Live-Blog: This is the night – Malta schickt Kurt Calleja nach Baku

Heute Abend fand in Ta´Qali auf der Mittelmeerinsel Malta die maltesische Vorentscheidung für Baku statt. Unseren Live Blog, den wir zur Sendung angeboten haben, könnt Ihr hier nachlesen.

Schönen Guten Abend aus Hamburg wünschen Jan, Lars und Daniel. Nach einer mehr als sättigenden Grünkohlplatte warten wir jetzt auf den Beginn der maltesischen Ausscheidung aus dem großen Zelt in Ta´Qali – mitten auf der Insel.

Bereits gestern gab es dort ein Halbfinale, aus dem die heutigen 16 Titel hervorgegangen sind. Wie in jedem Jahr gibt es wieder bekannte Namen, nun ja – zumindest für eingefleischte Eurovisionsfans. Zu den einzelnen Interpreten aber später.

Im Moment laufen noch maltesische Sportnachrichten, die allerdings komplett aus der englischen Premier-League zu bestehen scheinen.

Herzliche Grüße übrigens jetzt schon an alle Leser des Schweden-Live-Blogs, die später zu uns stoßen werden – wir sitzen hier voraussichtlich deutlich länger, vor Mitternacht ist wohl kaum mit einem Ergebnis zu rechnen.

Auf Malta sind jetzt 12 Grad – aber plus! – schööööön…..Eine Wetterkarte für Malta ist aber auch wirklich Blödsinn! Jetzt noch ein wenig Werbung und dann geht´s los.

Zunächst gibt es einen musikalischen Auftakt – wir sind uns nicht ganz sicher, wer da singt, aber es dauert eindeutig zu lange! Wahrscheinlich ist das der Glee-Club des Gymnasiums von Valletta….Riesenapplaus von den versammelten Muttis und Vatis!

Jetzt kommen endlich die Moderatoren Roland Briffa und Elaine Saliba. Sie sprechen mit einer Moderatorin aus Aserbaidschan, die offenbar live für Ictimai TV kommentiert, die das Festival übertragen. Sie bedankt sich artigfür die maltesischen 12 Punkte im vergangenen Jahr und lädt alle herzlich nach Baku ein.

Die Jurymitglieder kommen in diesem Jahr aus der Türkei, aus Irland, aus Frankreich (Bruno Berberes!) und aus Italien.

So- jetzt aber: Die Videos – soweit vorhanden – stammen aus dem Halbfinale von Freitag.

1 Lawrence Gray – In your eyes

Ein Gnom macht den Anfang. Lawrence war schon oft knapp vor dem Sieg, aber das wird in diesem Jahr wohl nicht passieren. Stimmsicher ist er bei seiner Midtempo-Ballade, aber der Mikrofonständer ist auch auf der niedrigsten Stufe zu niedrig für ihn……Typisch maltesisch, findet Daniel – da hat er wohl recht. Wir geben 19 von 30 möglichen Punkten.

2 Deborah C ft. Leila James – You make me go uh uh

Nach dem Gnom jetzt eine Stewardess. Der Song ist zwar nicht uncatchy, aber Debbie guckt so böse in die Kamera. Leila kommt im zweiten Songteil dazu und sieht vieeeel besser aus. Beide sind aber ein schlechter Witz gegen die tanzenden Saftschubsen. Wir sind hier auch schon ganz „uh uh uh“……Nein! Jetzt auch noch dicke Tänzerinnen im Background – das ist absoluter Eurotrash! 10/30 Punkten für uns, davon 8 für die Tänzer!

3 Dorothy Bezzina – Autobiography

Dorothy ist ja ne Hübsche! Im schicken türkisen Kleid singt sie uns von ihrem Leben vor. Eine leichte Choreographie ist zu sehen – gut dosiert. Ein guter Midtempo-Popsong mit starkem Refrain, finde ich. Daniel findet es nichtssagend, Lars tut es nicht weh – immerhin. 16/30 Punkten von uns. Der Gnom liegt noch vorn.

4 Gianni Zammit – Petals on a rose

Unser Stream hakt doch jetzt gewaltig. Wir müssen technisch improsieren. Gianni konnten wir uns jetzt leider nicht anschauen, da der Stream zusammengeklappt war. Aber wir behelfen uns mit der Audiovision auf meinem PC und geben 19/30 Punkten für den Song, gesehen haben wir ja leider nichts.

