Live-Blog Festival di Sanremo 2012 – Der erste Abend mit allen Videos der Campioni

Italien startete mit einem 5-tägigen Liedermarathon zur besten Sendezeit in RAIUNO. Das traditionsreiche Festival di Sanremo versammelt nicht nur alljährlich die Crema der italienischen Popmusik (Im Bild: Loredana Berté und Gigi d’Alessio). Seit vergangenem Jahr, als dort Raphael Gualazzi entdeckt wurde, dient das Festival auch wieder als Auswahlbühne für den italienischen Beitrag zum Eurovision Song Contest. Hier der Live-Blog des ersten Abends mit allen Videoclips der etablierten Künstler zum Nachlesen und -hören.

Buena sera a tutti. Prinz Blogger OLiver begrüßt alle Freunde der italienischen Popmusik zu einem langen Abend. Die „Prima Serata“, der erste von fünf Abenden des Sanremo-Festivals, startet demnächst um 20.30 Uhr. Leider gibt es keinen Webstream, die Show können also nur Leser verfolgen, die RAIUNO oder RAI-INTERNATIONAL über Kabel respektive Satellit empfangen. Am Samstag zum Finale, wenn der italienische Beitrag für den Eurovision Song Contest in Baku verkündet wird, wird es dann erstmals einen Livestream über eurovision.tv geben. Das Finale bloggen wir ebenfalls LIVE hier auf dem Prinz-Blog.

Doch zunächst steht der erste Abend an, an dem traditionell neben viel Palaver auch alle Wettbewerbssongs erstmals präsentiert werden – 14 etablierte Interpreten (Campioni) werden wir heute hören. Unter Umständen auch die 8 Nachwuchsinterpreten (Giovani). Ein Televoting wird es heute nicht geben, es entscheidet eine demoskopische Jury, die im Saal des Teatro Ariston sitzt. Zwei der 14 Campioni werden heute – vorläufig – aussortiert. Das kann durchaus auch Top-Namen treffen: letztes Jahr fielen Anna Tatangelo und Anna Oxa am ersten Abend durch.

Die Videoclips zu den Auftritten werden sobald verfügbar nachgereicht. Um Baku wird es in den nächsten 5 Tagen nur ganz am Rande gehen – denn Sanremo ist keinesfalls irgendeine Vorentscheidung wie in den meisten anderen Mitgliedsländern der EBU. Das Festival richtet sich allein an den italienischsprachigen Musikmarkt und existiert bereits seit 1951, ist damit älter als der ESC selbst.

Im letzten Jahr musste der Autor dieses Blogbeitrags noch 20 Hamburger Hotels abtelefonieren, um eines zu finden, das sowohl WLAN als auch RAIUNO auf dem Zimmer hatte, um den Festivalauftakt verfolgen zu können und diesen Beitrag dazu verfassen zu können. Das war am Ende nur unwesentlich günstiger als selbst nach Italien zu fliegen… Heute sind die Bedingungen komfortabler: Ein guter Bekannter verfügt über RAIUNO – nachdem ich ihn charmant dazu genötigt hatte, für nur 2,96 Euro im Monat das fabelhafte italienische Fernsehpaket dazuzubuchen – und stellt einen dazu passenden Riesenbildschirm in seinem Wohnzimmer für den Prinz Blog zur Verfügung: Traumhaft, als säße man im Ariston…

Die Abendnachrichten von RAIUNO laufen mit empörten Abgeordneten aus dem Parlament. Dabei haben sie doch immer noch die höchsten Diäten in der EU… ts, ts… Jetzt ein kurzer Teaser zu Sanremo – mit Ausschnitten aus den letzten Jahren (hauptsächlich die Assistentinnen werden gezeigt). Während verschneite Winterlandschaften über den Schirm flimmern, nutze ich die Zeit, um kurz das frischgewählte weißrussische Lied für Baku anzuhören und bereue diese Idee umgehend zutiefst.

