Live-Blog Frankreich: Song über Flüchtlingskind „Mercy“ von Madame Monsieur gewinnt hochkarätiges Finale

Nun kommt die Vorentscheidungssaison 2018 so richtig in Fahrt: Nach zwei Halbfinals mit überraschend hohem musikalischen Niveau stand am Samstagabend das französische Finale an. Acht Qualifikanten kämpften im ersten öffentlichen Vorentscheid seit vier Jahren um die Gunst des TV-Publikums und 10 internationaler Juroren. In Saint-Denis herrschte ESC-Partystimmung auf der Bühne und im Publikum. Dabei war es spannend bis zur letzten Minute. Hier unser Live-Blog zum Nachlesen.

Mit Frankreich wählt heute das erste Big 5 Land seinen Beitrag für Lissabon. Im neuen Vorentscheidungsformat „Destination Eurovision“ kämpften in den vergangenen Wochen insgesamt 18 Kandidaten um den Einzug ins heutige Finale in Saint-Denis. Unsere Zusammenfassung des ersten Halbfinals könnt ihr hier lesen, die des zweiten Halbfinals hier.

In Fankreisen wurde das neue Format überwiegend hoch gelobt und auch das Finale gilt als stark besetzt – quasi ESC Champions-League-Niveau. Bravo La France!
Auch die Fans hatten gut lachen: man konnte als OGAE-Mitglied kostenlose  (!) Tickets ordern und auch Wasser und Sandwichs gab’s ebenso gratis für die Fans. Da steht einem tollen Abend vor Ort in den Studios de France in Saint-Denis also nichts mehr im Wege.

Moderiert wird die Finalshow auch heute wieder vom französischen Sänger Garou. Dafür gibt es einen Wechsel in der frankophonen Jury, da Amir verhindert ist. Alma, Frankreichs ESC Vertreterin in Kiew, nimmt seinen Platz ein. Desweiteren sind Christophe Willem und Isabelle Boulay in der nationalen Jury, die heute nur eine beratende Funktion inne hat.

Im Studio ist nach dem Opener (u.a.“Heroes“, „Volare“ und Alma mit „Ding-a-Dong“) schon super Stimmung und man sieht jede Menge Fahnen aus aller Herren Länder. Auch für mich als Fan ist das großes Kino endlich mal wieder einen Vorentscheid live am TV Flatscreen zu sehen (…und nicht über einen ruckeligen Livestream auf dem Laptop, der immer wieder hängen bleibt).

Garou kündigt dann sogleich den ersten musikalischen Beitrag an. Es gibt diesmal Duette vor den Wettbewerbsbeiträgen. Maitre Gims, der französisch-kongolesische Rapper und Louka machen den Anfang und  performen „Cameleon“. Zu jedem Teilenehmer gibt’s dann kurze Einspielfilme.

1. Louka – Mamma mia

Lockenkopf Louka hat mit „Mamma Mia“ einen gute Laune Popsong im Gepäck. Der Refrain bleibt gut im Ohr. Was allerdings in der Audio-Version noch ganz vielversprechend klang, bringt er live nicht so richtig rüber. Stimmlich auch mit ein paar Wacklern. Louka performt lässig im weißen Shirt mit schwarzer Lederjacke und Tänzern. Fazit: buntes leicht konfuses Staging und guter Song – aber stimmlich nicht stark genug für die ganz große ESC Bühne.

Punkte: 5/10

 

Als nächstes performt Igit mit Alain Souchon einen coolen Countrysong. Dem Publikum gefällt’s.

