Live-Blog: Oh Gott, Ott gewinnt den estnischen Pott!

Wer wird Nachfolger oder Nachfolgerin von Getter Jaani und damit Estlands Vertreter in Baku? Wir haben live gebloggt, als in der Nokia Concert Hall in Tallinn 10 verschiedene Acts um das Ticket nach Aserbaidschan kämpften. PRINZ-Blogger OLiver war übrigens live in Tallinn dabei, saß in Reihe 5 und wurde kurz vor Ende der Übertragung auf dem Schirm gesichtet. Einen kleinen Nachbericht gibt es in den nächsten Tagen sicher auch von ihm. Hier kann der Blog noch einmal in voller Länge nachgelesen werden.

„Tere õhtust“ miteinander! Guten Abend aus Hamburg!

Los geht´s! Getter Jaani lässt sich von einem indischen Taxichauffeur zur Halle bringen. Im weißen Kurzmantel läuft sie Treppen und Gänge entlang, offenbar auf der Suche nach der Bühne, auf der sie uns jetzt ihren neuen Song präsentiert. Und der gefällt WM und mir gut! Große bunte Party auf der Bühne!

Tiit Suuk und Tavi Teplenkov begrüßen uns – zur Erläuterung – es sind zwei Männer mit Topfhaarschnitt, der eine blond, der andere nicht. Das scheinen zwei lustige Zeitgenossen zu sein mit ziemlich trockener Ausstrahlung. WM bemerkt lobend die Hemdenauswahl der Zwei. Jetzt eine Schalte in den Greenroom, der ist überall total angesagt ist in diesem Jahr.

Süß, die Songs werden angesungen……

1 Loss Paranoias – Valedetektor (Lügendetektor)

Die Sängerin der Band mit Andrew-Sisters-Frisur, ansonsten ein Irokese im Holzfällerhemd, ein leicht adipöser Schlagzeuger, ein Gitarrist mit Brille – und schon hat man eine Schülerband in roten Hosen zusammen! Ordentlicher Indie-Pop mit 80-er-Anleihen, aber ohne echten Höhepunkt.

WM und ich vergeben 9/20 Punkten. 1. Platz!

(Halbfinalauftritt)

Oh, jetzt kommt ´ne Kuh – ach nee, kurze Werbung, oder worüber unterhalten sich jetzt die blonde und brünette Transe. Transen auf estnisch ist auch tragisch irgendwie…..diese Sprache…..aufhören!!!!!!!!!

2 Teele Viira – City Nights

Oha! Jenny Elvers-Elbertzhagen mit roten Haaren! Den Song wollen wir nicht – er erreicht uns nicht. Wie auch, er ist viel zu billig! ich empfehle, mal das Video auf youtube aufzuschauen, da prügelt sie sich und alles ist voller Schweiß und Blut, das will man doch nicht beim ESC haben…..Das Ganze soll wohl ein wilder provokativer Dancesong sein, ist aber einfach nur bekloppt!

4/20 Punkten von uns.

(Halbfinalauftritt)

Die Kuh scheint jedesmal zu kommen, um einen Sketch anzukündigen, diesmal mit einem Sowjetoffizier und einem Opi…..oh Gott……

Wir korrigieren, es ist eine Wehrmachtsuniform, es fällt der Name Hitler?! Sind die Sketche vielleicht grenzwertig? Oliver, bitte vor Ort klären! Außerdem wollen wir wissen, weshalb die Sketche länger sind als die Lieder!!!

3 Liis Lemsalu – Made up my mind

She´s blond! We like! Liis versucht sich an Funkrock à la Joss Stone. WM meint, ihr steht diese Musik typtechnisch nicht, ich schaue kaum hin, sondern wippe schreibend mit und finde es zumindest akustisch nicht übel. Während Liis sich in die Höhen schraubt, schalten wir kurz um nach Schweden und sehen Sean Banan die erste Runde gewinnen. Back to Estonia. Die Backgroundsängerin sieht übrigens aus wie eine Cousine von Dionne Warwick (nein, eine andere! Bless her trotzdem!)

Von uns funkige 8/20 Punkte!!

(Halbfinalauftritt)

4 August Hunt – Tantsulõvi (Tanzlöwe – manchmal kann estnisch auch einfach sein…..)

Schon wieder rot! Back on track! Diesmal Hosen UND Haare! Unsere spontane Reaktion: Was soll der Quatsch denn? Unmelodiöses megaredundantes Achtziger-Jahre-Möchtegern-Rock-Pop – oder sowas Ähnliches. Bei „Tanzlöwe“ hätte ich jetzt eine flotte Disconummer besser gefunden. Es wird viel im Kreis gelaufen und La,La,La gesungen. Ähm…also….nein!!