Zurück zu RAIUNO, wo wir nun den Tagesbericht vom Wrack der „Costa Concordia“ erhalten. Ich bin nicht ganz emotionslos bei diesen Bildern, war ich doch für Ende Januar mit Familienanhang für eine Woche auf genau dieses Schiff für eine „Schnäppchen-Kreuzfahrt“ gebucht. Nach den aktuellen Ereignissen sind nun Schnäppchen-Reisen auf alle Zeiten gestrichen…

GIANNI MORANDI jetzt in einem Kurzinterview. Der ehemalige Sanremo-Sieger und ehemalige ESC-Teilnehmer wird heute genau wie im Vorjahr durch das Festival führen. Und nun werden erstmals ein paar Interpreten eingespielt, ich erkenne Nina Zilli, Dolcenera und mit kupferroten Haar Noemi… auch ein grummeliger Adriano Celentano rennt durchs Bild – er ist lediglich ein Ospiti (Gaststar), kein Teilnehmer.

Pubblicita/Werbung, gleich gehts los….

Erste Bilder: Gianni badet in der Menge seiner Fans in der Fußgängerzone von Sanremo… jetzt sind wir in seiner Garderobe…nimmt er das Toupet gleich ab? Nein, er telefoniert… ein zäher Beginn… das lässt für den Ablauf nichts Gutes hoffen… es folgt Werbung für Instantnudeln… nun ja, für Sanremo LIVE braucht man GEDULD und gute Nerven.

Die Eurovisionshymne – endlich. Hübsches Bühnenbild, ovale Bühne mit umhergruppiertem Orchester – ja, hier wird noch LIVE begleitet. Gibts sonst meines Wissens nur noch beim Kenges-Festival in Albanien, das sich ja an Sanremo orientiert. Die beiden männlichen Assistenten/Komiker vom letzten Jahr begrüßen das Publikum mit ein paar Takten pathetischer Musik. Ich wage zu behaupten, der erste Wettbewerbsbeitrag wird nicht vor 21.15 Uhr erklingen…

BENVENUTI… wird gerufen und wir warten auf GIANNI nebst schmucken Assistentinnen. Im vergangenen Jahr waren die Quoten des Festivals unter seiner Leitung nicht schlecht, obwohl er für meinen Geschmack reichlich dröge moderiert hat – kein Vergleich zum Charisma einer Antonella Clerici (2010), einer Michelle Hunziker (die Altmeister Pippo Baudo zu letztmaligen Höchstleistungen anspornte) oder zu ESC-Fan Raffaella Carra, die 2001 moderierte und im letzten Jahr die italienischen Punkte für den ESC in Düsseldorf verlas.

Das Komiker-Duo redet weiter aufeinander ein und ich drehe erst mal den Ton ab und koche mir einen Tee. 20 Minuten nach Start der Sendung schreiben die Komiker eine Botschaft an Adriano (Celentano) an eine Tafel… und jetzt erst betritt GIANNI MORANDI das Ariston – eines der lahmsten Intros der letzten 15 Jahre! Gianni wirkt neben den beiden großgewachsenen Komikern wie ein kleiner Gnom (mit falschen Haaren).

Kunstnebel umwabert nun die Herren und lässt einen an „The Fog – Nebel des Grauens“ denken… ein paar untote Piraten, die den Herrschaften Beine machen könnten, wären durchaus angebracht. Luca und Paolo werden jetzt verabschiedet und nun begrüsst Gianni nocheinmal offiziell die Zuschauer. Jetzt erst laufen die Titeleinblendungen und die erste Shownummer – offenbar eine Art Astronautenballett setzt ein (wir denken an Shelly, die mit ihrem Astronautenlied am Donnerstag in USFB zu unrecht auf der Strecke geblieben ist).

Extraordinaria presentazione schwämt Gianni und überschüttet die Tänzer mit Complimenti. Kommen jetzt die Assistentinnen? Nein, Gianni erwähnt nun erstmals die QUATTORDICI CANZONI.  Nun wird der Orchesterleiter vorgestellt, eine Art rachitischer Struwwelpeter. Und jetzt erklärt GIANNI das heutige Votingsystem – ausschließlich die auf den oberen (billigeren) Rängen sitzende GIURIA DEMOSCOPICA wird werten und 12 der 14 Campioni in die nächste Runde voten.

Und schon wieder ein Werbeclip gefolgt von einer Programmvorschau auf Serien und Fernsehfilme. Wir bloggen seit einer Stunde und immer noch keine Assistentin, geschweige denn ein Künstler oder gar ein CANZONE in Sicht! Da muss ich doch gleich noch mehr von meinem Beruhigungstee hinunterkippen.

