Live-Blog Lettland: Lustige lettische Leihsängerin Laura nach Lissabon

Supernova 2018. Wer tritt die Nachfolge von Triana Park  an und vertritt die netten Letten beim ESC im Mai in Lissabon? Darum ging es heute in einer etwas ermüdenden dreistündigen Show. Das bessere Ende hatte am Schluss die gebürtige Brasilianerin Laura Rizzotto für sich. Mit ihrem Song „Funny Girl“ wird sie nun im Mai die Baltenrepublik in der portugiesischen Heimat ihrer Mutter vertreten. Hier ist unser Live-Blog der TV-Sendung zum Nachlesen.

 

So, guten Abend aus Hamburg-Ottensen zum lettischen Finale. Ich muss gestehen, dass ich die Vorrunden nicht wirklich verfolgt habe und daher gleich eine Wundertüte auf mich zukommen wird. Ich bin gespannt! In wenigen Minuten geht es (hoffentlich) los. Spätestens gegen 23 Uhr sollten wir einen Sieger haben.

Na, der Stream hakt gleich zu Beginn. Ganz toll….

Nun sind wir on air. Nach ein paar Internetproblemen kann ich mitteilen, dass es jetzt alles laufen sollte. Zu Beginn gab es ein Medley ehemaliger lettischer ESC-Songs mit neuem Text. Die Moderatoren Justs und Dagmar waren auch mit von der Partie. Dazu noch Ralf Eilands (ESC 2013).

Die Juroren (national und international) werden vorgestellt und dann sollte es auch langsam losgehen – genug geredet. Und das tut es jetzt auch!

1 – Sudden Lights – Just fine

Der Song beginnt wie ein Folksong mit Gitarrenbegleitung. Auf der LED-Wand laufen weiße anonyme Menschen durcheinander. Der Sänger der Band steht mit herunterhängenden Armen am Mikro – ganz brav im Anzug. „Just fine“ entwickelt sich langsam steigernd zu einer Midtempo-Rockballade mit treibenden Drums. Auf der Bühne passiert eigentlich nichts. Und schon ist es vorbei. Waren das wirklich drei Minuten? Aber eigentlich war der Song ganz hübsch, für den ESC aber vielleicht ein bisschen zu unauffällig. Ich gebe erst einmal 5 von 10 Punkten. Der Stream puffert…

 

Die Juroren kommentieren jetzt erst einmal fleißig. Der Stream hängt jetzt leider immer mal wieder…

Das kann ja ein langer Abend werden. Ralfs Eilands sitzt mit zwei „Experten“ in seinem Wohnzimmer und diskutiert wohl erstmal jeden einzelnen Beitrag. Wo ist bloß der Biber? Was diskutieren die denn da bloß?

Puh…zurück im Studio, wo der Stream wieder abbricht.

2 – Ritvars – Who´s counting?

Nicht mehr ganz so junger Mann mit Hornbrille – schon wieder eine eher langsame Nummer. Klingt ein wenig wie eine ruhige Elektro-Jazz-Ballade mit harmonischem Chorgesang. Auch hier wird es zwischendurch ein wenig flotter durch untergelegte Drums. Leider bekomme ich von dem Song nur Framente mit. Ein paar dissonante Töne zum Schluss. Klingt experimentell – aber nicht uninteressant. Fand ich gut, glaub ich. Weiß ich aber nicht genau, es plätscherte auch ein bisschen minimalistisch vor sich hin. Könnte man international mal so versuchen. Deshalb von mir 6 von 10 Punkte.

 

Wieder Jurymeinungen (die Begeisterung hält sich den Gesichtsausdrücken zufolge doch eher in Grenzen). Justs interviewt Ritvars und gleich droht uns vermutlich wieder Ralfs Wohnzimmer…

3 – MADARA – Esamiba

Na , das ist ja mal originell. Schon wieder experimentelle Musik. Diesmal eine singende Cellistin. Gar nicht so einfach, denke ich. Ich habe selbst einmal Cello gespielt, dabei aber nie gesungen – auf die Idee musst du auch erstmal kommen. Vor blauem Hintergrund singt sie in der Landessprache oder zumindest etwas, das sich danach anhört. Klingt fast ein wenig „elbenhaft“ und ist nun wirklich alles andere als Maintream. Wieder nur Songfragmente für mich. Ich finde das, was ich höre, aber nicht besonders eingängig. Eher etwas sperrig, auch wenn MADARA sehr schön zu singen scheint. Nein nein, nur „anders“ reicht mir nicht – ich gebe nur 3 von 10 Punkten.

