Live-Blog United Kingdom: Bubensieg in BBC-Schmalspurshow

Jack and Joe Liveauftritt

Jack & Joe, zwei „The Voice of UK“-Buddies haben sich in einer zackigen, aber ausstattungstechnisch und musikalisch sehr dürftigen Vorentscheidungsshow im Vereinigten Königreich durchgesetzt und dürfen ihr Liedchen „You’re not alone“ nun in Stockholm singen. Hier unser Live-Blog zum Nachlesen.

Liebe Freunde, a very warm welcome from Hamburg Altona, der britische Backofen ist angeheizt und in wenigen Minuten wird er eingeschaltet. Wird eines der kleinen Brötchen zu einem wunderbar saftigen drallen Rundstück aufgehen? In anderthalb Stunden wissen wir mehr.

Nach ein paar technischen Schwierigkeiten hoffen wir jetzt, dass wir gut durchkommen. Peter erklimmt gerade die Treppen und die britische Barbara SchönebergerMel Gledroyc hat bereits die Bühne geentert.

Die sechs Brötchen werden vorgestellt und kommen schon mal auf die Bühne, das ist doch schon mal ein hübscher Zug. Die übersichtliche aber optimal gefüllte Halle macht schon nett Stimmung.

Peter ist jetzt oben, übrigens heute erst aus Köln zurück gekehrt, und zeigt sich begeistert über das Fernsehbild. Gleichzeitig freut er sich über Katrina, die gerade von Mel als Jurypanelmitglied vorgestellt wird.

Peter kriegt gerade einen Pflaumensturz, weil Måns Zelmerlöw angekündigt und per Video vorgestellt wird. Da vergesst er (also Peter) glatt, seinen Chianti-Wein zu öffnen.  Anstatt den letztjährigen Sieger in den Pausenteil zu verbannen, darf er mit „Heroes“ gleich zu Beginn die Latte recht hoch legen. Um im Bild zu bleiben: das ist kein Brötchen, sondern definitiv mindestens ein exklusiv belegtes Baguette. Und wer es süß mag: eine Sahneschnitte.

Babs-Mel umarmt Måns und fordert die Lederhosen aus Wien. Und jetzt darf Måns Ratschläge geben: natürlich sollen alle Spaß haben, das Publikum soll darauf achten, den Song auszuwählen, der drei Minuten lang auf ganzer Linie überzeugt.

Mel hat übrigens im letzten Jahr aus Wien mitkommentiert und stellt jetzt die Jury vor. Neben Katrina sind das Carrie Grant, nicht der Filmpartner von Grace Kelly, sondern die Sängerin der Gruppe Sweet Dreams aus dem Jahre 1983, und Jay Revell, der sich mit Bühnenauftritten auskennt.

„Let’s get this party started“ ruft Mel aus und kündigt den ersten Act an:

Dulcima: „When You Go“
(Tomas Twyman)

Ein typischer Postkartenfilm, wieder mal ein bisschen zu lang, aber trotzdem wohl recht günstig produziert.. Das Mädel hat komische Zöpfe und Tomas einen Herrendutt. Dann der Song:

Der Dutt ist weg, das Staging sehr simpel. Ein ESC-Herz, in dem es brennt und die Band steht, in Reih und Glied aufgereiht, davor.

Dulcima singt, wie schon in er Studioaufnahme im leicht schrillen Sopran und so richtig gut klingt es für unsere Ohren nicht. Ein Hauch von Straßenmusikanten weht durch die Halle. Das Publikum, recht eindeutig der Ziegruppe zuzuordnen, ist euphorisch (und das wird sich wahrscheinlich bis zum Schluss der Show nicht ändern)

Wir geben insgesamt 12 Punkte. 20 wären möglich.

Carrie findet die Band sieht mehr nach Rock und Gothic aus (das Publikum buht), Jay mag die Energie und Katrina fand es einen „rousing start“.  Die Jurybewertung klappt für eine VE mit sechs Titeln erstaunlich schnell. Das kennen wir in letzter Zeit ganz anders.

Mel, die übrigens auch unter dem Künstlernamen Emily Forest aktiv ist (ehrlich wahr) kündigt Song Nr. 2 an.