Jetzt Werbung, das dauert…….Das Handy vom Moderator klingelt – wie peinlich…..

5 Claudia Faniello – Pure

Der Pianist verpasst erstmal seinen Einsatz – macht nichts ist ja Playback! Claudia im paillettenbesetzten Abendkleid. Sie singt ihre Bühnenballade sehr „intense“, wie der Brite sagen würde. Tolle Stimme, sie bekommt schon während des Auftritts die Ovationen des Publikums. Lars ist hin und weg, Daniel ist noch unentschlossen und ich bin „tief berührt“. 25 von 30 Punkten (nur wegen Daniel…..).

6 Danica Muscat – 7 days

Jetzt eine Kandidatin für den Junior Contest. Ist die wirklich schon 16? Das kurze rote Kleid macht sie auch nicht fraulicher und ist eigentlich ein Fall für den Jugendschutz. Und der Song reißt auch nichts raus – extremely boring, wie Daniel meint. Zwar gut gesungen, aber was nützt das? Immerhin 17/30 Punkten.

7 Fabrizio Faniello – I will fight for you (Papa´s Song)

Fab tritt zum gefühlten achten Mal mit einem schwedischen Song an. Er trägt unspektakuläre Streetwear. Der Song gehört eigentlich ins Melodifestivalen. Solider Auftritt, der uns allerdings nicht von den Stühlen reißt – mir persönlich ist der Song zu lang. Obwohl wir nicht wirklich begeistert sind, tun wir doch 22/30 Punkten raus. Die Faniello-Family rules!!!

8 Corazon – Mystifying eyes

Corazon beginnt am Piano und lächelt sehr symphatisch in die Kamera. Der Song ist ganz unaufgeregt, sehr ruhig, aber mit einer hübschen Melodie. Jetzt müsste sie mal irgendwann aufstehen, aber nein – sie klebt an den Tasten! Schöner Vortrag trotzdem – 18/30 Punkte

Wir überlegen, ob das ein i-pad ist, was Elaine anstatt von Moderationskarten in der Hand hält.

Werbung mit Hamilton Travels etc. und Co.

9 Richard Edwards – Look at me now

Auch Richard bekommt bereits während des Songs Szenenapplaus. Eine sehr schöner Midtemposong mit starkem Refrain. Gefällt uns sehr gut! Wir schauen wie gebannt auf den Schirm und schweigen – Lars ist gelangweilt und schreibt SMS…… Riesenapplaus vom Publikum und von uns 20/30 Punkte.

10 Kaya – First time

DAS Outfit des Abends! Gelockte Turmfrisur und ein Reifrockkleid mit Backfolie (oder was ist das?) als Basis. Dazu eine Marija-Serifovic-Gedächtnis-Choreographie mit dem ausschließlich weiblichen Chor (ebenfalls mit Dutt). Sieht alles aus wie The Mullans reloaded. Zum Song: Sehr gewollt auf tragisch-eurovisionsmäßig getrimmt, kommt bei uns nicht so gut an. 13/30 Punkte

11 Amber – Answers with your eyes

Von der Turmfrisur zum Pferdeschwanz. Ich kann die Stimme von Amber nicht ertragen, sie klingt wie ein leierndes Tonband. Dabei ist der Song gar nicht soooo schlecht. In den hohen Tönen zersemmelt sie ihre dramatische Midtempo-Ballade nun endgültig. 8/30 Punkten – Schlusslicht bisher bei uns.

12 Wayne Micallef – Time

Der Bruder von Startnummer 9 singt – eine Ballade, was sonst. Diese ist allerdings ein bisschen rockiger als die anderen. Aber auch sie plätschert etwas vor sich hin und wäre eigentlich ein guter Albumtitel. Aber Wayne macht performerisch alles richtig. Er singt gut und steht auch mal von seinem Klavier auf! 16/30 Punkten von der Hamburger Truppe!

Die Werbepausen sind schier unendlich…..Und die Moderatoren haben tatsächlich e-Pads in der Hand!

13 Kurt Calleja – This is the night

Eye-Candy-Alarm ruft jemand in die Runde. Ja, stimmt. Daniel ist begeistert vom Gesamtpaket, ich finde den Refrain des Songs schwach, bin aber bereit, mir den schön zu sehen ….äh… hören. Kurt baut lustige Tanzschritte ein und verpasst aber leider die hohen Töne deutlich…..Trotz oder wegen allem: 22/30 Punkte! Wir sind eben im Laufe des Abends immer mehr bereit, von musikalischen Unzulänglichkeiten abzusehen.

