Live-Blog Island: Olafs Tochter kreischt sich nach Wien

Maria olafsdottir Island 2015

Wer vertritt Island, nachdem alle bekannten Namen und Favoriten in den Vorrunden gescheitert waren? Das war die Frage heute abend. Letztlich war es spannend, aber auch ziemlich langatmig. Gewonnen hat dann Maria Olafsdottir, blutjung und barfuß. Lest hier noch einmal unseren Live-Blog

RUV streamt das Finale mit sieben Songs, davon zwei in der Landessprache, hier. Über das 1. Ausscheiden sämtlicher Favoriten haben wir hier und hier informiert.

Schönen Guten Abend aus Hamburg-Ottensen wünschen Jan, DJ Ohrmeister und Special Guest Stephan. Nachdem wir erstmal ne Runde Melodifestivalen hinter uns gebracht haben, warten wir nun auf die Entscheidung auf der Insel im hohen Nordwesten Europas. Sieben Songs bekommen wir heute zu Gehör, es wird eine Entscheidung fallen, die sich zu 50% durch eine Jury (in der u.a. Johanna sitzt) und zu 50 % durch die TV-Zuschauer zusammensetzt.

Das Publikum in Reykjavik ist schon gut drauf, Pollapönk eröffnen die Show. Es folgt der Einzug der Gladiatoren, während wir uns mit Salzstangen und Studentenfutter versorgen. Alte Männer mit Bärten – ach so, Pollapönk…. – erzählen uns was. Vermutlich, wie es ihnen seit Kopenhagen ergangen ist. Sie wirken irgendwie müde, kein Wunder, sind ja auch Lehrer…O.K., das dauert länger. Der Kopenhagen-Aufenthalt wird nahezu in Echtzeit wiedergegeben.

Los geht´s!

1. Daniel Oliver & CADEM – Fly

Die drei haben ihr Bewerbungsvideo bei IKEA gedreht. Offenbar wollen sie eine WG gründen, dabei müssen sie Fragen aus dem Off beantworten. Themenmäßig stochern wir leider in den Nebeln Norwegens Islands…

So, alle drei auf einer Gartenbank – alles ist weiß bei diesem Alcazar-Gedächtnissong. Magnus in Schweden hat gerade deutlich erotischer mit den Hüften gewackelt, als Daniel es vermag. Die Stimmen sind brüchig, wahrscheinlich klingt es auf Platte besser. Wissen wir aber nicht genau, haben wir noch nicht… Es wird immer übler, ein Stimmdebakel trotz Backgroundsängern. Flott, aber auch irgendwie schrott!

Aufgrund fehlender Musikalität nur 14 von 30 Punkten!

 
2. SUNDAY – Feathers

Sunday ist im Vorfilm in irgendeiner orange-blauen Mitarbeiterkantine mit Tipp-Kick-Spiel unterwegs und labert sich einen Wolf. Uns fehlen auch hier wieder eindeutig isländische Schlüsselwörter, um zu erkennen, worum es gehen könnte.

Elektroballadenpop wird auf die Bühne gezaubert. Aber keine Margaret Berger, sondern eher OMD in der frühen Experimentierphase. Das osteuropäisch anmutende Getanze passt nicht so gut dazu und den Refrain suchen wir auch. Aber immerhin kann sie die Töne ordentlich halten. Aber es plätschert doch ein wenig. Belästigt nicht, reißt einen aber auch nicht vom Hocker. Riesenapplaus, nanu???

Wir zaubern die Zahl 19 an die Punktewand, weil einfach der ganze Vortrag sauberer war als bei der White-Man-Group..

 
3. Björn og félagar – Piltur og stúlka

Jetzt geht es in den Hafen auf ein Boot, und wir verstehen natürlich auch weiterhin nicht, worum es geht.

Kinder aus Pappmaché auf der Bühne. Von der Machart erinnert dieser Song total an den Beitrag von 1991, „Nina“. Eine schlagerhaft angerockte Pophymne, die ziemlich harmonisch präsentiert wird. Endlich mal was für unsere Generation, freut sich Ohrmeister! Großes Finale mit Key Change. Ein bisschen Grand Prix 1988, aber wir sind ganz angetan und geben 21 Punkte – unser Favorit bis jetzt!

