ESC 2017: Live-Blog Erstes Semifinale – Zehn Finalisten und eine faustdicke Überraschung

Eine faustdicke Überraschung bescherte uns heute das erste Semifinale. Die hohen Mitfavoriten Norma John aus Finnland (Foto oben) sind nicht mehr dabei. Kein Mensch, weiß warum. Aber Zahlen lügen nicht….

Hier noch einmal unser Live-Blog zum Nachlesen.

Es moderierten heute die schmucken Timur Miroshnychenko, Volodymyr Ostapchuk und Oleksandr Skichko. Die drei sehen wir auch am Donnerstag und am Samstag wieder.

Die drei Herren von der Tankstelle vom ESC, hier auf dem Red Carpet Event am Sonntag.

Einen schönen Guten Abend aus dem Kiewer Pressezentrum, wo ich mich nur etwa 75 Meter Luftlinie hinter der Bühne befinde. Freie Plätze sind hier bereits knapp – was man von der Veranstaltungshalle nebenan nicht gerdae behaupten kann. Es gibt extreme Absatzschwierigkeiten, was die Tickets angeht. Vorgestern waren noch ca. 2.500 Tickets in allen Kategorien zu haben. Zum Teil waren sie da preismäßig schon deutlich heruntergesetzt. Heute nun eine Art Verzweiflungstat: Alles muss raus, jedes Ticket für umgerechnet 15,- EUR. Deutliche Lücken im Zuschauerblock will man offenbar nicht so gern sehen…

Wie dem auch sei. Ich habe mich entscheiden, heute live zu bloggen. Und ich sehe hier allerlei Prominenz durch den Raum wackeln. Freddie aus Ungarn wurde gesichtet – und auch Blogliebling Monz, der in diesem Jahr für das schwedische TV kommentiert, gibt fleißig Interviews.

Von den Kollegen aus der Halle höre ich, dass zu diesem Zeitpunkt etwa 70% der Plätze besetzt sind, der VIP-Bereich direkt hinter dem Green Room auf der Rückseite der Halle ist nahezu leer…

Und ab geht die Post! Die Eurovisionsfanfare erklingt, ich bekomme dann doch Gänsehaut…

Wir sehen einen kleinen Film, in dem zu traditionellen Gesängen mehrere junge Damen eine Art Folklore-Modeschau veranstalten. Auf der Bühne geht es weiter mit dem Rapper Monatik und dessen Song „Spinning“. Wieso? Keine Ahnung! Begleitet wird er bei seinem Rap im Folkloremantel von mehreren Tänzern. Ist eigentlich doch ganz flott!

Oleksandr, Volodymyr und Timur entern die Bühne. Schick sehen sie aus. Ach was schick – SEXY! Man bedankt sich bei Schweden für letztes Jahr und heißt alle Fans von überall her in Kiew willkommen. Das Thema „Celebrate Diversity“ wird angesprochen. Timur wird uns jetzt in Richtung Green Room verlassen und Alex und Volodymyr erklären den Ablauf des Abends – kennen wir alles.

Vorhang auf für das Semifinale!!

1 Schweden – Robin Bengtsson – I can´t go on

Der Auftritt ist nun wirklich nicht überraschend! Robins Tänzer haben wir ihre schwarzen Rollis an. Ansonsten sehen wir das Staging, das wir nun wirklich in- und auswendig kennen. Robin und der Chor singen souverän und sind richtig gute Starter für diesen ESC. Guter Applaus auch  im Pressezentrum. Sollte sich sicher qualifizieren.

2 Georgien – Tamara Gachechalidze – Keep the faith

Tamara trägt einen Traum in rot, auf der Bühne herrscht diese Farbe ebenfalls vor.  Das Cape wird abgeworfen und die Dame legt los. Sie singt heute wirklich fantastisch. Die Windmaschine geht an und die Kameraeinstaellungen sind wirklich ausgesprochen effektiv. Ein dynamischer Auftritt voller Leidenschaft – und Feuer, das zum Schluss auch noch dazu kommt. Ihr ist die Qualifikation nach dieser Leistung wirklich zu wünschen! Großer Applaus bei der Presse!