2. Igit – Lisboa-Jérusalem

Nun Igit mit einem großen Koffer, einer Spieluhr und dem eher nachdenklichen „Lisboa Jerusalem“. Für deutsche Ohren ein schrecklich klingender Künstlername „Igit“ und mit einem extrem nach französischem Chanson klingendem Sound. Findet sicher auch seine Liebhaber, meins ist es jedoch nicht unbedingt. Wirkt ein wenig aus der Zeit gefallen, aber der Beitrag kommt an und bereichert die Final-Show. Im Hintergrund wechseln sich Europakarten, Weltkugeln und Städtenamen ab. Stimmlich meistert Igit diesen französischen Waltzer exzellent. Ich fühle mich nun richtig beschwingt und etwas an Daniel Diges erinnert, wobei die Marionette doch von Mans Zelmerlöw geklaut ist 😉

Punkte: 5,5/10

 

Das nächste Duett steht an und das Publikum tobt: Slimane & Emmy mit „Viens on s’aime“. Im Einspielfilm drückt ihr Conchita bereits fest die Daumen.

3. Emmy Liyana – OK ou KO

Emmys Look fasziniert und mit ihren pinken Haaren und der John Lennon Brille hat den Song stimmlich voll im Griff. Auch Emmy performt ganz in schwarz und hat als Tänzerinnen ein paar Emmy-Look-a-likes dabei oder eher Grace Jones Look-a-likes? Der Song klingt wie eine ordentlich aufgepimpte Version von „L’enfer et moi“ meets „Black Smoke“.  Emmy flirtet schön mit der Kamera und der schleppende Beat groovt echt gut. Gehört heute Abend sicher mit zu den Topfavoriten. Es gibt laute Emmy-Sprechchöre. Ganz klar kein KO für Emmy, sondern deutlich mehr als OK 🙂

Punkte: 8/10

 

Als nächstes Duett folgt „Reine“ von Dadju & MadameMonsieur.

4. Madame Monsieur – Mercy

Émilie Satt und Jean-Karl Lucas sind das Duo ‚Madame Monsieur‘. Sie performen ebenfalls ganz in schwarz gekleidet ihren Song über ein Flüchtlingskind („je m’apelle Mercy“). Die Message berührt und wird vermutlich polarisieren. Musikalisch wandelt der Song ein wenig auf den Spuren von „Sweet Harmony“ (The Beloved). Sehr melodischer Popsong, zuckersüß und wohl etwas dahin plätschernd, aber trotzdem faszinierend. Schön: nach der Bridge nimmt der Song nochmal zusätzlich Fahrt auf. Kämpft mit um den Sieg bei „Destination Eurovision“. Es gibt nicht enden wollende „Mercy“-Sprechchöre im Publikum.

Punkte: 9/10

 

Die Jury lobt zurecht die hohe Qualität des Beitrags. Und hochklassig geht es weiter. Zu Ehren der leider viel zu früh verstorbenen Cranberries-Sängerin Dolores O’Riordan performen Nolwenn Leroy und Lisandro Cuxi den Mega-Hit „Zombie“. Gänsehaut pur.

5. Lisandro Cuxi – Eva

Lisandro sieht aus als wäre er von den Jackson Five entsprungen. Er trägt knallblaue auffällige Schuhe. Sein Song beginnt ruhig, baut sich dann schön auf und mündet dann in einen Refrain mit tollem Ohrwurm-Charakter. Er singt zunächst französisch und den Refrain dann auf Englisch. Der Sprachmix passt für mich aber gut zum Song. Der Sound klingt frisch und es gibt sogar eine kleine Dance Einlage. Lisandro kommt sehr selbstbewusst rüber und wird so manches Teenagerherz höher schlagen lassen. Sehr starker Auftritt! Hat Potenzial „Destination Eurovision“ zu gewinnen. Es gibt wieder Sprechchöre!

Punkte: 9/10

 

Wow! Was für ein hochklassig besetztes Finale. Allein die letzten drei Startnummern Emmy, Madame Monsieur und Lisandro liegen allesamt auf Augenhöhe und würden nahezu jeden Vorentscheid in Europa bereichern. Es gibt keine Längen – beste ESC TV-Unterhaltung am Samstag abend zur Prime Time.

