Live-Blog – das komplette Sanremo Finale: NINA ZILLI nach Baku!

Nina Zilli heißt die glückliche Gewinnerin des italienischen Tickets für den Eurovision Song Contest in Baku. Beglückwünscht wurde sie von Ell & Nikki. Doch in Sanremo siegte am Ende eine andere Künstlerin. Alles über einen sehr langen Abend voller Musik und Palaver in unserem Live-Blog zum Nachlesen.

Buona sera a tutti. Print Blogger OLiver hat sich von der Überdosis Celentano von vergangenem Dienstag erholt und begrüßt alle Leser zum Finale des Sanremo-Festivals. Den Livestream gibt es bei eurovision.tv. Und prompt sind wir etwas zu spät dran, Moderator Gianni Morandi steht bereits auf der Bühne des Aristons inmitten halbwüchsiger weitgehend unbekleideter Jugendlicher mit Pace-Fahnen… da haben wir etwas zu spät von den Beerdigungsfeierlichkeiten von Whitney (Bless her) auf CNN umgeschaltet.

Und da sind auch schon Co-Host Rocco und Assistentin Ivanka (in einem transparenten Hauch von Nichts). Heute werden wir die 10 verbliebenen Campioni hören, die Verkündung des italienischen Beitrags für den ESC in Baku, und der Sieger der gestrigen Giovani-Kategorie Alessandro Casillo dürfte auch noch einmal auftreten (den könnten wir vielleicht auch schon verpasst haben). Gestern schieden Matia Bazar (schnüff) und Chiara Chivello aus. Die zwischenzeitlich abgewählten Acts Pierdavide Caroni/Lucio Dalla und das phänomenale Duett d’Alessio-Berte sind noch dabei.

Wer wird heute das Festival gewinnen? Zunächst werden aus den 10 Acts 3 für ein Superfinale bestimmt – aus einer Mischung von Televoting und technischer Jury (das Orchester). Am Ende entscheidet dann das TV-Publikum alleine über die ersten drei Plätze. Die RAI hingegen allein entscheidet über das ESC-Ticket nach Baku – das wird heute im Laufe des Abends bekanntgegeben. Neben Ell & Nikki (die allerdings nicht singen werden) soll es auch einen hübschen ESC-Werbefilm geben – letztes Jahr war er 20 Sekunden lang… wer weiß, vielleicht wird auch noch das alte Showpferd Raffaella Carra (die letztes Jahr die italienischen Punkte verlesen hat) ausgegraben…

Hallo, schon das erste Lied? Wir starten flott.

Hinweis: Alle Videoclips des Sanremo Festivals sind hier veröffentlicht.
Der Liveblog des ersten Sanremo-Abends findet sich hier.

1. Nina Zilli – Per sempre

Und gleich eine Favoritin, mit Turmfrisur und stahlblauem Kleid entführt uns Nina Zilli in das Italien der 60er. Klassisch, ein schöner Titel, der perfekt intoniert wird und im zweiten Teil sich angenehm steigert… ein edler Titel, der so nur aus Italien kommen kann. Insofern wäre das eine gute Wahl für Baku. Heute hat mich Nina aber nicht ganz überzeugt, kam etwas zu glatt rüber… fehlte es an Emotion?  Dennoch: Das ist Qualität. 8/10 Punkte.

Und gleich das nächste Highlight: Das Enfant terrible der Rockszene plus einem renommiertem Cantautore.

2. Loredana Berte & Gigi d’Alessio – Respirare

Gigi trägt endlich Anzug und nicht mehr diese bubihaften Windjacken, Diva Berte wie immer in schwarz und mit Sonnenbrille… heute mit Frosch im Hals bei den Strophen. Der Refrain überzeugt jedoch… hat sie sich liften lassen, oder warum liegen die Haare so eng an den Ohren? Der Song ist toll, flott, guter Rhythmus, die Stimmen haben Kontrast und ergänzen sich gut… man merkt, hier sind zwei Vollprofis am Werk, die Spaß an der Sache haben… jetzt nimmt er ihr die Brille weg und Loredana blinzelt etwas unbeholfen wie ein Maulwurf… ich wippe mit und finde das Arrangement hervorragend. Kann nicht anders: 10/10 Punkte. Grazie a tutti.

