Live-Blog: Krim-Lied gewinnt den Eurovision Song Contest 2016

ESC 2016 Ukraine Jamala Zweite Probe

Der Tag aller Tage für ESC-Fans war gekommen: Das Finale des Eurovision Song Contest 2016 aus Stockholm stand an. Mit Jamie-Lee für Deutschland und Zoë für Österreich. Leider schaffte die süße Wienerin keinen Sprung in die Top10. Ganz schlimm lief es erneut für Deutschland. Am Ende siegte doch nicht der hochfavorisierte Sergey – Emotionen aus der Ukraine übertrumpften das große Technikbrimborium aus Russland. Unser Liveblog zum Nachlesen!

Das Finale wird in der ARD und bei allen möglichen europäischen Sendern übertragen, außerdem gibt es Livestreams bei eurovision.tv hier, bei SVT hier und bei eurovision.de hier.

Damit einen schönen Gruß aus Hamburg-Barmbek, wo OLiver und Matthias das Grand Final des 61. Eurovision Song Contest live für/mit euch bloggen werden. Später sind wir dann bei der Sieger-Pressekonferenz mit dabei, schauen auf die Ergebnisse der beiden Halbfinals etc.

Das nichts ahnende Massenpublikum der ARD ist seit ein paar Minuten auch im Bilde, was das erstmals angewandte neue Punkteverfahren betrifft – ein Einspielfilm in der Pre-Show von der Hamburger Reeperbahn (Spielbudenplatz) hat das ganze kurz erläutert. Peinlicher Fehler der Macher in einem Einspielfilm mit zu erwartenden Highlights: Albanien mit Armenien verwechselt.

In einer Schalte sagt Jamie-Lee, dass ihr der „Arsch auf Grundeis“ gehe. Die Angst ist ihr ins Gesicht geschrieben. Wie das Karnickel vor der Schlange. Sie wirkt überhaupt nicht relaxt, kann kaum sprechen. Smudo und Michi von den Fanta4 – die JL bei „The Voice of Germany“ gecoacht hatten – sind gar nicht mehr vor Ort, und auf die Frage, wer jetzt bei ihr sei, sagt JL nicht mal Bürger Lars Dietrich. Ihre Familie sei angereist, und das freut sie. Und sie sagt, dass ihr Bühnenbild ihr sehr gut gefällt. Am Ende lächelt sie wenigstens ein wenig.

Die Juroren vorhin bei Babsi Schöneberger waren recht professionell. Anna Loos lobte das hohe Niveau – wir Zuschauer würden gleich viele gute Songs zu hören bekommen. Verraten haben die Juroren natürlich nichts. Ich vermute mal, dass Douwe Bob den Jungs von The Boss Hoss ganz gut gefiel… 😉

Das Wort zum Sonntag heute als Schlager? Hallelujah! Ach, Olivia Jones darf die Pfarrerin ankündigen, die auf dem Turm des Michel ihre Kurzpredigt hält. „Musik kennt keine Grenzen, und dafür hat der ESC gerade die Karlsmedaille bekommen.“ Sie plädiert für starke Dialoge statt Zäune hochzuziehen.

Sarah Connor singt noch ein Lied im strömenden Regen von Hamburg – dann geht es in die Globen Arena. Die Eurovisionshymne erklingt!! Happy Eurovision everybody!!!

Den Liveblog in die Show startet Matthias.

Peter Urban meldet sich aus dem größten Kugelbauwerk der Welt. Der Einmarsch der 26 Finalisten mit dem Elektrobeat-Sound schwedischer DJs und mit Models. Die Bühne wie ein langer weißer Laufsteg. Die Models tragen ungewöhnliche Papier-Kleider, dazu erscheinen nach und nach die Künstler in der Startreihenfolge, und dazu jeweils die Farben des Landes. Die Künstler sind jeweils nur kurz zu sehen. Laufen dann durch das Publikum, klatschen Fans ab. Schon die Musik lässt die Partyatmosphäre des ESC ziemlich deutlich werden.

Was die Models da tragen, ist schon sehr extravagant bis ungewöhnlich. Immer ganz in weiß. Dann wirken die darauf projizierten Landesfarben noch besser. Ich weiß nicht, ob die Dance-Sounds so gut sind… Die Zuschauer werden in eine bestimmte Stimmung versetzt, in der es dann Rockacts wie Minus One etwas schwerer haben. Iveta aus Armenien beendet den Reigen. Man sah die Models mehr im Bild als die Interpreten. Nun gut.

