Live-Blog Griechenland: Ballade schlägt buntes Uptempo-Angebot

Maria-Elena Kiriakou

Griechenland hielt heute seine Vorentscheidung für den ESC in Wien ab. Fünf Acts unterschiedlicher Couleur waren im Rennen, am Ende gewann aber die einzige Ballade im Feld. Ein solider Vortrag von Maria-Elena Kyriakou, die nun atemlos (oder zumindest mit „One last breath“) nach Österreich fährt. Hier nochmal unser Live-Blog zum Nachlesen.

Hier haben wir bereits über die 5 Songs (mit Umfrage) berichtet. Livestreams werden hier oder hier zu finden sein.

 

Schönen guten Abend aus Köln, wo wir uns heute dem Bachelor-Finale dem griechischen Finale widmen wollen. Wer parallel dazu deutsches Privatfernsehen laufen lassen will, wird in der Show aus Athen eine durchaus ordentliche musikalische Untermalung finden. Eine Mehrheit unserer Leser hatte nach der Veröffentlichung letzte Woche den fünf Songs ein ziemlich gutes Zeugnis ausgestellt, die anderen fand es eher mittelmäßig, richtige Verrisse gab es aber keine.

Die Sender NERIT und MAD TV senden heute live aus der Enastron Music Hall in Athen und wollen neben dem Wettbewerb auch das 10jährige Jubiläum von Helena Paparizous Sieg begehen. In der Regel erwarten uns bei griechischen Vorentscheiden eine ganze Reihe an Gästen außer Konkurrenz, bereits ausgewählte Teilnehmer von Nachbarländern (heute wohl nur Zypern) sowie eine völlig unspektakuläre Siegerverkündung (Notar – Umschlag – Name – Abspann). Es gab allerdings auch schon mal ganz fantastische Slapstick-Parodien vergangener ESC-Beiträge. Wir sind gespannt, was man für heute vorbereitet hat.

Griechischer Vorentscheid Eurosong 2015
Während die Vorentscheidung 2012 aus einem Einkaufszentrum kam (wo die Bühne neben einer Rolltreppe stand) wurden die fünf aktuellen Kandidaten letzte Woche in Videoclips vorgestellt, die in einem verlassenen Parkhaus gedreht worden waren (durchaus sehenswert, da unique…). Favorisiert werden in Griechenland Shaya, Thomaï Apergi und Maria-Elena Kyriakou, während in unserer Umfrage Thomaï und Barrice vorn liegen. C:Real, der sicherlich karrieremäßig größte Namen im Angebot (19 Jahre Band- und Chartgeschichte in Hellas) liegen weit abgeschlagen hinten in den Fan-Votings.

 

So, Werbung ist durch, es geht los….

Im Einspieler ein Schlafzimmer… ein Traum von ehemaligen Teilnehmern…. da schrecken Mary Sinatsaki und Doretta Papadimitriou, die heutigen Moderatorinnen aus dem Schlaf. „Wir sind überhaupt nicht vorbereitet…..“

Klamotten müssen probiert werden, eine Vocal Coach muss her, schnell einsingen…. Hard Rock Hallelujah… „Nein, Ihr solltet lieber bei der Moderation bleiben…“ heisst es dann.

Dann lieber Anmoderation in verschiedenen Sprachen üben, Zahlen…  „Zwölf – Zwöölfe. Tswölf. Tsswööölf. Zwollf!“ Und: „weil wir deises (sic!) Jahr nach Wien gehen …. jawoll!“

Und da stehen die Mädels auf der Bühne, begrüßen das Publikum, und erklären, dass es der 60. ESC ist, dass es zehn Jahre seit Helena her ist, und dass Zypern wieder dabei ist. „Und unsere 12 Punkte!“. Ach ja, und eins noch. „Die Eurovision vereint Europa für einige Tage im Jahr. Ganz anders als die Eurogroup“. *lach*

Musik ab, die diesjährigen Teilnehmer alle gemeinsam auf der Bühne, singen eine chorale Version von „My number one“. Erinnerungen an Kiew, und daher im Anschluss Schnipsel aus Interviews zu Griechenlands Sieg 2005, Ausschnitte vom Auftritt, Statements…. Es wird gepriesen, was für ein außergewöhnlicher Abend das war… was für ein Gefühl, und wie dynamisch, vorne, perfekt Helena damals abgeliefert hat. Balsam für die griechische Seele….

