Live-Blog: Ein Ukrainer singt für Moldawien

Eduard Romanyuta

16 Interpreten sangen heute Abend in Chișinău um das moldawische ESC-Ticket. In diesem Jahr wollten der „Epic Sax Guy“ und SunStroke Project es nochmal versuchen – sie waren bereits 2010 in Oslo mit von der Partie. Doch den Sieg trug ein anderer davon: Eduard Romanyuta, 1992 in der Ukraine geboren, darf nach Wien. Hier ist unser Liveblog zum langen Finale von „O melodie pentru Europa“ zum Nachlesen. Mit den Videos der Auftritte

Die Show beginnt um 19 Uhr. Hier haben wir über die Semis berichtet.

Guten Abend aus Berlin. Im Osten des Kontinents ist es schon Tagesschau-Zeit, und um 20 Uhr Ortszeit soll in Moldawiens Hauptstadt Chișinău das Finale von O melodie pentru Europa (zu Deutsch: Ein Lied für Europa) beginnen. Mal sehen, ob wir wieder – wie bei den beiden Vorrunden am Dienstag und Donnerstag – eine stundenlange Talkshow auf Billigstühlen im Sitzkreis zu sehen bekommen. Vielleicht geht es ja heute etwas flotter (uns wäre es zu wünschen, die beiden Semis waren nah dran am Schmerzensgeld, vor allem wenn man kein Rumänisch versteht).

Huch, hat das schon angefangen? Im moldawischen Fernsehen ist Cristina Scarlat zu sehen, die „Wild Soul“ singt – ich habe eben nochmal geprüft: Mitte März 2014 hatte ich auch schon das Vergnügen, den moldawischen Vorentscheid für Kopenhagen livebloggen zu dürfen.

Der Moderator liest in gutem Deutsch vor, dass der 60. Eurovision Song Contest in Wien stattfinden wird.

Jetzt wird in den Greenroom geschaltet, dann erklären die beiden Moderatoren, wie man anrufen kann – eine Tafel zeigt alle 16 Songs mit den Telefonnummern. Dann wird die Jury vorgestellt, und ein Notar sitzt wohl auch dabei. Dann gibt’s Bilder von Wien, und dazu passend einen Strauß-Walzer. Ja, Wien hat viele Schönheiten – aber, liebe Moldawier, da war doch noch was….?

Moldawien 2015 Moderatoren

So, jetzt geht’s zurück ins Studio. „Start televote“ – man kann also ab sofort anrufen, noch ehe überhaupt ein Ton erklungen ist. Aber viele kennen wohl die Songs schon von den Vorrunden am Dienstag und Donnerstag. Den Clip zu O melodie pentru Europa find ich ja ganz gut gelungen, recht modern. Die Show drum rum wirkt halt eher billig.

So, es geht los.

1. Miss M – Lonely Stranger

aus dem 2. Semifinale

Die Miss steht in Weiß auf einer dunklen Bühne, offenbar auf einem Podest, das umstellt ist mit schwarzen Schildern, auf denen mit Weiß Wörter wie „Pain“ oder „Fear“ geschrieben. Die fallen dann der Reihe nach um, und beim Refrain sieht man dann nur noch das Podest, und ein E-Gitarrist steht auch mit auf dem Podest. Was wie eine ziemlich ruhige Ballade beginnt, wird dann eine ziemlich gitarrenlastige Nummer. Der erste Teil gefällt mir, der zweite weniger. 5/10

Es geht Schlag auf Schlag, ohne Moderation kommt nach einem kurzen Einspieler sofort

2. Irina Kitoroagă – I’m Gonna Get You

aus dem 1. Semifinale

Irina in einem irgendwie merkwürdig geschnittenen blauen Glitzer-Kleid, stakst in schwarzen Highheels über die Bühne. Passt zu dem billigen Popliedchen, das einen leichten Reggae-Groove hat. Sie schreit sich zwischendurch die Seele aus dem Leib, macht’s damit aber auch nicht besser. Ein schlimmes Lied. Kuckt da beim Kleid links und rechts die Unterwäsche raus? Augenkrebs. 1/10

Zack, schon der Nächste. Und ein durchaus umstrittener.

