Live-Blog Norwegen: DJ-Song „Grab the moment“ von Jowst gewinnt

Jowst

In Norwegen kämpften 10 Acts im Melodi Grand Prix um das ESC-Ticket. Nach einem Superfinale gewann überraschend der DJ Jowst mit Gastsänger Aleksander Walmann. Hier unser Liveblog zum Nachlesen.

NRK hat einen Livestream hier. Alternativ bei escplus hier. Die Sendung soll bis 23 Uhr dauern. Die norwegischen Songs haben wir hier bereits vorgestellt.

Es moderieren Line Elvåshagen und Kåre Magnus Bergh. Der Modus: In der ersten Runde werten internationale Jurys aus Armenien, Deutschland, Finnland, Großbritannien, Irland, Israel, Malta, Österreich, Schweden und Ungarn. Ihr Votum zählt 50 Prozent, genau wie das Televoting, das (wie in Schweden) nach tatsächlichen Stimmanteilen und nicht (wie in Slowenien) nach einem festen Punktabstand konzipiert ist. Die vier besten Songs aus diesem kombinierten Voting erreichen das Superfinale. Dann zählt nur noch das Televoting.

 

Guten Abend aus Hamburg,

hier bloggt OLiver den letzten ESC-Vorentscheid der Saison. Die Hälfte der Blogger (und vermutlich 90 Prozent unserer Leser) sind heute in Schweden, der Rest schmeißt hier den Laden und bloggt noch drei weitere Entscheidungen, darunter heute Norwegen.

Ich bin wegen einer heftigen Erkältung heute vollgestopft mit Grippemitteln und werde womöglich die MGP-Songs wie durch einen Nebel wahrnehmen und kommentieren, aber das ist vielleicht auch ganz angebracht. Ein Tipp für Leidensgenossen: Die stündliche Beschallung mit dem aktuellen estnischen ESC-Beitrag führt tatsächlich dazu, dass die Nebenhöhlen langsam wieder frei werden, ich kann „Verona“ daher abführende Wirkung bescheinigen.

In Norwegen erhalten wir heute einen bunten Geschenkkorb von NRK, irgendwie soll für alle etwas dabei sein, man hat eigentlich nur einen jungen smarten Castinghasen für die Teeniegirls vergessen. Die Leserinnen und Leser werden später beurteilen, ob der Präsentkorb aus dem Nobelkaufhaus Alsterhaus (analog für Berliner: KaDeWe) oder doch eher vom rumpeligen Discounter um die Ecke geliefert wurde. Der ein oder andere Artikel könnte auch bereits nahe am Ablaufdatum liegen…

Der Livestream von NRK sollte eigentlich schon laufen, tut es aber noch nicht. In zehn Minuten soll es losgehen. Der Stream war offiziell bei eurovision.tv aufgeführt, wollen wir hoffen, dass das nicht nur für Norweger gilt… tja, sieht nicht so aus, der Bildschirm bleibt schwarz und nur ein „LiveU“ schwebt darin herum.

Endlich geht es los, hat wohl gerade jemand auf einen Knopf gedrückt. Die beiden Moderatoren schweben von der Decke ein und singen ein eher krachledernes Duett auf Norwegisch. „Sing for Norge, sing for Europe“.  Line sieht ein wenig aus wie Enie van de Meikklokjes meets Tine Wittler und auch Kare erinnert mich an irgendwen… sie tragen Alufolien-Glanzanzüge und werden umtanzt. Ein sehr flotte, aber auch recht langatmige Eröffnungsnummer.

Jetzt werden die Interpreten begrüßt. Und die Nummer geht noch weiter… Line hat eine ziemliche Röhre. Die Klamotten sind wohl vom letztjährigen MGP-Beitrag „Laika“ inspiriert… da trugen die Damen auch reichlich Glanzfolie. Line trägt übrigens die gleiche Frisur wie eines dieser Ponys aus der Teeniefachpostille „Wendy“, und zwar einen altrosa Haarschopf.

Mit einem Flipchart erklärt Kare nun das heutige Votingprocedere, dazu gibt es auch einen lustigen Erklärfilm mit den beiden Moderatoren. Humor spielt heute ähnlich wie beim Eesti Laul wohl eine große Rolle. Wir hören zunächst die 10 Songs, dann gibt es später noch ein Superfinale der besten Vier. Zuerst hat eine Jury 50 Prozent Einfluss, am Ende zählt nur das Televoting.

