Live-Blog Portugal: Mit Leonor Andrade gewinnt der modernste Beitrag

Leonor Andrade Portugal 2015

In Wien wird für Portugal eine 20-jährige Sängerin, die über „The Voice of Portugal“ bekannt wurde und in der zweiten Staffel der Telenovela „Água de Mar“ die Joana mimte, teilnehmen. Leonor Andrade singt „Há um mar que nos separa“. Damit gewann wohl das modernste Lied im Wettbewerb. Nachstehend der Liveblog zum 50. Festival RTP da Canção.

Über die beiden Semifinals haben wir hier und hier berichtet.

Ein schönes Boa Noite aus Hamburg zum 50. Festival RTP da Canção 2015. In wenigen Minuten werden wir die Entscheidung Portugals für Wien miterleben und erfahren, ob es einen weiteren Rückzug eines Siegers geben wird.

Präsentiert der heutige Abend durch Catarina Furtado und Júlio Ísidro. Júlio gehört zu den Urgesteinen des portugiesischen Rundfunks und Fernsehens. 1974, dem Jahr der Nelkenrevolution, war er beim Rádio Clube Português beschäftigt und konnte dort gegen das Regime wettern. Zweimal präsentierte er den nationalen Wettbewerb 1991 und 1992. Catarina Furtado ist wohl die Thomas Gottschalk des portugiesischen Fernsehens. Sie hat die wichtigen Sendungen des Landes präsentiert unter anderem Operação Triunfo, in denen die nationalen Vertreter 2003 und 2004 bekannt oder ermittelt wurden.

Es geht los mit der Anmoderation aus dem Jahr 1967 von Henrique Mendes. Nach ihm ist der Green Room benannt. Es stehen nun alle sechs Moderatoren des diesjährigen Festivals auf der Bühne und singen ein Lied des Komponisten von Lusitana Paixão 1991, Ze da Ponte. Es ist eine Hommage an RTP, dessen Geburtstag gefeiert wird. Jorge Gabriel, Joana Teles, José Carlos Malato, Sílvia Alberto, Catarina Furtado und Júlio Isidro begrüßen wieder ausschweifend das Publikum. Die Halbfinalmoderatoren werden weggeschickt und die beiden machen sich erst mal Komplimente und weisen auf die Bedeutung unter anderen von 1974 hin. Catarina gratuliert Júlio zu seiner Karriere, die nun schon 55 Jahre andauert.

Nun geht es aber um die heutigen Beiträge. Zwei Lieder werden durch das Publikum ins Superfinale geschickt und ein dritter durch die Komponisten der Beiträge. Im Superfinale entscheidet dann nur das Publikum. Die Beiträge werden live durch die Band begleitet, welche durch Fernando Martins und Ramon Galarza arrangiert wurde.

Nun geht es los mit Start-Nr. 1:

1. José Freitas – Mal Menor (Ninguém me guia à razão)
(Diogo Churky)

José Freitas ist eigentlich Radiomoderator und 46 Jahre alt. Armbänder stehen für seine drei Kinder. Sein Lied kam durch die Komponisten im 2. Halbfinale weiter. Unten ist der Song anzuhören, da YouTube die Halbfinalauftritte gelöscht hat. „Kleineres Übel“ ist der Titel des Liedes und ein größeres Übel wäre, es in Wien wiederzuhören. Dabei ist mit Churky ein 21 jähriger Jüngling der Komponist. 4 Punkte von 10.

José Freitas – Mal Menor (Ninguém me guia à razão)

 

2. Yola Dinis – Outra Vez Primavera
(Nuno Feist, Nuno Marques da Silva)

Yola ist 35 Jahre alt und singt im ältesten Fado-Restaurant Lissabons Café Luso. Bei Chuva das Estrelas, dem portugiesischen Equivalent zur Soundmixshow in Deutschland, begann 1995 ihre Karriere. Sie liebt ihr Handy. Nuno Feist hat übrigens schon viel national eingereicht. Das kann man in der Vorstellung der Lieder 2014 nachlesen. Ein toller Song und für mich die große Wahl für Wien. 9 von 10 Punkten.

Yola Dinis – Outra Vez Primavera

Nun geht es mal wieder zum Interview mit den Komponisten und Sängern. Nuno Feist hat seinen Bruder mitgebracht, der letztes Jahr alle bisherigen portugiesischen Beiträge in einem Medley darbot.

Henrique Feist – Medley aller 48 Beiträge

 

3. Leonor Andrade – Há um mar que nos separa
(Miguel Gameiro)

Leonor Andrade ist 20 Jahre alt. Ihr Lied „Es gibt ein Meer, das uns trennt“ ist ein sehr moderner Song. Sie ist ein The-Voice-Gewächs und ihre Stimme ist auch gut. Das Lied kann man sich auch in Wien vorstellen. 8/10 Punkten von mir.

