Live-Blog: Mazedonien entsendet X Factor-Gewinner mit Herbstblättern nach Wien

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Es ist soweit: der erste Beitrag der neuen ESC-Saison ist gewählt worden. Mazedonien hat das Skopjefest reaktiviert und unter 20 Teilnehmern für Wien einen Nachwuchsstar ausgewählt. Danijel Kajmakoski wird mit „Esenski lisja“ (Herbstblätter) nach Wien fahren. Favoritin Tamara Todevska, als Schwester von Tijana Dapcevic letztes Jahr im Chor und bereits 2008 beim ESC im Einsatz, gewann die Jurywertung, wurde aber im Televoting klar geschlagen. Hier unser Live-Blog zum Nachlesen.

добра вечер oder Guten Abend aus Hamburg,

Um 20.15 Uhr geht es los. Das Skopjefest wird hier und hier live auf Webseiten des mazedonischen Fernsehens MRT gestreamt.

Die 20 Beiträge werden wie in Sanremo und beim albanischen Festival i Kenges (und neuerdings auch im norwegischen MGP) mit einem Live-Orchester präsentiert. Der Gewinner wird zu gleichen Teilen durch Televoting und das Urteil einer internationalen Jury bestimmt. Die Jury besteht aus 7 Ländern mit jeweils 5 Experten und entscheidet bereits nach der Generalprobe der Show.

Als Gaststars werden zwei mazedonische ESC-Divas erwartet: Karolina (2002, 2007) und Kaliopi (2012). Die Startreihenfolge wurde ausgelost, wobei Balladen gerade und Uptempo-Songs ungerade Startnummern erhielten (ein interessantes Procedere).

OLiver und Armen melden sich in Kürze, wenn es los geht. Oliver startet. Zurzeit laufen noch die Abendnachrichten von MRT, währen Armen und ich unsere Urlaubsgeschichten austauschen. Wir waren zufällig beide in Afrika, wenn auch an unterschiedlichen Enden. Gewissermaßen auch Urlaub vom Blog, denn dort gab es keine ESC-Aspekte.

Was erwartet uns heute? Wir sind gespannt und freuen uns auf eine klassische sehr umfangreiche erste Vorentscheidung der neuen Saison, sie soll bis 23 Uhr abgeschlossen sein. Der Sportmoderator erwähnt gerade das „Skopski Festival“ und wir gehen in die Werbung.

Das Skopjefest wurde eigens für die Rettung der mazedonischen ESC-Hoffnungen nach mäßigen Ergebnissen der Vorjahre reaktiviert. Das Festival fand erstmals 1968 in Jugoslawien statt und hatte seine beste Zeit in den 70ern. Nach 1980 fand es nicht mehr durchgehend statt.

Wir sehen grüne Regenwolken auf der Wetterkarte über Mazedonien. Das braune Jackett  vor braunem Hintergrund wäre hierzulande für Wettermoderatoren verboten. Armen fällt auf, das kyrillische Buchstaben auf der Wetterkarte stehen. Ja, dort verwendet man wie in Bulgarien und Serbien das kyrillische Alphabet. Das wird uns wohl noch zu schaffen machen.

Nun einige Programmhinweise, darunter Meryl Streep als Lady Thatcher. Mazedonien spielt anscheinend demnächst gegen Slovatschka in der EM-Qualifikation (dort ist man ähnlich erfolglos wie beim ESC).

In Mazedonien gibt es übrigens keine Zeitverschiebung, es ist 20:22 Uhr, man lässt sich eben Zeit mit dem Start… vielleicht muss auch die Bühne nochmal gekehrt werden… beim „Makfest“ im Frühjahr (einem anderen großen Festival) ist die Siegerin Biba Dodeva schließlich ausgerutscht und beinahe seitlich aus dem Bild gefallen…

Armen muss morgen sehr früh raus und ist schon etwas ungehalten über die Verspätung… nun wird gesungen… von einer Magd im Kerker… ist das auch ein Teaser? Hat was mit einem Museum zu tun.. scheinbar kostet die Werbung hier nicht viel, meint Armen…