Ganz perfekt ist die Show dann allerdings doch nicht. Es gibt eine Panne beim Schnelldurchlauf. Da fehlen Startnummern – auf eins folgt drei.
Nun das nächste Duett: Max singt zusammen mit Patrick Fiori „Ou je vis“

6. Max Cinnamon – Ailleurs

Max genießt ja fast noch Welpenschutz. Da werden die Mädels aus der 5. und 6. Klasse nur so dahinschmelzen. Er steht ganz alleine mit seiner Gitarre auf der Bühne und singt seine nette Midtempo-Nummer. Es wirkt ein wenig wie ein unausgereifter Ed Sheeran-Song. Vielleicht kann Max es ja in den kommenden Jahren nochmal Vorentscheid probieren. Potenzial ist ja da, aber 2018 wäre für ihn noch zu früh in meinen Augen.

Punkte: 4,5/10

 

Nun mal kein Duett sondern die kompletten Gipsy Kings singen zusmmen mit Chico und Nassi den Song „Elle m’a aimé“.

7. Nassi – Rêves de gamin

Nassi hatte mit „La vie est belle“ 2017 schon einen kleinen Hit in Frankreich und wird daher durchaus im erweiterten Favoritenkreis erwartet.  Das fröhliche, modern klingende „Rêves de gamin“ ist mit mehreren Tänzern ganz witzig umgesetzt: es gibt viele knallbunte Symbole (Raketen, Ufos usw)  und Zeichnungen. Es wird wild umhergerannt, wie seinerzeit 2008 bei Laka. Der Song von Nassi hat ordentlich „wumms“ im Refrain und sorgt für gute Stimmung im Studio. Allerdings wirkte Nassi etwas kurzatmig und es schien nicht jeder Ton zu 100% zu sitzen.

Punkte: 5.5/10

 

Wie kurzweilig – nun schon der letzte Wettbewerbsbeitrag. Vorher noch das Duett von Malo und Cats on Trees mit dem Song „Sirens Call“.

8.Malo‘ – Ciao

Wuschelkopf Malo sitzt am Piano, erinnert optisch etwas an Ed Sheeran. In der Strophe wirkt seine Stimme leicht nuschelig. Zum Refrain erklimmt seine Stimme jedoch abenteuerliche Höhen. Zur zweiten Strophe schreitet er dann nach vorne und kommt richtig aus sich heraus. Außergewöhnlicher Beitrag mit ein paar Coldplay-Vibes und einem einem charismatischen Sänger mit hohem Wiedererkennungswert. Könnte heute Abend durchaus Außenseiter-Chancen auf den Sieg haben.

Punkte: 7/10

 

Voilá – das waren die 8 Wettbewerbsbeiträge. Was für ein Fest! Und wie schön, dass so viele PrinzBlog Leserinnen und Leser mit dabei sind und so eifrig kommentieren. Soeben haben wir es mit über 600 Kommentaren in die Alltime-Top 10 der meistkommentierten Beiträge aller Zeiten geschafft. Merci!

 

Nun zu den Interval Acts: den Anfang macht Juror Christophe Willem mit „Madame“. Und nun Zucker für die ESC Fans: Alma singt „Requiem“ – das Publikum tobt, die Jury tanzt mit und auch die Vorentscheidteilnehmer haben Spaß.

Nun der Countdown: „Stop Voting Now“. Die Anspannung steigt. Wir haben hier mindestens 3 – 4 Beiträge, die mit „Requiem“ und „J’ai cherche“ mithalten können und La Grand Nation weiter in der ESC Erfolgsspur halten können.

Schlag auf Schlag geht es weiter mit den ersten internationalen Jurywertungen. den Anfang macht Islands Delegationsleiter Felix Bergsson: „Mercy“ geht in Führung, vor „Eva“ und „OK ou KO“. Bei den Juroren gibt es u.a. ein Wiedersehen mit Iveta Mukuchyan (Armenien), Tali Eshkoli (Israel Calling), Reto Peritz (Delegationsleiter Schweiz), Nicola Caligiore (Italien) und natürlich Christer Björkman (Schweden).