3. Eduard Romanyuta  I Want Your Love

In den vergangenen Tagen gab es Kritik, „I want your love“ sei ein Plagiat eines Mariah-Carey-Hits. Der Beat des Liedes ist in der Tat dem von Mariah („It’s like that“) ähnlich. Aber mehr eigentlich auch nicht. So ein bisschen wie bei „Euphoria“ und „Glorious“. Eduard kommt mit seinen langen Haaren daher wie ein Rocker, singt aber eine Dance-Nummer, zu der er sich ganz gut bewegt. Aber die Optik ist mehr als grenzwertig. Glatte lange blonde Haar unter einer schwarzen Baseball-Kappe, dazu eine schreckliche Leggings und weiße Basketballstiefel. So lief man 1988 rum. Aber 2015? Vielleicht noch in Moldawien. Das Lied ist aber ganz passabel, wenn auch stimmlich nicht überzeugend. Vor lauter Tanzen lässt Eduard ganze Wörter aus. Am Ende dreht sich seine Tänzerin rum – und sie hat einen Conchita-Bart. Nun gut, kann man als letzten Gimmick bringen. 6/10

4. Dana Markitan – Love Me

Oh, eine Windmaschine kommt zum Einsatz. Dana in einem langen Kleid zwischen Blau und Violett singt eine Ballade, die diese Akrobatik-Einlage, die hinter ihr vollführt wird, überhaupt nicht braucht. Und warum steht da ein schicker Tisch mit Kandelaber? Ach, da kommt ein Diener mit weißen Handschuhen und verbrennt sich die Hand – und reibt sich dann die Handflächen, und daraus entsteht Schnee, der in Danas Gesicht bläst. Naja, viel zu viel Getöse zu einer hübschen Ballade. Dieses ganze Gewese braucht die Nummer eigentlich nicht. Dana singt „Love Me“ sicher. Ein guter Auftritt – wenn man sich den ganzen Rest wegdenkt. Allerdings ist die Nummer eher etwas altbacken. 7/10

So, nach den ersten 4 Songs kommt erst mal Werbung. Der Blogger kann durchatmen. 😉

So, weiter gehts. Die Moldawier machen das ganze doch recht schnell. Die beiden Moderatoren mit ihren Klemmbrettern erzählen noch ein bisschen was über Wien – ich hab „Habsburger“ verstanden und dann werden eine Reihe von Komponisten wie Mozart, Haydn und Beethoven erwähnt. Es folgt eine Schalte in den Greenroom zu denen, die ihren Auftritt schon absolviert haben. Der Gitarrist von Miss M zeigt seine besondere Gitarre, die Tasten auf dem Gitarrenkörper hat.

Ah, ich vergaß zu erwähnen, dass Eduard Romanyuta aus der Ukraine ist – darum wird er auf Englisch im Greenroom interviewt. „I love Moldova“, sagt er natürlich.

Zurück im Studio. Es geht wohl weiter im Wettbewerb. Ich vermute mal, dass wieder 4 am Stück kommen – so kann man die 16 Songs in vier Blöcken abfeiern.