Nun geht es los mit einem sanremoartigen Teaser… und Mia Kostova ist schon im Bild und streicht sich über die langen Haare. Sie ist wohl eine Vorab-Reporterin, denn der Moderator ist jemand anders. Eine weitere festlich gekleidete Reporterin auf dem roten Teppich begrüßt Tijana mit Kind und dem üblichen Bürstenlook nebst Brille. Sie ist heute wohl Ehrengast. Und bestimmt voreingenommen, denn ihre Schwester ist ja im Feld – und eine Favoritin. Ein dritte Reporterin (heute ist wohl die ganze Abteilung Unterhaltung eingesetzt) führt nun ein Backgroundgespräch… das alles erinnert mich SEHR an Sanremo… demnach geht es vielleicht erst um 21 Uhr los, wer weiß? Wir üben uns in Geduld…

Soweit wir wissen, sehen wir heute nur nationale Produktionen, also zum Beispiel keine schwedisch importierte Ware wie anderswo üblich. Die Lieder müssen in der Landessprache gesungen werden. Das Starterfeld ist eine Mischung aus etablierten Interpreten, einigen Veteranen und Castingssternchen. Wir wissen nicht, welche Leute (Sänger, Produzenten, Komponisten) nun von den MRT-Assistentinnen interviewt werden und wir erkennen gerade, dass wir die kyrillischen Buchstaben nicht übersetzen können. Zum Glück haben wir die Interpretenliste schon vorbereitet…

Wir sind gespannt auch auf das neue Element der internationalen Jurys, die erstmals zu 50 Prozent in das Ergebnis einfließen… damit will man wohl konkurrenzfähiger werden. Da ist Lozano mit aparter (größerer) weiblicher Begleitung. Süß, meint Armen. Seine Freundin meine ich, seine Kusine/Schwester/Managerin meint Armen. Schließlich hält sie eine CD in der Hand. Lozanos letzte CD habe ich übrigens im Sommer 2013 in Skopje erworben (für 3 Euro), war durchaus empfehlenswert…

Jetzt sind wir im Saal und Mia interviewt nun wahllos Zuschauer. Offenbar ist man immer noch nicht startbereit. Man spürt das Knistern in der Luft… Schnitt auf einen bärtigen Hunky mit viel zu kurzer Krawatte, der nun auf dem roten Teppich interviewt wird… wir seufzen hörbar und nehmen noch einen Schluck von Armens mitgebrachtem Wein (der allerdings aus Australien, nicht aus Mazedonien stammt).

Wenn wir Zeit haben darüber zu sinnieren, ob die Moderationsbrüste an den Ausschnitt getaped sind oder nicht, ist das ein deutlicher Hinweis darauf, dass wir überbrücken und überbrücken… erstmal Werbung…und Bilder der Skopjoter Innenstadt.

Erst jetzt um 20.45 Uhr beginnt die Sendung offiziell mit einem ausufernder Vorspann. Und da ist die Reiterstaue, die Esma & Lozano im Video zu „Imperija“ zum Verhängnis wurde…

VOLARE hören wir, das Live-Orchester spielt (?) und der Sänger ist gleichzeitig unser heutiger Gastgeber Vasil Zafircev. Schmuckes Kerlchen und keine schlechte Stimme… Armen, meint sein Italienisch ist nicht so… vom Ausdruck… als ob wir das beurteilen könnten… zwei Catwalks kommen ins Bild und ein kleines Feuerwerk ist auch da. „Mazedonien ist bereit für den ESC“.

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Verhaltener Applaus. Die Bühne in azurblau gehüllt… und die Bühne glänzt. Jetzt wird erst mal erklärt. Wir haben große Zweifel, dass wir das bis 23 Uhr schaffen… in Sanremo geht es meist bis 1 Uhr… armer Armen… ich muss zum Glück nicht so früh raus morgen…

Erster Vorfilm für die erste Kandidatin. Lena Zatoksa ist in Australien aufgewachsen und ist bei X Factor Serbien recht früh ausgeschieden.

 

1. Lena Zatkoska – Alo (Hallo)

Könnte auch aus den 80ern sein (erinnert sich jemand an Asta? Halo Halo Halo….), Lena hat zwei Tänzer dabei und benutzt Stühle auf der Bühne. Und unser Stream hängt. Das Lied ist harmloser Swing und etwas atemlos vorgetragen. Armen gefällt es, ich finde es ist belangloser Billigpop.

Armen gibt gleich eine Höchstwertung und ich nur 2 von 10 Punkten: Macht 12/20 Punkten. Und ich schnüffele an seinem Glas… ist da noch was anderes drin?