ECCO: Dolcenera betritt im Girlie-Look mit goldenem Pailettenrock die Bühne. Der Edellesben-Look ihrer ersten Bühnenjahre ist wohl out. Sie gewann das Nachwuchsfestival 2003 und singt eine Eigenkomposition.

1. Dolcenera – Ci vediamo a casa

Entspannt und kraftvoll – eine Midtempo-Popnummer mit softrockigen Anklängen und ihrer rauen nach Alkohol, Zigaretten und zügellosen Ausschweifungen klingenden Stimme. Ein guter Auftakt mit einigen Tempiwechseln.  Gefällig und authentisch. Bella Voce, bella canzone.

11/15 Punkte. Mittlere bis gute Baku-Tauglichkeit.

Sofort gehts weiter mit dem zweiten Lied, immerhin müssen noch 13 Canzone untergebracht werden.

2. Samuele Bersani – Un pallone 

Ebenfalls ein Cantautore (schreibt seine Songs selbst), der Look ist der eines vertrottelten Professors (aber sexy im Stil von Robert Downey jr.). Sprechgesang zu einem leierkastenartigen Rhythmus… ein typischer textlastiger Liedermachersong. Sowas wird gern vor dem Finale abgewählt. Zumal er kein Castingstar mit riesen Fanbase ist (die kommen noch). 4 Minuten 30 können lang sein.

4/15 Punkte. Geringe Baku-Tauglichkeit.

Und nun wird schon wieder unterbrochen, weil Gianni Rocco Papaleo auf die Bühne ruft, einen Schauspieler, Regisseur und Sänger, der etwas mit der aktuellen Produktion zu tun haben zu scheint. Und anstatt das nächste Lied zu hören, gibt es wieder eine Messagio Promozionale.

3. Noemi – Sono solo parole   

Castingshow-Celebrity, mit feuerrotem Haar und frisch erschlankt, singt ein Lied von Fabrizio Moro (ehemaliger Giovani-Sieger mit dem Antimafiasong „Pensa“). Es beginnt nur mit Klavierbegleitung balladesk. Die eigentlich im Blues beheimatete Noemi setzt nun nach unspektakulären Strophen zu einem Key Change an, aber das Lied hebt nicht wirklich ab und ist reichlich redundant. Zu getragen für ihre energiegeladene Stimme. Hätte wohl besser zu Patty Pravo gepasst.  Schade. Aufgrund ihrer Beliebtheit dürfte sie aber sicher das Finale erreichen…

7/15 Punkte. Geringe bis mittlere Bakutauglichkeit.

Nun wirft Rocco den Mantel ab und macht auf locker. Aber Gianni bleibt bei der Sache und leitet zum nächsten Song über (wo bleiben eigentlich die Assistentinnen? Hat man die etwa eingespart oder eingesperrt?)

4. Francesco Renga – La tua bellezza   

Der bärtige Gewinner von Sanremo 2005 („Angelo“) mit einem Titel aus eigener Feder. Sphärisch, blendend bei Stimme (was für ein Tremolo) – aber etwas zu sehr auf Effekt gepimpt… ein erster Anwärter auf den Sanremosieg? Die Kamera hat Mühe den herumzappelnden Francesco einzufangen, jetzt hüpft er auch noch. An dieser Stelle sei erwähnt, dass praktisch alle Sanremotitel null Choreographie aufweisen – es geht hier nur ums Livesingen am Mikro.

Viel Applaus. Wir geben 9/15 Punkten. Mittlere Bakutauglichkeit.

Und schon die nächste – jetzt ist Gianni in Fahrt.

5. Chiara Civello – Al posto del mondo 

Auch sie hat am Song mitgeschrieben. Schöne volle tiefe Stimme und ein Midtempo-Popsong nebst Marlene-Dietrich-Gedenkkleid. Stimmungsvolle Akkordeon-Untermalung, ein bißchen Hafenkneipe, ein bißchen Weltschmerz, aber dennoch sophisticated. Tut nicht weh, würde manch Bloggerkollege jetzt sagen, ich mag den Titel auf Anhieb. Kein Winner, aber sehr eigenständig. Und sympathisch!