5. Diana Brescan – Up And Down

Diana auf einem mit weißen Stoff verhüllten Podest sitzt auf einem weißen Sessel, sie sieht mit ihren nach hinten zum Zopf gebundenen Haaren streng aus. Ein Tänzer mit einem Jackett auf dem nackten Oberkörper macht Verrenkungen – dass die Osteuropäer immer glauben, dass es solchen Quatsch braucht. Diana singt das Lied, eine Midtempo-Pop-Rock-Nummer, ganz gut. Am Ende gibt’s vom Tänzer eine weiße Rose – der Bachelor? Das Lied geht so, aber das „ever, ever, ever, ever, ever“ in der Mitte nervt etwas… Lied okay, aber nicht mehr. 5/10

6. Doinița Gherman – Inimă fierbinte

Doinita singt eine Latinpop-Nummer auf Rumänisch, in einem recht gewagten Kleid in den moldawischen Landesfarben (gelb, blau, rot). Vier Tänzerinnen mit einer Art Venedig-Masken mit Federn dran tanzen um sie herum. In der Mitte des Liedes hat der Song dann den moldawien-typischen Instrumentalteil mit Bläsern. Einen Mittelteil singt Doinita auch auf Englisch. Gut gesungen, flott vorgetragen – und hier passten die Gimmicks wenigstens mal gut zum Lied und fügten sich zu einem vernünftigen Ganzen. Mir hat’s gefallen. Ein bisschen Gloria-Estefan-Sound aus Moldawien. Why not? 9/10

7. DoReDos – Maricica

Ein von Pasha Parfeny geschriebenes Lied, und die ersten Töne erinnern auch an „Lautar“. Aber eine schräge Mischung: ein bisschen Panflöte, Xylophon, der eine hat einen Mantel an wie die Llama-Hirten in Peru, und am lächerlichsten sind die großen Kopfhörer, die die beiden Sänger auf den Ohren tragen. Die Sängerin im Mittelpunkt wiederum sieht aus wie ein billiges übriggebliebenes Funkenmariechen aus dem Karneval. Das Lied ist extrem billig, aber irgendwie eingängig. My maricica. (Hallo, das schreibt man Chica, ihr Lieben!!) Aber mir ist das zu billig und optisch auch wieder augenkrebsgefährlich. 2/10

8. Stela Boțan & The Cadence of Heart – Save Me

Ich wollte gerade schon schreiben, dass Stela das ganz gut singt – doch in der Mitte wird’s dann doch leicht schief, wenn sie im Refrain die hohen Töne anschlägt. Tja, was soll das sein? Eine angerockte Popballade? Und was wollen uns die Moldawier damit sagen, dass Stela eine Art Hochzeitskleid trägt, aber eine Eisenkugel am Fuß hat? Gefesselt in der Ehe? Dazu die Flammen im Hintergrund. Ach, ich weiß nicht… überzeugt mich auch nicht. Klar, „Seif miiiii“, das hat man gleich im Kopf. Aber als Lied muss ich das kein zweites Mal hören. 3/10

Zurück im Greenroom. Auch zu den DoReDos, mit Pasha Parfeny, natürlich (wenn ich das richtig gesehen habe, war der vorhin auch im Hintergrund auf der Bühne, als eine Art DJ hinter seinem Pult).

Moldawien 2015 Pasha Parfeny Greenroom

Im Greenroom dürfen die vier Künstler dieses zweiten Blocks natürlich fleißig Werbung für sich machen – anrufen, anrufen, anrufen, heißt die Botschaft der Stunde.

Zurück im Studio bei unseren Gastgebern. Die nächsten vier sind dran.

9. Mihaela Andrei  About Love

Mihaela kam im ersten Semifinale nur als Achte ins Finale, das dürfte heute also eher nichts werden, wenn sich die Stimmung seit Dienstag nicht komplett gedreht hat. „About love“ ist eine ganz gute Dancenummer, vom Beat her erinnert mich das ein bisschen an Hannah Mancini (Slowenien 2013). Allerdings ist die Melodie etwas schlagerhafter. Mihaela mit zwei Tänzerinnen in identischen Silber-Petticoats bewegen sich eckig, die drei sollen wohl Spieluhren-Figuretten darstellen. Eine nette Idee. Hat mir ganz gut gefallen. 6/10