Es geht Schlag auf Schlag.

 

2. Tanja Carovska – Ako mi se vratis (Wenn Du zu mir zurückkehrst)

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Tanja lebt in London, hat schon mal mit Josh Groban gesungen und bringt eine dramatische Ballade (die geraden Startnummern sind alle als Balladen klassifiziert). Im Abendkleid auf der Suche nach einer Melodie, leider erfolglos… weder catchy, noch stimmlich herausragend. Und die Frisur würden wir auch überdenken, sind Lockenkaskaden nicht out?

Wir geben 5/20 Punkten und Armen echauffiert sich über meine 3er-Wertung: „mehr als bei Nummer 1, wirklich? Nun ja, wir müssen auch erst warm werden mit der neuen Saison… und hoffen auch mehr Songqualität…

Sehr wenig Applaus, offenbar sind nur Verwandte der Sänger da und die applaudieren nur für die eigene Sippe. Nun einer der Favoriten.

 

3. Danijel Kajmakoski – Esenski lisja (Herbstblätter)

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Der Sieger von X Factor Adria ist schick angezogen (Armen) und trägt modisches Bärtchen (Oliver). Die Blätter rieseln im Background und nach anonymen Beginn nimmt der Titel Fahrt auf. Netter Refrain, aber seine Improvisationen sind etwas schief geraten. Guter Sänger, aber die Catchyness hält sich in Grenzen, meint Armen. Ich will diese Schuhe, meint OLiver. Wir einigen uns auf nett, haben aber das Gefühl, hier wäre mehr drin gewesen. Er bewegt sich gut, das Lied kommt etwas zu spät in Fahrt.

14/20 Punkte. Unsere Nummer 1 bisher.

 

4. Vera Jankovik – Se plasham (Ich habe Angst)

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Vera versuchte es schon 2002 beim Skopjefest und verlor gegen Karolina. Es wird sakral und getragen. Sprechgesang mit Whiskeystimme. Eine heftig überschminkte Vampirella (Halloween?) schockt uns optisch etwas. Vera braucht einen Notenständer (dort steht üblicherweise in Großbuchstaben der Text). Schlimm meint Armen, schwer verdauliches Balkanstück, meint Oliver, der aber solchen Stücken durchaus zugänglich ist und „Charakter“ erkennt. Nicht für den ESC geeignet, aber interessant.

10/20 P. (Armen 2, Oliver 8 – wieder wird klar, dass wir wenig gemeinsam haben…)

 

5. Risto Samardziev & Vlatko Ilievski – Sever-jug (Nord-Süd)

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Ungerade Startnummer heißt flott und hier haben wir Vlatko, der in Düsseldorf „Rusinka“ sang. Wir hören ihn zuerst nur, während zwei langmähnige Rockgrazien mimen… Wir freuen uns über Vlatkos Duett, auch wenn der Stream jetzt wieder hakt. Genau wie das Lied, das einem etwas abgehackten Beat folgt. Könnte auch aus Albanien kommen… Balkanpop der 90er… nicht wirklich frisch… wir sind nicht beeindruckt und geben

9/20 P.

Wir stellen fest, dass wir noch kein Lied gehört haben, dem wir eine Finalqualifikation in Wien zutrauen… aber wir haben ja erst ein Viertel gehört… Werbung!

Ein Clip mit dem Moderator folgt… und wir erleben mitten in der Abfolge der Lieder einen Intervall Act… eine Tanznummer zu den Tönen von „Nocturne“. Armen kann sich nicht mehr erinnern, wann er zuletzt im Ballett war (ich bin immerhin am Samstag in der Oper). Vasil als eine Art Batman singt nun die Liedzeile von Nocturne zum Abschluss – tolles Kostüm, das würde mir auch gefallen… genau das richtige für festlich-skurrile Anlässe…

Warum müssen sich die Leute beim ESC immer verkleiden, mault Armen, der sich aber nicht an den Unmengen schwarzen Kajals von Vasil stört. Vielleicht sollten wir unsere Tagespflege-Produkte auch mal überdenken…

 