Monz und Petra kommen auf die Bühne, laufen zwischen den Models nach vorn. Petra ist zum Finale schlechter gekleidet als noch am Donnerstag im Semi, und wer zum Teufel hat ihre Haare gemacht? Monz schick im dunkelblauen Anzug mit weißem Hemd und Fliege. Großer Jubel, als sich beide vorstellen. Monz und Petra erinnern daran, wie vor 60 Jahren der ESC begann, um Europa zusammenzubringen – und auch 2016 soll er Differenzen überwinden, und wenn auch nur für einen Abend.

So, die Nummern werden eingeblendet. 01371 36 36 plus die beiden Endziffern aus Deutschland… Es geht los!

 

1. Belgien: Laura Tesoro – What’s the pressure?

Ein schöner Auftakt. Eine fröhliche Nummer zu „Another one bites the dust“-Beat vor 70s-Äthetik. Laura tanzt die ganze Zeit durch und singt dabei wie problemlos. Schön,dass Belgien im Finale ist. Und Laura interagiert auch prima mit ihren vier Tänzern in weiß. I like! Gute Stimmung vom Start weg. Wir geben insgesamt 13 von 20 Punkten.

 

2. Tschechien: Gabriela Gunčíková –  I stand

Nach dem flotten Auftakt gleich eine Ballade – vielleicht nicht so günstig im Ablauf. Nun gut. Stimmlich kann man Gabi nichts vorwerfen, sicher auf der Bühne. Aber das Lied ist schon etwas belanglos. Geschlossene Augen, etwas wenig Interaktion. OLiver meint, die Musik sei etwas laut gegenüber der Stimme. Schon schön. Gabi öffnet zwischendrin die Haare, man sieht es aber leider nicht. Das Outfit ist belanglos. Schön isses, aber wird nichts reißen. Wir geben 12 von 20.

 

3. Niederlande: Douwe Bob – Slow down

Ist das die 12-Punkte-Wahl der deutschen Jury? Wir sehen The Boss Hoss mitwippen. Der Sound ist ziemlich 70s, hätte auch Kenny Rodgers singen können. OLivers Assoziation: Kartoffelsuppe, ich (Matthias) denke eher an alten Grand Prix. Muss doch nicht heute immer alles Hologramme, 3D-Videooptik und Schnickschnack sein. Ganz schlicht, ganz gut. Mann, ist die 10 Sekunden Pause heute lang. Weil Douwe heute nur Küßchen verteilt und nichts sagt. Uns gefällt es! 16 von 20.

 

4. Aserbaidschan: Səmra Rəhimli – Miracle

Schon die ersten Töne klingen nicht schön, dann kommt schnell der Backgroundchor dazu, der Samra ziemlich durchs Lied helfen muss. Samra singt wie immer mäßig. Gut, dass Anna-Sahlene im Hintergrund (nicht zu sehen) ordentlich mithilft. Samra sieht gut aus, aber das Singen sollte sie eher sein lassen. Die Jungs reißen mit den Moves einiges raus. Goldregen, Pyro ohne Ende. Aber doch das Gefühl, gerade ein 5-Minuten-Lied zu hören. OLiver mag’s, ich nicht so. 12 Punkte von uns.

 

5. Ungarn: Freddie – Pioneer

Pepe-Jeans-Model Freddie wieder im Normcore-Look: weißes Shirt über löchriger Blue Jeans. Vor 40 Jahren hätten das Eurovisionsteilnehmer nicht mal in der ersten Probe getragen… 😉 Freddie hat sich länger nicht rasiert, Monchichi-Look, meint OLiver. Die kleine Trommel wirkt leider nicht, und den Trommelmönch kriegt man kaum zu sehen. Ein wenig verschenkt, in meinen Augen. Aber schön inszeniert mit dem Rot und den Blitzen. Freddie gibt alles. 14 von 20 von uns.

 

6. Italien: Francesca Michielin – No degree of separation

Der erste Big5-Auftritt. Francesca im Garten Eden, zwischen Blumenkunstobjekten. Aber hat sie sich jetzt doch für die merkwürdige Gartenschütze-Hose entschieden? Oje… Gesang bei der Gartenarbeit? Viel „Handarbeit“ jedenfalls, Francesca rudert. Aber ich mag es. Die englischen Zeilen wären nicht nötig gewesen. Sie schaut leider oft zur Seite und nicht durchgängig in die Kamera. Ein Problem,das die Italiener immer wieder mal haben. Wir geben 13/20.