Und jetzt geht es los, die Telefonnummern werden eingeblendet. Es gibt übrigens keinen ausgemachten Favoriten, schrieb heute die Tageszeitung Aftenposten.

 

1. Ulrikke – Places
(Ulrikke Brandstorp, Tony Alexander Skjevik)

Ulrikke, ein erfahrenes Castingshow-Schlachtross macht den Anfang mit einer flotten, zeitgemäßen Popnummer. Sie tragt ein kleines Schwarzes mit reichlich Strassbesatz und macht ein wenig auf Rihanna. Die Choreo ist allerdings typischer Castingtanzpop mit sechs blonden Tanzmäusen. Der Song kommt cool und nicht sonderlich eingängig herüber und ihre Bühnenpräsenz halte ich für ausbaufähig. Oh, NRK hat Hologramme – das war eben die Iveta-Projektion. Noch ein paar Stöhntöne am Ende. Mit ist das zu generisch und viel zu wenig originell.

Ich verstehe, warum man damit eine Show eröffnet, aber wenn „Icebreaker“ schon im Semi hängengeblieben ist, ist das hier auch nicht besser.

5.5/10 Punkten.

Wir werden versuchen, die Videoclips nach zuliefern, NRK ist aber bekanntlich sehr eigen mit den Rechten, womöglich bleiben sie auch nach der Show überall noch gesperrt. Wir werden sehen.

 

2. Jenny Augusta – I Go Where You Go
(Jenny Augusta Enge, Inga Þyri Þórðardóttir)

Jenny Augusta mit einem Stalker-Titel (wenn man es wörtlich nimmt). Ihre Stimme ist sehr eigenwillig, etwas quäkig-quirky, wie eine 12-Jährige. Ansonsten wird es nun cozy, die Atmosphäre von Mittelaltermärkten durchdringt die Halle. Ein Song mit Banjo und gemütlicher Anmutung. Dazu passt das hochgeschlossene rote Kleid (an ihre Haarfarbe angepasst) und der Schleiertanz der beiden Damen im Hintergrund. Das alles ist auffällig und „edgy“, aber auch irgendwie sehr schnell nervig. Man wartet auf den Pferdewagen, der die holde Maid zur Feldarbeit abtransportiert.

4,0/10 Punkte.

Und jetzt habe ich noch einen Vergleich für Moderatorin Line, nicht Enie, nicht Tine, sondern Ruth. Line trägt ausgestellte Kleider wie einst Ruth Moschner. Und wir machen jetzt in Country. Und ja, wenn ich krank bin, vergebe ich auch mal Kommastellenpunkte…

 

3. Rune Rudberg Band – Run Run Away
(Peter Danielson, Åsa Larsson, Mats Larsson)

Ja, das ist was für die Älteren unter uns. Schöner satter Country zum Schunkeln a la Truck Stop. Tut nicht weh, ist aber natürlich auch nichts Neues und eher weniger für den ESC geeignet. Rune ist ein altes Showschlachtross und hat auf den ersten Blick nicht das Charisma der Olsen Brothers. Ob Letztere heute sich überhaupt noch für ein Finale qualifizieren würden, bleibt dahingestellt. Rune hat seinen Song aber voll im Griff und dem Saalpublikum gefällt es sichtlich. Wer weiß, vielleicht gibt es eine Überraschung und er zieht in das Superfinale der besten 4 ein.

5.0/10 Punkten. Und ich brauche jetzt neue Taschentücher, der Countryschlager hat einen Niesanfall ausgelöst…

Kare nun wieder am Flipchart und nun kommt der DJ/Produzent mit Gastsänger.

 

4. JOWST feat. Aleksander Walmann – Grab the Moment
(Joakim With Steens, Jonas McDonnell)

Der Sänger mit Hut und kräftig tätowierten Armen rudert am Mikro, er wirkt ein wenig wie ein alternativer Priester (Amish?). Im Hintergrund malträtieren vermummte Darth-Vader-artige Gestalten irgendwelche Instrumente. Jetzt setzen einige stimmverfremdete Samples ein und es wird spacig. Lichteffekte, ein Leuchtmikroständer á la Kate Ryan und Glitter fällt von der Decke, aber eigentlich plätschert das alles ziemlich geradlinig durch die Halle. Ein Produkt mit wenig Eigengeschmack aus dem NRK-MGP-Präsentkorb.