3 Australien – Isaiah – Don´t come easy

Isaiah freut sich über den Anfangsapplaus und lächelt gleich mal in die Kamera. Er ist sehr fokussiert in Richtung Kamera. Bei den Einstellungen mit seinem Gesicht hat er einen Bonus im Wettbewerb, weil er der erste ist, der diesen Effekt nutzt. Gesanglich ist alles o.k., zum Ende kommt der Goldregen und andere Pyro hinzu. Oh je, jetzt verreißt aber doch einen Ton auf Katzenniveau. Er wirkt insgesamt doch ein wenig nervös und angestrengt. Wackelt da ein eigentlich sicherer Qualifikant?

4 Albanien – Lindita – World

Keine schöne erste Einstellung von Lindita. Wie ist sie bloß geschminkt – sie sieht ein wenig aus wie eine böse Hexe, die mit X-Beinen den Verlust ihrer Zauberkräfte beweint. Auch sie muss ziemlich nervös sein, auch, wenn sie zum Schluss einwandfrei abliefert. Ehrlich gesagt, ist sie für mich mit diesem Auftritt eine Kandidatin für den letzten Platz heute. Überhaupt nicht ansprechend…

5 Belgien – Blanche – City Lights

Nun aber zu DER  Wackelkandidatin dieses Abends! Sie ist bei schwarz geblieben. Der Blumenschmuck und die Frisur passen zu ihr. Sie lächelt sogar ein wenig. Das ist definitiv der beste Auftritt, den ich von ihr in den letzten Tagen gesehen habe. Auch, wenn ich die Inszenierung mehr oder weniger völlig unpassend finde. Den letzten Refrain verpatzt sie wieder, das verheulte Mädchen ist wieder zurück. Na ja….ich bin nicht schlauer als vorher aber im Pressezentrum gibt es den stärksten Applaus bisher.

6 Montenegro – Slavko – Space

Und nun zu DEM Zopf des Abends. Wir hören die Halle nebenan vibrieren – die Zielgruppe wird erreicht. Aber gesanglich hat sich Slavko gegenüber den Proben wirklich nicht verbessert. Ganz schwach. Nur Performance ist bei einem Song Contest einfach zu wenig. Je länger es dauert, desto mehr kommt mir das Wort „Fremdschämen“i in den Sinn – die Leute im Pressezentrum schauen fassungslos auf den Schirm, fühlen sich bestens unteralten, würden aber sicher keinen Cent für ein Telefonat ausgeben… Ganz sicher draußen!

Eine kleine Schalte in den Green Room….und zurück zum Wettbewerb!

7 Finnland – Norma John – Blackbird

Wie schön, in der Halle gehen die Lichter an und ich binschon wieder gefesselt, obwohl ich diesen auftritt wirklich schon so oft gesehen habe… Souveräne Darbietung mit dem schönsten Klaviersolo der ESC-Geschichte. Was für eine wunderbare Stimmung dieser Song verbreitet – zwischen wohligem Gefühl und schauriger Depression. Ergreifend. Für mich ganz sicher weiter und ein Kandidat für sehr weit vorn.

8 Aserbaidschan – DiHaj – Skeletons

Nun wieder die Performance, die ich ganz toll finde, die ich aber in ihrer ganzen künstlerischen Breite ienfach nicht erfassen kann. DiHaj liefert im Grunde das ab, was wir in den Proben gesehen haben. Ich bin immer wieder von ihrem großartigen Backing-Chor begeistert. Die dürfen nicht nur singen, sondern auch agieren. Souverän – sollte sich leicht qualifizieren.

9 Portugal – Salvador Sobral – Amar pelos dois

Und nun zum Favoriten des Abends – geheim ist da gar nichts mehr. Andächtige Stille im Pressezentrum. Salvador von Lichtern umgeben auf der Satellitenbühne. Auch das Publikum reißt sich zusammen – schön! Salvador scheint überhaupt nicht nervös zu sein, er singt in einer anderen Sphäre. Zwischenapplaus beim Instrumentalteil. Kann man ruhig machen! Ich bin zum Schluss ganz hin und weg mit Gänsehaut und allem drum und dran. Das Pressezentrum applaudiert ordentlich, aber keinesfalls enthusiastisch – wie ich eigentlich erwartet hatte. Anyway – Salvador ist DER Herausforderer von Francesco Gabbani, also MUSS er ins Finale!