 

7. Israel: Hovi Star – Made of Stars

Die singende Föntolle ganz in Schwarz. Vom Look her Marc Almond, und wunderschön inszeniert. Die Sterne auf dem Boden, die ein Gesicht ergeben, dann die beiden im Rad… sehr effektvoll und sehr effektiv! Pompös, aber nicht überladen. Sollte in die Top10 kommen! Gänsehaut, und am Schluss ganz ganz groß. 18 Punkte von uns. Er führt bei uns bisher.

 

8. Bulgarien: Poli Genova – If Love was a crime

Die dünnsten Beinchen, die ich je gesehen habe. Was für ein seltsames Outfit. Poli als tanzender Storch. Ein gutes Lied, das man zum Joggen auf einem iPod dabei haben sollte. Ich mag auch den Backdrop, der irgendwo zwischen Regentropfen und Sternenhimmel liegt. Poli kommt keck rüber, sympathisch, und man merkt ihr die Freude an, hier zu performen. Am Schluss leuchten ihre Beinbänder – damit sie nachher im starken Stockholmer Verkehr nicht aus Versehen von Autos erfasst wird? Wir geben 16 Punkte.

 

9. Schweden: Frans – If I were sorry

Jetzt jubelt die Halle. Der Gastgeber-Schnösel. Der einige schiefe Töne rausquetscht. Nicht sehr schön. Aufregung? Die Halle klatscht mit. Die Kamera fängt es schön an. Die goldenen Punktelichter im Background erinnern OLiver an München 1983. „Keine Top5 – so viele junge Mädels können da gar nicht anrufen!“ Die Stimme ist nicht schön, aber das Lied ist ganz nett. 11 Punkte…. letzter bei uns. Nu ja…

 

10. Deutschland: Jamie-Lee – Ghost

So, nun gilt’s. Die 18-jährige im Dekora-Kei-Stil. Hat sie die Aufregung, die sie vorhin beim Talk mit Babsi noch hatte, ablegen können? Schöne Postkarte mit einer sympathischen Jamie-Lee. Daumen drücken!

Der Mond jetzt besser als in den Proben. Jamie-Lee als schwarze Silhouette wesentlich besser zu sehen. Die Bäume mit Laserstrahlen, JL läuft nach vorn, Kamera von schräg oben. Sie macht es gut, sie ist präsent, schaut in die Kameras, die Kamerafahrten fangen die Stimmung gut ein. Gut gesungen. Sie lächelt zwischendurch. Wir sind doch bezaubert. Nun der Walk nach vorn. Sieht besser aus als in den Proben, da wirkte es immer wie ein Stampfen. Lange Töne am Ende, prima! Ein runder Auftritt, auf den Jamie-Lee stolz sein kann. 17 Punkte.

 

11. Frankreich: Amir – J’ai cherché

Für mich ein überschätzter Beitrag. Wir diskutieren hier noch kurz, dass bei Jamie-Lee nun doch keine Hologramme waren – haben wir aber auch nicht vermisst. So, zu Amir. Hier zieht vor allem der Charme des Franzosen. Er scheint ja fast 3 Minuten durch „J’ai cherché“ durchzulächeln. Flott, ansteckend, mitreißend. Da muss sonst gar nicht viel auf der Bühne passieren.Man möchte irgendwie mit ihm mittanzen. Verknautschter Hundeblick, we like. 14 Punkte.

 

12. Polen: Michał Szpak – Color of your life

D’Artagnan, Zirkusdirektor, Haare wie ein Pferd…. aber stimmsicher. Er verkauft den Schmachtfetzen wirklich gut. Ein Lied wie der Grand Prix 1987. Da hätte er vielleicht gewonnen. Heute holt Michal den ESC nicht nach Warschau. Aber schön, dass eine solche Nummer es 2016 noch ins Contest-Finale schafft. Ein Lied zum Reinschlüpfen, wie in einen Frottee-Schlafanzug, meint OLiver, der gerade eine Gedenkminute für Kaliopi eingelegt hat. Wir geben 16 Punkte.

 

Monz ist ins Stadion nebenan gegangen. Irre, dass die Schweden auch noch die Tele2 Arena neben dem Globen voll kriegen. Monz mit Loreen und Carola. Sie singen ihre angeblichen ESC-Lieblingslieder: Monz stimmt „Jan jan“ (Armenien 2009) an, Carola entscheidet sich für „Hallelujah“ (Israel 1979) und Loreen schmeichelt Monz mit „Heroes“.