Und da kommt sie schon auf die Bühne: Helena Paparizou – mit „Rise like a Phoenix“. Helena in einem goldschimmernden superkurzen Fetzen, steht neben dem Piano. Geht über in „Love till it’s over“, ihren Hit mit den Housetwins. Sie stürmt nach vorn, vier Tänzer flankieren. Uptempo zu clubtauglichen, chartgängigen Beats.

Das Publikum ist natürlich begeistert, die Mädels bedanken sich bei ihr. Jetzt rüber zur Jury – kurzer Kameraschwenk über das Panel, was etwas weiter oben hinter einem langen Tisch sitzt. Darunter auch Mariana Efstratiou (GR 1996), und Jurypräsident Nikos Xanthoulis, der ein Dutzend Rollen bekleidet: Komponist, arbeitet für die NERIT, hat eine Professur….

Und wieder (etwas unbeholfen übergeleitet) zur Bühne zu Thanos Kalliris & Kings mit „Stop“, einer derben, verrapten Version des ESC-Beitrags von 1987. Thanos ist übrigens Mitglied der damaligen Band Bang! und hat seither auch als Solokünstler eine anständige Karriere in Griechenland hingelegt.

Jetzt geht es um die Moderatorinnen von Wien. Zum ersten Mal drei Frauen, heißt es. Bisher gab es maximal Paare oder zwei Männer und eine Frau. Falsch Mädels – Düsseldorf? Conchita Wurst („Wurscht, Wuurst, Wurrsd….“) hat übrigens angeblich ihren Look verändert zur Blondine… man soll gespannt sein.

Und mit Düsseldorf geht es auch weiter – genauer gesagt mit Loukas Yiorkas und einem Kinderchor. Gehören zu einer Charity-Organisation im Dienste der Familie und feiert 40jähriges Bestehen.

Australien muss natürlich auch erwähnt werden, und von einer Insel gleich zur nächsten. Zyperns No.1 Boyband, One, stehen erstmal in einem Videoclip mit Zusammenschnitten ihrer Songs, und gleich auf der Bühne. Mein Gott, Mary und Doretta in ihren megatief ausgeschnittenen Ensembles sind sowas von grottig in ihrer Moderation…. das ist kaum auszuhalten. Die fünf Jungs sind noch ganz gut beweglich in ihren lässigen schwarzweiß Outfits und der Song noch immer so billig wie damals… m.E. tatsächlich einer der schwächsten zyprischen Beiträge. Und weil es so angestaubt klingt, ertönen zwischendurch für ein bisschen Posing auch noch ein paar modernere Synthiklänge. Macht’s jetzt auch nicht viel besser.

Schalte in den Green Room (ist aber eher eine Fotowand ohne roten Teppich), wo Loukas Yiorkas interviewt wird von zwei weiteren kurzberockten Schönheiten. Loukas würde höchstens mit einem richtig, richtig guten Song nochmal zum ESC fahren… da wird das Interview unterbrochen von One, die von der Bühne kommen. Sie werden mit einer Fangfrage konfrontiert, wer der Kandidaten heute heraussticht. Alle natürlich.

Achje, jetzt müssen Mary und Doretta noch ein ESC-Quiz durchstehen, bekommen aber zur Seite gestellt u.a. Katerina Soulioti (oberklettige Fotoreporterin bei vielen vergangenen ESCs, ich habe da meine eigenen Erfahrungen gemacht mit Zwangsinterviews live für’s TV…), und zwei Herren aus dem ESC-Fanblock. Die üblichen Fragen halt zu Sandra Kims Alter, den sieben Siegen von Irland, dem ersten ESC, wann die Türkei gewonnen hat usw. Am Ende wissen sie nicht mal wer gewonnen hat und das Applausometer muss herhalten. Dann gibt es Schärpe und Krönchen und Blümchen für die „Siegerin“ Doretta, die Miss Eurovision.

Und noch ein (recht oberflächlicher) Videostreifzug durch 60 Jahre ESC. Das Ganze dann auch nochmal von vorn musikalisch auf der Bühne mit dem Fernsehballett und Videos und Jahreszahlen im Hintergrund. Naja, ganz hübsch, wie sie zu Schnipseln von Siegern tanzen. Schnarch. Oh, „Popular“ gehört jetzt auch in so einen ESC-Historien-Recap. Wie schnell die neuen Songs zu Klassikern werden.

