Melodifestivalen, 1. Runde: Loreen versetzt Schweden und die ESC-Fans in pure Euphorie!

Willkommen zum Auftakt des traditionsreichen Melodifestivalens. Vier Vorrunden, ein Andra Chansen Hoffnungslauf und das große Finale in Stockholm finden in den nächsten 6 Wochen statt. Los geht es in Växjö mit den ersten 8 Kandidaten, darunter Loreen (Foto). Hier der Liveblog der ersten Runde zum Nachlesen.


Herzlich willkommen zum heiß ersehnten Start des Kultvorentscheids schlechthin: dem Melodifestivalen (Mello). Sarah Dawn Finer, Helena Bergström und Gina Dirawi führen uns durch die heutige Show. Sarah ist uns bereits durch ihre Teilnahmen am Mello bestens bekannt. In 1 Minute beginnt die Show.

Endlich geht es los mit „Snippets“ von Eric Saade, Danny und anderen Mello-Stars. Jetzt beginnt in Växjö die erste von vier Vorrunden. Växjö liegt übrigens ins Südschweden und ist eine Universitätsstadt mit rund 60.000 Einwohnern. Das Finale mit 10 Teilnehmern findet dann traditionell am 10. März im Globen in Stockholm statt.

32 Kandidaten nehmen auch in diesem Jahr wieder am schwedischen Melodifestivalen teil. 3485 Songs wurden eingereicht. 16 davon qualifizierten sich für die Vorrunden. 15 Interpreten wurden von SVT engeladen und 1 Webjoker, ergeben die 32 Wettbewerbsbeiträge.

Sarah Dawn Finer glitzert in einem Traumkleid, in dem ich auch gerne mal Hera Björk gesehen hätte! Sie erklärt uns nun das Televoting.

Bevor Startnummer 1 kommt, grüßen wir hier mal alle Leser vom Malta-Live-Blog und alle Fans, die gerade in München beim großen OGAE-Treffen feiern! Was für ein fantastischer Eurovision-Tag. Und nun geht es los:

01. – Sean Banan – Sean den förste banan.

Oh jeh! Carola-Ikea und Digga-Digga-Digga-Ding-Im the King. Sean rappt wie wild und tritt in einem Tutanchamun-Gedächtnis-Outfit auf die Bühne. Er heißt eigentlich Sean Samadi und ist 26 Jahre jung und hat iranische Wurzeln. Mit seinem Song will er sich selbst zum „König Sean“ krönen. Nachdem er sein Pharaonen-Outfit abgelegt hat, sieht er aus wie eine Mischung aus Pietro Lombardi und Bushido. Auf mich wirkt der Pop-Rap-Song zwar etwas billig, aber der Trash-Fun-Faktor ist hoch. Ich vergebe 6 von 12 Punkten!

02. – Abalone Dots – På väg.

Abalone Dots sind ein Damentrio, die sich auf Folk und Country spezialisiert haben und in Schweden auch schon Musikpreise in dieser Kategorie abgeräumt haben. Der Titel bedeutet soviel wie „Auf dem Weg“ und wurde von den Damen selbst komponiert. Als Musikinstrument sehen wir ein Banjo und eine Fidel und 3 wehende Fahnen. Der Country-Song weht dann auch so vor sich hin und findet nicht so recht einen Höhepunkt. Das ist schöne Musik im Stil von Amy MacDonald. Tut keinem weh, aber flasht auch nicht. Ich vergebe 5 von 12 Punkten.

03. – The Moniker – I want to be Chris Isaak

The Moniker dürften vielen von uns noch von 2011 bekannt sein. Zunächst fast rausgeflogen, entpuppte sich „Oh my God“ erst nach mehrmaligem Hören zu einem echten Ohrwurm und räumte dann auch im Mello-Finale 2011 mit Platz 3 richtig ab. Der glatzköpfige Sänger Daniel Karlsson ist 2007 in Schweden durch das Casting-Format „Idols“ bekannt geworden. Heute tritt er mit Fellweste an und flirtet bei dem schönen Folk-Pop-Song „I want to be Chris Isaak“ mit der Kamera. Der Sänger und Schauspieler Chris Isaak ist uns in Deutschland durch die melancholischen Hits „Blue Hotel“ und Wicked Game“ bekannt. Für The Moniker gibt es am Ende Glitterregen und viel Beifall in der Halle. „Is this just the Beginning“ heißt es im Song und das Motte könnte Realität werden. 7 von 12 Punkten!