6. Evgenija Cancalova – Da ne te sakam (Wenn ich Dich nicht liebte)

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Evgenia wird als „Egi“ angekündigt und das Lied ist mit einer geraden Startnummer folglich wieder balladesk. Zu Pusteblumenfederfragmenten singt Evi eine klavierumtoste schwerfällige Ballade, während im Hintergrund rhythmische Sportgymnastik praktiziert wird. Wirkt nicht sehr gekonnt und lenkt ziemlich vom Lied ab. Zum Glück, möchte man sagen. Evi vermag leider nicht zu fesseln, auch wenn sie nach einer leicht rostigen Anlaufphase die Töne nun zunehmend besser trifft. Man fragt sich wirklich, hatten die Komponisten den ESC im Kopf oder schreiben sie hier (wie in Sanremo) nur für den nationalen Markt? Ich bin sehr gespannt, was die internationalen Jurys hier wählen werden…

9/20 Punkten. Wir bleiben im Mittelfeld der Punkteskala hängen.

 

7. Aleksandra Mihova – Srce cuva spomeni (Das Herz erinnert sich)

Es ist ungewohnt, Dirigenten zu sehen, aber hier passt es, denn wir hören ein Showtune. Mit sehr langem Intro. Manhattan Transfer, Matt Bianco fallen mir ein. Armen denkt an einen Tanzabend im Rentnertreff… aber er ist positiv überrascht. Mal was anderes. Das müsste aber mit mehr Grandezza inszeniert werden. Alexandra steht ganz allein im schwarzen Abendkleid auf der Bühne (fast alle Damen wählen schwarz). Hübsch, aber sehr old-fashioned und nicht wirklich für den ESC geeignet aus unserer Sicht.

12/20 Punkten. Wir warten weiterhin auf einen Knaller. Und fragen uns, was ist eine Wuby Wurst (Kommentar von Cali)?

 

8. Lidija Kocovska & Marjan Stojanovski – Sonce niz oblaci (Sonne durch die Wolken)

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Ein Remake von „Tell me why“ (Rumänien 2002). Monica heißt nun Lidia und ist blond, ein klassisches Duett mit sehr guten Stimmen, leider nicht sonderlich innovativ oder gar erfrischend. Wir ziehen Monica & Pavel (das Original) vor. Das Arrangement erinnert zudem an Ronda Veneziano. Lidia ist ein alter Hase, war schon 1994 beim Skopjefest und verlor 1989 in der Jugovizija gegen Riva!! Da hat sie sich aber gut gehalten. Nur zum ESC muss sie deswegen noch lange nicht.

14/20 Punkte. Upps… bei uns tatsächlich an der Spitze zusammen mit dem flotten Senfschuh… werden wir langsam weichgekocht durch das mazedonische Überangebot an seichtem Liedgut?

 

9. Joce Panov – Ni lj od ljubovta (Kein L für Liebe)

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Hier haben wir frei übersetzt, womöglich heißt der Titel etwas ganz anderes… Ethnoklänge erinnern an „Ne zori zoro“, Mazedoniens ESC-Debüt. Kein Wunder, denn  Vlado Janevski das Lied geschrieben. Vielversprechender Beginn, wirkt authentisch. Und ein schmuckes Kerlchen der Joce (wie Sasha in knackig). Plätschert nun etwas sehr, ein Klangteppich… gibt es noch eine Steigerung? Nein, wie schade. Dennoch ein angenehmer Beitrag (aber auch zu wenig instant appeal für Wien). Könnte womöglich noch etwas aufgemotzt werden…kam mir jetzt vor wie 5 Minuten…

11/20 P. (3 von Armen, 8 von OLiver)

 

10. Goran Naumovski & Sanja Kerkez – Mig bez tebe (Ein Moment ohne Dich)

Jetzt wird es wieder klassisch. Und pathetisch. Ein Duett mit Opernsängerin. Goran beginnt mit Grabesstimme, während der Background sich um stimmungsvolle dramatische Untermalung bemüht. Sanja setzt erst in der zweiten Strophe ein und knödelt mir zu sehr. Wir erkennen, es passt nicht so gut zusammen wie etwa bei Nico & Vlad. Das ist hier zu schwer, zu statisch und womöglich einfach viel zu unzugänglich. Wir zweifeln daran, dass Opernfreunde daran Freude hätten. Wir haben jedenfalls keine.

7/20 Punkte.

Und Armen hat nun genug gehört und verabschiedet sich. Also, so schlimm wie bei der legendären georgischen Vorentscheidung 2012 ist Skopjefest noch lange nicht… und da haben wir auch durchgehalten… Ab sofort verdoppele ich meine Punkte, damit die Skala nicht verrutscht.