 

13. Australien: Dami Im – Sound of Silence

Eine Topfavoritin. Die singende Cinderella auf dem hohen Podest. Holt sie den Sieg für Australien? Sehr präsent, schaut perfekt in die Kameras, stimmlich 1a. Ich hab immer noch nicht recht verstanden, was die Hologramme sollen. Eigentlich überflüssiges Gimmick. Sie macht das so gut, da hätte es das nicht gebraucht. Die ganz große Powerballade, die Halle jubelt schon mitten im Lied. Hat Sergey hier seine ganz ganz ganz ganz große Rivalin gefunden? Großartig. 18 Punkte von uns. Zusammen mit Hovi auf Platz 1 bei uns.

 

14. Zypern: Minus One – Alter Ego

Geile Nummer, gerade nach Dami Im. Im Refrain wirklich schlageresk. Die Jungs haben Spaß auf der Bühne, Chris am Schlagzeug haut rein. Ich mag den treibenden Beat. Klar,dass die hier mit dem Sieg nix zu tun haben. Aber „Alter Ego“ sorgt für prima Abwechslung im Line-up. Überhaupt ein richtig gutes Finale, finde ich (mit einer Ausnahme, für mich – die kommt in Kürze). Frontmann Francois könnte freundlicher gucken. 14 Punkte.

 

So Matthias hat sich eine Pause verdient, ab jetzt übernimmt OLiver. Und gleich mit meinem Lieblingssong…

15. Serbien: Sanja Vučić ZAA – Goodbye (Shelter)

Sanja in der Moulinette. Edles schwarzes Outfit a la Morticia Adams und das schwierige Thema häusliche Gewalt, dass die Serbin mit einem Tänzer darstellt, den sie immer wieder wegstößt. Sehr geschmackvoll, dezent und nicht überfrachtet. Stimmlich sehr sicher und die Manirismen von der Präsentation in Serbien sind verschwunden. Schöne lange Töne und sehr viel Präsenz. Top. 17/20 Punkte von uns.

 

Und nun ein Lied, dessen Qualifikation wir nicht so recht verstanden haben (zudem die arme Kaliopi deswegen auf der Strecke bleiben musste…)

16. Litauen: Donny Montell – I’ve been waiting for this night

Donny mit der Gesine-Lockenmatte und einem weißen Jäckchen hat einen Popsong von der Stange dabei, den er gewohnt körperbetont (er hat eine Tanzschule zu Hause) auf die Bühne zaubert. Stimmlich im Refrain etwas schwach auf der Brust. Der Style ist so 80er… wir warten auf die Turnübungen und da sind sie, erst etwas Gehüpfe, dann der Sprung durch die Nebeldüsen und weg ist das Jäckchen… nur 4/20 Punkte von uns, gehört nicht ins Finale, sorry.

 

17. Kroatien: Nina Kraljić – Lighthouse

Nina im riesigen Kutten-Baum-Kleid, sie wollte ein anderes Staging, aber HRT hat kein Geld und so musste es einfach werden. Einfach ist das Kleid jedoch nicht, zunächst ist sie statisch, dann bewegt sie die Arme und dann wird ihr die Pelle weggerissen und ein weiteres fragwürdiges Outfit mit waschbrettartigen Armschleppen kommt zum Vorschein. Mir gefällt ihr Spiel mit der Kamera und ihre Handarbeit. Stimmlich war das aber im Semi noch sicherer, fürchte ich. Hörbare Tonfehler. Schade. 12/20 Punkte.

 

18. Russland: Sergej Lazarev – You’re the only one

Der Favorit. Nächstes Jahr in Sochi? Sergej ist nicht nervös und bringt seine ausgeklügelte Choreo wie im Semi sicher auf die Bühne. Doch hat die Nummer Herz? Hat sie Seele? Ist sie ein Gewinner? Nun steigt er Treppe und schwebt im All. Die Halle scheint zu toben. Auch das Finale klappt gut. Wir hören keine Buhrufe wie in den letzten Jahren. 13/20 Punkte von uns.

 

19. Spanien: Barei – Say Yay!

Schwer einzuschätzen, ein Titel mit viel Vorschusslorbeeren, aber das könnte auch an den spanischen Fans liegen, die den Song überall hochvoten. Barei mit Sturmfrisur im goldenen Fähnchen dynamisch unterwegs, natürlich darf der X- und O-Bein-Tanz nicht fehlen. Und da stürzt sie und der Bildschirm wird schwarz. Doch sie steht wieder auf, keucht kurz und weiter geht’s. Mir ist das zu hektisch und jetzt wird auch noch der Catwalk beschritten. Sie anmimiert das Publikum (was man nie tun sollte!). Der Song wirkt länger als 3 Minuten… 10/20 Punkte von uns.