12/15 Punkte. Geringe bis mittlere Bakutauglichkeit.

Und nun halten Gianni und Rocco wieder einen Plausch und ich frage mich, was eigentlich aus dem anderen wesentlich berühmteren berühmten Rocco (namens Sifredi) geworden ist? Ob er noch aktiv ist?

6. Irene Fornaciari – Il mio grande mistero  

Nun eine der Entdeckungen des vorletzten Festivals: Irene Fornaciari, die uns damals mit „Il mondo piange“, einem Umweltproblematik-Weltretter-Lied von Zucchero verzaubert hat. Sie wird als RnB-Sängerin vorgestellt. Sicher eine der besten Stimmen des Festivals. Ein flotter, fast wütender Beginn und ein leicht hexenhaftes Outfit (liegts am Mantel?). Der Refrain enttäuscht etwas, ist fast easy-listening-beliebig, aber Irene ist voll dabei und fühlt sich wohl. Das Lied fordert sie allerdings nicht wirklich, es kommt nicht an ihren Beitrag von 2010 heran. Schade, da wäre mehr drin gewesen.

8/15 Punkten. Geringe Bakutauglichkeit.

Werbung, diesmal für VW, einen der Sponsoren des Festivals. Die Kreuzfahrtkette MSC (der Costa-Konkurrent) scheint dieses Jahr keine Spots gebucht zu haben.

ATTENZIONE: Prinz-Blogger Jan hat gerade doch noch einen (inoffiziellen?) Webstream entdeckt: http://www.mips.tv/channel.php?u=91561

Wir stellen fest, die ersten eineinhalb Stunden reichten gerade für 6 Lieder. Bleiben gut 2 Stunden für die restlichen 8. Oder wird überzogen? Werde ich noch bis 3 Uhr morgens hier sitzen?

Nächstes Lied wird mit einem Feuerball eingeleitet, alles läuft durcheinander, bürgerkriegsähnliche Maschinengewehrsalven werden eingespielt… vermutlich kommt nun Loredana Berté, die bei früheren Auftritten in Sanremo (in diversen Stadien der Umnachtung) des Öfteren den Eindruck machte, sie wolle die gesamte Fachjury mit einer Pumpgun niedermähen…

Nein, es ist das Intro für den großen ADRIANO CELENTANO plus TV-Ballett. Während des (langen) Intros schenkt sich der Meister erst mal ein Acqua ein. Applaus und Adriano-Rufe aus dem Ariston. Muss gerade an die  „Gib dem Affen Zucker“-Filme aus den frühen 80ern mit ihm und Ornella (Muti, nicht de Santis) denken. Alt ist er geworden (aber er sieht dabei nicht so geliftet aus wie etwa Toto Cutugno). Adriano singt nicht, sondern doziert. Und das Publikum lauscht andächtig. Und wir werden den nächsten Wettbewerbssong wohl nicht vor 23 Uhr hören… der Meister nimmt sich die Zeit.

Könnte es sein, dass man heute auf die 8 Giovani-Songs komplett verzichtet? Im Regolamente steht etwas anderes, meine ich mich zu erinnern. Unter 18-Jährige dürfen nämlich nicht nach Mitternacht auf der Bühne im TV stehen, das wird sonst noch verdammt eng. In früheren Jahren hat man dann auch schon mal auf eine Einspielung aus der Generalprobe zurückgegriffen.

Nun setzt sich der Meister an ein Klavier, das aussieht wie ein schlampiger Schreibtisch und singt ein launiges Lied mit Bigbandanklängen. Ist das live oder playback?

Und nun sind wir tief im Theaterstück von Signore Celentano. Die armen Interpreten müssen warten. Aber in Baku beim Eurovision Song Contest singt man angesichts der Zeitzone (falls die Alijews die Zeitzone nicht schnell noch vor dem ESC Finale wechseln) ja auch NICHT VOR MITTERNACHT Ortszeit.