10 Griechenland – Demy – This is love

Na toll, stimmliche Wackler gleich zu Beginn. Den Refrain rettet der Chor, weil Demy deutlich der Saft abgedreht wird – den langen Ton hat sie ja so gut wie nie getroffen. Die Turnstunde der zugegebenermaßen attraktiven Adionisse an Demys Seite bleibt albern und erinnert ein wenig an Angguns Gymnastikfiasko von 2012. Griechenland ist keinesfalls safe durch. Schlecht gesungen, durchschnittlicher Song, alberne Choreographie – das muss einfach knapp werden!

11 Polen – Kasia Mos – Flashlight

Die einzige Chance, die Kasia jetzt hat, ist, sich als ernsthaftes Gegenangebot zu Demy zu verkaufen. Stimmlich steckt sie sie schon mal locker in die Tasche. Weißes Kleid vor blauem Hintergrund war heute auch noch nicht, oder? Riesenapplaus von der polnischen Abteilung hier im Raum. War ein richtig guter und kraftvoller Auftritt. Vielleicht doch ein Dark Horse? Langsam werde ich imer irritierter…

12 Moldawien – Sun Stroke Project – Hey Mamma

Jetzt gibt es gutgemachten Uptempo-Sound aus Moldawien. Insbesondere die Inszenierung mit den Anzug-Boys, dem Epic Sax Guy und den Bräuten in Trickkleidern mit Blumenmikrofonen überzeugt. Das ist originell, flott, eingängig und so redundant, dass es sich tief ins Ohr reinbohrt. Für mich ein sicherer Qualifikant heute Abend.

13 Island – Svala – Paper

Ich konnte vom ersten Moment an mit diesem Song überhaupt nichts anfangen. Und die Frau wirkte immer ein wenig merkwürdig auf mich. Eine Probe habe ich von hier in Kiew nicht zus ehen bekommen. Mal abgesehen von den gruseligen Plateauschuhen finde ich den Auftritt ganz gelungen. Sehr stylish und modern, mit Laser und als eine Art Prinzessin Leija für Arme. Allerdings gibt der Song irgendwie so gar nichts her und plätschert links und rechts an mir vorbei. Nein. Raus.

Erneut geht es in den Green Room, der Epic Sax Guy bekommt ein kleines Special. Darf man das? Er spielt nochmal seinen Part aus dem moldawischen Song von 2010. Besonders gut hört sich das aber auch nicht an…

14 Tschechien – Martina Barta – My turn

Weiter geht´s mit der Dame in der Erste-Hilfe-Rettungsfolie. Ich hätte Martina ja an einen Mikroständer auf dem Satelliten gestellt wie Salvador. Dort hätte dieser etwas simple Song seine Wirkung entfalten können. Stattdessen diese grauslige Klamotte und halbnackte Ballettleiber auf den farbenfrohen LED-Screens. Gut gesungen, aber am Ende dann leider auch ziemlich langweilig. Ich fürchte, die wunderbare Martina ist auch eine Kandidatin für ganz hinten…

15 Zypern – Hovig – Gravity

Ich finde die Choreographie zu dem Song tausend Mal besser als den Song selbst. Ist zwar komplett zusammengeklaut aus verschiedenen anderen Acts, aber das ist nicht verboten und erweist sich als ausgesprochen effektiv! Die Balanceübungen bekommt Hovig gut hin, er singt sehr kraftvoll und einwandfrei. Aber der Song bleibt eintönig. Könnte sich knapp qualifizieren.

16 Armenien – Artsvik – Fly with me

Um Gottes Willen, direkt hinter mir baut sich eine armenische Fangruppe auf….warum nur? Jetzt bin ich von Fotografen umringt und sehe nichts mehr – ganz toll! Ich finde, Artsvik hat eins der schönsten Stagings des gesamten ESC in diesem Jahr. Auch die Choreographie mit ihren Tänzerinnen sowie allerlei Pyro tun das ihre dazu, um für einen wohl ganz sicheren Finaleinzug zu sorgen! Zum Schluss fliegt ein animierter Vogel von der Bühne in Richtung Himmel. Und ich bin taub von „Hayastan“-Rufen direkt hinter mir…

17 Slowenien – Omar Naber – On my way

Im Glanzanzug kommt Omar zurück nach Kiew. Und ich habe ein Déja-Vu, denn mich erinnern die ersten Blicke in die Kamer total an seinen Auftritt vor 12 Jahren. In der zweiten Strophe geht er sogar auf die Knie, er singt klasse und kraftvoll. Die Bühne wirkt kleiner durch den Bildschirmring, der um ihn gebildet wird, dadurch geht er nicht „verloren“. Ich denke, er wird es heute schwer haben, aber wünschen täte ich ihm den Finaleinzug schon.

