Live-Blog Melfest Runde 4: Mariette und Rolandz fahren nach Stockholm


Drei Wochen ist das Melodifestivalen 2018 nun schon alt, und die kritischen Stimmen mehren sich: schwache Songs, schwache Umsetzung, schwache Moderation, so heißt es vielfach im Netz und jetzt auch bei Aftonbladet. Und so ruhten bei vielen Fans die Hoffnungen auf Mariette heute im vierten Semifinale. Sie hat es geschafft, zusammen mit den Rolandz, die in einem Meer aus Glitterfummeln das Finale in der Friends Arena ebenfalls erreichten. Hier ist unser Live-Blog zum Nachlesen.

Schönen guten Abend aus Köln-Nippes. Wir schauen heute nach Örnsköldsvik, einer Kleinstadt auf halbem Weg von Stockholm zur nördlichen Grenze Schwedens rüber nach Finnland.

Hier haben wir schon in die sieben Songs reingeschnuppert und hier gibt es die Snippets. SVTplay streamt auf dieser Frequenz.

Das Melodifestivalen hat in diesem Jahr deutliche Schwächen, sowohl was die Beiträge betrifft, als auch die Umsetzung der Show an sich. Das zumindest die einhellige Meinung vieler Fans im Netz. Ich persönlich finde ja, dass David Lindgren das ziemlich gut macht, auch wenn er allein nicht alles abdecken kann und im Tandem noch besser funktionieren würde. Über den Sidekick Fab Freddie kann man geteilter Meinung sein, irgendwie wirkt das fast wie eine Parodie auf einen Teil der ESC-Fans. Aber gut – immerhin jedes Jahr was Neues!

Aftonbladet hat jedenfalls die Kritik aufgenommen und gestern sogar thematisiert.

Darin wird von sinkenden Zuschauerzahlen gesprochen, aber auch darüber, dass der Verantwortliche für die Sendung, Sunil Munshi, sich gegen Kritik verwahrt. Er weist darauf hin, dass man in diesem Jahr etwas weg wollte von der sehr glatten Produktion mit vielen Einspielern hin zu einer wärmeren, dem Zuschauer näheren Art – und bewusst mehr live in der Halle ist. Schauen wir, wie sie sich heute schlagen werden.

Nach dem Blog-Asyl am Donnerstag bei Leser Ansgar haben sich heute keine Gastblogger angesagt, daher wird es pro Song von mir maximal 10 Punkte geben. Ich habe heute auch drauf verzichtet, mich kostümhaft in meinen Favoriten zu verwandeln. Nach den Snippets am Donnerstag hätte ich mich auch nicht eindeutig für jemanden heute entscheiden wollen. Bin gespannt, wer gleich live überzeugt.

Noch läuft die Einstimmungssendung und Zuschauer in Fußgängerzonen werden nach ihren Favoriten heute gefragt. Strax börjar Mello! Ick freu mir!

Nu kör vi!

David Lindgren sitzt am Klavier und singt eine Ballade über das selbstbewusste Ich – auf Englisch (mit schwedischen Untertiteln)! „This is me“ verbreitet letztlich die Botschaft „Glaube an dich selbst und kümmere Dich nicht um das, was andere denken“. Dann steht er auf und stellt sich in einen Lichtkegel, dahinter vier Tänzer und goldener Bodennebel. Er trägt Accesoires wie ein Paradiesvogel aus einer Dragshow.

Das könnte qualitativ schon ein Beitrag zum Mello sein. Und dieses Jahr sicherlich einer der richtig Guten! Und hinterher erklärt David auch die Bedeutung des Songs nochmal und heißt alle Willkommen.

David entscheidet sich für das kürzere Ö-vik für die Gastgeberstadt (das können wir auch besser aussprechen, danke!). Und er begrüßt den Sidekick Fab Freddie, der wieder in einem Traum aus Glitter dabei ist. Und die sieben Kandidaten sagen Hej! Los geht’s!

 

1. Emmi Christensson – Icarus
(Thomas G:son, Christian Schneider, Andreas Hedlund, Sara Biglert)

Emmi wird als Musicalgröße vorgestellt. Sie steht in einem warmen Lichtermeer von weißen Scheinwerferkegeln und golden beleuchtetem Bodennebel, was eine leichte Reminiszenz an das Conchita-Setting ergibt. Auch mit Flügelmuster hinten (Ikarus!) Im Hintergrund sprüht es gelb und rot wie aus Lavafontänen. Emmi steht engelsgleich mit blondem lockigen Haar in einem dunklen Kleid, das obenrum tief ausgeschnitten ist und hinten noch einen flatternden Tüllumhang hat.

