihm. Zwischendurch ergreift er mal eine Hand. Und da kommt auch schon der Zweite im Bunde. Mit einer Nebelkanone, wie cool, darauf muss man auch erstmal kommen! Beide tragen schwarz und gold. Laura kommt dann auch zum Tanz aus der Nebelwand hervor. Ein Song ohne richtigen Höhepunkt. Aber wie gesagt – guter Dance-Beat, gutaussehende Menschen – I like! 8 von 10 Punkten – ich fand das bisher tatsächlich am Besten…

 

Und aus Finnland zwischendurch kurz die Kunde, dass Saara mit „Monsters“ nach Lissabon fährt!

7 Elina Nechayeva – La Forza

Achtung, es wird klassisch! Ich muss sagen, mir gibt dieser Song nicht viel. Wie oft ist Crossover beim ESC nun schon gescheitert? Warum sollte es diesmal anders sein? Singen kann Elina ja wirklich, wie schon schon einige vor ihr versucht sie es in einem bühnenbedeckenden „Aliona-Moon-Gewand“. Etwas Mystik, etwas Elektrobeat, ein paar Streicher – aber irgendwie keine Melodie, an die man sich erinnert – oder gar nachsingen kann! Letzteres wäre wohl lebensgefährlich. Wie kann man nur so hoch singen? Faszinierend…Aber der Song zählt – und das sind für mich nur 5 von 10 Punkten, auch wenn das Saalpublikum am Ausrasten ist.

 

8 Frankie Animal – (Can´t Keep calling) Misty

Ich bin ja in Musikstilen nicht ganz so gut – wer kann helfen, was ist das? Ich höre Drums, eine knarrenden E-Gitarre, eine Art Orgel und von der Sängerin etwas, das in Richtung Sprechgesang geht. Sehr minimalistisch, was die Tonleiter angeht. Aber ich finde es interessant, wenn auch überhaupt nicht spektakulär. Alles etwas dissonant und gegen den Strich. Psychedelic Rock vielleicht – passt das? Misty eben – total neblig. Spannend irgendwie. 6 von 10 Punkten!

 

9 Iiris & Agoh – Drop that boogie

Ach, pinke Haare sind wieder mdern? I didn´t know that! Iiris beginnt gemütlich auf dem Sofa, alles ist in pink getaucht. Der Song ist eine Midtempo-Nummer mit lässigem Rhythmus, allerdings mehr gequäkt als gut intoniert. Mir ist das alles zu farbig das auf der Bühne, man erkennt ja fast nichts! Iiris schnappt sich eine Gitarre und kommt langsam zum Ende dieses plätschernden „Boogies“. Fand ich jetzt alles auch nicht soooo schlecht. irgendwie so mittel – deshalb auch hier mal 5 Punkte von 10 möglichen.

 

10 Evestus – Welcome to my world

Und da sind wir auch schon beim letzten Song des Abends. Und der beginnt mit einem Tritt gegen das Keyboard. Ach du liebes bisschen! Hinter einem kaputten und brennenden Maschendrahtzaun steht ein…Wesen! Mit Ringen am Körper und ganz vielen Rasta-Haaren. Im Hintergrund grell geschminkte Sängerinnen in astronautenähnlichem Lampenoutfit mit beleuchteten Köpfen. Und Herr Evestus das singt von seiner Welt, die viele von uns wohl nicht so wirklich verstehen. Die Stimme kommt durch einen Voicerecorder. Musikalisch für mich ein Totalausfall, aber optisch ausgesprochen unterhaltsam – deshalb 2 von 10 Punkten von mir!

 

Ginge es jetzt nach mir und dürfte ich abstimmen, gingen meine drei Anrufe an Vajé, Eliis & Gerli sowie an Frankie Animal. Drei Songs, wie sie eigentlich unterschiedlicher nicht sein könnten. Ich bin sehr gespannt!

Ach herrjeh – das Televoting dauert jetzt eine ganze Stunde! Deshalb schaltet man jetzt erst einmal ins Nachrichtenstudio zur „Aktuellen Kamera“. Den Titel haben sie doch geklaut! Aber wir sind ja ein geduldiges Grüppchen von Bloggern und Lesern und ganz anderen Kummer gewöhnt – ich sage nur UKRAINE…

Und da sind wir wieder! Die Leitungen sind noch für eine gute Viertelstunde geöffnet. Wir bekommen ein Filmchen, in dem lauter frühere estnische ESC-Teilnehmer mitspielen. Ich sehe Getter Jaani und Jüri Pootsman als Techniker, Elina Born als Taxifahrerin, Ott Lepland als Bauarbeiter, Malcolm Lincoln an der ankstellenkasse Birgit Oigemeel als Aufseherin an der Eingangstür zur Suurhall. Getter musste wohl neue Batterien für das ausgefallene Mikrofon des Moderators besorgen – ganz hübsche Idee. Es folgt ein zweiter Schnelldurchlauf – der erste lief vor den Nachrichten.