Mein Host, in dessen Wohnzimmer ich diese Sternstunden der italienischen TV-Unterhaltung verfolge (Mamma mia, wo ist Antonella Clerici? Wo ist Michelle Hunziker? WO SIND DIE LIEDER, zum Teufel?) ist schon sanft entschlummert und ich muss nun zu härteren Maßnahmen als Tee greifen: Her mit der 2-Liter-Flasche Cola Zero…

Es sei hier auch mal angemerkt, dass man in Sanremo sichtlich für alles mögliche Zeit hat, das „Eurofestival“ (der ESC) aber noch mit keiner Silbe erwähnt wurde, man will wohl das Publikum (oder die Demoskopie-Jury) nicht unnötig verwirren. Seit Irene Fornaciaris Titel sind mehr als 45 Minuten vergangen (gefühlte drei Stunden) und jetzt machen die Herren auch noch auf Blues Brothers…

Nunja, Sanremo ist eben DIE Show des italienischen Fernsehens und da muss man alle möglichen Strömungen bedienen und einen CELENTANO kann man natürlich nicht mit einer 3-Miuten-Nummer abspeisen. Aber in früheren Jahren stand die Festivalmusik doch deutlich mehr im Vordergrund. Zurzeit ist sie leider nur Beiwerk.

Wir nähern und der 23-Uhr-Marke und immer noch singt der Meister irgendwelche alten Rocksongs a la Elvis. Dem Publikum des Ariston gefällt es jedenfalls.

Das Licht geht aus, sehr schön, Loredana hat wohl die Geduld verloren und den Stecker gezogen…? Gianni nimmt nun wieder sichtlich mitgenommen den Ball auf und – doziert. Adriano ist noch da und macht weiter in seinem Bühnenprogramm.

Neue Hochrechnung für das Ende der Show: Nicht vor 1 Uhr 30. Und auch nur, wenn KEINE Gaststars mehr kommen und man die GIOVANI komplett in den zweiten Tag schiebt. Noch einmal setzt Adriano zu einem Canzone mit orientalischem Arrangement an, das durchaus hörbar wäre, wenn man selbst nicht so UNGEDULDIG wäre, den restlichen Sanremo-Cast 2012 endlich zu sehen und hören.

Und NOCH ein (sehr melodisches) Lied des Altmeisters – ich sehe schon, wir werden die Nacht durchmachen müssen- und morgen sehe ich dann genauso ramponiert aus wie Adriano Celentano!

Und nun: Pause und Pubblicita… vor lauter Verzweiflung zähle ich schon die Werbe-Spots: Coconuda (Mode), Kinder Sorpresa (Das Ü-Ei), Peugeout, Kimbo Coffee, San Carlo Chips, Versace Parfüm, Buitoni Teigwaren, Somatoline Anti-Cellulite-Salbe (wo ist Christine Neubauer? Das wär doch das richtige Produkt neben Weight Watchers), Baloco Kekse, Stroilo Oro…. sehr schön: Ein Clip für „Ballando con le stelle“, das italienische Let’s Dance… in Deutschland macht übrigens Gitte Haenning mit.

23.17 Uhr. Wir sind zurück im Ariston. Jetzt aber HURTIG. Avanti, Avanti…. die Jury winkt von den Rängen und Gianni und Rocco vergewissern sich, dass wieder alle aus dem Celentano-Koma aufgewacht sind.

7. Emma Marrone –  Non è l’inferno 

Ein Titel von Daniele Silvestri? Castingstar Emma wurde letztes Jahr mit „Arrivera“ zweite. Nun will sie es wissen. Asymmetrisches Sauerkrauthaar und dramatischer Beginn im grünen Babydoll a la Muriel Day. Es folgt ein wütender Powersong, den fast genauso Dolcenera vor wenigen Jahren (Come straordinaria la vita) schon in Sanremo gesungen hat. Nicht wirklich innovativ, aber durchaus unterhaltsam. Muss man öfters hören (und das werden wir sicher). Mir fehlt etwas Seele und Wärme. Wohl nix für Baku.

7/15 Punkte. Mittlere Bakutauglichkeit.