4.5/10 Punkte. Und ich fürchte, ich bin nun in der schlimmen Mittlere-Punkte-Falle gefangen.

 

5. Kristian Valen – You & I
(Kristian Valen)

Kristian hat auch schon so einiges mitgemacht im Leben, zahlreiche TV-Shows moderiert, er wirkt wie eine glattere Version von Matthias Reim. Optisch und vokal, denn die Stimme ist nicht rau, sondern clean. Es handelt sich um eine textlastige Ballade mit Klavier und einem engumschlungenen Tanzpaar im Hintergrund. Jetzt regnet es auch noch in der Halle. Der Song hat Qualität, ein bißchen disney-esk. Aber leider wird Kristian dem stimmlich nicht gerecht. Er wirkt auch ziemlich fertig, ehrlich gesagt, womöglich braucht er auch ein paar Grippemittel.

Mit Mühe 6,0/10 Punkten. Aber das wird nicht reichen. Nicht für den ESC und auch nicht für den MGP. Oder?

Wir haben ja eine Handvoll Leser sehe ich gerade. Hallo an JDL, Cursha, Cali, Mariposa und patsch. Freut mich, dass nicht alle in Schweden sind…

Es gibt eine Schalte in den Greenroom. Moment, das ist eher eine private MGP-Party in einem Wohnzimmer irgendwo in Oslos Vorstadt, oder? Warum trägt die Frau ein Diadem? Sie sprechen über ihre Favoriten.

Ein Diadem würde Line auch gut stehen, vor allem in diesem Outfit, das an eine explodierte Bonboniere erinnert. Und jetzt eine Girlsgroup.

 

6. In Fusion  – Nothing Ever Knocked Us Over
(Gustav Eurén, Danne Attlerud, Niklas Arn, Ulrik Eurén, Cissi Kallin)

Nun ja, die Girls fahren schon eine Weile um den Block und gehen auf die 30 zu. Daran ändern auch die schwarzen Klamotten nichts. Ihr flotter Popsong ist übrigens der Favorit der Kollegen von wiwibloggs, was ich nicht nachvollziehen kann. Es gibt zwar schönen Harmoniegesang in den Strophen, aber der Refrain ist eine plumpe, oberflächliche Bierzelt-Stampf-Hymne ohne Tiefgang. Zum Mitgrölen. Das ist ein Topf Einfacheiskrem aus dem NRK-Korb (nicht mit echter Vanille aus Madagaskar). Reicht für Eiskaffee, aber nichts für einen erlesenen Nachtisch.

3.0/10 Punkte. Eher mäßig bisher die Ausbeute. Der MGP-Lieder-Korb kommt offensichtlich nicht vom Feinkostladen… und nun endlich ein heimisches Produkt. Da fällt mir ein, ich sollte mal wieder Lachs kaufen…

 

7. Amina Sewali – Mesterverk
(Amina Sewali)

Amina ist nicht nur Sängerin, sondern auch Schauspielerin, entsprechend ist ihre Nummer sehr ausdrucksstark gestaltet, ist das Bodenturnen? Sie singt ein minimalistisches Popstück auf Norwegisch. Leider verspricht es mehr als das es hält. Es plätschert und es ist zwar ein Beat, aber kein Refrain erkennbar. Sie hat eine junge Tänzerin auf der Bühne und nun wird mit farbigem Sand gespielt. Das wollte ich auch schon immer mal. Wirkt süß. Der Song gefällt mir, aber er führt einfach nirgendwo hin, das ist ein freundlicher eigenwilliger Radiotitel, aber nichts für den ESC. Wo ist eine Hookline? Wo ist der Refrain?

Ich mags trotzdem, daher 7.0/10 Punkten.