 

Pünktlich zum Juryverdikt läuft der Stream wieder problemlos. Und ich hätte jetzt gern mal einen flotten Popsong!

4 – Liene Greifane – Walk the talk

Na bitte, da ist er ja. Liene im crèmefarbenen beingeschlitzten Kleid mit Federkragen. An irgendwas erinnert mich der Song, ich komme noch drauf. Der Rhythmus geht in die Beine und die Melodie geht auch ins Ohr irgendwie. Zur Instrumentalbridge wird Liene tanzend über die Bühne geführt, stößt dabei allerdings grässliche Schreie aus – das gibt Punkteabzug! Nicht wirklich schlecht das Ganze, aber irgendetwas fehlt mir da. Und was heißt eigentlich „Walk the talk“?

Jetzt weiß ich, an was mich das erinnert – teilweise an „My Slowanie“ aus Polen von vor vier Jahren – zumindest der Rhythmus. Also – ich gebe mal wohlwollend 5 von 10 Punkten. Es war nicht der große Wurf und die Hook reicht auch nicht so wirklich aus. Stimmt, Biobanane! Das war irgendwie belanglos!

 

Jurybewertung, Justs-Interview, Next please!

5 – Lauris Valters – Lovers Bliss

Lauris trägt schwarz mit Anzugweste und Fliege. Und sorgt bei mir für eine gewisse Erlösung mit seiner funkigen R&B-Nummer. Auch das ist nicht der ganz große Wurf, aber zusammen mit seiner vierköpfigen Herrencombo sorgt Lauris bei mir eigentlich für ganz gute Laune. Auch, wenn alle ein bisschen unbeholfen über die Bühne hüpfen und der Song nach zwei Minuten etwas redundant wird. Ich mag die Siebziger Jahre – und deshalb mag ich auch diesen Song. Großer Applaus im Publikum! Und von mir 6 von 10 möglichen Punkten.

 

Ach neeeee, es geht wieder ins Wohnzimmer – ich gehe mal auf Toilette. Es wird aber erklärt, dass der Wohnzimmerchat nur für das internationale Publikum da ist, während im lettischen TV Werbung läuft. Das ist doch auch wieder süß irgendwie. Aber sie sprechen lettisch – das muss man nicht verstehen, oder???

Übrigens: Das waren jetzt fünf Songs in 90 Minuten. Sage mir nie wieder jemand etwas gegen den NDR!!!

6 – Edgars Kreilis – Younger days

Edgars hat seinen Song selbst geschrieben. Und das ist ein durchaus charttauglicher moderner Popsong – sicher das Modernste, was wir heute bisher zu hören bekommen haben. Gute Strophe und ein guter Refrain, der eine ganz brauchbare Hook hat. Edgars ist vielleicht nicht der beste Sänger unter der Sonne, aber er sieht verdammt gut aus – das ist ja auch nie verkehrt. Zum Schluss hin wird es etwas repetitiv. Aber die Leute im Saal jubeln trotzdem. So etwas könnte ich mir bei einem ESC 2018 ganz gut vorstellen. Von mir bekommt Edgars 7 von 10 Punkten – ich fand ihn bisher am besten.

 

7 – Laura Rizzotto – Funny Girl

Funny name singt Funny girl. Hübsch sieht sie aus in ihrem knallroten Glanzkleid. Viele Armbewegungen gibt es zu dieser kraftvollen Midtempo-Ballade mit ganz leichtem James-Bond-Feeling. Die Töne sitzen nicht alle perfekt, aber Lauras Performance ist dennoch ziemlich selbstbewusst und überzeugend. Besonders interessant finde ich die teilweise dissonante Begleitmusik. Ja, das war jetzt gar nicht so schlecht. Co-Blogger Matthias hatte mir vorhin noch mitgeteilt, dass dieser Song sein Favorit heute Abend sei. Was mache ich jetzt aber damit? Gesang 4 Punkte, Song 8 Punkte, Performance 8 Punkte – macht insgesamt aufgerundete 7 Punkte. Für mich liegt weiter Edgars vorn.

