Live-Blog: Malta begibt sich auf den Kriegspfad

Amber, Malta Eurovision Song Contest 2015

„Ich bin eine Kriegerin, ich muss erobern!“ Das ist die Botschaft, mit der die Malteser ihre Sängerin Amber im kommenden Mai nach Österreich schicken. In einer abwechslungsreichen, aber auch langen Vorentscheidung in der Schiffswerft von Marsa konnte die 23-jährige erdrutschartig den Sieg an sich reißen und ließ ihre Mitkonkurrenten dabei ziemlich alt aussehen. Unseren Live-Blog zum Festival könnt Ihr hier noch einmal nachlesen.

Schönen Guten Abend aus Hamburg-Ottensen wünschen PrinzBlogger Jan, Daniel und Lars. Wir sind inzwischen satt, das Essen war lecker und nun sitzen wir bei einem Gin Tonic und hoffen, dass wir uns nicht vollständig betrinken müssen, um den vermutlich langen Abend aus der Malteser Schiffswerft zu ertragen. Momentan läuft auf Malta nur das Testbild. Ein anderes Programm wird eh nicht benötigt, da sich die meisten Insulaner heute wohl in der Halle treffen.

An dieser Stelle gratulieren wir schon mal dem Geburtstagskind des Tages, Franklin. 13 22 Jahre alt ist er heute geworden – und sollte er nachher gewinnen, dann gibt es sicher kein Halten mehr…

Werbung von  Hamilton Travel – ein untrügliches Zeichen, dass es los geht. Wir sehen Conchita und einen Rückblick auf Kopenhagen. Und da ist sie auf der Bühne und singt ihren Siegertitel „Rise like a Phoenix“. Ganz in schwarz – gedeckte Farben – vatikangemäß im katholischen Malta. Gott, was singt sie wieder gut!

Begrüßung durch die Moderatoren, Daniel und Lyona, die sehr feierlich gekleidet sind. Smoking und Abendkleid sind angesagt. Die Jury wird vorgestellt. Sie kommen aus Schweden, Italien, Russland und zweimal aus Malta. Interessant, der Schwede ist Ola Melzig, der bei den ESC’s der letzten Jahre oftmals Verantwortlicher für das Licht war…

Und auf geht’s, die eingestellten Videos stammen aus dem gestrigen Halbfinale.

1. Glen Vella – Breakaway

Das Lied stammt vom schwedischen Idol-Sieger Kevin Borg. Gute Lichtshow – etwa so wie bei Eric Saade 2011 in Düsseldorf. Guter Opener für den Contest – da geht gleich ziemlich die Post ab. Typisch schwedischer Happy-Pop eben. Wir sehen turnende, springende und tanzende junge Menschen, bisweilen auch in einer Art Rhönrad drehend. Der Song ist etwas redundant, aber Glen singt ihn hervorragend. Allerdings ist das Ganze auch ein bisschen austauschbar. Wir geben spontan 16/30 Punkten.

Glen Vella – Breakaway

 

2. Karen DeBattista – 12, Baker Street

Hier haben wir eine kleine Geheimfavoritin, die von ihrer ersten Liebe singt, die sie an der Straßenecke (Bäckerstraße 12) getroffen hat. Wir sind von Karens Überbiss beeindruckt und lauschen gespannt den angenehm rhythmischen Klängen. Sie wackelt stimmlich ganz schön, was schade ist, da der Song wirklich sehr schön ist und eine sehr angenehme Melodie hat. Karen wird umringt von einer kleinen Band, später kommt noch ein Klarinettist hinzu. Zum Schluss hat der Song noch einen sehr hübschen Key-Change. Karen sieht entzückend aus und trotz ihrer wackeligen Performance im kurzen Spitzenkleidchen geben wir ihr 18/30 Punkten. Bemerkenswert übrigens der Bühnenhintergrund – Straßenpflaster. Das hatten wir zuletzt 1957 bei „Straatdeuntje“…

Karen DeBattista – 12, Baker Street

 

3. Dominic – Once in a while

Jetzt wird’s ein bisschen rockig. Ich komme mit dem Schreiben gar nicht nach, so schnell geht das heute auf Malta. Wollen die schon um 10 durch sein? Wir finden Dominic ganz niedlich, Daniel findet’s grottig, Lars ist ganz angetan und hält den Song für „frisch“. Ich kann mich zwischen beidem nicht entscheiden. Seinen Wanderstock-Mikrofonhalter finden wir allerdings einmütig ein bisschen affig. Jetzt wird auch noch geschrien und gekrächzt. Nein, nein, das war bisher der schwächste Song. 10/30 Punkte!

Dominic – Once in a while

Jetzt erstmal Werbung und noch einen Gin Tonic, bevor es weiter geht.