 

Petra mit einer Zwischenmoderation zur ESC-CD. Peter Urban, meint Justs wäre „überraschend“ ins Finale gekommen, was redet der Mann denn da?

20. Lettland: Justs – Heartbeat

Kust mit schwarzer Lederjacke und dem Knuddel-Hundeblick. Das Setting ist eine Art Gewölbe oder Keller. Sehr kühl. Sehr betonartig, wie in einem Videogame. Die Kamera fängt seine Bewegungen gut ein, es sind aber viel zu viele Shots von weit weg dabei. Justs Tanzt und singt sich die Seele aus dem Leib. Nun ein Kniefall und den Bühnenboden bricht weg. Er gibt alles und wird ganz rot im Gesicht. Toll. 17/20 Punkte. Matthias ist entzückt.

 

Und nun ein ganz besonderes Highlight, einen Song, den man nicht aller Tage hört, schon gar nicht im ESC:

21. Ukraine: Jamala – 1944

Trauer, Schmerz und Gefühle und ja, auch Wut sind zu spüren. Jamala mit der Opernstimme im blauen Hosenanzug mit Schleppe wirkt entrückt, als wäre sie in einer anderen Sphäre. Das Bühnenbild ist mit das beste des Abends, die Stimmung baut sich schön auf. Ein sehr intensiver, berührender und authentischer Vortrag. Wohl zu sperrig für den Sieg, aber nicht, um ESC-Geschichte zu schreiben. Die Teile in Krimtatarisch wirken sehr gefühvoll und nun der lange Schrei. Bewegend, da hat Herr Urban recht. Meine erste und wohl einzige 10. Wir landen aber insgesamt nur bei 17/20 Punkte.

 

22. Malta: Ira Losco – Walk on water

Nun Ira, im 4.Monat schwanger, wie Peter Urban betont, mit ihrer schwedischen Produkton. Nach Jamala ist es unddankbar zu starten. Ira in Goldbrokat hat einen relativ statischen Vortrag und einen Hintergrund in Blau-Gold. Ein Tänzer umrundet sie, agiert aber eher weniger mit Ira, die stimmlich recht sicher rüber kommt. Aber wir fragen uns, wie der Titel wohl von Molly Petterson Hammar klingen würde, für die er eigentlich gedacht war. In einer kupferfarbigen Brodelbrühe auf dem Bühnenboden kommt Ira zum Ende. Solide, aber nicht berührend. 9/20 Punkte. Langweilig meint Matthias, der sonst so malta-affin ist.

 

23. Georgien: Nika Kocharov & Young Georgian Lolitaz – Midnight Gold

Nun die überraschenden Qualifikanten mit einem Songtyp, der ebenfalls selten beim ESC erfolgreich ist. Indie-Britpop. Nika mit Schlapphut und Gitarre und wir als „klassische“ ESC-Fans können natürlich hiermit wenig anfangen (und haben auch noch Geld mit einer Wette auf Georgien im Semifinale verloren…). Sicher der Song, mit den meisten Schnitten und Lichtblitzen und irrlichternd irritierenden Effekten. Aber hier ist ein ESC-Alternativangebot für bestimmt gar nicht so wenige Menschen… landen sie in der ersten Hälfte? 9/20 Punkte (7 von Matthias).

 

24. Österreich: Zoë – Loin d’ici

Dankbare Vorlage für Prinzesschen Zoë, die überhaupt eine fantastische Startposition erwischt hat und ein absoluter Fanfavorit geworden ist. Wie weit trägt sie die Zuckerstimmung? Zoe lächelt und scheint entspannt, sie hat nichts zu verlieren, die Sonne geht auf und die junge Bardot wandelt über Kopfsteinpflaster nach Oz, während Schmetterlinge im Hintergrund flattern. Sie macht es super, im Semi war die Nervosität zu merken, jetzt nicht mehr. Der Lolita-Chic wird die Top10 entern, denken wir. Die Halle tobt, wir auch, und sie lächelt sehr schön in die Kamera. 18/20 Punkte. Mit Hovi und Dami teilt sie sich unsere Spitzenposition (na, was habt ihr sonst von uns erwartet?)

 

25. Großbritannien: Jake & Joe – You’re not alone

Nun die singenden Welpen aus UK im Casual Leather Look. Auch süß, aber anders. Bühnenbild mit vielen Gesichtern, sie haben eine Band auf der Bühne und sie singen es besser als erwartet, aber angesichts der Konkurrenz fällt ihr Mangel an Präsenz und Charisma natürlich besonders deutlich auf. Und das Lied ist höchstens Stangenware, da sind ja die im ESC-Ausland verklappten schwedischen Wühltischnummern charakterstärker. Für mich der schwächste BIG5-Titel. Wir geben 5/20 P. (noch vor Donny bei uns).