10. Lidia Isac – I Can’t Breathe

Am Anfang glaubt man, jetzt käme ein Zaubertrick von David Copperfield: Lidia im weißen Fransenkleidchen schwebt liegend auf einem Mann… doch schon nach wenigen Sekunden steht sie allein auf der Bühne und singt eine weitere ganz annehmbare Dance-Nummer, mit zwei halbnackten Tänzern. „I can’t breathe“ hat ein bisschen was vom Sound von „Mr. Saxobeat“. Die Tänzer sind ein Plus, die Stimme ist mir ein bisschen zu metallisch, aber okay. Das Lied ist eingängig, könnte gut im Euroclub laufen (da fehlt es uns dieses Jahr ja noch an Material). Überzeugend. 7/10

11. Glam Girls – Magia

Aha, das stellt man sich in Moldawien also unter Glamour vor. Zwei Mädels in silbern glitzenden kurzen Kleidchen, die vor dem grauen Hintergrund fast verschwinden. Naja, Glamourfaktor 2, würde ich sagen. Da wäre noch mehr drin. Die beiden singen mal wieder ein Lied auf Rumänisch. Eigentlich eine ganz gute Nummer, nicht zu schnell, aber auch keine wirkliche Ballade. Mit einem Hauch Cocktail-Lounge. 6/10

12. SunStroke Project feat. DJ Michael Ra – Day after Day

Jetzt also der „Epic Sax Guy“, der seinen Hüftschwung immer noch so gut drauf hat wie vor 5 Jahren beim ESC in Oslo. Der Typ mit der Geige ist auch wieder dabei, und der Frontmann Sergej mit seinen kurzen blonden Haaren hat sich auch kaum verändert. Die Nummer ist wieder – fast noch mehr als „Run away“ – auf den Saxofonisten zugeschnitten, das beste an dem Lied ist in der Tat die Sax-Hookline. Aber der Rest drumherum ist leider eher schwach. „Day after day“ ist eigentlich nur wegen der paar Sax-Töne, die immer wiederkehren, akzeptabel. Aber an „Run away“ kommt das bei Weitem nicht heran! Weite Teile klingen eher wie eine Demoversion. Ehrlich, muss ich in Wien nicht haben. 4/10

Es gibt in Moldawien wieder Werbung, ehe die letzten 4 auf die Bühne dürfen.

Zurück im Studio. Die Moderatoren erinnern wohl an Besonderheiten der ESC-Geschichte. Der Name Lill Lindfors fällt (sicher im Zusammenhang mit der Kleid-reißt-Szene vom ESC 1985), außerdem wird Daniel Diges erwähnt (wer erinnert sich nicht an Jimmy Jump auf der Bühne beim ESC 2010 in Oslo?). Dann geht es in den Greenroom zu denen, die eben dran waren, u.a. mit SunStroke Project und den glamourösen Mädels.

Moldawien 2015 Greenroom Sunstroke ProjectSunstroke-Sänger Sergej im Greenroom

Dann geht’s an den letzten Vierer-Block.

13. Julia Sandu – Fire

Julia trägt zunächst ein rotes Abendkleid, das schlecht zu sitzen scheint – was sich nach etwa 40 Sekunden auflöst: Beim Refrain ist plötzlich das Kleid weg, und Julia steht in einem rostroten Ganzkörperanzug da. Zusammen mit drei Tänzern in schwarzen Plastikjacken (mit gelben Ärmeln) präsentiert sie, ganz gut tanzend, eine weiteren Popdance-Nummer. Stimmlich überzeugt Julia allerdings nicht so ganz, und das Englisch ist auch eher mies. Dann noch ein paar Kreischtöne – das gibt Punktabzug. Für die Performance und das an sich annehmbare Stück Musik gibt’s von mir noch 5/10