 

4. Trilogy – Chasing a dream

Jetzt wird es klassisch. Schöne Stimmen. Die Sängerin ist obenrum hui, fast royal, aber untenrum pfui mit billigem Tüllröckchen. Einsatz Ludwig, dessen klebrige lange Haare hier für unterschiedliche Reaktionen sorgen. Eigentlich ganz melodisch, dieses dramatische Musicalstück. Aber auch irgendwie sehr altbacken für einen ESC. Zum unausweichlichen Key-Change setzt Feuerwerk ein und die drei schrauben sich noch einmal effektvoll in die Höhe – natürlich nur stimmlich. Lars fand die Stimmen nicht harmonisch, und dennoch kommen die drei auch auf 18/30 Punkten. Gleichstand bei uns mit Karen.

Trilogy – Chasing a dream

 

5. Chris Grech – Closed doors

Chris steht auf dem Catwalk mit seinen gegelten Lockenhaaren und sieht klamottenmäßig aus wie einer von den Ten Tenors oder Il Divo. Der Song passt aber gar nicht dazu. Wir hören eine rockige Ballade, die Daniel für undefinierbar hält. Ich finde es gar nicht übel, auch, wenn es irgendwie wie ein Klangteppich daher kommt. Viel ist nicht passiert, es war ordentlich gesungen, aber wir bleiben letztlich doch unbeeindruckt: 12/30 Punkte.

Chris Grech – Closed doors

 

6. Ekklesia Sisters – Love and let go

Gospelhafter Beginn der Damen in weiß. Weiß ist ja eine recht erfolgreiche ESC-Farbe. Die Stimmen sind ziemlich schlecht aufeinander abgemischt. Daniel ist es zu schmalzig, Lars ist erschrocken über die Schuhe der Nonnen. Wenn es jedenfalls witzig wäre… Aber das ist ernst gemeint, vor allem inhaltlich! Und die Melodie ist strunzlangweilig. Also: Schlecht gesungen, abgegriffenes Thema – warum um alles in der Welt sollte das nach Wien? Für uns der Tiefpunkt bisher: 7/30 Punkte. Und außerdem: Kinder sind beim ESC verboten – So!

Ekklesia Sisters – Love and let go

Nun wieder Werbung. Wir ziehen ein erstes positives Fazit. Die Wettbewerbe auf Malta waren schon deutlich schlechter. Allerding war der ganz große Reißer bisher noch nicht dabei. Für uns steht es momentan zwischen Karen Debattista und Trilogy, allerdings kommen die großen Favoriten ja noch, Amber und Franklin stehen schon in den Startblöcken…

 

7. Jessika – Fandango

Rote Haare und Mörder-Plateauschuhe! Dass die nicht umkippt! Der Song beginnt hübsch mit Harfenmusik. Jessika ist etwas überschminkt und gibt uns die Lady Gaga aus Valetta. Natürlich nur in ihren Träumen. Der Song ist sehr melodisch trotz treibendem Beat. Aber der letzte Wumms fehlt irgendwie. Die Tänzer geben alles – insgesamt wird hier sehr viel Wert auf das ausgeklügelte Staging gelegt. Zum Schluss kommen auch noch Tücher hinzu. Wir sind sehr angetan – 23/30 Punkte, Jessika ist unsere derzeitige klare Favoritin!

Jessika – Fandango

 

8. Deborah C – It’s OK

Jawoll, handgemachte Musik hatten wir heute noch gar nicht. Was ist denn das aber für ein Kleid? Sieht aus wie die Tischdecke meiner Oma… Der Song ist erfrischend, aber über die Optik mit Decke und Strähnenhaaren kommen wir gar nicht hinweg! Zum Hausputz ist der Song allerbestens geeignet, aber für den ESC? Kann man sicher machen, aber da muss nochmal ein Stylist drüber….also über den Auftritt… Immerhin 21 Punkte von uns. Zweiter Platz bei uns.

Deborah C – It’s OK

 

9. Amber – Warrior

Jetzt die große Favoritin – zumindest bei den Fans. Sehr düsteres, dafür aber stimmiges  Staging. Amber im schwarzen bodenlangen Kostüm. Daniel erkennt sofort das Finalpotenzial des Songs, sollte Amber nach Wien fahren. Tatsächlich ist der Auftritt derjenige mit der meisten Power heute Abend. Der Song ist auch der Modernste bisher. Auch die Windmaschine muss ran für die Kriegerin von der Insel. Riesenapplaus im Publikum, bei uns kommt Amber allerdings doch nur auf 21/30 Punkte. Damit ist sie geteilte Zweite in Hamburg-Ottensen.