14 J Anvil – You are my life

J Anvil ist ja nun auch schon seit Jahren ein alter Haudegen des maltesischen Song for Europe-Festivals. Diesmal versucht er es mit einem rhythmischen Schlager, den wir alle irgendwie schon kennen. Ein bisschen Country ist auch noch drin, aber der Sieg ist heute sicher nicht drin. Am Schluss noch viel Gewinke und „Oh Oh Oh Oh Oh“, wir meinen, das ist 12/30 Punkte wert.

15 Klinsmann -No way back

Daniel ist von den Socken – klar, eine äußere Ähnlichkeit mit Magnus Carlsson ist nicht von der Hand zu weisen. Klinsmann ist erwachsen geworden – und das steht ihm wirklich gut! Auch seine Musik ist erwachsener geworden. Der Song (eine leichte Poprocknummer) geht angenehm ins Ohr, wohl kein Sieger, heute abend aber einer der Besseren. Wir geben 25/30 Punkte und sind selbst überrascht. Das haben wir gar nicht gewollt…….

16 Francesca Borg – Take me far

Sie bildet heute den Abschluss im kurzen Weißen. Natürlich mit einer Midtempoballade. Mir gefällt der Song ausnehmend gut, Francesca kann auch richtig gut und kräftig singen und der Song scheint schwierig zu sein. Kreisch – in der letzten Sekunde zerstört eine singende Litfasssäule aus dem Background aus dem Nichts den Gesamteindruck – wir fallen vor Lachen fast vom Stuhl. 19/30 Punkten.

Das wäre also unsere Empfehlung für die Malteser heute Abend:

1. Claudia Faniello – Pure (ex Aequo zwei gegen eins) 25/30

2. Klinsmann – No way back 25/30

3. Fabrizio Faniello – I will fight for you (ex-Aequo einstimmig) 22/30

4. Kurt Calleja – This is the night 22/30

5. Richard Edwards – Look at me now 20/30

Es folgen unendliche Interviews im Green Room. Wir sind hier aber eigentlich doch ganz glücklich mit dem Abend. Natürlich zieht es sich wie Kaugummi, aber das kennt man von dort ja nicht anders. Die Songs allerdings hätten insgesamt auch deutlich schrecklicher sein können, auch das hatten wir auf Malta schon. Es war eigentlich nichts dabei, wo man schreiend hätte weglaufen müssen.

Den Maltesern fällt allerdings auch nicht ein, wie sie gute Interviews führen können. Die Interpreten werden alle hochnotpeinlich nach ihren Glücksbringern befragt – nicht sehr originell…..

Das Televoting ist jetzt beendet, aber es noch viel zu früh für ein Ergebnis – es gab ja auch noch gar keinen Showteil, es gab ja nur Gerede, Gerede, Gerede….Und jetzt Werbung, Werbung, Werbung….wir werden ungeduldig und leicht ungehalten!

Zurück im Zelt. Offenbar haben einige den Eingang nach der Raucherpause nicht wiedergefunden, die Halle ist gut geleert. Dennoch taucht jetzt Glen Vella auf, der Vertreter Maltas  in Düsseldorf 2011. Mit einem toten Pudel auf der Schulter beweist er bei seinem neuen Song „Lie“ große Zungenfertigkeiten. Ach nein, bitte – jetzt singt er „Heal the world“ von Michael Jackson mit dem Glee-Club vom Anfang. Auf Malta wird aber auch alles versucht, die Leute nicht wieder ins Zelt zu locken! Ich meine, singen kann Glen ja, aber was soll diese Songauswahl?

OHHHHH!!! Es kommt Anggun aus Frankreich! das ist ja ne Überraschung! Na ja , eigentlich auch nicht. Ihr Delegationsleiter sitz schließlich in der Jury. Als Erste singt sie Playback – na egal. Der Song kommt bei Daniel und Lars nicht so gut an, ich wippe gerne mit. Das Interview mit Anggun ist ganz lustig und voller kleiner Anzüglichkeiten von Roland Briffa. Aha, jetzt singt sie noch einen Song. „Only love“ von ihrem letzten Album, was spontan bei uns besser ankommt als ihr Eurovisionsbeitrag.