Nun wieder Pause mit Ballett und Vasil, der als Torso „Bandido“ verunstaltet. Nun ja… dann lieber Werbung.

 

11. Aleksandar Tarabunov & Toni Mihajlovski – Marija

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Erst ein Sprechintro eines Priesters(?), dann startet Aleks, der mal bei Idols Bulgarien mitgemacht hat. Er hat zwei als Marionetten verkleidete Tänzerinnen dabei und singt eine mittelschnelle Popnummer, die seine stimmlichen Möglichkeiten sehr gut präsentiert. Viele lange Töne, offenbar geht es um eine Frau namens Marija (die serbische ESC-Siegerin?) Das ist flott und hat was… ich weiß nur nicht was. Hübscher theatralischer Abgang. Ideenreiches Staging. Das wird von mir belohnt mit 7,5, also

15/20 Punkten. Neue Nummer 1.

 

12. Aleksandra Janeva – Vo tvojot svet (In Deiner Welt)

Friedenstauben auf dem Screen weisen auf die nächste überdramatisierte Ballade hin. Aleksandra gibt alles, aber sie ist von der Bühnenpräsenz her nunmal keine Zlata Ognevich, um mal einen Vergleich zu ziehen. Und sie hat leider auch kein wirklich interessantes Lied, es wirkt stellenweise etwas gequält. Dennoch recht professionell und ihre stimmlichen Qualitäten werden insbesondere in der zweiten Hälfte deutlich mehr gefordert und bestehen den Test. Solide.

12/20 Punkte.

 

13. Miyatta – Zaljuben (Verliebt)

Nun wird’s volkstümlicher. Turbofolkklänge eröffnen Miyattas Lied. Eine Art Folk-Schlager, aber mit viel Instant Appeal und sehr catchy. Außerdem hat sie starke Bühnenpräsenz, was auch an dem Kostüm liegen dürfte, mit dem sie aussieht wie Xena, die Kriegerin. Die Mischung als Latex-Leder-Klamotten und Haremsoutfit passt zu ihr, nicht jedoch zu den üppigen Tänzerinnen, die damit reichlich billig aussehen, was schade ist. Das Lied endet sehr abrupt, bekommt mehr Applaus als viele anderen Songs und sticht sicher heraus aus dem bisherigem Haufen.

16/20 Punkte. Tja Armen ist jetzt in der Straßenbahn und kann nicht eingreifen. Neue Nummer 1 bei mir.

 

Und nun die andere Favoritin:

14. Tamara Todevska – Brod sto tone (Sinkendes Schiff)

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Die beste Sängerin des Landes (laut ihrer Schwester) und bereits bei drei ESC in verschiedenen Rollen im Einsatz, singt eine Ballade, die deutlich besser produziert ist als der Rest der langsamen Lieder. Im Hintergrund baut sich im Mondschein offenbar ein Tsunami auf, während Tamara zu einem sparsamen Klavierarrangement allein ihre Stimme wirken lässt. Das ist gut, sogar sehr gut. Und wird wohl das Televoting gewinnen, das merkt man schon am längsten Applaus im Saal. Sie ist hier zweifellos der größte Star (abgesehen von den Ladies im Beiprogramm, zu denen wir noch kommen). Ich nehme ihr die elegante Lady aber nicht ganz ab. Die Frage: Was hält die internationale Jury davon?

18/20 Punkte. Klar vorn!

 

15. Sanja Gjosevska – Sakam da letam (Ich will fliegen)

Umso billiger wirkt die nächste Nummer. Liegt womöglich auch an der Aufmachung, fast hüfthohe Stiefel zu einem hautfarbenen Fähnchen. Ein belangloses Liedchen, notdürftig aufgepeppt durch ein paar Turbofolkelemente. Auch bei mir hakt der Stream jetzt, aber hier reicht im Prinzip auch eine Minute, um zu einem Urteil zu kommen.

6/20 Punkte.