Leonor Andrade – Há um mar que nos separa

 

4. Simone de Oliveira – À espera das canções
(Renato Júnior, Tiago Torres da Silva)

Mit Simone de Oliveira kommt eine Legende auf die Bühne. Vor 77 Jahren in Lissabon geboren war sie eines der Showgesichter der Sechziger und Siebziger Jahre. Im Internet kursieren Videos, die sagen, dass sie gar nicht nach Wien will, sondern im Falle des Liedes an den Zweitplatzierten abgeben möchte. Scheint eine neue Mode zu sein. Aber in den letzten Jahren dankten plötzlich auch Könige und sogar Päpste ab. Warum nicht auch ein Sieger eines nationalen Wettbewerbs. „In Erwartung der Lieder“ (vielleicht die von Wien?) ist ein guter Schlager und noch gut von Simone interpretiert. Aber für Wien fände ich es zu schwach. 6 Punkte von 10.

Simone de Oliveira – À espera das canções

Nun gibt es wieder Interviews. Miguel Gameiro ist eigentlich als Sänger der Gruppe Polo Norte bekannt. Was für eine Persönlichkeit Simone de Oliveira für die Portugiesen ist, merkt man an der Herzlichkeit aller Teilnehmer und der Moderatoren. Eine Beleidigung, wie sie Lys Assia in der Schweiz erleben musste, hätte es hier nie gegeben.

 

5. Teresa Radamanto – Um Fado em Viena
(Fernando Abrantes, Jorge Mangorrinha)

35 Jahre alt sang sich Teresa schon durch Operação Triunfo und Chuva das Estrelas. Zweimal trat sie national beim Festival an und wurde zweimal Zweite. „O vento mudou“ ist ein toller Beitrag, den man auch gern in Birmingham gesehen hätte. Der heutige Song ist eher ein Schlager im Gegensatz zu seinem Titel. Den eigentlichen Fado sang Yola Dinis. Ein schönes Reiselied, das gut in die letztjährige Sommerrubrik von Bloggerkollege WM gepasst hätte. 7 Punkte von 10.

Teresa Radamanto – Um Fado em Viena

 

6. Gonçalo Tavares – Tu tens uma mágica (Gonçalo Tavares e José Cid)

Nun der Neffe von José Cid, der in den Siebzigern und Achtzigern sehr häufig beim Festival antrat und 1980 den Sieg davontrug und Siebter in Den Haag wurde mit „Um grande grande amor“. Auch Gonçalo nahm schon Teil. Das ist im Halbfinale nachzulesen. „Du besitzt eine Magie“ heißt der Titel. 6 Punkte für den Song, der durch die Komponisten weitergelassen wurde.

Gonçalo Tavares – Tu tens uma mágica

 

Nun geht es wieder zum Interview. Teresa spricht über eine Mixtur von Walzer und Fado. Ob man das in Wien merken wird? Heute ist auch José Cid vor Ort und neben Gonçalo sitzen seine zwei Töchter, die Zwillinge sind.

In Portugal kommt nun auch das Internet zu Wort und das heißbegehrte Wort „hashtag“ fällt. Da denken wir doch gern an Kopenhagen zurück, wo uns die Moderatoren der Pressekonferenzen dieses Wort inflationär um die Ohren geschlagen haben.

Oh, ein Schnelldurchlauf.

Dabei schaue ich auch mal auf meine Liste und meine Reihung sieht folgendermaßen aus.

1. Yola Dinis
2. Leonor Andrade
3. Teresa Radamanto
4. Gonçalo Tavares
5. Simone de Oliveira
6. José Freitas.

Nun fangen plötzlich zwei aus dem Publikum an zu singen und alle stimmen mit ein. Ist das ein Flashmob? Nein, das leitet zur Werbung über. Und zum Glück kommt kein Biber vorbei wie in Lettland. Hier wäre es sicher ein Gockel.

Auch die Portugiesen kennen das Supertalent. Hier heißt es „Got Talent Portugal“. Und Lidl. Ich erinner mich noch gern daran zurück, wie ich in den Neunzigern längere Zeit in Portugal war und meine dortige Freundin mich damals fragte, ob ich nicht mal mit zu Lidl gehen könnte. Das wäre eine neue Kette in Portugal, wo sie die Produkte noch nicht kennen würde. Ist halt alles etwas zeitversetzt in Portugal, dem früheren Armenhaus Europas.

Zwischendurch mal ein Gruß an alle Blogleser, speziell an Kaspar, der tapfer Donnerstag mit mir das Halbfinale angeschaut hat, als in Hannover alle über die Absage von deutschen Sieger be-kümmert waren.

Zurück im Studio, wo Catarina Furtado und Júlio Isidro einen Walzer tanzen. Catarina hat auch schon Let’s dance moderiert, das hier „Dança comigo“ heißt und dass nicht wegen des portugiesischen Beitrags von 2007.

Abermals ein Schnelldurchlauf.

@BloggerKollege OLiver. Rui Andrade hatte am 5. März einen Auftritt in der Serie „Água de Mar“. Klingt nach Baywatch, ist aber eine Telenovela, die seit dem 17. Juli 2014 läuft.