 

Und zum Schluss noch ein Höhepunkt – die frsich gebackene Polit-Aktivistin Iveta M., die hoffentlich heute keine Karaback-Fahne mit sich führt (Disquzalifikation droht sonst).

26. Armenien: Iveta Mukuchyan – Love Wave

Die Vergleiche mit Beyoncé kommen nicht von ungefähr, Iveta ist brutal hübsch und hat eine brutal starke Stimme und den außergewöhnlichsten Popsong im Wettbewerb. Ihre Haare gefallen mir heute nicht (Charlie’s Angel, aber nicht die Fülle von Farrah Fawcett). Stimmlich ist sie top, die Choreo ist stark und wir vermuten, dass sie mit ganz vorn war im Semifinale. Hologramm mit 6 mal Iveta kommt cool. Sie ging mit diesem Song (aund auch sonst) auf Risiko, wird es belohnt? Ich wünsche ihr die Top5. 16/20 Punkte.

 

23 Uhr. Wir sind durch und Petra hat sich umgezogen, sie trägt ein Verbrechen in Grün, während Monz immer noch im Anzug mit Fliege steckt. Ian McKellen und Derek Jacoby grüßen in einem Einspieler. Und wir haben den ersten Schnelldurchlauf. Die Regie zeigt erneut die Sänger während jedes Liedes, mal sehen, welche Fahnen diesmal geschwenkt werden…

Matthias greift zum Hörer und ruft für Justs und Zoe an („und einmal für Hovi“). Wir haben in unserer Liste Australien, Österreich und Israel vorn und wir finden Jamie-Lee hat ihre Sache gut gemacht. Ein Mittelfeldplatz sollte doch herauspringen, oder?

Ich rufe nicht an, fällt mir gar nicht ein, schließlich waren meine 22 Anrufe für Kaliopi im Semi vergebens… und die Wettverluste sind in diesem Jahr auch erklecklich…

 

Der Schnelldurchlauf läuft noch, sehr schöner Clip bei Jamala… die Kollegen vor Ort haben Karabach-Fahnen im Publikum entdeckt, ist ja einfach eine armenische Fahnen mit etwas weißem Klebeband, kann man sich schnell zusammenbasteln, da haben wohl die Ordner versagt… die Armenier um Iveta im Greenroom halten diesmal aber nur ihre eigene Fahne hoch, die Strafe für den Flaggenvorfall im Semi erhält Armenien erst im Juni (vermutlich eine Geldstrafe, wie wir die EBU kennen).

Monz nun im Greenroom und wir sehen Justin Timerlake, den Gast aus den USA, beim Händeschütteln mit Frans. Und jetzt wird er interviewt von Monz. Zoes Papi macht Bilder mit seinem Smartphone im Hintergrund…

Wir erfahren von Blogger Jan in der Halle, der Fan mit der Karabach-Fahne wurde abgeführt. Jetzt greift man durch… nun ja, besser so, als wenn er den Azeris in die Hände fällt.

Nun der Intervall-Film 4 Minuten zur schwedischen Popgeschichte. Björn Skifs, Abba natürlich und Harpo…die Herreys, Tommy Körberg, Europe… Neneh Cherry, Roxette, Army of Lovers und noch einige andere… Carola, Ace of Base… Schweden der Nabel der Pop-Welt. Die Collage endet mit Monz.

Und Petra in diesem wirklich scheußlichen Kleid moderiert nun Justin Timberlake an, jemand, der nun wirklich NULL mit dem ESC zu tun hat, wie vielerorts bereits bemerkt wurde. Er singt „Rock you body“ und sein neues Lied „Can’t stop this feeling“. Wir gestehen, wir sind mit seiner Musik nicht wirklich vertraut (hatte er nicht mal was mit Britney Spears?).