Das komplette Juryvoting zum Anschauen

 

Somit sind die 3 Topfavoriten in Front: „Eva“ (90) Punkte führt vor „OK ou KO“ (82) und „Mercy“ (68), aber „Lisboa Jerusalem“ (60) ist auch noch dicht auf den Fersen. Lediglich „Mamma Mia“ (8) ist abgeschlagen.

Jetzt wird EBU-Supervisor Jon Ola Sand auf die Bühne gerufen, der prompt vom französischen Fernsehen fordert, „Destination Eurovision“ doch bitte ab sofort jedes Jahr zu veranstalten. Dem ist aus Fansicht nichts hinzuzufügen – bitte mehr davon!

Nun ist es Zeit für den absoluten Höhepunkt: der Notar mit dem Televotingergebnis kommt auf die Bühne und überreicht Garou den Umschlag:
-> Louka ist auch Letzter beim Televoting (7 Punkte)
-> Nassi ist Vorletzter (18 Punkte)
-> Paukenschlag: Emmy nur Drittletzte im Televoting (30 Punkte). Damit geht sie KO
-> Max Cinnamon wird 5. im Televoting und holt 36 Punkte
-> Igit wird 4. im Televoting und bekommt 50 Punkte

Nun die Top 3 im Televoting:
-> Entsetzen in vielen Gesichtern! Bronze an Lisandro Cuxi und „Eva“  (nur 72 Punkte im Televoting). Da hatten sich einige mehr erhofft…
-> Silber an Malo mit 117 Punkten im Televoting, aber das reicht nicht um an Lisandro insgesamt vorbeizuziehen.

Das komplette Televoting zum Anschauen

Der entscheidende Moment:
-> nun ist klar, „Mercy“ gewinnt das Televoting! Aber reicht das in Kombination mit dem Juryvoting? Sekunden des Bangens ….
-> Jaaa, „Mercy“ gewinnt das Juryvoting haushoch mit 118 Punkten und zieht mit der allerletzten Wertung noch an „Eva“ im Gesamtergebnis vorbei.

Madame Monsieur können ihr Glück nicht fassen und dürfen nochmal auf die Bühne. Die Menge tobt, vereinzelt sieht man auch ein paar entsetzte Gesichter im Publikum. Eine super spannende Sendung geht zu Ende.

La Grande Nation hat mit dieser Show ihrem Namen alle Ehre gemacht. Hohe musikalische Qualität der Beitrage gemixt mit polarisierenden Acts. Da macht der ESC und das mitfiebern so richtig Spaß. Die Messlatte hängt nun hoch für die noch kommenden National Finals in anderen Ländern. Auch in Deutschland darf man sich davon gerne eine Scheibe abschneiden.

Ein ganz großes MERCI BEAUCOUP aber an alle Blog Leserinnen und Leser. Wir haben mit dem ersten LiveBlog 2018 diverse Rekorde gebrochen. Sowohl bei den Zugriffszahlen, aber noch viel mehr bei den Kommentaren. Über 900 Kommentare sind All-Time-Rekord in 10 Jahren PrinzBlog. Damit „Au revoir“ und „Bonne nuit“.

Und hier noch das komplette finale Ergebnis:

01. – 186 (68 Jury+118 Televoting) – Madame Monsieur – Mercy
02. – 162 (90+072) – Lisandro Cuxi – Eva
03. – 117 (28+089) – Malo‘ – Ciao
04. – 112 (82+030) – Emmy – OK ou KO
05. – 110 (60+050) – Igit – Lisboa-Jérusalem
06. – 090 (54+036) – Max Cinnamon – Ailleurs
07. – 048 (30+018) – Nassi – Rêves de gamin
08. – 015 (08+007) – Louka – Mamma mia

 

Madame Monsieur – Mercy (Final-Auftritt)

 

[poll id=“732″]