8. Marlene Kuntz – Canzone per un figlio

So, neben Matia Bazar die einzige Band heute – eine der wenigen echten Rockbands, wie sie von Gianni angekündigt werden. Ganz sanfte Klänge, ein Schlaflied? Der Leadsänger sieht aus wie der ideale Jesus-Darsteller bei den Oberammergauer Festspielen. Jetzt wirds rockiger, bleibt aber weichgespült-plätschernd. Und nicht so eingängig, leider, denn die Stimme ist nicht schlecht. Eine „nette“, andere Farbe. Bleibe etwas ratlos zurück.

6/15 Punkte. Geringe Bakutauglichkeit (habe ich überhaupt schon mal eine hohe Bakutauglichkeit attestiert?)

Jetzt kommen doch noch Assistentinnen – nämlich die vom letzten Jahr: Belen Rodriguez und Elisabetta Canalis (ja, die Ex von George Clooney). Und sie singen, muss das unbedingt sein – „Beauty and the beast“ auf Italienisch. Mamma mia, es fehlen immer noch 6 Campioni, die alle SEHR VIEL besser singen können als diese beiden Kleiderständerinnen…

 9. Eugenio Finardi – E tu lo chiami Dio 

Noch ein Altstar, früher häufiger Gast in Sanremo (erinnere mich gern an das dynamische „Amami Lara“ von 1998). Sieht ein wenig guru-mäßig aus und beginnt mit hoher Kopfstimme ein reichlich pathetisch wirkendes Chanson, das durch intensive Handbewegungen choreographisch untermalt wird. Wirkt sehr maniriert. Lässt mich kalt, könnte ein Streichkandidat heute sein.

3/15 Punkte. Keine Bakutauglichkeit.

10. Gigi d’Alessio & Loredana Berté – Respirare

Jetzt bin ich sehr gespannt. Nach ihrer Disqualifikation vor 4 Jahren (weil ihr Titel „Musica e parole“ schon fast 20 Jahre alt war) wollte Loredana niemals mehr nach Sanremo zurückkehren – und hier ist sie im Duett mit Cantautore Gigi, dem bubihaften Lebensgefährten von Anna Tatangelo. Die Lippen sind offensichtlich frisch aufgepolstert und sei trägt wohl auch eine Perücke. Wirkt wie eine Transe. Aber der Titel ist erstaunlich frisch und das alte Schlachtross (sie ist über 60) kann immer noch kräftig röhren – neben Patty Pravo ist Loredana (die Schwester der 1995 verstorbenen Mia Martini) DIE Ikone der italienischen Gays. Schöner Kontrast der Stimmen, sehr lebendig und eingängig. Endlich ein Titel, der mir MOLTO BENE gefällt.

13/15 Punkte. Mittlere bis hohe Bakutauglichkeit.

11. Nina Zilli – Per sempre  

Bienenkorbhaare wie die Winehouse und sie bleibt ihrem speziellen Retro-Style treu. Ihr „L uomo che l’amave le donne“ aus dem Giovani-Festival vor wenigen Jahren war ein Riesenhit in Italien. Sofort denke ich an Gigliola und die 6oer… stilvoll, schöne Stimme, vielleicht etwas zu wenig eingängig… und anspruchsvoll. Aber das war Gualazzi auch, hier herrscht Qualität. Ohne Zweifel. Sie könnte den Preis der Kritik gewinnen. Wenn RAI nach Gualazzi einen ähnlichen Weg beschreiten will, ist Zilli die Kandidatin. Bin geflasht.

14/15 Punkte. Mittlere bis hohe Bakutauglichkeit.

Die Songqualität wird besser. Erleben wir ein versöhnliches Ende eines langen, langen, allzu langen Abends? Noch kommen die einzigen Teilnehmer mit ESC-Erfahrung: Matia Bazar (1979 mit Antonella Ruggiero als Leadsängerin in Jersualem ziemlich peinlich untergegangen).

Mitternacht und RAI-Sprecherin Mariasilvia grätscht mit dem Nachrichtenbulletin in die Sanremopause.

So, die letzte Stunde. Rocco auf der Bühne und es sieht ganz danach aus, als folgte nun wieder irgendein bedeutungsschwangeres Intermezzo… etwas Klaviermusik, Palaver mit den Assistentinnen.