Nun ein paar Ausschnitte alter mazedonischer ESC-Auftritte. Die noch auftretenden Gäste hat man ausgespart ebenso wie Martin Vucic (dieser Song ist MRT wohl noch heute peinlich…). Und Vasil singt nun mit Tijanas weißer Brille „Insieme“ als Intermezzo vor dem letzten 5er-Pack an Songs… und er trägt auch ihren weißen Hausanzug mit tiefem Ausschnitt, wofür wohl großflächige Rasurarbeiten am Oberkörper nötig waren…

Und nun wird erklärt… die Televotingnummern für die Songs… und weiter geht’s.

 

16. Nade Talevska – Znam (Ich weiß)

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Nade trägt ihre Haare kaskadenartig asymmetrisch und bemüht eine Gebärdendolmetscherin. Znam gehört hier sicher zu den besseren Balladen. Leider ist ihre Stimme in den Höhen sehr dünn. Dafür in den Tiefen schön kräftig und der Refrain weist hohen Wiedererkennungswert auf. Die Dolmetscherin macht nun mit einem Tänzer herum und beide werfen sich nun auf die Catwalks, bevor mein Stream leider abreißt.

14/20 Punkte. Mir gefiel es auf konventionelle Weise.

 

17. Viktorija Loba – Edna edinstvena (Der/die einzige)

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Viktorija hat Mazedonien 2003 beim JESC vertreten und hat sich hoffentlich musikalisch weiterentwickelt. Doch ihr Song klingt wie etwas, was Suzy aus Portugal für Lockerungsübungen ihrer Stimmbänder singen würde. Es ist flott, sie ist hübsch und hat drei Tänzer dabei, die versuchen lockere Stimmung zu verbreiten. Leider ist das Lied etwas sehr repetitiv und nicht sehr anspruchsvoll. ESC-Talmi eben. Das war nix.

8/20 Punkte.

An dieser Stelle bekenne ich mal, dass ich mich hauptsächlich für den Live-Blog Mazedonien gemeldet habe, um die großartigen Kaliopi und Karolina zu genießen… aber dazu später.

 

18. Verica Pandilovska – Samo za tebe (Nur für Dich)

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Die platinblonde Verica gehört auch eher zu den Veteranen dieser Show und singt ein Lied, das locker als jugoslawischer ESC-Beitrag 1985 durchgehen würde. Sehr starke Stimme, allerdings erinnert die Handarbeit an diverse Zerkleinerungsarbeiten auf dem Küchenbrett. Wer schlagerhaft-retro aufgelegt war, hat sich hier gut unterhalten gefühlt. Ich bin mal wohlwollend und gebe

11/20 Punkte.

 

19. Nina Janeva – Bluz za… (Blues für…)

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Nina hat im Background für Esma & Lozano gesungen und bringt hier sehr entspannt ein RnB-angehauchtes flottes und sehr akzentuiertes Stück auf die Bühne. Das hat durchaus Potenzial, bedarf aber auch einer anderen Inszenierung. Sie hat Persönlichkeit und Stimme für zwei und gehört damit heute sicher zu den besten Performances. In der letzten Minute fehlt allerdings noch eine Steigerung und es wiederholt sich zu sehr. Dennoch nicht unangenehm.

14/20 Punkte.

Ein Lied noch und wir haben es geschafft – vorläufig. Dimitar aus Bitola hat die letzte Startnummer gezogen:

 

20. Dimitar  Andonovski – Se shto ti vetiv (Alles was ich versprochen habe)

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Dimitar unterstütze Tijana in Kopenhagen im Background. Hier wird offenbar eine Geschichte erzählt. Dimitar hat eine kräftige Rockstimme und einen dazu passenden Oberkörper. In einem Käfig in der Mitte leidet eine Frau im Bienenkostüm(?), während Dimi mit einem Koffer (?) eine kraftvolle Popnummer singt und dabei herzig aus der Wäsche blickt. Man möchte ihm in die Wangen kneifen. Nun steht Dimitar im Käfig und die Biene macht überzogene Verrenkungen auf dem Bühnenboden (ein Todeskampf?). Alles sehr dramatisch, man könnte auch sagen total umnachtet, worum mag es hier wohl gehen? Die Nummer erinnert an einige der rockigeren mazedonischen Beiträge (die alle im Halbfinale gescheitert sind). Gut gesungen, schlecht inszeniert.

13/20 Punkte.