 

Zwischendurch gibt es ein paar Interviews mit den drei bisher Angetretenen. Mit Erstaunen stellen wir fest, dass die CADEM-Girls gar keine Isländerinnen sind…Es folgt Werbung.

 
4. María Ólafsdóttir – Unbroken

Der Film mit Maria musste zweimal gestartet werden. Sie ist zu Hause und backt sich Croissants auf. Es fallen isländische Worte wie „Skoli“, was vermutlich Schule heißt, und „Bruno Mars“, sie ist also ein ganz normales Teenager-Girl. Der Croissant stellt sich als Schokopuffer für das Schulfest heraus – spannende isländische Samstagsabend-Unterhaltung, während sie Zuckerguss und Beeren über das Backwerk verteilt. Nun aber zur Musik!

Dazu gehen im Saal die Handy-Lichter an. Maria singt eine moderne Popballade mit starkem Rhythmus und dominanter Gitarrenbegleitung. Auch hier osteuropäisches Gehüpfe von zwei Grazien. Der Song ist wirklich nicht schlecht und Maria singt ziemlich gut, auch wenn sie am Ende ein wenig kreischig wird. DJ Ohrmeister fühlrt sich an etwas erinnert, er weiß aber nicht, an was. Stephan und mir gefällt´s ganz gut, aber totale Begeisterung sieht auch anders aus.

20 Punkte von uns insgesamt.

 
5. Elín Sif Halldórsdóttir – Dance Slow

Elin treffen wir in der Ballettschule bei unfassbaren Verrenkungen. Die Filme sind übrigens eindeutig zu lang!

Optisch ein wenig Betty Dittrich, steht Elin wieder im roten kurzen Kleid mit langen weißen Kniestrümpfen zwischen zwei Kerzenreihen und wischt über die Saiten ihrer Gitarre. Stimmlich nicht immer ganz auf der Höhe, aber irgendwie ganz niedlich. Der Song plätschert aber ein wenig. Nein, Elin ist die nicht geborene Sängerin, aber das Publikum rastet aus.

Wir ringen uns zu 16 Punkten durch.

 
6. Friðrik Dór – Once Again

Fridrik muss sein Interview im 80-er-Jahre-Sportoutfit in einer Art Schulturnhalle geben und versucht sich im Basketball. Schlimm irgendwie….Eine der Moderatorinnen klingt schon die ganze Zeit ein wenig, als bräuchte sie dringend einen Hustenbonbon. Hatte wohl eine längere Nacht gestern, die Gute.

Musikalisch wird es immer ruhiger auf Island. Fridrik trägt ganz klassisch einen dunklen Anzug. Eine ziemlich lässige Nummer, finden wir. Der Song hat was von den frühen Boybands der Neunziger und einen langsamen, aber irgendwie mitreißenden Rhythmus. So richtig was zum Schwofen! Abruptes Ende und die Mädels kreischen.

Schon wieder 21 Punkte von uns. Brauchen wir hier am Ende ein Stechen um unseren Favoritenplatz?

 

Aus uns unklaren Gründen sind Johnny Logan, Céline Dion und Luxemburg „Svindlari“, also Schwindler. Beziehungsweise alle, die mal für ein fremdes Land des ESC gewonnen haben. Lustig….oder so…

 
7. Haukur Heiðar – Milljón augnablik

Oh, Haukur ist Arzt, seine Gesprächspartnerin in der Praxis hustet ihn übel an, wir fürchten um seine Stimme heute abend…

Die Klamotte, die er trägt, geht eigentlich gar nicht. Graues Mäuschen mit Wohlstandsbäuchlein. Der Song hat einen treibenden Beat und eigentlich auch eine interessante Melodie, aber Haukur hat wirklich stimmlich nicht viel zu bieten. Hat er sich wohl doch angesteckt. Nach zwei Minuten wird auch der Beat etwas nervig und der Song viel zu redundant.