14. Serj Kuzenkoff – Danu năzdrăvanu

Serj (Fünftagebart, lange schwarze Haare nach hinten gegelt) nervt mich mit seinen Falsetttönen, in die er immer wieder wie zufällig einfällt, und das „diri diri diri“ ist auch eher nervtötend. Eine schlimme Nummer, bei der man froh ist, wenn die 3 Minuten rum sind. Immerhin ist auch wieder ein Hauch von „Hora din Moldova“ mit drin… (ähnlich wie bei Doinitas Lied). Auch optisch eher kein Hingucker – eher das Gegenteil. 2/10

15. Marcel Roșca – Feelings Will Never Leave

Ein ganz ansehnlicher junger Mann im schlichten weißen Hemd und hochgekrempelter hellblauer Jeans singt eine R&B-Ballade. Zwischendurch darf auch hier wieder ein bisschen Ost-Gimmick in Form einer jungen Dame in Weiß nicht fehlen, die um ihn herumläuft. Mit der Stimme spielt Marcel meiner Meinung nach ein bisschen zu sehr herum, das ist mir ein wenig zu manieriert. Der Song selbst ist gar nicht so übel. Einer der besseren Beiträge hier im Angebot. 7/10

Und last but not least:

16. Valeria Pașa – I Can Change All My Life

„I can change all my life“ hat eine schöne Strophen-Melodie, doch der Refrain fällt dagegen eher ab. Und Valeria macht mit ihrer Stimme allzu sehr auf Mariah Carey (ein befreundeter Amerikaner nennt diese immer „Mariah Scary“). Da werden die Töne langgezogen, und die Stimme vibriert, und dann schraubt sich das ganze auch gern mal noch ein wenig nach oben. Das muss alles nicht so sein, finde ich. Die Ballade ist auch so ganz schön, aber Valeria zersingt mir das alles… In ihrem dunkelbraunen Kleid sieht sie gut aus, finde ich. Als Gesamtpaket nicht so schlecht, nur sie ist mir ein wenig zu überzeugt von ihrer Stimme und glaubt, 120% geben zu müssen. 6/10

Das waren die Beiträge im moldawischen Finale. Es geht in den Greenroom zu Serj… und ich schaue mal eben auf meine Liste. Meine Top4 sind:

1. Doinița Gherman – Inimă fierbinte (9)
2. Dana Markitan – Love Me (7)
3. Lidia Isac – I can’t breathe (7)
4. Marcel Roșca – Feelings will never leave (7)

Also, ich würde die Latinpop-Nummer von der moldawischen Gloria Estefan gern in Wien sehen. Ihr auch?

Es gibt einen Schnelldurchlauf. Klar, die Zuschauer haben vielleicht die ersten Songs des Abends schon längst wieder vergessen (bei manchen ist das auch besser so).

Im Schnelldurchlauf zeigt TRM bei Doinita den englischsprachigen Teil…. ob das so hilfreich ist? Vielleicht hätten es die Zuschauer lieber auf Rumänisch? (Ich hoffe auch darauf, dass – falls „Inimă fierbinte“ hier gewinnen sollte – es nicht bis Wien auf Englisch umgewandelt wird.)

Moldawien 2015 Doinita Gherman

Aber alles in allem war Doinitas Auftritt am professionellsten heute Abend, und nach einigen Anläufen wäre es vielleicht mal Zeit für sie, das ESC-Ticket zu holen. Sie war ja schon 2011, 2012, 2013 und 2014 beim moldawischen Vorentscheid dabei – und entwickelt sich so langsam zur Sanna Nielsen Moldawiens. Bei Sanna hat’s ja auch am Ende geklappt. Wird das heute Frau Ghermans Abend?

Nach dem Schnelldurchlauf geht es zurück in den Greenroom – natürlich wieder mit dem Aufruf, fleißig abzustimmen für die 16 Finalisten. „Stop televote“? Schon? Ah, die letzten Sekunden laufen schon. Und schon ist die Zeit abgelaufen. Das war aber eine relativ kurze Abstimmzeit – in anderen Ländern wird den Zuschauern da ja 20 Minuten oder mehr gegeben, hier war das deutlich kürzer, würde ich mal schätzen.