04. – Afro-Dite – The boy can dance

Nein, das sind nicht die No Angels im ESC“Disappear“-Outfit. Es sind Afro-Dite, die 2002 mit „Never let it go“ am Eurovision Song Contest teilgenommen haben. Sie landeten in Talinn auf Platz 8. Danach versuchten es die Mädels teilweise solo beim Mello, aber der Erfolg wollte sich nicht so recht wiederholen. Mittlerweile sind sie über 40! Ihr Discotitel stammt aus der Feder von Figge Boströn, der bereits „In the Club“ von Danny geschrieben hat und letztes Jahr damit Zweiter beim Mello wurde. „The boy can dance“ ist freilich besser als „Disappear“, aber an „In the Club“ kommt es nicht ran. 5 von 12 Punkten!

05. – Dead by April – Mystery

Nun wird der Sound härter. Die Metal-Band trat schon mal im Mello-Pausenprogramm auf. Der Sänger erinnert optisch etwas an Robbie Williams. Dead by April, das sind Körper voller Tattoos und Männerschweiß! Schwere Ketten hängen von der Bühne. Wow, der Mystery-Refrain ist stark! Allerdings erinnern die Strophen an den deutschen Vorentscheid-Titel „Ik wer zun schwein“ von Knorkator. 7 von 12 Punkten!

06. – Marie Serneholt – Salt & Pepper.

Nein, das ist nicht Britney Spears im legendären Ganzkörper-Kondom-Outfit und die Background-Tänzerinnen sind auch nicht von Lenas „Taken by a Stranger“ übrig geblieben.  Das ist tatsächlich die Ex von Mans und die A-Teens Sängerin Marie Serneholt. Sie kennt das Mello als Moderatorin (2011) und als Sängerin (2009) mit „Disconnect me“. Der Popsong „Salt & Pepper“ geht zwar sofort in die Beine, aber leider auch zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus. Auch kam das Live nicht so rüber… 5 von 12 Punkten!

07. – Thorsten Flinck & Revolutionsorkestern – Jag reser mig igen.

Der 50jährige Schauspieler und Moderator tritt mit einem Song des Schwedenschlager-Komponisten-König Thomas G:son an. Der Titel bedeutet „Ich erhebe mich wieder“, aber was ist das für ein düsterer Beginn: Bühne ganz in schwarz und winselnd depressiv zieht sich die erste Strophe dahin. Barfuß wie Sandie Shaw und düster wie Nick Cave, so wirkt Thorsten Flinck und sein Song. Absolut kein Schwedenschlager und schwer einzuordnen. Wird aber sein Publikum finden und könnte für eine Überraschung sorgen. 4 Punkte von 12!

08. – Loreen – „Euphoria“

Große Vorfreude. Das Snippet von Loreen klang bereits vielversprechend. Ganz mystisch und alleine steht Loreen bei ihrem Song auf der Bühne und vollführt ein paar gymnastische Einlagen. Später kommt ein Tänzer hinzu. Die 28jährige mit marokkanischen Wurzeln wurde in Schweden 2004 bei „Idols“ Vierte und schied 2011 beim Mello mit „My heart is refusing me“ unglücklich aus.

„Euphoria“ stammt ebenfalls von Thomas G:son. Es geht in dem Song um geniale Gefühl, wenn man verliebt ist. Der Song erinnert an aktuelle Dance-Kompositionen von David Guetta und geht ins Ohr! Der Sound ist absolut Up to Date und chartskompatibel. Passend zur aktuellen Kältewelle in Europa schneit es am Ende des Songs. Das könnte ein Floorfiller für den Euroclub in Baku werden! Und falls DJ Ohrmeister es schon vorrätig hat, dürfte heute Abend auch in München bei der Disco nach dem OGAE-Treffen das „Wirtshaus zum Isartal“ Kopf stehen. Mein absoluter Favorit bisher: 10 Punkte von 12!