Amber – Warrior

Es läuft wieder Werbung. Aus unserer Sicht gab es gerade einen ziemlichen Qualitätssprung nach vorn. Die letzte Dreiergruppe hat komplett unsere TOP 3 erobert. Jessika vor Amber und Deborah C. Hätte ich vor einer Stunde gar nicht so erwartet…

An dieser Stelle übrigens lieben Dank an Matthias, der Fotos von den Proben zur Verfügung gestellt hat.

 

10. L’Aħwa – Beautiful to me

Jetzt also „Tomorrow“ reloaded. Leider sehr viel schlechter als der ESC-Song von 2013. Der Song wirkt irgendwie unstrukturiert und unmelodisch. Auch wenn Gianluca sein gewinnendes Lachen einsetzt und eigentlich alles aussieht wie vor zwei Jahren, ist das zum Scheitern verurteilt. Da nützt auch der farbenfrohe Bühnenhintergrund nichts. Schade… Jetzt ist der Stream kurz weg, wir geben aber 11/30 Punkten.

L’Aħwa – Beautiful to me

 

11. Franklin – Still here

Ein weiterer Mitfavorit. Franklin im legeren Anzug. Er singt diesen Rybak-Song, eine gesanglich anspruchsvolle getragene klassische Ballade mit Mordssteigerung, ganz hervorragend, aber jetzt bricht der Stream weg und und wir bekommen kaum etwas mit – aber das wenige, was wir sehen und hören, ist uns 25 Punkte wert. Unser neuer Favorit!

Franklin – Still here

 

12. Christabelle – Rush

Jetzt wird es wieder flotter. Christabelle in Lycra-Lack- und Leder-Optik. Das passt zu diesem billigen Popliedchen. Aber nicht zu der etwas propperen Sängerin. Einer der wenigen Songs, wo getanzt wird bis zum Umfallen. Daniel gefällt der Rhythmus, mir geht das auf die Nerven. Die Zeit für solche Trommelsongs sollte doch nunwirklich langsam mal vorbei sein. Dennoch – 15/30 Punkte. Unteres Mittelfeld bei uns.

Christabelle – Rush

Wieder Werbung und Moderatoren, die wohl versuchen, witzig zu sein. Aber es lacht niemand…

 

13. Lawrence Gray – The one that you love

Lawrence, für dich haben wir diesmal leider kein Bild. Keine Ahnung, weshalb – aber den hat Matthias bei Hochladen der Probenfotos vergessen…

Wir hören eine sehr dichte klassische Pianoballade. Lawrence sitzt selbst am Klavier. Beim Thema Ausstrahlung kann sich der kleine Franklin beim alten Gray noch eine Scheibe abschneiden. Effektvoll inszeniert kommt noch eine Cellospielerin hinzu. Leider ist hier der Sänger viel besser als der Song, der keine Entwicklung durchlebt. Hier bei uns im Raum ist es aber ganz still und andächtig. Wir geben 18/30 Punkte und finden fast, dass Lawrence der bessere Interpret für den Rybak-Song gewesen wäre. Aber sei es drum….

Lawrence Gray – The one that you love

 

14. Daniel Testa – Something in the way

Daniel war letztes Jahr der große Favorit, konnte aber letztlich nichts reißen. Vor Jahren war er schon mal beim Junior ESC und hat ihn auch letzte Woche für die Internet-Community mit kommentiert. Er singt heute einen flotten funkigen 70-er Jahre-Popsong ohne große Ecken und Kanten. Eine eigene Bläsergruppe hat man ihm auch zur Seite gestellt und die machen ordentlich Krach auf der Bühne. Um mich herum nur Achselzucken. Ich zucke mit und stelle fest, dass hier der letzte Kick fehlt. Von uns sind das 14 Punkte.

Daniel Testa – Something in the way

 

Unsere drei bzw. vier TOP-Favoriten für Maltas Song für Wien sind also:

1. Franklin – Still here
2. Jessika – Fandango
3. Amber – Warrior
3. Deborah C. – It´s o.k.

Nach erneuter Werbung wird uns jetzt ein Spektakel angekündigt. Och nöööö, es wird wieder getanzt. Die haben doch jetzt wohl nicht den Interval-Act von voriger Woche aufgewärmt. Es sieht fast so aus. „Stöhn“ und „Augenverdreh“!!!!! Gott sei Dank ist das nach wenigen Minuten vorbei. Mal sehen, was jetzt kommt. Sicher tauchen die letztjährigen Teilnehmer „Firelight“, auch noch irgendwann im Laufe der Nacht (…) auf.

Währenddessen versorgt uns das maltesische TV mit Aufnahmen von den Proben und von den Vorbereitungen zum Umbau der Werft in ein TV-Studio.