Matthew James: „A Better Man“ 
(Helienne Lindvall, Andrew Fromm, Peter Kvint)

Im Postkartenfilm erinnert sich Matthew an seine Boybandtage, auch die Texterin darf sich äußern. Beim Auftritt selbst sehen wir den Sänger erstmals ohne Hut und Brille, was ihn wie ein Mitglied der Band Hurts aussehen lässt und ihm das letzte Stück Eigenständigkeit nimmt.

Gesanglich bewältigt er den etwas faden Song ordentlich, aber nicht spektakulär. Wir sind, ehrlich gesagt, nicht begeistert. Da geht so gar nichts auf im Ofen. Wir entscheiden uns für insgesamt 5 von 20 Punkten. Tja, da hat auch Peter Kvint als Schwede nix genützt.

Jay findet den Gesang gut, Carrie betont, dass man die Erfahrung merkt, sie mag den Song, aber weiß nicht, ob er beim Publikum ankommt (sie hat wohl die Rolle der  Juryhexe), aber Katrina war dann wieder freundlich nichtssagend.

30 Minuten rum und schon kommt der dritte Song. Sowas gibt es nur auf der Insel.

Darline: „Until Tomorrow“
(Roy Stride, Joshua Wilkinson, Duck Blackwell, Jack McManus)

Die Countrygirls liefern ein liebliches Video und betonen, dass sie fun haben wollen.

Opening mit Kamera auf den Gitarren, der Saal steigt sofort ein. Gesanglich sind die beiden in der Anfangsphase aber noch sehr flatterig. Etwas besser wird es beim ersten Refrain, aber so richtig souverän wird das nicht. Uns fehlt die Ruhe, die dieses Lied eigentlich braucht. Die beiden Darlines scheinen unter Prüfungsangst zu leiden, sie bewegen sich zu viel, sie können Töne schwer halten und sind für unsere Begriffe gerade dabei, ihren Auftritt dezent gegen die Wand zu fahren bzw. die Brötchen von unten anbrennen zu lassen.

Wir kommen auf 9 von 20 Punkten, obwohl WM zuvor recht große Hoffnungen in das Lied gesetzt hatte.

Carrie darf als erstes was sagen und sie möchte die beiden mehr als interagierendes Duo denn als Solokünstlerinnen sehen, Jay sieht es genau andersherum und Katrina glaubt, das dies der Typ Musik ist, für den andere Ländern werten würden. Aha.

Karl William Lund: „Miracle“
(Karl William Lund)

Auch wie ein Hurtsmitglied sieht der gute Karl-Willi aus. Nach drei Tönen rastet der Saal aus (Schwestern unter sich). Der Anzug gefällt Peter, der Song aber weniger. Und auch Karl-Willi wirkt nicht so, als wäre er schon seit Jahren auf den Bühnen der Welt zu Hause. Er ist aber eine sehr gepflegte Erscheinung, tadellose Zähne und ein 80-Pfund-Haarschnitt. Aber kann man deswegen über das Lied hinwegsehen? Dies ist auf jeden Fall ein Brötchen mit viel Glasur und Zuckerguß.

Wir kommen trotzdem auf 13 von 20 Punkten, aber nur weil Peter sich durch die Glasur blenden lässt.

Carrie ist erstmals begeistert, lobt die Stimme, Jay lobt die Ausstrahlung und Katrina lobt den Rest. Wir glauben das Karl gewinnen soll gewinnt.

Next one:

Bianca: „Shine a little light“ 
(Ash Howes, Leona Lewis, Cass Lowe, Richard Stannard)

Eloquent lässt sich Bianca im Vorfilm über den Song aus, ihr fallen dann aber keine Worte mehr dafür ein, wie es wäre, wenn sie tatsächlich nach Stockholm fahren würde.

„Es ist alles furchtbar“ tönt es vom Sofa. „Lauter Kaugummisongs“ meint Peter. Ich gehe mit, finde aber, dass Bianca den bisher professionellsten Auftritt hat und bei dieser ersten Livebetrachtung auch den interessantesten Song.

Jetzt legt sie sich richtig rein, ja, tatsächlich, Bianca lässt die anderen wie Casting-Aspiranten wirken, die es nicht mal in die allerersten Sendungen geschafft haben. Bianca erhält 14 von 20 Punkten. Erster Platz.