Ja, Matthias schaut nach, die richtige Reihung ist Britney Spears, Cameron Diaz und dann Jessica Biel (Heirat im Oktober 2012 und immer noch zusammen). Wir stimmen uns derweil auf das Voting ein, das bekanntloch mit den 42 Jurys beginnen wird, bevor die Televotingpunkte klumpenartig auf das Scoreboard geworfen werden. Der Juryaufruf wird mit Österreich beginnen und ich wage zu behaupten, schon mit der ersten Wertung wissen wir, wie es für Jamie-Lee heute punktetechnisch weiter laufen wird…

Das Voting beginnt erst um ca. 23:45 laut Plan des schwedischen Fernsehens, wir haben also noch rund 15 Minuten Intervall Acts vor uns…

Monz steht mit der Siegerin des Junior Eurovision 2015, Destiny aus Malta, auf der Bühne. Sie lädt alle zum JESC nach Malta ein, im November. Leider singt sie nicht – denn sie hat eine gewaltige Stimme, es hätte sich gelohnt, sie singen zu lassen. Und schon geht Destiny wieder ab. Schade.

Petra zurück, jetzt als Witwe gekleidet. Sie erzählt, dass man alle ESC-Songs ausgewertet habe, auf der Suche nach dem ultimativen ESC-Hit. Man brauche halbnackte Tänzer, eine trommelnde Oma, Folklore-Instrumente, eine Violine (Alexander Rybak ist da!), einen scratchenden DJ, Trickkleider (Petra steht plötzlich da in einem Outfit wie Charlotte Nilsson 1999). Dann singen Petra und Monz das Ergebnis: „Love love peace peace“.

 

Der Hamsterradläufer von „Tick tock“ ist zu sehen, Rybak fiedelt, ein brennendes Klavier à la Makemakes, die Butterstampfer aus Polen, Lordi, Monz halbnackt bewegt sich wie Dima Bilan, der Eiskunstläufer von Dima….. da ist ja alles reingepackt. Eine herrliche ESC-Hommage! Das ist wesentlich besser als das trutschige Musical, das SVT in Malmö 2013 auf die Bühne brachte! 12 points for Sweden!

Nun ist Lynda Woodruff live in der Halle. Sie müsse überbrücken, weil Petra Miidii und Monz Sell-me-love gerade ihre Kleidung wechseln. Die Gags verstehen aber vermutlich nur die ESC-Insider, der normale Zuschauer dürfte nicht jeden Gag mitgekriegt oder verstanden haben. Lustig war’s. Lady Gagarina mit „A million horses“!

 

Aber im Ernst: Es ist 20 Minuten vor zwölf, und das Televoting läuft noch. Noch kein einziger Punkt vergeben. Der ESC wird immer länger und länger. Wenn es so weiter geht, läuft der ESC in ein paar Jahren bis morgens um drei. Klar, SVT hatte einige gute Ideen fürs Pausenprogramm, aber es ist wirklich etwas zu lang.

Und nun der Countdown, nachdem in einem Einspieler noch das ESC-verrückte Schweden vorgestellt wurde. Auch Jamie-Lee ist nochmal zu sehen, winkt in die Kamera. Petra zählt auf 0 runter – Europe, stop voting me!

Petra als Glitzer-Scarlett kündigt Monz an. Er singt seine neue Single „Fire in the rain“ und dann „Heroes“. Noch sechs Minuten bis zu den ersten Jurypunkten…

 

Petra erklärt jetzt das Votingsystem. Erst kommen die Jurypunkte. Petra begrüßt Jan Ola Sand von der EBU, der ein valides Ergebnis hat. Los gehts!

Keine Punkte aus Österreich von der dortigen Jury, die 10 (!) an Malta vergibt. Oje… 12 gehen an Australien.

Island: Niederlande 12 Punkte! Glückwunsch, Douwe Bob!

Der erste 12er an Sergey kommt aus Aserbaidschan. San Marino hat 10 für Italien und 12 an die Ukraine. Russland, Australien und Malta führen… Die Punkte in flaschengrün sind leider etwas schlecht zu lesen. Serbien, Deutschland und Aserbaidschan noch ohne Punkte.

Georgiens Jury gibt uns 1 Punkt. Yeah!

Alle haben jetzt Punkte, auch Aserbaidschan hat einen. Deutschland und Aserbaidschan jetzt letzte. Malta gibt UK 12 Punkte.

Zoe liegt mit 2 Punkten auch weit hinten. „Loin d’ici“ ist kein Jurylied… immerhin 4 jetzt von der finnischen Jury. Jetzt liegen Australien, Schweden und Ukraine vorn.

Auch die Schweizer Jury hat keinen Punkt für Jamie-Lee übrig. Australien führt mit etwas Vorsprung. Der technisch aufgeladene Beitrag aus Moskau ist auch kein Juryfavorit. Die französische Jury gibt 8 Punkte für „Loin d’ici“.

Der Vorsprung von Australien wird größer. Ukraine sahnt aber auch gut ab. 12 Punkte aus Moldawien wieder für Jamala. Armenien gibt den Britpoppern aus Georgien 10 Punkte und 12 an Frankreich….

