Live-Blog Georgien: Nina Sublatti als Kriegerin nach Wien

Nina Sublati
Als erster der drei Kaukasusstaaten hat Georgien seinen Titel für den Eurovision Song Contest 2015 bestimmt. Erstmals wird es im ESC zwei gleichlaufende Titel geben, denn Nina Sublatti gewann mit einem selbstgeschriebenen düsteren Uptempo-Kriegersong namens „Warrior“. Hier unser Liveblog zum Nachlesen.

Der Livestream zu „Erovnuli Shesarcevi konkursi 2015″ läuft über eurovision.tv hier oder über 1TV hier und ist auf 40 Minuten veranschlagt. Die fünf Songs wurden bereits in der Silvesternacht präsentiert und können hier nachgehört werden.

Die 5 Kandidaten sind:

Eter Beriashvili – If Someone
Edvard Meisoni – We are freeee
Niutone – Run away
Nina Sublatti – Warrior
Misha Sulukhia – one&only 

Am helllichten Tag zu einer arbeitnehmerunfreundlichen Zeit beginnt in Kürze die Entscheidung in Tiflis. Hier begrüßt Euch ein schwer vergrippter OLiver aus Hamburg. Der Stream bei eurovision.tv hat noch nicht begonnen, Co-Blogger Douze Points, mit dem ich in Georgien (direkt nach Baku) ein paar lustige Tage verbringen durfte, ist auch noch unterwegs und sollte in Kürze eintreffen. Die Vorentscheidung ist anscheinend in ein Nachmittagsprogramm integriert, denn in Tiflis ist es gleich 17 Uhr.

Die 5 Songs sind seit Silvester bekannt und haben nicht gerade große Begeisterung bei den ESC-Fans hervorgerufen, es gibt jedoch einen klaren Fanfavoriten – „Warrior“ von Nina Sublatti. Im georgischen TV läuft noch eine Diskussionssendung, ein Apparatschnik im zu engen Glanzanzug sitzt vor einem weißen Kunstweihnachtsbaum mit blauen Kugeln. Hier lässt sich bereits erahnen, welche modisch-stilistischen Ungeheuerlichkeiten auf uns warten…

Nun laufen die 17-Uhr-Nachrichten und der barhäuptige Nachrichtensprecher steht vor einem weißen Kunstbaum mit roten Kugeln. So, nun müsste es gleich losgehen… wir sind von der Weihnachtsmusik im Teaser irritiert…

Wir sehen Bilder von Weltstädten, während ein Countdown läuft, was mag das bedeuten? Nun begrüßen uns zwei Moderatoren vor einem unaufgeräumten Schreibtisch… riecht nach Frühstücksfernsehen, Eurovisi konkursi wurde erwähnt, hier sind wir richtig… scheint, dass es hier recht trocken abgewickelt wird…

Wir werden auf Englisch begrüßt… wie nett und wir werden gleich nach Georgien eingeladen (waren wir schon, Douze hat dort Zungensalat gegessen…). Der georgische Building Bridges Trailer erscheint und wir haben die Interpreten alle auf einer Bank versammelt, während eine weitere Moderatorin (wir nennen sie mal Nastassja, weil Ähnlichkeit mit der Kinski vorliegt) einen Schnelldurchlauf durch die 5 Songs ankündigt.

Jeweils 15 Sekunden, zuerst Eter. Sie ist 42, kommt aus dem Jazz, hat bei der russischen Ausgabe von ‚The Voice‘ teilgenommen und trägt hier einen petrolfarbenen asymmetrisch geschnittenen Morgenrock, der kurz über den Knien endet – na, haben wir zuviel versprochen? Eter ist etwas üppiger und trägt Pagenschnitt. Douze ist gleichaltrig und meint, er sehe deutlich jünger aus…

Jetzt Edvard mit dem freeee-Titel, auch er wird kurz interviewt. Cardigan über blauweiß-gestreiften Hemd und eine grüne Chinohose. So würde ich im Baumarkt einkaufen gehen. Douze fällt die aufgeklappte Zunge der knöchelhohen Schuhe auf. Edvard ist 25 und Videodirektor und Filmemacher. Gut, dass er noch ein anderes Standbein hat.

Nun sind Niutone dran. Nutsa Abashidze ist die Leadsängerin, die Ballet, Hip Hop und modernen Tanz studiert hat. Keinen Gesang? Sie trägt ein eisernes Kreuz in Gold an der Kette und einen Hut nebst rotkarierter Schottenmusterhose. Wir sind angetan, Douze bemerkt erfreut, dass viele der männlichen Begleitmusiker gut im Futter stehen.

Nun Nina, die Favoritin. Erst 19 Jahre und Gewinnerin der georgischen Idols-Staffel. Sie hat tatsächlich einen BLAUEN Lippenstift und erneut die Augen so heftig umschattet, dass sie wie eine Mischung aus Miss Vampira und einem Pandabärenbaby wirkt. Douze ist erschüttert über den weißen Kragen über nackter Haut und einem Spitzenträger unter den unvollständig schwarz gefärbten strähnigen Haaren. Wir müssen uns hier auf Äußerlichkeiten konzentrieren, da wir ja keine Ahnung haben, was gesprochen wird.