18 Lettland – Triana Park – Line

Und schon sind wir beim letzten Song – Wahnsinn! Die Performance ähnelt der aus der lettischen Vorentscheidung. Ich glaube, aber, das ist alles zu bunt und Agnese hat sich heute für die Perücke in silber und grün entschieden – mit Zöpfen. Geht das nicht eigentlich auch ein bisschen in Richtung Manga-Style? Soll ja nicht so erfolgreich sein beim ESC, habe ich gehört… Ich glaube, das wird nix, das Publikum dürfte eher verstört sein…

So, wer soll denn nun ins Finale? Antworten bitte auf einer Postkarte an den Prinz-Blog…

Enttäuschend waren heute sicher Isaiah, Lindita und vor allem Demy

Blanche konnte etwas mehr überzeugen als in den Proben, aber eine Favoritin auf den Sieg ist sie sicher nicht mehr. Salvador war so wie erwartet – man kann gespannt sein, wie das Publikum auf ihn reagiert.

Meine Geheimtipps des Abends: Svala aus Island und Tamara aus Georgien!

Der Schnelldurchlauf ist durch und es gibt einen Rückblick auf den Ukraine-Sieg vor einem Jahr. Und dann singt Jamala noch einmal „1944“ in einer orchestral ordentlich aufgemotzten Extended-Version. Im anschließenden Kurzinterview verrät sie, dass sie im letzten Jahr wahnsinnig viele Gigs hatte und erst kürzlich geheiratet hat – Herzlichen Glückwunsch!

Zweiter Schnelldurchlauf. So langsam beginnt die letzte Möglichkeit, einen Anruf abzusetzen. Und Schluss. Stop voting now!!

Und nun die Lebensgeschichte von Verka Serduchka….Huch – das spielt ja alles direkt vor unser Blogger-WG. Unser Fotograf Volli ist ja bei den Dreharbeiten noch über Verka und ihre „gute Mutter“ gefallen. Ganz witzig, das Filmchen…

Weiter geht´s mit einem weiteren Song von Jamala. Inzwischen sind Peter aus der Halle und Volli bei mir am Tisch eingetroffen und sind ganz geflasht von ihrem Auftritt. Ja – kann man sich in diesem Rahmen wirklich gut ansehen. Sie iste ien wirklich gute Performerin.

Und nochmal in den Green Room und zu Manel Navarro, dessen Song dann auch nach einem kurzen Interview eingespielt wird. Weiter geht es zu Lucie aus Großbritannien – gleiches Soiel: kurzes Interview und Videoaufzeichnung aus dem Juryfinale. Und natürlich kommt auch Francesco dran.

So, jetzt wird es ernst, Jon Ola Sand erklärt, dass es ein Ergebnis gibt.

Finalist 1: MOLDAWIEN

Finalist 2: ASERBAIDSCHAN

Finalist 3: GRIECHENLAND

Finalist 4: SCHWEDEN

Finalist 5: PORTUGAL

Finalist 6: POLAND

Finalist 7: ARMENIEN

Finalist 8: AUSTRALIEN

Finalist 9: ZYPERN

Finalist 10: BELGIEN

WIR SIND SCHOCKIERT!!!! Finnland ist ausgeschieden. Wie konnte das denn bitte passieren? Mir fällt dazu gar nichts ein….

Glückwunsch an die zehn Finalisten, aber anstatt Belgiens Blanche hätten im letzten Umschlag auf jeden Fall Norma john stecken müssen…. Ich sage Gute Nacht für heute. Marc und Tjabe melden sich gleich von der Sieger-PK. Ich habe fertig…

Stay tuned!