Deutschland immer noch Letzter mit nur 1 Punkt. Polen 2 Punkte.

Vorn liegen Australien, Ukraine und Russland.

Der Vorsprung für Dami Im wird größer, weil auch Trijntje 12 Punkte für Australien verkündet. Aber die Ukraine bleibt dran…

Monz im Greenroom. „Europa versteht mich sehr gut“, sagt Jamala. Und Dami ist total aufgeregt. Sie dankt Europa für die Einladung an Australien, sie habe „the time of my life“.

Ich würde gern die Punkte lesen können, aber es ist wirklich schwer. Schade und etwas merkwürdig, dass Lettland auch so weit hinten liegt.

Deutschland ist dran. 4 an Holland, 5 an Belgien, 7 an Ukraine, 8 an Georgien, 10 an Schweden und 12 an Hovi Star! Toll!

Was auffällt: Es sind echt Juryvotes. Da gibt Norwegen eben nicht zwingend die twelve points an Schweden, sondern an… Italien!

An der roten Laterne ändert sich nix: Jamie-Lee liegt ganz hinten. Australien führt weiter. Wenn Australien auch noch beim Televoting sehr gut abschneidet, haben wir einen Sieger aus Down Under.

Russland nur Sechster, da hat er nachher noch aufzuholen. Das geht natürlich. Aber wir sind sehr gespannt!

Australien, Ukraine und jetzt Amir aus Frankreich auf Platz 3 vorgerückt…

Verka Serduchka liest die Punkte der ukrainischen Jury vor. 10 an Belgien (der kleine Laura Tesoro räumt bei den Jurys überraschend gut ab), und 12 gehen an Litauen. Was????!?

Australien führt weiter. Russland ist auf Platz 8 zurückgefallen. Ukraine bekommt auch von Sloweniens Jury 12 Punkte.

Malta Vierter nach den Punkten aus Montenegro. Und die letzten Jurypunkte von Gina Dirawa für Schweden. Wieder nix für Deutschland. Wir schließen das Juryvoting mit exakt einem Punkt ab. Letzter Platz für Jamie-Lee. Wir haben noch etwas Hoffnung auf das Televoting…

Zwischenergebnis nach dem Juryvoting: Es führt Australien (320 Punkte) vor Ukraine und Frankreich. Malta Vierter, Russland nur Fünfter. 2436 Punkte sind aber noch zu vergeben. Wir haben genau 50 Prozent der Punkte vergeben.

Deutschland 10 Punkte – also 11 insgesamt. Wir werden Letzter. Das steht schon fest.

Die 10.höchste Wertung im Televote: 96 Punkte an Litauen. Dann folgt Frankreich mit 109 Punkten. Dann 120 Punkte an Österreich. Zoe hat sehr gut abgeschnitten! Platz 8 im Televoting. Weiter geht’s mit 134 Punkte an Armenien. Platz 6 im Televoting: 139 Punkte an Schweden. 180 Punkte an Bulgarien (Platz 5). Polen fehlt noch! Superergebnis für Michal Szpak.

Die Top4. 191 Punkte gehen an Australien. Reicht das? Oje…. Das wird wohl doch nichts mit dem Sieg?

222 Punkte für Polen. Wahnsinn! Das hätte ja niemand gedacht.

Platz 2 im Televoting: 323 Punkte gehen an die Ukraine, die jetzt vor Australien liegt. Der Favorit im Televote ist also Russland. Aber wie viele Punkte? Sergey erhielt 361 Punkte gehen an Russland. Die Ukraine hat gewonnen. Russland sogar nur Dritter.

1. Ukraine
2. Australien
3. Russland
4. Bulgarien
5. Schweden

Jamala hat der Ukraine den zweiten Sieg ihres Landes bei einem Eurovision Song Contest beschert. Interessant aber: „1944“ hat weder das Televoting noch das Juryvoting gewonnen. Und was für eine Schmach für das technikbeladene „You are the only one“.

 

Und: Die ARD muss sich dringend was überlegen. Zum zweiten Mal in Folge ein letzter Platz. Jamie-Lee hat einen guten Job gemacht. Leider ging der etwas langweilige Auftritt zwischen den Laser-Bäumen zwischen den vielen starken Beiträgen des Abends unter.

Wir bloggen hier die Sieger-Pressekonferenz mit Jamala. Mal sehen, wie politisch die PK wird. OLiver und ich beenden erst mal diesen Liveblog. Bis gleich!