Und nun noch ein weiterer Schnelldurchlauf für das wertende TV-Publikum. Viel Aufwand dafür, dass dieses Ergebnis nur zu einem Sechstel zählen wird…

So, und nun ist das Televoting beendet! Bekommen wir also bald das Ergebnis? Vermutlich nicht, wie ich Malta kenne, geht der Abend jetzt erst richtig los. Hab ich es nicht gesagt, es wird wieder getanzt…

Erstmal wieder Werbung…

Und da sind sie jetzt – Firelight mit „Coming home“! Die Schwester, deren Name mir gerade entfallen ist, hat offenbar ordentlich abgespeckt. Kraftvoll gesungen wird aber nach wie vor! Einen neuen Song haben sie auch: „Talk dirty“! Flott, flott – und mit effektiver Violinenbegleitung (ist das Ringo Starr an der Geige?) . Das wäre direkt auch etwas für den Wettbewerb gewesen. Gefällt uns viel besser als der ESC-Song vom Frühjahr. Und noch einen Song gibt’s : „Backdrop of life“. Daniel hat gleich mal bei i-tunes nachgesehen. Firelight haben vor zwei Monaten ein Album gleichen Namens veröffentlicht. Ein Kauf wäre vielleicht mal eine Überlegung wert…

Jetzt Schalte in den Green Room, der sich auch in der Halle befindet und aus unbequemen Sitzwürfeln besteht. Die Sänger von Trilogy sehen etwas genervt aus, weil schon wieder ein Tanz-Act angekündigt wird. Gääääähhhhn!!!

Jetzt kommt wohl nochmal Conchita Wurst – ach ja, die hat ja einen neuen Song – „Heroes“ – bitteschön! Wir sind vor allem fasziniert von ihrer Wespentaille. Wie ein Mann das hinbekommt, ist uns ein Rätsel…

Wieder Werbung, ich mag es kaum noch schreiben. Mediterranean Bank, Hamilton Travel, 202 Jewellry, Crosscraft – ich werde heute Nacht davon träumen! Oh Gott, auf Malta gibt es Always Ultra Mega Pearls….*schüttel*

PUNKTE!!!!

Televoting: 8 für Franklin, 10 für die Nonnen – oh Gott – und 12 für Amber!

Jetzt kommt die Jury:

Der erste ist Ola aus Schweden: Franklin nur 6, 8 Punkte für Glen Vella, 10 für Christabelle und 12 an Amber!!! Sieht gut aus für sie.

Italien wertet mit Francesco: Franklin auch hier nur 5, 8 gehen an Daniel Testa, 19 an Christabelle und 12 bekommt auch hier Amber!!!

Jetzt die russische Jurorin: 8 gehen an Glen Vella, 10 für Chris Grech (!!!) und 12 auch hier an Amber. Das war es wohl schon!

Jetzt noch die maltesischen Juroren: Zunächst 8 an Christabelle, 10 an Lawrence Gray und 12 an Amber… der Drops ist gelutscht!

Letzte Jurorin: 8 an Jessika, 10 an Christabelle und 12 gehen natürlich an Amber!

Welcome to Vienna, AMBER!!!

Das war ein Erdrutschsieg. Höchstpunktzahl bei jedem Juror und beim Televoting. Ein perfekter Tag für Amber – Herzlichen Glückwunsch! Christabelle ist überraschende Zweite, auf Platz 3 hat es Glen Vella geschafft.

Amber ist natürlich überwältigt und darf noch einmal singen. Wir glauben hier, dass sie im nächsten Mai gute Chancen haben wird, das Finale zu erreichen, egal, gegen wen sie antritt. Der Song hat Potenzial und sollte auf keinen Fall ausgetauscht werden – das wäre ja nach den neuen maltesischen Regeln noch möglich.

Und ein wenig ESC-Erfahrung hat Amber sogar auch schon. 2012 stand sie in Baku mit Kurt „Kurti“ Calleja auf der Bühne.

Amber – Warrior (Malta 2015)

Das komplette Endergebnis:

1. Amber – Warrior – 72 P.
2. Christabelle – Rush – 47 P.
3. Glen Vella – Breakaway – 39 P.
4. Chris Grech -Closed doors – 35 P.
5. Franklin – Still here – 26 P.
6. Daniel Testa – Something in the way – 24 P.
7. Ekklesia Sisters – Love and let go – 23 P.
8. Lawrence Gray – The one that you love – 18 P.
9. Jessika – Fandango – 18 P.
10. Trilogy – Chasing a dream – 12 P.
11. Deborah C. – It´s ok – 12 P.
12. Dominic – Once in a while – 11 P.
13. L´Ahwa – Beautiful to me – 11 P.
14. Karen Debattista – 12,Baker Street – 0 P.

Wir sagen vielen Dank und Gute Nacht aus Hamburg! Den nächsten Live-Blog gibt es nicht vor Ende Dezember – vermutlich dann aus Weißrussland!

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