Werbepause. Ist übrigens jedes Jahr so, dass die Griechen erst einmal über eine Stunde was andres machen. Danach geht’s ganz schnell….. Nicht mal Zeit für eine Punktetafel am Ende!

Ach übrigens, nach dem VE soll es ein Special geben zu „Griechenland beim ESC“. Falls der Stream bei NERIT hält, bleibt also nachher dran bis zur Verkündung Australiens.

Jetzt kündigen die Mädels die fünf Lieder an.

 

1. C:REAL – Crash And Burn 

Sind auch etwas in die Jahre gekommen, die Gruppe aus den 90ern/2000ern. Ihr ESC-Lieblingsmoment waren Loreen und auch „My Number One“ (logisch). Nun also los: Blaues Licht. Die Leadsängerin räkelt sich auf einer Lautsprecherbox, steht dann auf in ihrem Glitzerbody mit transparentem Vorhang unten rum. Eher aggressiv-anstrengende Dance-Nummer mit langsamen Strophen und Uptempo-Chorus. Die Band hinten vor der feuerspeienden Video-Wall. Zwischendurch ein paar eingestreute Mandolinenklänge. Stimmlich eher schwierig. 4/10

 

2. Thomaï Apergi & Legend – Jazz & Sirtaki

„Swingjazz mit Syrtaki….“ Oder doch Jazzswing…? Thomaï scheint selber nicht genau zu wissen, was sie da singt. Anna Vissi, Sakis und Kalomira findet sie toll. Quickstep mit Bouzouki und Bläsern im Hintergrund. Sie steht vorn am Mikro in einem schlichten langen (auch tief ausgeschnittenen Kleid). Wird zwischendurch von einem Beau nach hinten auf Händen entführt, der dann hinten mit einem Kollegen und dann noch zwei Mädels tanzt. Thomaï steigt auf einen Würfel, und das Backingtrack dreht völlig durch. Das hat schon was von „Doop“ mit Doop (1994, kennt das noch wer?) Schickes Setting, der Beat ist teilweise doch etwas nervig. Aber macht mehr Spaß als C:Real. 7/10

 

3. Barrice – Ela

Er liebt den ESC (ach was….). Helena 2005 und Rybak 2009 fand er toll. Antique haben für ihn den Weg zum ESC-Fandasein geebnet. Eher günstiger Discobeat, sehr 2000er, seelenlos und poliert, dazu ein eher holpriger Gesang. Er trägt wohl die Fönwelle des Abends, hat vier Tänzer, schwarzweiße Outfits. Das erreicht mich gar nicht. 3/10

 

4. Shaya Hansen – Sunshine

Shaya hält ihr Lied für sehr international, da viele Musikstile reinfließen, wie sie sagt. Sie schaut toll aus im Vorfilm, hat einen schicken Teint (offenbar einen irgendwie gearteten Migrationshintergrund). Den ESC verbindet sie mit Popcorn. Auch sie findet Helena ganz toll (hmmmm…) Langes weißes Kleid, was abgeworfen wird. Darunter trägt sie wie ihre Tänzerinnen einen Glitzer-Hauch von nichts, wie damals Ani Lorak, sehr sexy mit po-langem Haar. Straighter Billigpop, im Hintergrund Klarinette und Trommel. Leider aber mit extrem dünnem Stimmchen, was ich jetzt nicht erwartet hätte und was sehr schade ist! 5/10 (weil der Song ganz passabel ist)

 

5. Maria-Elena Kyriakou – One Last Breath

Sie hat früher, wenn sie lernen musste, alles liegenlassen, um ESC zu schauen. Besonders gefällt ihr „Euphoria“ und die Stimme von Loreen, und Helena (ach nee, ist gut jetzt). Langes blondes Haar und langes rotes Kleid ohne Schnörkel. Der Song ist eine recht typische, aber nicht grade bombastische ESC-Ballade, bisschen angestaubt. Sie singt es ganz gut, wesentlich besser als Shaya jedenfalls. Aber ein richtiger Hammer ist das auch nicht. 6/10

 

Fazit:

Am meisten Spaß hatte ich persönlich doch bei „Jazz & Sirtaki“, auch wenn die Titelzeile etwas zum Fremdschämen ist, der Auftritt war aber professionell und das Originellste heute. Ich würde mich aber nicht wundern, wenn „One Last Breath“ nach Wien gewählt würde, der Applaus war recht ordentlich. Shaya hat ihren optisch und musikalisch ansprechenden Act stimmlich total vergeigt, und Barrice und C:Real haben die eher verhaltene Begeisterung des Publikums aus den Votings mit ihren Auftritten eher noch zementiert.