Sie singt eine gewöhnliche Mello- (und auch ESC-) Ballade, wie sie ähnlich schon zigfach gelaufen ist. Der Refrain geht hoch hinaus und ist getragen, ebenso wie ihr Armrudern. Nicht sehr voll ist leider ihre Stimme, die gerade die wichtigen hohen Passagen anfangs nicht so recht schafft, am Ende ist das besser. Ein riesiger durchsichtiger Vorhang flattert hinten – schöne Bühne. Insgesamt ganz gut gemacht.

6/10 Punkten

 

2. Elias Abbas – Mitt paradis
(Anderz Wrethov, Hamed “K-One” Pirouzpanah, Sami Rekik)

Im Song geht es um ganz viel Liebe und good vibes, erklärt er. Der junge Elias (grade mal 16!) gibt mit diesem kleinen Partykracher eigentlich eine vollständige Samir&Viktor-One-Man-Show – das ist vom Beat, von den „Oyoyoyoyoy…“-Rufen und dem übersichtlichen Stimmumfang her die gleiche Schublade (auch wenn „Shuffla“ dieses Jahr innovativer ist). Dazu vier Tänzer, die klatschend und tanzend unterstützen, zum Teil an Podesten, die Buchstaben zeigen. Sehr eingängig und macht richtig Spaß. Und alles sehr farbenfroh. Besser als die beiden Urlaubs-Songs letzte Woche. Mag ich! (Mein Gott, wirklich sehr viel Oyoyoy….. danza kuduro anyone?)

7/10 Punkten

 

3. Felicia Olsson – Break That Chain
(Bobby Ljunggren, Kristian Lagerström, Henrik Wikström, Joy Deb)

Felicia hat einen Midtempo-Schlager im Gepäck, der soundmäßig in die Neuzeit passt (nach Zara-Larsson-Songs klingt), hookmäßig aber ganz tief irgendwo in den 80ern rumturnt (mit langgezogenen, süßlichen Melodiebögen – an was erinnert mich das jetzt?) Sie steht in einem dunklen Outfit da, zunächst auch mit schwarzer Kapuze, die sie bald zurückschiebt. Darunter ein Durcheinander an Glitzer, Fransen…. Unspektakulär. Genauso so unscheinbar wie ihr Song. Es gibt zwar einen Key Change, aber der verpufft ganz schnell, weil sie stimmlich den nicht ausfüllen kann.

Insgesamt eine dunkle Bühne mit bisschen grün und gelb.

4/10 Punkten

 

4. Rolandz  – Fuldans
(Fredrik Kempe, David Kreuger, Robert Gustafsson)

Ach Du Schreck – ist das eine Verballhornung eines Comedy-Acts? Sieht aus wie eine üble Parodie auf „Wadde hadde dudde da“. Und das hat Fredrik Kempe geschrieben?

Die ganze Truppe – der Leadsänger mit seinem beiden Backings, aber auch die „Musiker“ im Hintergrund – alle in einer Art Alufolie eingepackt mit Schlaghosen. Der Beat eine dröge Rockabilly-BoogieWoogie-Nummer, die man aber kaum ernstzunehmen wagt, da man von der Optik so…. erstaunt entsetzt ist. Was ist den dieser „Fuldans“? So eine Art Rocky-Horror-Time-Warp?

Da gibt es viele affige Bewegungen, Pyro, einen Gang zum Satelliten…. Aber es kommt einfach nicht an. Das Publikum ist auch eher unbeeindruckt.

2/10 Punkten

 

5. Olivia Eliasson – Never Learn 
(Anton Ewald, Jonas Wallin, Astrid Smeplass)

Endlich mal ansatzweise moderne Beats und Synthisounds. Olivia mittig in einer Art Trainingsanzug in Glitteroptik und neongelben Streifen, dazu vier Tänzern in knallgelben Kapuzenoveralls, alles im Schwarzlicht und sehr blau/lila.

Das Lied ist keine Glanzleistung, sie hat auch keine besonders starke Stimme, aber nach den sehr beiden unterdurchschnittlichen Startnummern direkt davor ist das etwas frischer. Die Tänzer vollführen richtig akrobatische Sprünge, tolle symmetrische Choreographien. Der Sound plätschert derweil etwas monoton dahin, aber wie gesagt – das war zumindest ein wenig originell.