Eine Geigenspielerin namens Elena Vinitki fiedelt etwas leicht Irisch Klingendes auf der Bühne. Interval Act auf Moldawisch. Auf dem Backdrop hinter ihr tanzt ein Mann Riverdance. Haha, selbst das wäre besser als das, was wir gestern in Dublin bei der furchtbar miserablen Sendung von RTÉ erleben mussten.

Im eher jungen Publikum, das in dem Studio mit kleinen Fähnchen vor der Bühne steht, herrscht offenbar gute Stimmung. Eben fiel der Name Natalie Barbu. Kommt jetzt gleich die moldawische ESC-Sängerin von 2007?

Drei Frauen in Kleidern in Weiß, Schwarz und Rot singen auf rumänisch eine schöne Piano-Ballade („Pentru tine“), hinter ihnen tanzen drei Paare. Das gefällt mir ganz gut. Ist da jetzt Natalie dabei? Die drei geben ein kleines Konzert. Beim nächsten Titel singt die im roten Kleid, während die Dame in Weiß am Klavier sitzt. Irgendwie nett.

Moldawien Interval Act

Jetzt darf ein Schnuckel mit Bart, ganz in Schwarz, ran – auch er singt eine Ballade, zusammen mit einem anderen Typen mit Baseballkappe. Es folgt eine Tanzeinlage zu heftigen Beats. Kann sich nur noch um Stunden handeln, ehe wir in Chișinău das Ergebnis erfahren. Alles wie gehabt bei O melodie pentru Europa.

Interval Moldawien 2015

Ah, Frau Barbu singt nochmal ihre Jazz-Nummer, mit der sie 2011 beim moldawischen Vorentscheid dabei war. „Let’s jazz“ gefiel mir damals ganz gut, aber die Moldawier entschieden sich ja für Zdob şi Zdub („So lucky“).

So langsam zieht sich das Konzert aber… Wollen die Moldawier zeigen, dass sie doch auch gute Musik machen können? 😉 Wobei, „Chica“ und „bonita“ zu billigen Beats ist nun doch eher die Fortsetzung von manchem, was wir vorhin schon ertragen mussten (DoReDos).

Jetzt kommt noch „I knew you were trouble“ von Taylor Swift zum Einsatz, während eine Handvoll Tänzerinnen und Tänzer auf der Bühne (Herren in schwarzen Anzügen, Damen in schwarzen Oberteilen mit merkwürdig aussehenden Halb-Tütüs) rumhopsen. Jetzt möchte ich aber mal endlich die Ergebnisse haben!!

„The show must go one“… aua…. kann da keiner richtig Englisch? Ja, wer fährt denn jetzt nach Wien, Freunde? Ach, immer noch nicht. Jetzt kommt noch eine spanisch angehauchte Popnummer – auf Spanisch gesungen. Irgendwas mit corazón – geht ja immer. Ein bisschen à la Mandinga, die kamen zwar aus Rumänien, ist aber ja gleich um die Ecke. Bailando… bailando… Olé!

Wenn’s so weitergeht, haben Finnland und Ungarn ihre Lieder für den ESC heute Abend eher gefunden als die Kollegen in Moldawien. Wird wohl eine abendfüllende Veranstaltung. Naja, immer noch besser als die Stuhlkreise, die am Dienstag und Donnerstag über die moldawischen Bildschirme flimmerten. Wo die Teilnehmer der Vorrunden auf billigen Plastikstühlen nebeneinander saßen und eine Moderatorin stundenlang Fragen stellte und man sich fragte, wann es endlich weitergehen würde…

Das nächste Lied auf Rumänisch. Ob die Zuschauer im Saal auch langsam unruhig werden?

Es kommt ein Eurovision-Einspieler. Geht’s jetzt etwa ans Ergebnis? Ach nee, erst mal Werbung.

