Live-Blog Finnland: Saara vertreibt in Lissabon die „Monsters“

Bereits am 7. November 2017 wurde bekanntgegeben, dass Saara Aalto Finnland beim Eurovision Song Contest in Lissabon vertreten wird. Offen war seitdem nur noch die Frage: Mit welchem Lied? Drei standen zur Auswahl. „Monsters“ startete als Favorit und holte sich am Ende auch den Sieg. Dabei war „Domino“ nicht zuletzt wegen des besseren Gesangs und der Bühnenshow ein unerwartet starker Wettbewerber. Hier unser Live-Blog zum Nachlesen.

Monsters, Monsters oder Monsters? Es muss schon ein Wunder geschehen, wenn heute Abend nicht „Monsters“ zum finnischen Beitrag für Lissabon gewählt werden sollte. Andererseits ist auch schon Ann Sophie nach Wien gefahren… In jedem Fall, die Prinz-Blog-Leser und die Besucher der finnischen Veranstalter-Website YLE sehen alle „Monsters“ vorn.

Welcher Titel es wird, entscheidet sich heute Abend in der Espoo Metro Areena in – der Name sagt es bereits – Espoo, der zweitgrößten finnischen Stadt, die wiederum Bestandteil des Ballungsraums Helsinki ist. In derselben Areena erlebte ich 2013 den Sieg von Krista Siegfrids. Die Entscheidung fallen die TV-Zuschauer und eine internationale Jury jeweils zur Hälfte. Der Hashtag ist übrigens #UMK18; aber Ihr könnt natürlich sehr gern hier kommentieren.

Hallo aus Hamburg-Hohenfelde. Es ist noch hell draußen, das kennt man wirklich nicht von einem Live-Blog. YLE läuft bereits über die Areena-App und Air-Play auf dem Fernseher. Im Moment ist eine Saara-Aalto-Dokumentation zu sehen. In zehn Minuten soll die Show in Espoo starten.

Ich stelle gerade fest, dass das Schauen über Handy-App dann ein Problem ist, wenn man angerufen wird. Hier ist der normale Link zur Direktübertragung vom finnischen Fernsehen.

Bevor’s losgeht, mache ich mir noch schnell einen Kaffee. War es nicht so, dass die Finnen den höchsten Kaffee-pro-Kopf-Verbrauch in der Welt haben?! When (virtually) in Finland, do as the Finns do!

Und los geht’s! Eine Ansagerin begrüßt uns aus der Halle, dann kommt der Vorspann. Wir sind in der Halle und werden von Krista Siegfrids mit einem Lied begrüßt. Sie ist sehr farbenfroh gekleidet und singt tanzend mit einer bonbonfarbenen Tanzgruppe einen Suzy-inspieriereten Song auf Finnisch. Ok, da sind noch andere Latino-Versatzstücke drin. Womöglich also eine Hommage an die portugiesischen Gastgeber im Mai. Großartig: Vor dem Tonartwechsel atmet sie Helium aus einem Luftballon und singt entsprechend hoch.

Ein finnischer Peter Urban kommentiert parallel aus dem Off. Er heißt Mikko Silvennoinen und wird nun auch eingeblendet. Es gibt auch schwedenfinnische Kommentatoren in der Areena. Im Greenwoom erwartet uns es ein sehr homosexueller Moderator, Christoffer Strandberg. Dort sitzen aber auch nur die Liedschreiber. Denn Saara muss sich ja ständig umziehen und singen.

Wiwibloggs William ist auch dabei – als Teil der UK-Jury. „Let’s do this!“ Dazu kommen noch sieben weitere internationale Jurys. Deutschland ist nicht dabei. Dafür wartet bereits Melanie C hinter der Bühne. Und Saara ist auch bereit. Es folgt ein Einspieler. An dessen Ende werden die Nummern fürs Voting genannt.

Bühne frei für das erste Lied, Monsters. Saara gibt einen kurzen Kommentar in einem Einspieler.

 

Monsters (M/T: Saara Aalto, Joy Deb, Linnea Deb, Ki Fitzgerald)

Saara steht in einer schwarzen Kutte auf einer schwarzen Bühne am Stativ-Mikro in einer Art Duschvorhang. Aus den Ärmeln fallen Blütenblätter. Der Vorhang wird von drei Monstern umtanzt. Zum Refrain werden die Vorhänge weggerissen. Zur zweiten Strophe geht auch die Kutte weg und Saara trägt ihr buntes Kostüm (Aufmacherfoto). Dazu kommen zwei Tänzerinnen. Überhaupt macht Saara auch diverse Tanzbewegungen. Der Gesang ist ok, nicht wirklich berauschend. Während der Brücke werden rote und grüne Neon-Effekte genutzt.


