Live-Blog Melodifestivalen, 2. Runde – Milchbubi und Bankbeamter weiter, Jesus ausgeschieden

Das zweite Semi-Finale der schwedischen Vorentscheidung fand heute in Göteborg statt. Göteburg ist nach Stockholm die zweitgrößte Stadt Schwedens. 8 Kandidaten kämpften um 2 begehrte Tickets für das große Finale, welches am 10. März statt finden wird. Bekannte Gesichter waren wieder mit von der Partie – unter anderem Andreas Lundstedt und Shampoo-Girls „Timoteij“. Hier unser Live-Blog vom Samstag Abend zum Nachlesen.

Hah – es geht los…mit kurzen Ausschnitten aus dem ersten Semi-Finale. Wer die Moderatorinnen mal ungeschminkt sehen wollte – hat heute die Chance dazu. Die Zuschauer waren wohl der Meinung, es seien zu viele Frauen im Fernsehen. Das sagen zumindest die schwedischen Zeitungen. Das ändert sich ja heute…

In diesem Sinne eröffnet eine „Boy-Group“ die Show. Die beiden Moderatorinnen und zwei „echte“ Jungs singen ein Medley von Boy-Group-Songs. Sind das Backstreet Boys, Take That…oder was – ach wer weiss das schon!!?? Klingen doch alle gleich.

Aber Sarah Dawn Finer ist völlig fertig und möchte das nächste Mal wieder eine Ballade singen. Das viele Tanzen geht eben doch aufs Herz.

Ups – jetzt weiss ich auch, wieso es heute nur 2 Moderatorinnen sind – die dritte spielt in Stockholm im Theater. Und wird sich wohl erst später dazu gesellen.

 Lied 1: Ulrik Munther „Soldiers“

Ulrik ist ein Kinderstar in Schweden und hat auch schon einen Kinder-Sanges-Wettbewerb gewonnen. Mister Baby-Face darf dieses Jahr zum ersten teilnehmen, weil er das Mindestalter erreicht hat.

Eine Mid-Tempo-Soft-Rock-Country-Ballade, für die sicher viele Girlies anrufen werden. Er bläst schon ganz ordentlich für seine 16 Jahre. Allerdings kann ich mit dem Lied nicht allzu viel anfangen. Schon während der zweiten Strophe fühle ich mich gelangweilt. Er versucht aber, Stimmung zu erzeugen…hmm….Wir (Jan und ich) vergeben 11 von insgesamt 24 Punkten.

2. Lied: Top Cats „Baby Doll“

Auch ein Baby-Face…aber irgendwie süßer. Es handelt sich dabei um 5 Junge Männer, die schon seit 10 Jahren eine Band sind und seit 2010 in Schweden sehr bekannt sind. Sie sind damals im schwedischen Super-Talent-Finale gewesen. Ob es auch für das Mello-Finale reicht, werden wir sehen.

Die Schweden wählen ja gerne mal Rockabillie (schreibt man das so??) weiter. Das Lied lässt meinen Fuß schwingen und ich geh mit…allerdings sind die Meinungen hier vor Ort geteilt. Jan meint, die Jungs sähen besser aus, als ihr Lied klingt.

Lyrisch ist das Lied kaum zu toppen, hier reimt sich Rock’n’Roll auf „Baby Doll“… Daher nur 14 Punkte (von 24). Davon ist einer ein Eye-Candy-Punkt.

3. Lied: Sonja Alden „I din himmel“

Jetzt kommt die Balladen-Queen des Mello-Festivals. Es wird sicher DIE Ballade werden 2012. „I din himmel“ ist eine traurige und zugleich hoffnungsvolle Ballade, die von Tod und Wiedersehen handelt.

Mit diesen Worten wurde ich von Jan in das Lied eingeführt. Umso größer ist meine Enttäuschung. Vielleicht liegt es daran, dass ich kein Schwedisch verstehe. Aber es geht komplett an mir vorbei.

Daher nur 3 Punkte von mir – insgesamt also: 15 Punkte. Jan vergab 12 – er sitzt schluchzend neben mir. Das Lied hat ihn total dahingerafft.

Lied 4: Die Tunte –  sorry, Andreas Lundstedt „Aldrig Aldrig“

Die besten Jahre hat der Gute auch hinter sich. Er präsentiert sich mit ein paar feminin-männlichen Tänzern, allesamt in goldenen Sakkos.

Dummerweise ist seine Stimme auch nicht mehr das. was sie mal war. Aber bewegen kann er sich noch.

Jan findet den Refrain recht eingängig. Aber das Getanze (so gut es auch ist) lenkt davon zu sehr ab. Absicht??

Von uns lediglich 8 Punkte.

Lied 5: Timoteij „Stormande Hav“

Übersetzt: Stürmische See. Ja, mal schauen, ob sie denn so stürmisch sind wie 2010, als sie mit „Kom“ die Herzen aller Fans eroberten.

Ihrem Stil sind sich zumindest treu geblieben. Ein bißchen Saarek-Reloaded. Aber stimmlich einwandfrei und hübsch wie immer. Ist die eine da Kate Ryan???

Irgendwie wissen wir beide grad nicht, was wir dazu sagen sollen. „Stormande Hav“ ist ein toller Song, reisst mich aber jetzt nicht mit. Wir diskutieren grad, ob es besser ist als „Kom“ oder nicht.  Aber es ist ein Ohrwurm und man kann sofort mitsummen.