So, wir sind zurück im Studio. Das Publikum jubelt. Die Moderatoren stehen auf der Bühne. Gibt’s jetzt die große Verkündung? Immerhin spricht der Moderator von „resultati“ oder so ähnlich. Ein Juryvoting gibt’s ja auch noch.

Mal sehen, wer hier abräumt. Alle Juroren gehen 1-12 Punkte, wie beim ESC. 1-7 erscheinen wie beim ESC automatisch. Der erste Juror gibt Eduard 8, Valeria 10 und Diana 12 Punkte. Juror 2 hat 8 für SunStroke Project, 10 für Diana Brescan und 12 für Eduard. Hmmm… was macht Doinita?? Diana führt.

Weitere Punkte für Sunstroke Project (zwei mal 8), 10 für Miss M und 12 für Eduard. Die Menge johlt. Nun 8 für Doinita, 10 für Eduard und 12 für Marcel.

Eduard führt, wenn ich das richtig sehe. Aber es kommen noch Juroren.

Ich bin etwas enttäuscht, dass Doinita Gherman nicht besser ankommt. Die DoReDos von Pasha Parfeny aber auch nicht. Lidia, Julia und Mihaela haben noch 0 Punkte.

Der nächste Juror gibt 8 für Valeria, 10 für Stela und 12 für Eduard. Der führt jetzt mit etwas Vorsprung.

Nun gibt eine Jurorin 8 für Eduard, 10 für Miss M und schließlich 12 Punkte für SunStroke Project (auf Deutsch, warum auch immer…)

Und wieder 8 für Valeria, 10 für Serj und 12 für Eduard. Das sieht nach einem Sieg für den Ukrainer aus. Er hat 76 Punkte und Miss M 62. Das sind die führenden Zwei im Moment.

Und weiter gehts: 8 Punkte für Dana, 10 für Diana und 12 Punkte für Valeria. Aber Eduard bekommt auch immer ein paar Punkte von Juroren. Vom nächsten Juror etwa 5 – er gibt seine 8 an Dana, 10 an Diana und 12 an Valeria. Doinita bekommt jedenfalls nie hohe Punkte. Sie liegt in der hinteren Hälfte der Liste.

Die Juroren loben wohl ein wenig die Veranstaltung und lesen dann ihre 8, 10, 12 Punkte vor. Nimmt das mit den Juroren gar kein Ende? Der nächste vergibt 8 an …. da war gerade ein Fehler. Es gibt etwas Verwirrung bei den Juroren. Ich verstehe gerade auch nicht…

Jetzt kommt Werbung, ohne dass man einen Zwischenstand zeigt. Alles etwas merkwürdig. Ich vermute aber mal, dass Eduard führt – das war bei den Juroren ja relativ eindeutig.

Slowenien und Finnland haben ja inzwischen gewählt (Finnland leider völlig falsch…) – Ungarn ist im Superfinale, und wir warten immer noch aufs Endergebnis dieser leicht konfusen Abstimmung mit gefühlt zweihundertdreiundzwölfzig Juroren.

So, zurück aus der Werbung. Geht’s jetzt endlich an den Schluss dieser ewig langen Vorentscheidung?

Ach, jetzt gibt’s die Tafel. Valeria führt vor Eduard, Miss M ist Dritte. Das wird jetzt in 12 bis 1 Punkt umgerechnet, weil das Juryergebnis insgesamt so viel zählen soll wie das Televoting.

Wir sind gespannt.

Eduard hat das Televoting klar gewonnen. Und damit ist klar: Mit 22 Punkten insgesamt ist der Sieger des Abends: Eduard Romanyuta mit „I Want Your Love“. 

Moldawien 2015 Eduard RomanyutaMoldawien 2015 Eduard Romanyuta

Damit ist doch noch jemand aus der Ukraine beim ESC in Wien dabei, wenn auch für die Farben Moldawiens. Ich hatte Eduard mit 6 Punkten zumindest auch im engeren Feld, bin aber doch etwas enttäuscht, dass es nicht Doinita Gherman geworden ist.