So nun ist das Anrufen beendet. Yola Dinis und Simone de Oliveira stimmen „Lusitana paixão“ von Dulce Pontes (Eurovision 1991) an. Leonor Andrade und José Freitas singen „Não sejas mau p’ra mim“ von Dora Eurovision 1986. Nochmals Gruß an OLiver. Dora arbeitete letztes Jahr um diese Zeit bei McDonalds in der Avenida das Roma und ging dort, da das Arbeitsklima nicht stimmte. Und zum Schluss nun Teresa Radamanto und Goncalo Tavares mit „Amar“ aus dem Jahr 2005 von 2B (Luciana Abreu und Rui Drummond).

So nun kommen schon die ersten Ergebnisse. Leonor Andrade ist die erste fürs Superfinale. Das ist eine gute Wahl. „Há um mar que nos separa“ heißt der Song. Nun die zweite Publikumsentscheidung und es ist Teresa Radamanto mit „Um Fado em Viena“. Wird es wieder ein zweiter Platz?

In einem Umschlag steht nun der Name, den die Komponisten weiterschicken. Catarina macht es spannend. Yola wurde gewünscht, aber es wurde Gonçalo Tavares mit „Tu tens uma mágica“. Schade um Yola.

Nun darf wieder angerufen werden. Einzig das Publikum entscheidet über den Beitrag für Wien. Soweit ich weiß, werden die Provinzen nicht einzeln aufgerufen, das gab es schon 2014 nicht mehr. Sehr schade *smile*

Zur Wahl stehen nun:

1. Leonor Andrade – Há um mar que nos separa
2. Teresa Radamanto – Um fado em Viena
3. Gonçalo Tavares – Tu tens uma mágica

Man lässt die drei gescheiterten nochmals hochleben. Nun werden wieder Interviews geführt. Reden können sie ja, die Moderatoren. Wenn es Teresa Radamanto wird, dann können wir uns auf Auftritte freuen, die viele alte portugiesische Titel beinhalten. In „Festival RTP – A Melhor Canção de Sempre“ sang sie mit anderen in einem Wettbewerb alle portugiesischen Beiträge.

Nun kommt noch eine Legende auf die Bühne. Paulo de Carvalho interpretiert seinen Beitrag aus dem Jahr 1974. „E depois do adeus“ war am 24. April 1974 um 22.46 Uhr eines der Signale zur Nelkenrevolution. Nun kommt Agir mit auf die Bühne und Paulo und er singen „O mundo inteiro“. Mit Agir und anderen nahm Paulo 2008 einen Longplayer „O Amor“ auf. Nun darf Agir selbst ran mit „O tempo é dinheiro“ Die Zeit ist Geld. Agir wurde 1988 geboren als Bernardo Correia Ribeiro de Carvalho Costa und arbeitet als DJ in der Lissabonner Disco „Absolut“. Er hat in 10 Tagen Geburtstag.

Noch ein Schnelldurchlauf. Die Zuschauer werden nochmals ermutigt anzurufen. Die drei hoffnungsvollen Teilnehmer werden auf die Bühne geholt. Und wieder Interviews und die Interpreten werden nach ihrer Nervosität befragt. So zieht man Zeit.

Im zweiten Halbfinale in der ersten Hälfte tritt Portugal am 21.Mai an.

So nun ist es soweit. Der Countdown wurde eingeläutet und die Leitungen sind geschlossen. Die Komponisten warten im Greenroom in zwangvoller Eintracht. Und die einzige, die sich nicht umgedreht hat zum großen Schirm, gewinnt das Festival: Leonor Andrade mit „Há um mar que nos separa“ Sie freut sich mit Komponist und Autor Miguel Gameiro. Das heißt wohl, dass sie den Titel nicht ablehnt.

Somit schickt auch Portugal eine Sängerin von „The Voice“ zum Contest. Wurde Teresa wieder Zweite? Nun kommt auch noch Suzy auf die Bühne und überreicht den Preis. Eine Blumenvase, die dazu auch gleich genutzt wird.

Festival RTP de Cancao Leonor gewinnt

Es wird allen Interpreten und Komponisten gedankt, speziell wird Simone de Oliveira genannt. Und man bedankt sich unter den Moderatoren, dem Orchester, dem Chor, der Produktion. Bitte spielt endlich nochmals das Lied!!!

Das Siegerlied des 50. Festival RTP da Canção und der 48. Beitrag Portugals beim Eurovision Song Contest heisst „Há um mar que nos separa“ gesungen von Leonor Andrade. Eine gute Wahl. Darauf freu ich mich in Wien.

Portugal 2015: Leonor Andrade – Há um mar que nos separa

Vielen Dank an alle Leser. Morgen geht es nach Rumänien und Bloggerkollege Marc wird da berichten.

Obrigadinho an alle und uma boa noite aus Hamburg. Bons sonhos.

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