 

Der internationale Juror meint, dass sie die beste Sängerin des Abends sei – dann habe ich offenbar etwas mit den Ohren. Kann ja sein…

8 – Markus Riva – This time

Markus – der ewige Wiedergänger bei der Supernova. Gleich zu Beginn trifft er keinen einzigen Ton so wirklich. Der Song ist eine ganz passable und kraftvolle ESC-typische Popnummer mit gutem Refrain. Und sehen lassen kann sich Markus auch. Im Gegensatz zu Edgars hat er allerdings den elegant-smarten Look gewählt. Also stimmlich ist das eine Katastrophe – schade um den eigentlich ganz guten Song. Auaaaaa!!!! Da nützt auch seine ganze Professionalität nicht, um das rauszureißen. Kreischende Mädels im Publikum lassen mich Schlimmes befürchten. Für das Gesamtpaket kann ich jetzt aber nicht mehr als 5 Punkte geben.

 

So, dann haben wir es ja nach zwei Stunden endlich. Gut Ding will Weile haben! Wenn es nach mir geht, schicken die Letten Edgars Kreilis oder Laura Risotto…äh…Rizzotto nach Portugal. Vielleicht wählen die Letten auch etwas aus dem Angebot Marke „Ungewöhnlich“ – das haben sie in der Verangenheit auch schon getan. Jetzt bin ich mal gespannt, was Juroren und Televoter so meinen.

Jetzt wird das Wertungssystem erklärt. 50% des Ergebnisses kommt von der Jury, die anderen 50% offenbar aus einer Mischung von Televoting und Spotify-Abrufen. Im Publikum wird schon heftigst gevotet. Und nun nach dem Schnelldurchlauf Werbung aka Wohnzimmer!!! Mein Dank geht an dieser Stelle übrigens an die Techniker in Riga, die den Stream ab ca. 21 Uhr stabil gemacht haben!

Justs und Dagmar interviewen jetzt Magnus Erinss, offenbar ein DJ, er steht mit Kopfhörern an einem Keyboard. Wozu er da ist und was seine Aufgabe ist, bleibt ein Rätsel.

Die Band Instrumenti singt uns jetzt einen Interval-Act, ihren aktuellen Song „Hes un tu“. Und was soll ich sagen? Der Song ist von der Komposition ungewöhlich und gleichzeitig originell. Begleitet werden sie von allerlei Turnamazonen mit aufgemalten Schnauzbärten. Wie so oft steckt der Interval Act die Wettbewerbssongs locker in die Tasche.

Das Votingfenster ist noch immer offen – haben denn jetzt bitte auch ALLE Letten langsam mal abgestimmt? In Lettland ist es gleich Mitternacht – die Leute wollen doch auch mal ins Bett… Aber es gibt noch einen weiteren Interval Act. Der allerdings ist spektakular. Prata Vetra sind da. Kennt Ihr nicht? Aber als Brainstorm kennt Ihr sie natürlich vom ESC 2000, als Lettland erstmals teilnahm! Und ihren Leadsänger Renars Kaupers, der die Letten damals gleich mal auf den Bronzerang sang und drei Jahre später den ESC aus Riga auch co-moderiert hat. Der ist mittlerweile ein bisschen in die Jahre gekommen, was ihm allerdings extrem gut steht! Das Publikum ist außer sich!

Wie wäre es denn jetzt mal mit Ergebnissen? Bald sind ja schon drei Stunden um? Könnte man ja mal machen. Ach nein, doch nicht – stattdessen der fünfte oder sechste Schnelldurchlauf. Man braucht einen langen Atem heute Abend. Wohnzimmer!

So, eine Entscheidung naht – alle Kandidaten haben sich auf der Bühne versammelt. Lauris Valters wird genannt. Liene wird genannt. Edgars wird genannt. Markus Riva wird genannt. Das waren wohl die Plätze acht bis fünf. Jetzt Platz 4. Den bekommt Ritvars. Dritte wird Madara. Auf Platz zwei kommen Sudden Lights und die Siegerin der Supernova 2018 heißt LAURA RIZZOTTO! Die ist offenbar gar nicht aus Lettland – sie bedankt sich in bestem amerikanischem Englisch beim Publikum. Guck an. Gerade nochmal gegoogelt. Sie ist Brasilianerin mit lettischen und portugiesischen Wurzeln – das passt ja wie die Faust auf´s Auge!

Laura Rizzotto – Funny Girl – Lettland 2018

 

Die Bekanntgabe ging ja dann doch ziemlich fix und unspektakulär über die Bühne. Einfach so – ohne Punkte. Enttäuschend. Aber dennoch alles gute für Laura! Und Tschüss für heute! Morgen geht es weiter mit den Live-Blogs zu Rumänien und Armenien. Stay tuned!

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