Als nächstes ein ESC-Rückkehrer…

 

8. Ammunition – Wrecking Crew
(Åge Sten Nilsen, Erik Mårtensson)

Åge Sten Nilsen war nämlich Leadsänger von WigWam und daher schon mal beim ESC in den TopTen gewesen. Seine neue Gruppe nennt sich die Abwrackcrew und das ist äußert passend. Sie machen Hackfleisch aus dem halbgaren gemischten Potpourri, das wir bislang gehört haben und knallen ehrlichen, dreckigen melodischen Rock auf die Bühne. Die Herren dürften in ihren Spätvierzigern sein und der Sound ist dazu durchaus altersgerecht. Dazu gibt es Feuerwerk und reichlich Damen in Overalls mit großen Abwrack-Tools in der Hand. Das macht Spaß und pustet meine Nebenhöhlen ordentlich durch. Das ist gewissermaßen der gepökelte Schinken aus dem Geschenkkorb, den man schon seit 15 Jahren regelmäßig mit Genuss verspeist und erst damit aufhört, wenn die Firma das Produkt vom Markt nimmt…

7.5/10 Punkten. Unglaublich, mein erster Platz. Und nun das Angebot aus der Öko-Mystik-Ecke des Supermarkts.

 

9. Elin & The Woods – First Step in Faith (Oadjebasvuhtii)
(Robin Lynch, Elin Kåven)

Elektro-Yoik heißt der von Elin & The Woods erfundene Stil, in dem die samische Art zu singen (kann man durchaus Jodeln nennen) mit modernen Elektro-Vibes gekoppelt wird. Elin trägt feuerrote Haare und Geweihknochen auf dem Haupt. Das Setting soll magisch wirken, ich muss an Wahnvorstellungen auf dem Waldspaziergang denken. Es ist auf jeden Fall unverwechselbar. Sie wirkt wie eine Hohepriesterin/Kräuterhexe/ Heilerin… und das samische Gejodel ist organisch und passt sich gut in das Arrangement ein. Hier hätte Norwegen einen aufsehenerregenden Beitrag. Schöne Steigerung mit Chor am Ende. Überzeugt mich wie guter Kräuterlikör. Genau, das hier ist der edle Kräuterlikör aus dem Korb.

9.5/10 Punkte. Und nun noch was Flottes zum Schluss.

 

10. Ella – Mamas Boy
(Per Kristian Ottestad, Ida Maria)

Ella hat schon oft die Gäste als Teil der Band Voi Voi als Anheizer auf den MGP eingestimmt, nun steht sie selbst im Aufgebot des Senders. Ihr Song ist gut präsentierter Pop, allerdings mehrere Stufen unter Lady-Gaga-Niveau. Sie hat barbrüstige Tänzer, einen James-Bond-Spot und eine gute Lichtregie. Satte Optik. Kein schlecht choreographierter Auftritt. Sie wirkt allerdings reifer als es der provokativ gemeinten Nummer gut tun dürfte. Egal. Das hat trotz vieler Wiederholungen Schmackes und wird sicher ins Superfinale einziehen.

7.5/10 Punkte.

Leser Matty meinte gerade, Ella hat was von Meryl Streep, ich dachte eher an Faye Dunaway… aus den 70ern. Nun der Schnelldurchlauf. Es schüttelt mich etwas bei Jenny Augusta.

Wer soll ins Superfinale? Nach meinem Voting wären es Amina, Ammunition, der Elektro-Yoik mit dem Geweih und Faye Dunaway. Eigentlich kann die Siegerin aber nur Elin oder Ella heißen. Aber was weiß ich… eine Semifinalqualifkation ist alles andere als ein Selbstläufer. Da hat NRK in jedem Fall noch einiges an Arbeit.

Die Jury gibt Punkte. Und zwar werden nur die Top-Noten genannt.

Johnny Logan für Irland: Top an Ulrikke
Armenien: Top an Ulrikke.
Finnland: Top an Ammunition. Klar das Lordi-Land.
Schweden: Top an Jowst. Grab the moment.

Bunt gemischt also doch…

Israel: Das ist doch der HoD? Top an Jowst.
Deutschland mit Carola Conze, ebenfalls Delegationschefin, findet die Wahl „challenging“, Top geht an Ulrikke.
Österreich: Top an Ammunition.

Kein klares Bild bei der Jury.

Ungarn, das ist doch Freddie. Top an Jowst.
Malta: Top auch an Jowst. das sieht nach einem Sieg bei der Jury aus. Die vierte Top-Wertung… haha…
William von wiwibloggs für Großbritannien: Top an Ella. Mammas Boy.