5/20 Punkten. WM meint, Robert de Niro im Publikum entdeckt zu haben…..

(Halbfinalauftritt)

Die Jury wird vorgestellt, das hört gar nicht auf, wie viele sind denn das? Schön: Ines (2000) und Koit Toome (1998) sind dabei. Auch Ivo Linna (1996) ist dabei.

Wir sparen uns übrigens, jeden Sketch zu kommentieren. Wir verstehen ja eh nichts….

5 Lenna – Mina jään (Ich bin)

Blond mit Nachthemd und Perlenohrringen. Fängt leise an und wird dann eine Midtempo-Softrock-Ballade in moll. Kraftvoller Refrain mit abfallenden Halbtonschritten – wir lauschen zum ersten Mal andächtig. WM glaubt jedoch, es würde international untergehen. Ich sehe das anders, sowas könnte bei Jury und Publikum gut ankommen, finde ich. Plötzlicher Schluss, das war echt ein interessanter Song!

Wir geben 15/20 Punkten, damit führt Lenna bei uns deutlich!

 

6 Pop Maniacs – I don´t know

Da ist er wieder – Rolf Junior, seit gefühlten Jahrhunderten bei estnischen Vorentscheidungen dabei. Lena hat er 2010 die 12 Punkte aus Tallinn aufs Scoreboard gesungen, erinnert Ihr Euch? Liebe Esten, lasst den Mann endlich zum ESC, sonst kommt er immer und immer wieder!!!

Diesmal ist er Teil einer fünfköpfigen Band und hat den Song geschrieben. Wenig Melodie, dafür aber viel schwarzes Leder. Dünne Stimmchen, ein wenig Lady Gaga und ansonsten ABBA in elektronisch. Wir glauben, die Startnummer 2 als Sängerin in dieser Band wiedererkannt zu haben, kann das sein??? Auf der Bühne brennt zwar Feuer, aber bei uns zündet das irgendwie nicht, es ist auch viel zu schlecht gesungen, alles schief und krumm! Das Publikum rastet aus…..HÄH???

Wir geben 8/20 Punkten. Zurück ins Mittelmaß also.

(Halbfinalauftritt)

7 Traffic – NASA

Zur Abwechslung mal wieder Indie-Rock. Und auch hier werden nicht alle zur Verfügung stehenden Töne genutzt. Es klingt dünn, aber immerhin: Die Schießbudenrosen an den Jacketts und Jacken der Bands machen einiges wett. Die Bridge wird vom Gitarristen mit einer Michael-Jackson-Gedächtnis-Frisur gesungen, was soll das denn – das zieht den schwachen Song noch tiefer rein……

Das sind von uns auch nur 4/20 Punkten. Was sollen wir machen? Modern wollen sie sein, die Esten, aber irgendwie ist das alles nur gewollt, aber nicht echt gekonnt. Es darf durchaus etwas origineller in der Breite werden, Lenna war bis jetzt ein echtes Highlight!

(Halbfinalauftritt)

WM stoppt jetzt die Zeitdauer der Sketche, der aktuelle dauerte vier Minuten!!! Länger als die Lieder….aaaaahhhhhhhh…….

8 Tenfold Rabbit – Oblivion

Meine Güte, eine männliche Jennifer Rush – knödeln bis der Arzt kommt und das mit der Kopfstimme! Der Sänger sitzt am Piano und guckt – und wie der guckt! Schlafzimmerblick oder psychiatrische Erkrankung??? Der Song ist wieder Indie bis experimentell, aber nicht uninteressant. Der Sänger guckt noch immer, wir sind leicht hypnotisiert…..

We give 12/20 Points! „. Platz 2! Bravo!

(Halbfinalauftritt)

9 Birgit Õigemeel & Violina – You´re not alone

Das ist optisch aber viel zu nah an Getter Jaani dran! Aber dafür gibt´s hier Geigen, Geigen, Geigen und Geigen!!! Musikalisch wäre dieser Song eine Anknüpfung an die estnischen Beiträge der Jahrtausendwende. Halt ein kleiner Schlager mit netter Melodie und auch ziemlich catchy – sehr sympathisch, wir fühlen uns diesmal erreicht! Was hier aber fehlt, ist ein Key Change, ohne den kann es von uns keinen Full Pot geben.