12. Pierdavide Carone feat. Lucio Dalla – Nanì 

Ein interessantes Duett: Ein Superstar und ein Cantautore, der aus einer Castingshow (3. Rang bei Amici di Maria Filippi, 2010) stammt. Sparsam instrumentiert wirkt „Nani“ wie ein Song, der vor 20 Jahren auch von Celentano hätte gesungen werden können. Eines dieser Lieder, die außerhalb der italienischen Grenzen keinen Zauber verbreiten (können), weil es viel mehr auf den Text, als auf die Musik ankommt. Und wo war Lucio? Etwa am Dirigentenpult? Enttäuschend.

5/15 Punkte. Geringe Bakutauglichkeit.

13. Arisa – La notte

Arisa hat den grotesken Karikatur-Look aus den letzten Jahren, der sie wie eine Mischung aus vogelartigem Wesen und Sekretärin hat aussehen lassen, aufgegeben und präsentiert sich nun ähnlich wie weiland Fiordaliso – als gereifte Frau mit allerlei schicksalshaften Problemen, über die es sich zu singen lohnt. Eine Ballade, für die ihre Stimme aber etwas zu dünn scheint. Feivel, der Mauswanderer lässt grüßen. Aber eine sehr schöne Komposition. Für jemand anders.

9/15 Punkte. Geringe bis mittlere Bakutauglichkeit.

Der Höhepunkt zum Schluss? Nein, erst noch ein Sanremo-Clip.

14. Matia Bazar – Sei tu 


Die zweifachen Sanremosieger beschließen den ersten Tag. Silvia Mezzanotte, die ich sehr verehre, ist nach einer leider nur mittelmäßig verlaufenden Solokarriere (nur ein allerdings sehr hörenswertes Album) wieder zur Gruppe zurückgekehrt und hat ihre Nachfolgerin Roberta Faccani wieder ersetzt. Unverwechselbar, tolle Präsenz, auch wenn das Bademantel-Outfit etwas exzentrisch vom Titel ablenkt. Ein schönes Stück Pop, erwartungsgemäß, auch mit leisen Tönen (die allerdings nicht gerade Silvias Stärke sind). Nicht ganz so catchy wie „Questa nostre grande storia di amore“ oder „Grido d’amore“ -aber dennoch deutlich besser als vieles heute. Sicher im Finale.

12/15 Punkte. Mittlere bis hohe Bakutauglichkeit.

Und nun? Werden 2 der 14 Campioni vorläufig eliminiert. Morgen folgen 2 weitere. 2 der 4 Eliminierten können dann am dritten Abend (dann werden die Songs als Duette mit internationalen Gästen, darunter auch NINA HAGEN als Partnerin von Loredana Berte gesungen) wieder zurückgewählt werden.

Unmut im Publikum. Und es ist halb eins. Dieser Blog läuft seit viereinhalb Stunden. Lasst uns zum Ende kommen. FINITO PER FAVORE. Und zwar PRONTO! Wer fliegt heute? Ich würde Samuele Bersani und Eugenio Finardi nennen. Kleiner Schnelldurchlauf der 8 Giovani, die es erst morgen zu hören gibt.

DIO MIO. Die beiden Interpreten mit den wenigsten Stimmen werden gar nicht genannt! Daher wohl auch der Unmut der Jury. Tja, so soll wohl noch mehr Spannung erzeugt werden. Die Schlussmusik läuft und wir sagen reichlich geschafft BUONA NOTTE. Danke fürs Mitlesen! Wer die 8 Giovani Songs hören möchte, die Clips sind hier in unserem Sanremo-Vorbericht bereits veröffentlicht.

Für den ESC in Baku empfehlen wir: NINA ZILLI. Auch Dolcenera, Matia Bazar oder Chiara Chivello wären vorstellbar. Oder als gewagte Kombination das Duett Gigi & Loredana – das würden mit der Diva zumindest sehr unterhaltsame Proben und Pressekonferenzen. Und: Vor genau 20 Jahren sang Loredanas Schwester Mimi (Mia Martini) herzergreifend beim ESC in Malmö. Loredana war dabei (sie war damals mit Björn Borg verheiratet). Das wäre doch ein schöner Bogen in die ESC-Vergangenheit.

Der nächste Sanremo-LIVE Blog ist das Finale am Samstag ab 20 Uhr. Über die Zwischenergebnisse berichten wir in der Kommentarspalte. CIAO AMICI!