Das Publikum steht zum Applaudieren zum Teil auf. Ich bin ehrlich gesagt etwas enttäuscht. Auf mich wirkte das bei allem Aufwand etwas billig. Daher gebe ich nur

7 von 10 Punkten.

Gespräch im Greenroom: Linnea Deb ist von der Anreise aus Schweden etwas gejetlagget. Natürlich wird Saara von ihnen gehypt. Joy Deb kann tatsächlich Finnisch sprechen.

Krista geht zu Saara in den Backstage-Bereich, wo sie gerade umgestylt wird. Saara wirkt vergleichsweise entspannt. Respekt! Krista hingegen könnte auch mal wieder abgepudert werden. Stattdessen unterhält sie sich mit einer Frau, die aussieht wie die Freundin von Saara.

Ein blonder Mann mit sehr vielen, sehr großen Zähnen meldet sich aus dem Greenroom-Bereich. Vielleicht ist er lustig. So sieht er auf jeden Fall aus. Oder ist das Christoffer?

Krista hat sich umgezogen. Jetzt trägt sie ein rotes Kleid und eine Disco-Kugel-Perrücke. Oder so etwas.

 

Domino (M/T: Saara Aalto, Thomas G:son, Bobby Ljunggren, Johnny Sanchez, Will Taylor)

Fünf große Domino-Steine stehen auf der Bühne – wer hätte so etwas erwartet? Davor Saara im erwarteten perlenbesetzten, hautfarbenden Bodysuit. Am Ende des ersten Refrains kippen die Dominosteine nach vorn. Zum zweiten Refrain fährt der Dominostein von Saara nach oben und dreht sich um die eigenen Achse, so dass sie zeitweise über dem Kopf stehend singt. Nice! Langer Ton und Pyro. Davor kleiner Kamerafehler: man sah einen Techniker, der ihr wohl einen langen Rock angeknöpft hat. Insgesamt eine professionelle Show auch ohne Tänzer. Mich hat die Drehung beeindruckt und deshalb gebe ich

8 von 10 Punkten.

Ich find Domino als Song zwar nicht unkonventionell, aber sehr modern. Er ist mir beim Hören im Rahmen der anderen ESC-Songs immer insofern aufgefallen, dass ich dachte, dass das jetzt wohl kein Beitrag ist, sondern ich einen anderen Titel in die Playlist gepackt haben muss. Eigentlich kein schlechtes Zeichen.

Wieder im Greenroom ist der Moderator als Loreen verkleidet und singt auf die Melodie von „Euphoria“ ein Happy Birthday für Thomas G:son. Lustig. Krista übernimmt – schon wieder in einem neuen Outfit und unterhält sich mit ihm auf Schwedisch. Bobby Ljunggren sagt, dass diese Woche Anna Bergendahls „This is My Life“ sein eigener Lieblingssong ist. Das ändere sich aber von Woche zu Woche.

Krista läuft mit einer bunten Disco-Kugel in einer Hand weiter durch die Gegend. Jetzt kommt bereits der dritte Beitrag.

 

Queens (M/T: Saara Aalto, Tom Aspaul, Daniel James Denis Goudie, Ash Milton)

Eine Art Raumschiff und Saara im bekannten Space-Outfit. Die Farbgebung ist neon-pink-petrol. Zum Refrain kommen Tänzer dazu, die mit ihr intensive Übungen machen. Das soll wohl sehr sexy sein, ist aber eher unterkühlt. Oh, Überraschung: kurzer Trickkleidmoment in der zweiten Strophe, aber nichts Großes. Die beiden Backgroundsängerinnen dürfen auch mal mittanzen. Das Raumschiff wird gedreht und ist auf einmal eine riesige Treppe. Saara geht hoch und singt entsprechend von oben. Von dort feuert sie auch selbst etwas Pyro ab. Dann ist es vorbei und ich gebe

6 von 10 Punkten.

 

Puh, mein Favorit wäre jetzt „Domino“. Aber ich muss leider sagen, dass mich keiner der Auftritt in der künstlerischen Umsetzung wirklich überzeugt hat. Da waren die Sachen, die sie im britischen Fernsehen gemacht hat, zum Teil deutlich liebevoller und ausgefeilter. Sie kommt in keinem der Lieder irgendwie sympathisch rüber.

Greenroom-Schalte: Eine Drag-Königin interviewt den verantwortlichen Liedschreiber von „Queens“.

Krista Siegfrids jetzt in einem orange-färbenden Hosenanzug interviewt einen weiteren Gay, der offenbar auch für „Domino“ ist. Aber das ist eine reine Vermutung.

Gay Christoffer im Greenroom hat noch einen weiteren Gay bei sich (haben heute eigentlich alle finnischen Homos Ausgang?) und prüft anhand vom Publikumsapplaus, welcher Beitrag die meisten Anhänger hat. Es klingt eher nach „Domino“ oder „Queens“.