Es folgen die Unvermeidlichen – Ell & Nikki, begleitet von Bildern aus Düsseldorf. Während sie ihr „Running scared“ vortragen, fragen wir uns, was die beiden musikalisch nach dem ESC-Sieg eigentlich in die Wege geleitet haben. Falls jemand etwas weiß, bitte als Kommentar eintragen. Daniel meint, Ell darf sich nun wirklich wundern, wenn er von „Schwuppen“ (O-Ton) angebaggert wird – so, wie er rumläuft. ich sage nur: ROTE Turnschuhe!

Oha, Ell hat einen neuen Titel auf Azeri, den er jetzt alleine singt. Nikki muss hinter die Bühne – was für eine Demütigung……Damit hätten wir die Frage auch geklärt, Ell singt weiter, Nikki ab nach London zu Mann, Kindern, Hund und Waschmaschine! Ells Lied ist übrigens strunzenlangweilig!!!!! Praktisch wie ein Beitrag der maltesischen Vorentscheidung……

Ach nee doch nicht – Nikki singt auch noch ein Lied – „Crush on you“, eine Art Orient-Pop mit einer Menge Elektro -Ell mochte es deutlich schmusiger, das konnte ja nicht dauerhaft klappen mit den Beiden! Wie spät ist es eigentlich???? Auch Nikkis Song ist extrem nervtötend…..

Nach unendlicher Werbung wollen wir jetzt endlich „Resultati“ – wir fürchten allerdings, dass auch noch Ruslana auftreten könnte…..

Nein, es gibt jetzt Punkte:

Claudia ist nur Vierte im Televoting. Dritter Richard Edwards, Zweiter Gianni Zammit und Sieger im Televoting ist Kurt Calleja. Aber es folgt ja noch die Jury.

Die erste Jurorin gibt 8 an Claudia, 10 an Kurt Calleja und 12 an Amber.

Die zweite Jurorin gibt 8 an Kurt Calleja, 10 an Amber und 12 an Claudia.

Der Ire gibt 8 an Danica Muscat, 10 an Kurt Calleja und 12 an Claudia Faniello.

Bruno aus Frankreich gibt 8 an Kurt Calleja, 10 an Amber und 12 an Claudia!

Das wird spannend. Nur zwei Punkte trennen die beiden Ersten.

Der Italiener vergibt 8 an Amber, 10 an Claudia und 12 an Kurt Calleja!

Letzte Jury:

8 an Amber, 10 an Claudia und 12 an Kurt Calleja!

KURT CALLEJA FÄHRT NACH BAKU!!!!

Das komplette Endergebnis:

1. Kurt Calleja – This is the night – 84 Punkte

2. Claudia Faniello – Pure – 78 Punkte

3. Amber – Answer with your eyes – 55 Punkte

4. Gianni Zammit – Petals on a rose – 42 Punkte

5. Richard Edwards – Look at me now – 32 Punkte

6. Fabrizio Faniello – I will fight for you (Papa´s Song) – 31 Punkte

7. Lawrence Gray – In your eyes – 29 Punkte

8. Dorothy Bezzina – Autobiography – 27 Punkte

9. Danica Muscat – 7 days – 26 Punkte

10. Corazon – Mystifying eyes – 18 Punkte

11. Wayne Micallef – Time – 10 Punkte

12. Francesca Borg – Take me far – 10 Punkte

13. Kaya – First time – 9 Punkte

14. J Anvil – You are my life – 8 Punkte

15. Deborah C. ft. Leila James – You make me go uh uh – 7 Punkte

16. Klinsmann (!!!!) – No way back – 0 Punkte (!!!!)

Was soll man sagen? Malta hat mit „This is the night“ wieder einen flotten Song, der wohl als „O.K.“ zu bezeichnen ist. Nachdem Glen Vella im vergangenen Jahr nur knapp das Finale verpasst hat, ist mit diesem Song sicher beides möglich – ein Scheitern oder ein Finaleinzug. Ein bisschen aufgepeppt könnte das aber durchaus was werden. Und die Optik zählt ja letztlich auch – und die stimmt hier! Zustimmendes Nicken meiner Mitblogger…..

Hier isser nochmal:

Kurt Calleja – This is the night – Malta 2012

Wir drei verabschieden uns ganz herzlich und wünschen allen, die uns gefühlte siebzehn Stunden begleitet haben, „Il-lejl it-tajjeb“ oder schlicht GUTE NACHT!!!