Oh, die Jury gibt schon mal Punkte, während noch telefoniert werden kann.

Der erste Juror gibt 8 Punkte an Frankie Animal, 10 an Evestus und 12 an Elina.

Juror Nummer 2 – dem Akzent nach offenbar ein Franzose – gibt 8 an Vajé, 10 an Frankie Animal und 12 an Elina.

Die Dritte im Bunde gibt 8 an Stig Rästa, 10 an Frankie Animal und auch 12 an Elina. Sieht nach einem Durchmarsch aus. Niedrige Punkte werden gar nicht vergeben. Vermutlich soll schon mal ein kleiner Trend aufgezeigt werden, um weiterhin zum Abstimmen zu animieren – es folgt ein dritter Schnelldurchlauf.

Der nächste Juror – Nicola aus Italien – der ist ja überall! Er gibt 8 Punkte an Stig, 10 an Sibyl und 12 natürlich an Elina! Und ich sehe, die kleinen Punkte sind ja doch schon dabei.

Die Nächste ist dran. Sie gibt 8 an Evestus, 10 Punkte an Sibyl Vane und 12 Punkte an Elina. Die ist doch schon durch jetzt, oder? Wer soll sie noch stoppen?

Juror Nr. 6 hat 8 Punkte für Eliis und Gerli, 10 für Elina – oha! Und die 12? Die gehen an Stig Rästa.

Eine Bulgarin stimmt wie folgt ab: 8 Punkte gehen an Elina, 10 bekommen Vajé und 12 gehen an Frankie Animal.

Jurorin Nummer 8 gibt 8 Punkte an Sibyl, 10 an Elina und 12 an Frankie Animal. Wird es doch noch ein bisschen spannend? Elina hat 16 Punkte Vorsprung.

Ole, der Kommentator aus Dänemark, hat 8 Punkte für Nika, 10 Punkte für Stig Rästa und schließlich 12 Punkte für La Forza.

Und die nächste Jurorin hat 8 Punkte für Sibyl Vane, 10 für Karl und Karl und 12 Punkte für Stig.

Ivar Must stimmt auch ab. 8 Punkte für Frankie Animal, 10 für die beiden Karls und 12 für Sibyl Vane.

Elina (113 Punkte) hat jetzt 27 Punkte Vorsprung vor Sibyl Vane (86) und 28 Punkte Vorsprung vor Frankie Animal (85). Kippt das Publikum das noch einmal? Ich glaube nicht…

Aber erst noch einmal ein paar misslungene Zaubertricks auf der Bühne.

Und nun die Televotingpunkte, die den umgerechneten Jurypunkten hinzugerechnet werden:

3 Punkte für Eliis und Gerli

1 Punkte für Nika

5 Punkte für Evestus

2 Punkte für Frankie Animal

8 Punkte für Karl und Karl

6 Punkte für Iiris & Agoh

Stig, Elena und Vajé erreichen das Superfinale, das ist jetzt alles ein bisschen unübersichtlich… Das ist jetzt interessant. Vajé haben das Superfinale nur über 10 oder 12 Punkte vom Publikum erreichen können, denn eigentlich lagen sie nach der Jurywertung schon etwas zurück. Sibyl hat offenbar die 4 Punkte erhalten, die sie wieder ins Aus geschossen haben. Gefühlsmäßig kann es eigentlich nur noch um Elina oder Vajé gehen. Es darf wieder abgestimmt werden – hoffentlich nicht zu lange…

Und während erneut abgestimmt wird, tritt Rasmus Rändvee auf, den ja viele schon im vergabgenen Jahr gerne mal beim ESC gesehen hätten. Es folgt eine perückte Sängerin namens „Leslie da Bass“, während noch immer für zwei Minuten lang angerufen werden kann.

Gleich werden wir wissen, wer es wird. Elina kann theoretisch der vierte Platz im Televoting zum Erreichen des Superfinales gereicht haben, während Vajé schon die 10 oder 12 abgeräumt haben müssen. Alles reine Theorie – das Ergebnis folgt in Kürze – hoffentlich!

Dritter sind Vajé. Und gewonnen hat Elina Nechayeva, Stig ist Zweiter! Die große Favoritin hat es also gepackt – Herzlichen Glückwunsch!

Estland 2018: Elina Nechayeva – La Forza

Und ich verabschiede mich und verweise auf die noch laufenden Live-Blogs aus Polen und San Marino. Videos werden hier eingefügt, sobald sie vorliegen. Morgen sehen wir uns dann auch schon im „skandalösen“ Portugal. Gute Nacht und Buona Notte!

 

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