Und jetzt mal ein Schnelldurchlauf. Ein Blick auf die Uhr: 50 Minuten sind rum. Noch 40 40 Minuten to go.

Also nach dem Schnelldurchlauf muss ich sagen: Wir brauchen „Domino“ beim ESC. Allein wegen der Drehung. Die wird in 30 Jahren noch in allen ESC-Rückblicken gezeigt werden!!

Saara bei Krista auf der Bühne. Sie unterhalten sich über die Spice Girls. Dann kommt jetzt wohl … Melanie C! Schönes Bühnenbild bei „I Turn To You“; nur leider ist der Gesang Grütze. Und dafür dann so einen Applaus? Naja, sie war halt mal ein Star… vor 20 Jahren.

Nach einem Einspieler ist Krista wieder da, jetzt in einem weißen Dolly-Parton-Outfit. Darüber macht sie auch gleich einen Witz.

Saara sitzt jetzt auch im Greenroom und wirkt ganz gespannt. Das Voting beginnt:

UK: William gibt 12 Punkte an Monsters, 10 Domino, 8 Queens

Island: Hera Björk gibt 12 Punkte an Domino, 10 an Monsters, 8 Queens

Frankreich: 12 Punkte für Monsters, 10 für Domino, 8 Queens

Estland: 12 Punkte für Domino, 10 für Monsters, 8 Queens

Gleichstand bei Domino und Monsters

Italien: 12 Punkte für Monsters, 10 für Queens, 8 Domino

Schweiz: 12 Punkte für Domino, 10 für Monsters, 8 Queens

Norwegen: 12 Punkte für Monsters, 10 für Queens, 8 Domino

Portugal: Suzy gibt 12 Punkte an Domino, 10 für Monsters, 8 Queens

Zwischenstand: 88 Punkte für Monsters, 84 Punkte für Domino, 68 für Queens

Ein leichter westeuropäischer Bias bei den Jurys… Und böse gesprochen könnte man auch sagen, dass die sehr offensichtlich homosexuellen Juroren alle Monsters 12 Punkte gegeben haben, während die anderen eher Domino an der Spitze sahen. Sind da die Ultrafans vielleicht etwas zu sehr voreingenommen gewesen? Dabei könnte ich gut mit Monsters als Song leben, wenn nur der Auftritt besser wäre.

Schnelldurchlauf. Christoffer ist als Boa-Tunte im Greenroom mit Saara Aalto im Gespräch. Saara wirkt weiter entspannt und scherzt. Naja, sie geht ja in jedem Fall in Lissabon an den Start.

Krista steht als billige Sport-Bitch auf der Bühne und singt einen Titel auf Finnisch. Oh, es ist eine moderne Version von „Bye Bye Baby“. Und zum Refrain kommen Cat Cat dazu. Sie haben dasselbe Outfit wie Krista nur in ihren Farben von damals: grün und rot.

Der Zwischenstand wird noch einmal eingeblendet. Queens dürfte raus sein. Jetzt ist die Frage, ob Domino vom TV-Publikum vier Punkte mehr bekommt als Monsters oder nicht.

Queens bekommt 70 Punkte und kommt auf 138 Punkte. Also eine ähnliche Wertung wie von den Jurys.

Domino bekommt zu seinen 84 Punkten 75 Punkte dazu. Zusammen also 159 Punkte. Das reicht nicht. Monsters hat gewonnen.

Monsters hat 88 Punkte und bekommt 95 Punkte dazu. Sind 183 Punkte insgesamt. Das ist der Sieg. Schade, dass wird keine Drehung mit Kopfstand in Lissabon.

Jetzt müssen sie wirklich noch am Auftritt und Gesang arbeiten, denn so richtig überzeugend war das nicht.

Krista überreicht Saara einen Blumenstrauß. Auf der Bühne sind auch Linnea und Joy Den, die Komponisten bzw. Autoren des Songs.

Noch haben wir 10 Minuten für die Sendung. Ah, sie tritt nicht noch einmal live auf, sondern der Auftritt wird aus der Konserve eingespielt. Vor Ende des Songs beginnt der Abspann. Naja, beim deutschen Vorentscheid waren wir auch schneller durch als erwartet.

Finnland 2018: Saara Aalto – Monsters

Die Zuschauer in der Halle verlassen bereits die Plätze, während der Kommentator noch etwas sagt. Dann heißt es: „Moi Moi“ aus Espoo – und aus Hamburg-Hohenfelde, for that matter. Ich bedanke mich bei allen Lesern und Kommentatoren und wünsche weiter viel Spaß mit unseren diversen Live-Blogs an diesem Super-Samstag!

[poll id=“775″]