Wie wird das jetzt gerechnet? Womöglich gibt es 12-10-8 aus jedem Land und danach eine konsolidierte Jurywertung? Dann kommt das Televoting gleichwertig hinzu und die besten 4 ziehen ins Superfinale ein. Um die Spannung zu erhalten, werden garantiert nur die 4 Namen genannt, sonst weiß man ja eigentlich schon, wer bei reinem Televoting gewinnt…

Interviews nun im in der Halle liegenden Greenroom mit den Interpreten. Und ich stelle fest, weder Faye Dunaway noch die Geweihelfe im Wald sind von einer der 10 Jurys benannt worden.

Ein graumelierter Johnny Logan singt nun mal eben „Hold me now“. Oh, natürlich ist er in der Halle. Er wirkt optisch auf dem Wege zu Kenny Rogers. Aber die Stimme – ist das Playback? – ist noch da. Das waren noch Zeiten… 1987… es ist tatsächlich 30 Jahre her, dass Johnny in Brüssel den ESC zum zweiten Mal gewann.

Tja, der Song ist immer noch gut… und berührend. Und er singt tatsächlich live. Respekt!

Line muss durchpusten, kein Wunder, in dem Glitzerpanzer würde mir auch heiß… weiter gehts mit zwanglosem Schnack, jetzt mit Countrymann Rune.

Und nun werden die Superfinalisten angekündigt – und zwar aus dem Wohnzimmer der MGP-Party! Nein, die Herrschaften dürfen nur kurz ihre Meinung kundtun und nennen alle möglichen Acts.

Kare steht nun an einem Pult und wir schreiten zur Verkündung. Erst noch eine dramatische MAZ mit allen Interpreten…

Im Superfinale sind als erstes:

JOWST feat. Aleksander Walmann – Grab the Moment

Kare holt einen Fan von Jowst ans Pult und er darf nun was sagen. Vermutlich wirbt er um weitere Stimmen. Und nun hören wir den Song noch einmal!

Beim zweiten Mal fällt mir auf, dass Aleksander sehr viel mehr spricht als singt und dass „Grab the moment“ total statisch inszeniert ist. Das müsste doch viel mehr abgehen, die Kamera kann da nicht viel herausreißen. Und warum denke ich ständig, da will mich ein Amish bekehren? Muss am Hut und an dem weißen Kittel liegen.

Zweiter der vier Superfinalisten ist:

Ulrikke – Places

Keine Überraschung, vermutlich sind es genau die vier Songs geworden, die die Jury auch genannt hat. Dann hätten wir noch Ammunition und Ella. Nun darf sich aber erst ein Fan von Ulrikke enthusiastisch zeigen.

Im direkten Vergleich kommt sie natürlich frischer und peppiger als die DJ-Elektropo-Nummer rüber. Aber mir ist das auch beim zweiten Hören zu austauschbar, zu glatt und stimmlich auch nicht sonderlich herausragend. Gerade die hohen Töne sind flach und eindimensional – Tell me, what you looking for, singt sie. Ich würde sagen: nach einem anderen Song und mehr Ausstrahlung.

Gibt es eigentlich das Phänomen, dass Jurys absichtlich einem anderen Land die Auswahl versauen? Muss gerade an Ruslana denken, die den Belgiern mehr oder weniger mittelbar Axel Hirsoux eingebrockt hatte, wenn ich mich recht erinnere…

Dritter Superfinalist:

Elin & The Woods – First Step in Faith (Oadjebasvuhtii)

Das ist ein Indiz dafür, dass die Dame mit Geweih das Televoting gewonnen hat: keine Jury hat sie an erster Stelle genannt und dennoch ist Elin ins Superfinale eingezogen… das ist ein originärer Beitrag von der Art, die in Europa nicht ständig im Radio laufen. Ein Fan von Elin darf sich äußern und auch diesen Beitrag hören wir ein zweites Mal.

Es ist wirklich sehr eigenständig und Elin hat eine leicht verrückte Ausstrahlung, die dem Song nicht schadet. Man sieht sie förmlich vor sich, wie im Nebelwald Bäume umarmt und ihre Nase in Moose und Pilze steckt. Wie sagte Lena bei Unser Song: Für mich wars das. Der Song steigert sich insbesondere durch den Einsatz des Chores nochmals. Das lässt sich schön inszenieren und knüpft an die Tradition von Samii Aednan 1980 und ein klein wenig vielleicht auch an Alvedansen 2006 an. Sehr schön, Elin. Ich will auch so ein Geweih!