So gibt es leider „nur“ 16/20 Punkten. Erste! Gratulation!

(Halbfinalauftritt)

Im Greenroom wird jetzt Blutdruck gemessen. Ein Interpret hat 118 zu 104 – das ist aber wirklich nicht viel, ab an die Espressomaschine mit ihm!

So, der letzte Sketch erinnert uns jetzt optisch an HURZ!!!!!! Ein solches Sketchfiasko wäre aber Hape sicher nicht unterlaufen…..

10 Ott Lepland – Kuula (Hör zu)

Ganz ruhige Ballade, schwer zu singen. Ott im Patrick-Lindner-Anzug. Schön aufgebauter Song, aber irgendwas fehlt. Er zündet nicht so richtig, melodiemäßig ist das nicht besonders originell. Und Ott Lepland passt vom Typ her auch irgendwie nicht zu dem ganzen Arrangement. Man will es irgendwie mögen, aber es funktioniert einfach nicht so richtig. Schade, dabei soll Ott ein Favorit sein – eigentlich unverständlich.

11/20 Punkte von uns.

 

Unsere Empfehlung über die Ostsee lautet also:

Birgit Weizenmehl vor Lenna und Tenfold Rabbit!

Wir sind jetzt übrigens sicher, dass Jenny Elvers-Elbertzhagen als multiple Persönlichkeit durch Tallinn rauscht!

Die Pause beginnt natürlich mit einem weiteren Sketch, bevor dann ein estnischer Gustav-Peter Wöhler auftritt. Auch der Mann in Birnenform singt mit seiner Band etwas Anspruchsvolles – im Hintergrund laufen Filmbilder…

Jetzt gibt´s Punkte von Ivo: 10 für Ott, 9 für Lenna, 1 für Birgit…..

Dann 10 für Lenna, nochmal 10 für Lenna, dann wieder 10 für Ott! Das geht so schnell, wir kommen nicht richtig mit. Dann wieder 10 für Ott, unsere Birgit krebst auf dem letzten Platz rum . WTF??????

10 jetzt wieder für Lenna, nochmal 10 für Lenna, dann 10 für Liis, die Funkybraut. Oha, dann 10 für Tenfold Rabbit, Ott wird jetzt mit niedrigen Punkten durchgereicht. Lenna wieder 10, 10 für Ott von Koit – Hilfe, wie steht es denn jetzt? Lenna führt jedenfalls vor Ott!

So, hääletus on löppenud! Die Leitungen sind geschlossen, heißt das – das Televotingergebnis steht fest. Die Entscheidung spitzt sich bei den leztzen drei Wertungen zu. Offenbar wird es jetzt ein Superfinale geben – und zwar zwischen LENNA und OTT!

10 Minuten zum Anrufen, wir sind jetzt natürlich sowas von für Lenna! Jetzt eine Pausennummer – ich geh eine rauchen! Gesund ist das nicht – meint WM.

Jetzt singt noch ein Waldschrat mit „Jedward-Opa“ eine so richtig depressive Rockballade, die Esten wollen´s heute Abend auch wissen! Hääletus on löppenud!!! Aufhören!!! Mit allem!!!! Hilfe! Oliver, das Geld für die Eintrittskarte hat sich aber wirklich gelohnt, wir liegen halb ohnmächtig quer über´n Tisch!

Und gewonnen hat: Oliver Lepold! Ach nee, Ott Lepland!!!! Lenna trägt es mit Fassung, weil sie ahnt, dass Ott damit im Halbfinale scheitert und sie nächstes Jahr wieder angreifen kann.

Auf seinem Weg zur Bühne wird sehr deutlich, dass er Rechtsträger ist. Dort angekommen gibt es einen preiswerten Blumenstrauß. Und jetzt haben wir OLIVER GESEHEN!!!!!! Gerade noch rechtzeitig vor Schluss der Übertragung!

Ott bedankt sich bei der Nation und singt nochmal. Wir meinen: Es wird schwer, das Finale zu erreichen, die Ballade steigert sich einfach schlecht. Und Ott singt sie leider wacklig! Nun denn, sei es wie es sei, es ist vorbei.

WM und ich verabschieden sich aus Hamburg-Ottensen und wünschen „HÜVASTI“!!

Ott Lepland – Kuula – Estland 2012