15 Punkte geben wir.

 

Unsere Favoriten sind also Björn & Felagar und Fridrik. Die Ex-Aequo-Entscheidung auf meinem roten Sofa ergibt als Top-Favorit in meinem Wohnzimmer: FRIDRIK. Einstimmig. Weil sein Auftritt irgendwie sehr schön rund war. Musikalisch hat uns heute allerdings gar nichts so richtig aus den Schuhen gesprengt…

Jetzt wird erst einmal wieder ausführlich im Green Room interviewt. Und es gibt eine Runde Werbung. Im Schnelldurchlauf bemerken wir endlich, an welchen Song uns unser Favorit erinnert. Und zwar an „When I need you“ von Leo Sayer.

Beim nächsten Interview erkennen wir englische Fans im Hintergrund, die offenbar extra nach Island gefahren sind.  Vielleicht wäre das auch für uns mal ein Reiseziel zur Vorentscheidung.

Als Interval Act singt Magni nun seinen Vorentscheidungssong von 2011, danach folgt Jogvan mit einem Song aus 2012. Svindlari! Wir meinen nämlich, der Song ist von 2010!!! Es folgt Pall Rosinkrans mit einem Song aus 2000. Ein ganz hübsches Medley. Es folgt Fridrik Omar mit „Eldur“ (2007). Offenbar sind die mal alle Zweiter im Vorentscheid geworden. Und dann – ganz groß –  Bjarni mit „Karen“ von 1992! Sieht aus wie Kurt Krömer…. Heute werden wir aber verwöhnt, also alle, die über 40 sind. Danke, Island!

Währenddessen kann noch immer angerufen werden…es dauert noch!

So, Countdown und das Televoting ist beendet. Es erscheint eine Dame mit Umschlägen. Ins Finale kommen:  Fridrik (super!!!!) und Maria Olafsdottir! Jetzt kann wieder angerufen werden. Und wir glauben alle drei, dass jetzt Maria gewinnt und nach Österreich darf! Es gibt jetzt aber Werbung, um das Ticket nach Wien auch bezahlen zu können.

Ach herrjeh, Maria und Fridrik singen nochmal, na, das kann dann ja noch dauern heute abend. Zwischendurch gibt Selma ein Interview in schwarzen Klamotten, und sieht dabei aus, als wenn sie schlechte Nachrichten überbringt. Sehr förmlich, das Ganze, was die da wohl besprechen…. Danach kommt once again „Once again“! Wir schunkeln erneut gemütlich über´s Sofa. Toll, wie Fridrik nach vorn an den Bühnenrand geht und die bestellten Hände drückt, die sich ihm entgegenstrecken. Das wäre doch cool in Wien. Der erste Beitrag mit 35 Personen, einer auf der Bühne, 34 am Bühnenrand. Völlig regelkonform! Es folgt wieder Selma, die erneut Hiobsbotschaften zu überbringen scheint…

Endloser Talk mit sogenannten Experten schließt sich an. So, ich glaube, es wird langsam mal Zeit, den Sieger bekannt zu geben, liebe Isländer…

Wir finden es unerträglich, wie die Pollapönks jetzt das Ganze in die Länge ziehen. Der kleine rote Polla und der große blaue Pönk möchten bitte im Green Room abgeholt werden, wir schließen in zehn Minuten!!! Och nöööööööööööö -Werbung…..

So, jetzt geht es um die Wurst (höhöhöhö….) Wer wohl gewinnt? Es ist: MARIA OLAFSDOTTIR!!!

Island 2015 – Maria Olafsdottir – Unbroken

 

Sie bekommt Blumen, einen Scheck und einen spitzen Preis und ist vollkommen aus dem Häuschen. Wir sind jetzt doch ein wenig enttäuscht, weil wir dann zum Schluss doch mehr Fridrik die Daumen gedrückt haben. Wurden wirklich alle Stimmen gezählt? Auch die der Briefwähler?

Freuen tun wir uns, dass Peter nun mit den Backings von Maria ein schönes Fotomotiv bekommt. Und wir drücken dem Mariechen für Wien die Daumen. Wird schon irgendwie werden. Vielleicht reicht aber auch Handgepäck für die Reise. Nein, so schlimm ist es nun auch wieder nicht, wir sind nur immer noch ein wenig enttäuscht. In spätestens vier Wochen halten wir den Song für siegeswürdig, so läuft es doch irgendwie immer.

Gute Nacht aus Hamburg. Bis morgen, wenn der PRINZ-Blog live dabei sein wird, wenn Serbien seinen Song für Wien sucht.

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