Immerhin kein Totalausfall wie in Finnland. An die Dancenummer mit dem – sagen wir mal – bei Mariah Carey entlehnten Beat kann man sich gewöhnen. An die Optik von Eduard mit seinen langen Haaren unter der Baseballkappe wohl auch. (Eduard hatte es ja auch bei ukrainischen Vorentscheidungen schon versucht, aber ohne Erfolg.)

Die Gesamttafel war leider nur kurz eingeblendet und auch kaum zu lesen am Bildschirm, ich reiche das Ergebnis später nach. Ich will ja auch wissen, wo Doinita letzlich gelandet ist.

Eduard kriegt auf der Bühne noch etwas überreicht – man macht aus dem ganzen hier ja immer einen Staatsakt. Da ist wohl sogar ein Vertreter der Republik Moldau anwesend, der im Namen der Regierung dem Sieger ein Geschenk überreicht. Darf der sein Lied nochmal vortragen? Erst mal sagt der Moderator Eduard auf Englisch, jetzt müsse er anfangen, Rumänisch zu lernen. Eduard (1992 im Westen der Ukraine geboren) verspricht, sein Bestes zu geben in Wien: „Ich werde euch nicht enttäuschen!“

Und dann gibt’s den Siegertitel nochmal. Man kann zumindest festhalten: Hier wurde etwas für den Euroclub in Wien gewählt. Und falls man den jungen Mann noch zum Friseur schickt und bei ihm den Kleiderschrank ausmistet, könnte es ja noch was werden. Der 61. Eurovision Song Contest dürfte aber nicht in Chișinău stattfinden.

Eduard Romanyuta: I Want Your Love (Siegerauftritt am Ende der Show)

Hier das gesamte Endergebnis (Punkte: Jury + Televoting)

1. Eduard Romanyuta: I Want Your Love (10 + 12)
2. Valeria Pașa: I Can Change All My Life (12 + 4)
3. SunStroke Project feat. DJ Michael Ra: Day After Day (6 + 8)
4. Serj Kuzenkoff: Danu năzdrăvanu (5 + 6)
5. Miss M: Lonely Stranger (8 + 3)
6. DoReDos: Maricica (0 + 10)
7. Stela Boțan: Save Me (1 + 7)
8. Diana Brescan: Up And Down (7 + 0)
9. Dana Markitan: Love Me (4 + 2)
10. Doinița Gherman: Inimă fierbinte (0 + 5)
11. Marcel Roșca: Feelings Will Never Leave (3 + 1)
12. Irina Kitoroagă: I’m Gonna Get You (2 + 0)
13. Mihaela Andrei: About Love (0 + 0)
13. Lidia Isac: I Can’t Breathe (0 + 0)
13. Glam Girls: Magia (0 + 0)
13. Julia Sandu: Fire (0 + 0)

Das Televoting ging extrem eindeutig aus: Eduard Romanyuta erhielt 13.500 Stimmen, die bei den Anrufern zweitplatzierten DoReDos bekamen 9608 Stimmen.

Hier der Mariah-Carey-Titel, von dem Eduards Lied abgekupfert sein soll:

Mariah Carey: It’s Like That (live bei Ellen DeGeneres)

Ich finde, die Ähnlichkeit ist da (man könnte sagen, der Komponist von „I Want Your Love“ hat gern mal den Carey-Song gehört…) – aber von Plagiat kann überhaupt keine Rede sein. Was meint ihr?

Damit ist der lange Abend in Chișinău beendet. Euch noch ein schönes Wochenende. Morgen Abend erwartet uns endlich der spanische Beitrag, von dem wir bisher ja nur wissen, dass er „Amanecer“ heißen wird. Edurne wird ihn morgen präsentieren.

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