Werbung. Und ich fasse mal zusammen: Tamara mit der sturmumtosten Powerballade klar vorn, dann Miyatta und die Lederwamse mit der Folknummer, gefolgt von dem Marionetten-Blues von Aleksander & Toni („Marija“). Und nicht wenige Leser, wenn ich die Kommentare richtig übersehe, plädieren ebenfalls für Tamara. Dann wollen wir mal sehen…

Die 7 Fachjurys haben bereits nach der Generalprobe abgestimmt, womöglich gibt es gar keine Einzelauszählung? Es sind nur noch 20 Minuten übrig und wir und das Publikum in Skopje will ja auch noch Kaliopi und Karolina hören. Ich bestehe sogar darauf!

Das Televoting ist nun eröffnet und es läuft 30 Minuten lang, wir werden also sicher überziehen. Nun der erste Schnelldurchlauf. Ich bleibe dabei: Tamara ist international am wettbewerbsfähigsten.

Nun der erste Gast: Karolina Goceva, singt sie einen ihrer zwei ESC-Beiträge? JA, in einem Bühnenbild von Hochhäusern aus Licht (Dublin 1994?) und immer noch so hübsch wie vor 12 Jahren, hören wir von ihr eine orchestral aufgemotzte neue Version von „Od nas zavisi“… ich bin HINGERISSEN; diesen Beitrag liebe ich sehr, er gehört zu meinen Alltime Top Ten.

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Und ich merke, tatsächlich kann ich den Text auch noch… nun, diese Momente entschädigen für die lange Wartezeit und das zwischenzeitlich gewöhnungsbedürftige Liedgut… noch heute ärgere ich mich, dass ich vor zwei Jahren, als ich in Mazedonien war, die Chance eines ihrer Konzerte zu besuchen, ungenutzt verstreichen ließ…

Nun singt Karolina einen traditionelleren Song. Und ich merke gerade entzückt, das wir schon mehr als 260 Kommentare eingesammelt haben. Nur noch wenige Meinungsäußerungen, dann ist gleich der erste Liveblog der Saison bereits der am zweitmeisten kommentierte Blogbeitrag aller Zeiten (!) auf dem PrinzBlog (das ESC Finale 2014 hatte 397 Kommentare). Und das mitten in der Woche. Im November.

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Mein Stream ist abgerissen, plötzlich sind zwei Kinder (ihre?) und eine Plakette auf der Bühne und die Stimmung ist eher moll, wird hier jemand geehrt? An jemanden erinnert? Karolina setzt zu einer tragischen Ballade an, die sich als sehr stimmig-stimmungsvoll entpuppt und ja, das transparent-schwarze Tannenbaum-Kleid steht ihr nicht wirklich…

Die offizielle Sendezeit ist nun überschritten und das Televoting läuft nun noch knapp 10 Minuten. Karolina gefällt mir wirklich gut, sie würde ich wirklich gern auf einer ESC-Bühne wiedersehen… leichte Lounge-Stimmung nun in Skopje… ein wunderschönes Lied (ja, ich bin voreingenommen).

Noch 4 Minuten Voting… und der Stream lässt wieder nach… dabei kommt doch noch laut Ankündigung Kaliopi… aber erst nochmal ein Schnelldurchlauf. Diesmal fällt mir Nade/No. 16 auch besonders auf (bei uns auf Rang 4). Und nun ein Filmchen zur Geschichte des mazedonischen Fernsehens, das offenbar ein Jubiläum (50 Jahre?) feiert.

Und da steht sie allein im Spot im schwarzen Glitzerkleid und mit langen glatten Haaren: KALIOPI ist da. Diese unvergleichliche Stimme (sie hat 3 Stimmbänder bekannte sie in Baku). Offenbar hat Kaliopi zwischenzeitlich abgenommen (so war zumindest meine Info aus Mazedonien) und dann wieder zugenommen (die Seitenansicht ist da ein wenig ungünstig). Immerhin ist der Christine-Neubauer-Look passé… sie trägt Pony, hier kommt eine moderne Gundel Gaukeley. Sie sieht zeitlos aus. Und beginnt mit einer musical-artigen Nummer. Kommt auch noch „Crno i belo“? Das letzte mazedonische Lied in einem ESC-Finale?