Daher 16 Punkte.

Lied 6: David Lindgren „Shout it out“

Übrigens ist das der Ur-Großneffe von Astrid. Dem ist in der Probe die Unterhose davon geflogen. Wollen wir hoffen, dass das heute auch passiert – hübsch ist er jedenfalls.

Ach ja: bewegen kann er sich auch. Kein Wunder, er kommt aus dem Musical-Gewerbe.

Überraschend chic gekleidet für einen Pop-Song, fordert er sein Publikum auf, die Hände in den Himmel zu strecken und Party zu machen.

Erinnert uns an „In the Club“ von Danny. Aber er macht seine Sache echt gut und ich frage mich, wie er in diesem Anzug sich so tanzen kann. Oh – da zieht er sich doch tatsächlich aus. Wollen wir mehr sehen?

Wir sind uns einig: das beste Lied des Abends. Wir vergeben 18 Punkte.

Lied 7: Mimi Oh „Det gaar för langsamt“

Manchmal sehen die Komponisten ja besser aus als die Sänger. Der Titel wird mit „Es geht zu langsam“ übersetzt. Jan kennt sich ja beim MF bestens aus und erzählt mir, dass Startnummer 7 gern mal ein Füllsel ist. Irgendwie musste man wohl die Startreihenfolge auffüllen. Das bestätigt sich gerade.

Ich krieg Augenkrebs. Mimi ist zwar ganz hübsch, aber wer hat ihr bloß den Fummel aufgeschwatzt? Wer immer das warm hätte ihr besser den Tip gegeben, ein paar Gesangsstunden zu nehmen.

Völlig belanglos: 4 Punkte.

Lied 8: Thomas di Leva „Ge aldrig upp“

„Gib niemals auf“… Das Leben ist schön, wir haben nur ein Leben…deswegen genieße es. Ganz in seinem Stile wird auch dieser Song daher kommen. Uhhhh…endlich, das gabs beim ESC ja noch nie.

Aber es passt ganz gut. Sein ganzer Auftritt ist Jesus-like und wird begleitet von hymnischen Gesängen, während er das Publikum segnet. Totaaaal abgedreht.

Oh mann…nicht nur dass der Kerl nun wirklich keine Augenweide ist – aber das Friedenslied geht mir auf den Sack. Bin ich heute kritischer als letzte Woche oder sind die Lieder im Durchschnitt schlechter??

Wo ist der Alkohol?? – Thomas di Leva glaubt an die Blumen und an die Sterne und an die Freundschaft der Völker.

Aber der Typ ist wohl so bekannt in Schweden, dass ein Finaleinzug wohl nicht zu vermeiden ist – zumal er dem Publikum „Licht und Liebe“ wünscht.

Von uns 6 Punkte.

Resumee:

Jan und Armen würden Timoteij und David Lindgren ins Finale schicken. In Andra Chansen sehen wir Sonja Alden und Top Cats.

Aber was wissen wir schon – und es kommt eh immer anders als man sich wünscht.

Armen braucht eine Pause und Jan übernimmt.

Folgende 5 Acts kommen erst einmal in die zweite Abstimmungsrunde: Thomas di Leva, Top Cats, Timoteij, Ulrik Munther und David Lindgren.

Platz 6 für Sonja Alden, Platz 7 für Andreas Lundstedt und Platz 8 für Mimi Oh. Armen findet´s O.K. – Jan ist entsetzt angesichts der Klatsche für Sonja Alden. Das war doch pure Poesie!

Nun werden die acht Titel kurz vorgespielt, die in der „Tredje Chansen“ gegeneinander antreten. SVT will bis zum Finale am 10. März den besten Nicht-Final-Song finden. Schließlich feiert das Melodifestivalen in der jetzigen Form in diesem Jahr seinen 10. Geburtstag! Grattis!

Uns nervt ein bisschen das Pausenprogramm. Armen schreibt SMS über tschechischen Zupfkuchen – ich schicke ihn jetzt in die Küche zum Eis holen….

So, wer geht als Erster direkt ins Globen-Finale? Es ist ULRIK MUNTHER!!!! Wir finden das gar nicht gut – hoffentlich macht der uns nicht die diesjährige Anna Bergendahl! Wir ertränken unseren Kummer derweil in Prosecco….

Weiter geht´s. In die Andra Chansen gehen die TOPCATS! Außerdem geht in die Andra Chansen TIMOTEIJ!

Und als zweiter Finalist wird DAVID LINDGREN ausgerufen – Jesus ist leider ausgeschieden….Bis auf den Milchbubi (und natürlich dem Sonja-Skandal…) sind Armen und ich weitestgehend einverstanden mit dem Resultat. Allerdings kommt auch der Song von David Lindgren nicht an „Euphoria“ von Loreen, die in der vergangenen Woche ins Finale einzog, heran. Das Kind schon überhaupt gar nicht…..

Das war´s also für heute. In Hamburg sagt man „Tschüß“, was wir hiermit tun!

Zum Abschluss ein Tribut an Christer Björkman, den „Godfather“ des Melodifestivalen. Aufgezeichnet am vergangenen Montag anlässlich der Stockholmer Gay-Gala 2012. Schweden und wir sagen: TACK CHRISTER!!!