Und auch noch im Finale:

Ammunition – Wrecking Crew

Na klar, die herzhaften Glamrocker von der Abbruchcrew. Auch hier freuen sich ein paar Fans vor Kares Mikro über die Qualifikation. Wir gehen auf 23 Uhr zu und hören nun den letzten Superfinalisten.

Auch hier stimmt die Choreographie voll und ganz. Der Saal scheint auszurasten. Und ich frage mich, ob Avantasia hier auch so gut ankommen würden. Die Crew wäre Konkurrenz für O.Torvald aus der Ukraine, sie sind aber melodischer und „abgehangener“, was ja nicht schlecht sein muss. In diesem Genre kann man auch noch jenseits des Rentenalters auf der Bühne rocken, wenn man zu den ganz Großen gehört…

Leadsänger Åge Sten hat mächtig Spaß, die Herren würden den ESC aufmischen. Wollen wir das? Wir sind uns nicht sicher und neigen eher zu der Kräuternummer aus dem samischen Wald. Kurz gesagt: Lieber Bier oderWickVaporub? Heute entscheide ich mich für Letzteres. Die ersten beiden Superfinalisten kann ich mir nicht als Sieger vorstellen.

Tatsächlich bestitze ich ein Rentierkostüm, das könnte ich bei einem Sieg von Elin & The Woods sehr schön recyclen und mit nach Kiew nehmen für die Pressekonferenz. Allerdings ist mir das Geweih vor einiger Zeit beim Einsteigen in den Bus abgebrochen, aber da ist ja schnell ein Neues besorgt…

Nun der Intervallact. Agnete ist da und singt nicht Icebreaker.

Doch, es ist Icebreaker in einer neuen, wesentlich langsameren, sphärischen Version. Schön, dass NRK sich um seine ESC-Interpreten auch nach Misserfolgen kümmert und sie im darauffolgenden Jahr einlädt. Ein schöner Song, der meiner Absicht nach durch ein falsches Arrangement zerstört wurde. Wir nannten es den Schleppsong, da sich den schnellen Strophen ein schleppender langsamerer Refrain anschloss. Zu verstörend war das.

Agnete scheint es aber einigermaßen gut zu gehen, sie hatte bekanntlich gesundheitliche Probleme psychischer Natur und trat in Stockholm außerhalb der Proben kaum in Erscheinung. Schön, dass das norwegische Publikum sie nun feiert. Das hat Herz.

Nun werden Ausschnitte aus bereits feststehenden ESC-Songs dieses Jahres gezeigt, nämlich Moldawien, Yodelänien und Italien. Eine exklusive Auswahl.

Die Resultate aus dem Televoting des Superfinals sind da:

Rang 4 für Ulrikke.

Es gibt wohl kein Voting nach Regionen mehr. Es wird kurzer Prozess gemacht. Kurze Schalte ins Wohnzimmer.

Rang 3 für Elin & The Woods. Schade.

Rang 2 für Ammunition, gewonnen hat JOWST!

Das ist ziemlich sensationell. „Grab the moment“ wird Norwegen in Kiew vertreten. Ein DJ mit Sänger und eine statische Elekropopnummer. Nun ja, wenn mans mag. Für mich persönlich ist das eher weniger angenehm…

Jowst bzw. Aleksander Walmann werden sicher gleich nochmal singen, daher packen wir hier gleich mal die Umfrage in den Blog:

[poll id=“640″]

Line und Kane verabschieden sich bereits vom Publikum, auch auf Deutsch und ich sage ebenfalls Gute Nacht, vermutlich sind wir der letzte Liveblog und anderswo sind alle Entscheidungen längst gefallen. Nein, Island läuft noch. Grab the moment und stay tuned.

Norwegen: Jowst ft. Aleksander – Grab the moment (Winner Reprise Live MGP)

Norwegen: Jowst ft. Aleksander – Grab the moment (Studioversion)

Wir werden voraussichtlich Morgen ein neues ESC-Barometer haben, es hat sich ja einiges getan in der Letzten Woche. Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit und Gute Nacht aus Hamburg!