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Das Publikum steht auf und Kaliopi überreicht einem grauhaarigen älteren Herrn in Reihe 1 eine Plakette, offenbar ein Pionier der mazedonischen Fernsehunterhaltung (leider habe ich mir den Namen nicht gemerkt…)

Und nun singt Kaliopi ein weiteres, mir unbekanntes Lied – eine Powerballade. Sie hat 1996 das Skopjefest gewonnen mit „Samo ti“, wurde aber bekanntlich in der damaligen Audio-Vorrunde ausgebootet. Erst 2012 konnte sie mit einer Direktnominierung für den ESC und dem von ihrem Exgatten Romeo Grill geschriebenen famosen „Crno i belo“ diese Scharte auswetzen. Und diesen Titel hören wir jetzt in einer schön rotzig-fetzigen Version… die Frau hat einfach ein Bomben-Charisma und eine unvergleichliche Stimme. Fantastischer Live-Auftritt!

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Werbung und wir warten auf das Ergebnis. Wird es einfach verkündet oder gibt es eine kleine oder große Punkteaddition? Ich nehme Ersteres an… schließlich hat man schon eine halbe Stunde überzogen. Nun habe ich auch die Wudy Wurst, die Leser Cali erwähnt hat, in der Werbung bemerkt… wow, und Klopapier kostet nur 64 Dinar… ist wahrscheinlich nur 2-lagig…

Vasil hat ständig so ein entrücktes Lächeln im Gesicht… wer weiß, vielleicht ist das Conchita in Zivil mit etwas kürzeren Wimpern als sonst, die sich hier eingeschlichen hat… ich nehme mal an, das mazedonische TV hat die ESC-Siegerin NICHT eingeladen, wohl weil man heut eher die nationalen Top-Stars feiern möchte…

Eine Punktewand wird eingeblendet, heißa, es wird sich also noch hinziehen und hier kommen schon die Stimmen aus Österreich. Jede der 7 Jurys hat 5 Mitglieder, hauptsächlich Komponisten, Produzenten und „Eurovischka expertitschka“… Tamara erhält die 12, Toni & Aleks (die Marionetten) die 10.

Aserbaidschan gibt 12 an Egi, nur 7 an Tamara…

Bulgarien: 12 an Nade, 8 an Tamara, die vorn bleibt.

Rumänien: 12 an Tamara, 10 an Nade, Tamara hat 7 Punkte Vorsprung

Türkei (kein ESC Land derzeit!): 12 an Danijel, 10 an Nade, 8 an Tamara

Niederlande: 10 an Danijel, 12 an Tamara, jetzt 15 Punkte Vorsprung, das sieht sehr gut aus…

Letzte Jury: Kroatien: 12 an Danijel, 10 an Tamara.

Tamara hat die Jurywertung gewonnen. Danijel Zweiter. Dann Egi und Nade.

Nun das Televoting, das Daniel klar gewonnen hat vor Egi und Tamara als abgeschlagene Dritte. Damit hat DANIJEL das Skopjefest gewonnen!!!

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22 Punkte für Danijel, 20 für Tamara und 18 für Egi (Evgenija). Der rockige Dimitar im Käfig auf Rang 4, dann die Marionetten auf Rang 5. Keine schlechte Sortierung. Esmas Backgroundsängerin Nina erhielt allerdings nur 2 Punkte. Sieben Titel (darunter Miss Vampira) erhielten gar keine Punkte.

Mazedoniens ESC-Beitrag 2015 und der erste Song der neuen Saison heißt demnach Esenski lisja (Herbstblätter) und wird von dem 31-jährigen Danijel Kajmakoski gesungen. Womöglich wird er (also der Song) noch etwas aufgemöbelt und teils oder ganz in Englisch gesungen (heute war Mazedonisch Pflicht!). Armen und ich hatten den Senfschuh auf Rang 4. Nicht die schlechteste Lösung. Aber vielleicht auch nicht die Beste.

Der Stream ist nun komplett verschwunden. Dabei hätte ich gern nochmal das Siegerlied gehört. Wir werden in Kürze, sobald sie erhältlich sind, möglichst viele Videoclips nachreichen. Wir sagen erst einmal Gute Nacht oder добра ноќ.

Mazedonien 2015: Danijel Kajmakoski – Esenski lisja

Hier mit Siegerehrung

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Vielen Dank allen ESC-Fans fürs Mitlesen und Kommentieren und bis zum nächsten Live-Blog. Am kommenden Samstag folgt der Junior Eurovision Song Contest aus Malta. WM und Jan werden live bloggen. Matthias ist als unser Reporter vor Ort. Stay tuned!