Mel macht einen Outfitscherz und Jay lobt berechtigterweise Biancas Stimme, Carrie dreht durch und sieht ESC-Siegerpotential in „Shine a little light“ und Katrina kreischt auch und lobt die Lyrics. Nein, nicht Karl soll wohl gewinnen gewinnt, sondern Bianca. Und womit? Mit Recht.

Und schon der final act („I can‘ believe it“)

Joe & Jake: „You’re Not Alone“
(Schwartz, Justin J. Benson, S. Kanes)

Peter ist schon wieder zufrieden ohne einen Ton gehört zu haben.

Die netten Jungs, casual auf der Bühne, einer mit Gitarre, beide recht locker, kommen zwar nicht an Biancas gesangliche Leistung heran, aber haben eine hübschen Beat und scheinen tatsächlich Spaß zu haben. Ein unverfänglicher Song mit recht wenig Melodie, das Gesamtpaket landet bei uns bei 9 von 20 Punkten.

Carrie glaubt, dass das den jüngeren Leuten wohl gefallen haben könnte, Jay findet’s auch gut und Katrina, die „high priestress of Eurovision“ betont das „Ho ha ho“, was den Song der cute guys zu einem Winner macht.

So, wir sind durch, unserer Top 3:

1 Bianca
2 Karl William Lund
3 Dulcima

Und so könnte auch das Endergebnis aussehen, vielleicht auch anders. So, jetzt 20 Minuten Telefonzeit. Schnelldurchlauf, wir kochen Tee.

Zur Überbrückung gibt es einen Einspieler mit den Siegern der letzten Jahren. Es wird erklärt, warum diese Lieder gewonnen haben. Mel ist wieder da und kündigt UKs bis heute letzten Siegertitel ein. „Shine a little light“ „Love shine a light“ von good old Katrina, ein Song wie ein Souflé, der ganze Saal geht an die Decke und auch Peter grölt mit.

Mel ist zärtlich berührt und (wie schon den ganzen Abend über) nett und witzig. A revelation for us.

Und jetzt noch ein weiterer Schnelldurchlauf, sechs Minuten Telefonzeit bleiben noch. Auch diesmal ist Bianca wieder die Beste, finden wir.

Ein netter Zusammenschnitt mit den besten Bon-mots des kürzlich verstorbenen Terry Wogan. Das hat er verdient!

„Now, back to business. The vote is now closed“ verkündet Super-Mel. Carrie darf etwas von 1983 und über Terry Wogan erzählen, natürlich nur Gutes! Auch Katrina findet nur freundliche Worte und gräbt tief im Anekdötchenkeller. Zur weiteren Überbrückung greift die BBC jetzt auf die Jubliäumsshow von 2015 zurück. Recht kleine Brötchen für einen Pausenact, aber so what.

Mel dankt den Teilnehmern, die in den meisten Fällen nach 22.00 heute Abend ihre Karriere schon wieder hinter sich haben, und verkündet den Sieger:

Joe und Jake.

Drei Sekunden lang sind wir sprachlos, dann können wir das Ganze schon analysieren. Hat „The Voice“ wieder zugeschlagen, vielleicht genauso wie gestern in Köln? Anscheinend reicht die Teilnahme an dieser Show aus, um auch über einen längeren Zeitraum genügend Teenies und andere Zuschauer an sich zu binden, um eine ESC-VE mit reinem Televoting für sich zu entschieden. Wir finden es etwas schade für Bianca, die sicherlich den professionellsten Auftritt lieferte.

Weitere Bloggerstimmen per WA:

„Epic Failure“ (Jan)
„Ganz schlimm“(Armen)
„Das wird der Junior-ESC in Stockholm,  Jamie-Lee, Jack and Joe, Zoe, Oscar Zia“ (DJ Ohrmeister).

Während wir den leicht schrägen Tönen der Da-Capo-Performance lauschen, schmeißen wir die schon vorproduzierte Bianca-Headline für diesen Artikel über den Haufen und stellen fest: Kleine Brötchen bleiben kleine Brötchen.

Aber vielleicht wird ja morgen bei einer der vielen Vorentscheidungen ein Song gefunden, der uns diesen Schülerbandsieg vergessen lässt.

Peter und WM wünschen ein fröhlichen Restabend, grüßen herzlich und rembember: „You’re not alone“.

 

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