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Nun kennen wir alle 8 Songs und der erste Schnelldurchlauf startet. Im Pausenprogramm erleben wir die Moderatorinnen mit einem Schlager über die 8 Teilnehmer. Umrahmt wird das Ganze von schwedischen Matrosen und Village People-Tänzern. Unter anderem geht es auch um sexuelle Präferenzen, zu mehr reicht mein schwedisch allerdings nicht.

Qualifiziert wird sich heute Abend in 2 Durchgängen durch Televoting. Zunächst wird die Top 5 ermittelt. Anschließend entscheidet sich im zweiten Durchgang, welche 2 Interpreten direkt für das Finale am 10. März qualifiziert sind und welche 2 Interpreten zunächst in die Andra Chansen-Runde einziehen. Der Fünftplatzierte fliegt ganz aus dem Wettbewerb.

Anders als im Vorjahr wird man nicht mehr erfahren, wer Erster wurde und wer Zweiter. Neu ist auch, dass die fünf Songs, die nach der Präsentation aller acht Titel weiter kommen, ihre Televoting-Stimmen behalten, also die Stimmenzahl nicht wieder auf 0 zurückgesetzt wird.

Hochspannung! Folgende Songs haben sich für die 2.Runde qualifiziert:

  • Startnummer 7: Thorsten Flinck
  • Startnummer 4: Afro-Dite
  • Startnummer 1: Sean Banan
  • Startnummer 8: Loreen
  • Startnummer 5: Dead by April

 

Das ist eine große Überraschung! „The Moniker“ sind auf dem letzten Platz rausgeflogen! „Abalone Dots“ wurden Vorletzter und auch Marie Serneholt zieht eine Schnute. Sie landet auf Platz 6 und hat somit die Top 5 knapp verpasst!

Im Pausenprogramm gibt es nun den Song „Try again“ von The Soundtrack of our Lives. Aber alles wartet auf das Endergebnis! Wird es mein Favorit  Loreen (Foto unten) schaffen? Und wie gut schneiden Party-Rapper Sean und die Metal-Kerle von  Dead of April ab?

Jetzt das Endergebnis:

  • Loreen „Euphoria“ ist als erster Song im Mello-Finale. Yes you can! Schweden, das habt ihr gut gemacht. Loreen kommt wieder barfuß auf die Bühne und performt nochmal. Gesanglich klingt das auch live echt klasse und das Publikum ist voller Euphorie! Ich habe Gänsehaut. Der Song ist etwas ganz Großes!
  • Dead by April „Mystery“ zieht als zweiter Song ins Mello-Finale. Eine riesen Überraschung, aber Hand aufs Herz, dank des starken Refrains von „Mystery“ keine schlechte Wahl! Well done Sweden!

 

Qualifiziert für Andra Chansen haben sich:

  • Thorsten Flinck & Revolutionsorkestern „Jag reser mig igen“
  • Sean Banan „Sean den förste banan“

 

Und auf dem undankbaren 5. Platz landen schließlich  Afro-Dite „The Boy can dance“. Die 40jährigen Diven haben einfach ihren Zenit überschritten. Schade!

Insgesamt war die 1. Runde das erwartete Schweden-Häppchen: kurzweilig anzusehen und macht Lust auf mehr. Ein Fan-Favorit für das Mello-Finale wurde geboren (Loreen). Es gab Überraschungssieger (Dead by April) und tragisch gescheiterte (The Moniker, Marie Serneholt, Afro-Dite)! Ich bin schon absolut „euphorisch“ auf das Mello-Finale und habe mich heute mit dem Loreen-Virus infiziert!

Hiermit verabschiedet sich der Melodifestivalen-Live-Blog und schickt Grüße an alle ESC-Fans nach München zur OGAE-Party!