6/10 Punkten

 

6. Felix Sandman – Every Single Day 
(SANDMAN, Noah Conrad, Tony Ferrari, Parker James Nornes, Jake Torrey)

Ein eher nachdenklicher, sehr junger Sänger (war schon mit FO&O dabei) aus der Kategorie „JustinBieberWannabe“ singt im Sitzen einen modern-puristisch instrumentierten Beitrag.

Es geht um eine vergangene junge Liebe, er weint dem Mädchen nach, steht nicht mehr auf, ist sterbenstraurig, und denkt every single day an sie. Gut umgesetzt mit Close-ups. Sehr simple dunkle Klamotte, schwarzer Background. Das hat etwas von der Einfachheit von Frans, ist nicht aufdringlich. Nur der Track ist weniger Synthis und mehr Klavier und Cello. Aber so richtig 100% ans Herz geht es mir nicht. Benjamin Ingrosso verkörpert diese Bubenkategorie auch schon wesentlich besser als Felix. Bin unschlüssig.

7/10 Punkten

 

7. Mariette – For you
(Jörgen Elofsson) 

Dazu steht Mariette auf einem kunstvollen Podest (eine Pyramide mit einer Plattform obendrauf) Das wurde choreographiert vom selben Team wie letztes Jahr Bengtsson. Dazu die letzte Startnummer im vierten Semifinale – soll wohl 2018 gewinnen.

Sie sitzt erstmal, steht dann auf dieser Plattform auf. Das hat Wiktoria-Choreo-Elemente. Aber der Song? Oh dear – ein paar Drumbeats unter einem etwas sphärisch gepitchten Gesang. Und der Text? „Monsters under my bed“ – Saara Aalto anyone? Die Platte leuchtet jetzt weiß und es werden Blitzgewitter drauf projiziert.

Das Lied nimmt mich aber so gar nicht mit – müde Melodie, dann dieser repetitiver Chorus-Ausklang „…for you, for  you, for you…“ Und wozu diese zeigende Handbewegung ins Publikum, und dann hampelt sie noch etwas rum. Erinnert mich an Kinderspiele in einer Kita. Ja, die Melodie ist auch irgendwie Kinderlied. Paar nette Bilder, nette Close-ups von ihr, aber ein Siegerlied? Beileibe nicht.

5/10 Punkten

 

Schnelldurchlauf!

Für mich dieses Jahr bitte eine Finalentscheidung zwischen Ingrosso, Liamoo, „Shuffla“ und vielleicht noch „Party Voice“. Aber eigentlich Ingrosso. Mariette jedenfalls nicht. Schade. Ihr erster Mello-Auftritt vor zwei Jahren war grandios gewesen.

Und was ist der Glitterfaktor des heutigen Abends? Fab Freddie ist dafür der Fachmann und misst jetzt den Glittergrad mit seinem kleinen Glitterometer. Und lacht sich kaputt dabei. Puh…

Die erste Entscheidung des Abends – welche fünf kommen weiter?

Elias, Olivia, Felix, Mariette und die Rolandz. Weshalb ist „Icarus“ raus? Echt jetzt?

Bis zum nächsten Ergebnis gibt es jetzt ein bisschen David Lindgren sowie ein paar Schnipsel von ESC-Klassikern, die zum Interval Act überleiten: live auf der Bühne Cecilia Frode mit „En man i byran“, im Original von Lill Lindfors 1967.

Und Smalltalk im Green Room, in dem die übriggebliebenen Kandidaten mit Fotos aus ihrer Kindheit konfrontiert werden…

Jetzt verkündet David den ersten Finalisten. Für mich wären das ja Elias und Felix (jeweils 7 Punkte von mir) in diesem sehr mittelprächtigen Semifinale: Es ist aber – Mariette! Nicht wirklich eine Überraschung, da sie Wiederholungstäterin ist und seit Bekanntgabe der Mello-Teilnehmer 2018 als Siegerin gehandelt wird. Naja. Nett. Nichts weiter….

Und nun die beiden für Andra Chansen. Es sind: Olivia Eliasson und Felix Sandman. Kommt Elias jetzt wirklich ins Finale? Das wäre toll, toll, toll! Das hat richtig Spaß gemacht!

Ich fasse es nicht. „Fuldans“????! Das war nun so überhaupt nicht lustig… Schade um den Klopper von Elias Abbas. Den werde ich jedenfalls rauf und runter spielen!

Rolandz haben das ganz offensichtlich nicht erwartet….

Jetzt dürfen die Rolandz als weitere Finalisten für Stockholm nochmal ran.

Und damit verabschiede ich mich aus Köln und wünsche Euch noch viel Spaß mit den noch laufenden Live-Blogs zu Lettland, Ungarn, der Ukraine und Slowenien.