Und da freuen wir uns über Misha, der uns mehr visuell denn musikalisch erregt. Er ist 25, aus Tiflis und anständig angezogen. Beherrscht viele Instrumente, wirkt hier sehr kontrolliert, er war mal beim georgischen Pendant zu „Star Academy“. Auch er wie Eter in einem petrolfarbenen Oberteil. Haben sie den gleichen Schneider? Hat der Stoffballen für beide gereicht?

Jetzt aber zum eigentlichen Konkursi… ein weiterer Schnelldurchlauf, die Herrschaften werden heute also nicht live singen… womöglich nur der Sieger. Offenbar kann man noch abstimmen, das Televoting läuft bereits seit Silvester! Die Ausschnitte bevorzugen meiner Ansicht nach klar Nina (das einzige Lied, das catchy und energiegeladen rüberkommt). Als Castingsternchen hat sie womöglich auch die größte Fanbase?

Nasstasja zählt nun den Countdown auf georgisch herunter (kutzi – oxi – ori?), hört sich ungewohnt an. Abstimmung ist beendet.

Die internationale Jury wird eingeblendet, es geht los mit Punkten. Erster Juror (wer ist das?) gibt 4 an Eter und 5 an Nina. Zweiter Juror mit Hut gibt nur 2 an Eter, Nina nur 3, die 4 geht an Niutone und 5 an Misha… ganz anders…
Dritter Juror ist ein bekanntes Gesicht – Marco Brey von der EBU (früher OGAE)… er gibt 2 an Eter, 3 an Misha, 4 an Niutone und 5 an Nina. Klar.
Nun Thomas G:son: 3 an Eter, 4 an Misha, 5 an Nina!
Ein holländischer Juror (Douze kennt ihn) gibt 3 an Nina, 4 an Eter und 5 an Misha… sehr gayes Voting… war das noch ein Luftkuss?

Fazit: Nina knapp in Führung vor Misha, die Punkteübersicht wurde nur eine Sekunde eingeblendet. Nun kommt Notarin(?) Nadja mit dem Televotingergebnis… und sie schreit richtig herum: NINA hat gewonnen!!!

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Und zwar im Endergebnis (oben) ziemlich deutlich, auch dank eines Erdrutschsieges im Televoting. Niutone sind Zweite, Misha Dritter, Eter ist Vierte und für EEEEEdward bleibt abgeschlagen nur Rang 5.

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Der georgische Beitrag 2015 im ESC heißt „Warrior“ und wird von der 19-jährigen nun gerade im Konfettiregen stehenden Nina Sublatti gesungen, die den Titel auch selbst geschrieben hat. Nun wird ihr Auftritt von Silvester noch einmal eingespielt. Wir finden, die bestmögliche Wahl, würden aber dringend ein Make-Up-Makeover (Douze: ein Complete-Makeover) empfehlen… werden die beiden Kriegerinnen Nina und Amber aus Malta sich gegenseitig die Haare raufen?

Georgien 2015: Nina Sublatti – Warrior

Die Präsentation derzeit ist praktisch identisch. Beide stehen am Mikro und rudern etwas mit den Armen. Malta ist abwechslungsreicher im Song, aber Nina beherrscht ihren Song besser und ist ausdrucksträrker, wenn auch auf eine eher düstere Art und Weise. Douze: „Ich möchte dieser Frau nicht Nachts begegnen“. Ein Gesangsbrei, der gegen Ende hin monoton wird. Ich finde es aber trotzdem erfrischend wegen des inkludierten Dramenfaktors (also ein Erfrischungsbrei).

Was meint Ihr? Wir sind zurück in der Sendung, die nun ins Nachrichtenstudio schaltet, es gibt ja auch in Georgien weitaus Wichtigeres als einen ESC-Song. Damit verabschieden wir uns von diesem recht kurzen Live-Blog und weisen daraufhin, unser nächste Live-Blog wird voraussichtlich das Allocation Draw am 26. Januar aus Wien sein. Am 31. Januar wählt als Nächstes die Schweiz ihren Song.

Kleiner Nachklapp: Wir sind doch noch in der Sendung, in der nun Nina und die Notarin Nadja (womöglich ist das die Head of Delegation?) auf dem Sofa sitzen. Nadja redet ununterbrochen, während sich Nina gelangweilt mit leerem Blick durch die Gegend träumt… womöglich denkt sie daran, noch mehr Lidschatten und Kajal zu kaufen? Vielleicht denkt sie dann auch mal an eine neue Lippenfarbe… der petrolfarbene Lippenstift geht wirklich gar nicht…

hier noch eine kleine Bilderstrecke:

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