Werbepause.

Wir sind zurück. Und das sind auch Freaky Fortune & Riskykidd (GR 2014) mit einer Lounge-Version von „Rise up“, zusammen mit den beiden Moderatorinnen Mary und Doretta. Und der Song wandelt sich dann doch bald zur bekannten Nummer mit Dance-Beats, Stapfen über die Bühne, und einem Schlussbild auf dem Piano sitzend (cute!).

Und auch nach dem nächsten Schnelldurchlauf muss ich sagen: bitte schickt Thomaï Apergi & Legend nach Wien!

Angeblich ist Twitter on fire sagen die Mädels (wegen dieser Sendung? Really?), und alles läuft nach Plan. Und Zypern ist wieder beim ESC! Giannis Karagiannis ist nun auf der Bühne in einem black/white Setting mit seinem hübschen Gitarrenschrammel-Lied „One thing I should have done“. Er trägt wieder seine markante Brille zu einer braven Scheitelfrisur, einem dunklen Sakko und einer beigefarbenen Hose. Wirkt nach wie vor wie ein leicht schüchterner Kandidat bei DSDS, der seine Sache aber so ordentlich macht, dass ihn Dieter Bohlen nicht so recht niedermachen kann.

Giannis meint, dass das Lied unbedingt einen englischen Text verlangt (das sehe ich jetzt nicht). Sein Lieblings-ESC-Moment war „Fairytale“ (oder nicht doch eher Alexander? *lach*)…. und jetzt kommt der Countdown! Ach ne, selbst das haben die Mädels versemmelt. Countdown angekündigt, um dann nur noch sagen zu können: „Ihr könnt nicht mehr anrufen…“

Im Green Room (also vor dieser Fotowand) stehen nun alle Kandidaten zusammen und werden nichtige Fragen gefragt…. „Wie alt bist Du denn?“ (zu dem Bouzouki Boy aus Lied 1) – er ist 16. Shaya schaut aus wie Beyoncé, heisst es… (naja) und Barrice erzählt von seiner Mutter. Thomaïs Papa stammt von der Insel Tinos, konnte aber im Gegensatz zu Barrices Mutter heute nicht kommen. Nun gut.

Werbepause.

Noch ein Interval Act: Boys and Noise auf der Bühne mit Antique’s „I would die for you“… Ein einzelner junger Mann im komplett weißen Outfit, ach da kommen noch zwei. Bisschen unbeholfen wirken sie….

Helena Paparizou steht nochmal mit „Otan angeli klene“ (Wenn Engel weinen) on stage, einer Pop-Ballade im Stile von „Survivor“ aus dem Melodifestivalen. Aber irgendwie wird man auch etwas müde jetzt…. danach wär dann auch mal gut. Was meint Ihr?

Das Publikum klatscht, als ob man sie wieder schicken wollte. Aber Mary und Doretta bedanken sich jetzt erstmal artig bei den Modeausstattern, „weil wir Mädchen sind“…. Helena steigt zu den beiden und sagt, dass sie heute mit den Tränen gekämpft habe. Es sei ein sehr emotionaler Abend mit all den Erinnerungen an 2005 und dem Wiedersehen mit sovielen Mitstreitern. Sie liebe ihre Arbeit und man könne zwar nicht immer gewinnen, aber es gefalle ihr, dass die Griechen weiterhin stolz durchs Leben gingen.

Wer soll den Umschlag des Jurypräsidenten vorlesen? Zusammen vielleicht?

„One last breath“ gewinnt mit Maria-Elena Kyriakou!

Wie schön, wieder eine völlig unspektakuläre Verkündung, aber Helena hat extra für den ESC 2015 ein wenig Deutsch gelernt: „Wir werden dieses Jahr nach Wien gehen, jawoll!“

Danksagungen an alle möglichen Beteiligten – darunter wie gewohnt in Griechenland auch ein extra Dank an die Fanclubs OGAE und INFE. Das gibt’s nur dort glaube ich!

Und damit Geia sas! und viel Spaß gleich mit der australischen Verkündung, die Kollege Douze Points nachher hier auf dem Blog live begleiten wird.

 

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