Am Donnerstag war übrigens als erste Deutsche in Sanremo seit Jahren Nina Hagen angekündigt, die mit den beiden hätte singen sollen – hat aber nicht geklappt, stattdessen sang Macy Gray am Abend der Duette mit den beiden Altstars. Schade…

Werbung… und der erste Intervall Act: Geppy Cucciari, eine schnellsprechende Schauspielerin und Comedienne, die optisch an die US-Actress Marcia Gay Harden erinnert, wird von Gianni herzlich begrüßt… und schon sind wir in ihrem Comedy-Programm… das interessiert jetzt weniger… ich nutze die Zeit, um mal kurz das Ergebnis aus Lettland zu checken… die singende Torte hat nicht gewonnen, gut!

Weiter gehts mit einer weiteren Favoritin, der letztjährigen Festivalzweiten und insbesondere bei jungen Fans aufgrund ihrer Castingshowmeriten sehr beliebten…

3. Emma – Non e l’inferno

Emma mit Innenarm-Tattoo in großer Abendrobe, die störrischen Haare asymmetrisch zur Seite gelegt, ist heute stimmlich gut drauf. Das Intro singt sie sehr viel gefühlvoller als noch am Dienstag (da kam sie sehr kühl rüber). Sie neigt ja zu ähnlichen Schrei-es-raus-Titeln wie Dolcenera, letztere ist aber vielseitiger und authentischer. Ein Kommentator meinte kürzlich, Emmas Art zu singen sei etwas vulgär. Könnte sein… jetzt dreht sie auf, Lena Gercke hoch drei… dennoch, eine sehr gute Leistung, könnte ins Finale einziehen und wer weiß, vielleicht auch nach Baku geschickt werden… 7/10 Punkte.

Lustige Spielchen von Rocco und Gianni mit einem belegten Baguette… hm, nächstes Jahr sollte Antonella Clerici wieder moderieren…

Jetzt der Cantautore im Robert Downey-jr-Look:

4. Samuele Bersani – Un pallone

Mit der Brille und im Smoking hat er etwas Eulenhaftes. Wirkt ein wenig wie ein Zirkusdirektor, der gleich die Clowns, Elefanten und Feuerschlucker in die Manege winkt. das Lied besteht überwiegend aus Sprechgesang und schlagerhaftem Mitklatsch-Refrain. Könnte gut im Televoting abschneiden. Jetzt tanzt er und wackelt mit dem vermutlich ansehnlichen Hintern… der Chor muss viel Handarbeit leisten. Wirkt, als wären es 6 Minuten gewesen… ich gebe 4/10 Punkten.

5. Dolcenera – Ci vediamo a casa

Im Modewettkampf mit Emma liegt sie nur knapp vorne, ein sehr gewagtes kurzes Kleid mit einer Art Entenschwanz und praktisch kein Decollete… aber ihr Lied ist besser, klüger aufgebaut und sie lächelt viel netter. Das hier ist Festivalmaterial erster Güte, sehr gut in Baku vorstellbar.  Da müsste man natürlich noch eine Idee für die Choreographie haben, aber das gilt für alle Beiträge – in der Regel stehen die Sänger steif am Mikro und laufen ein wenig herum… Interaktion mit der Kamera findet nicht so häufig statt… das war prima, Emanuela (so heißt sie eigentlich): 9/10 Punkten.

Offenbar durch Dolceneras Kostüm inspiriert simulieren die Moderatoren jetzt einen Ententanz… und der nächste Werbeblock kommt… bislang sind wir flott unterwegs, die Hälfte der Songs ist schon durch… das lässt hoffen, dass wir einen umfangreichen ESC-Werbeblock bekommen… aber halt, es gibt ja auch noch einen Superospiti, also einen internationalen Gaststar – das werden die Cranberries sein und DIO MIO, gerade lese ich, dass Adriano Celentano heute auch noch mal eine Bühne für seine multiplen Talente erhalten soll… zur Erinnerung: am Dienstag hat er mehr als eine Stunde doziert, politisiert und auch gesungen… was nicht nur mich an den Rand der totalen Erschöpfung brachte…

Assistentin Ivanka hat jetzt ihre 2 Minuten (neues Outfit natürlich) und Rocco und Gianni erläutern nocheinmal die Codices für das Televoting (man kann seit Beginn der Show anrufen). Jetzt erklärt Gianni das Golden Shower.. pardone, Golden Share Prinzip.. die Sala Stampa, also die Presse votet ebenfalls heute und wer dort gewinnt wird im Gesamt-Ranking um einen Platz höher gestuft (wenn ich das richtig verstanden habe).

6. Pierdavide Caroni feat. Lucio Dalla – Nani

Pierdavide, ebenfalls ein Castingstar, auch in Schwarz (das ist wohl das Motto heute, alle in gedeckten Farben – das farbigste bisher waren Loredanas unnatürlich große Lippen in pastell-rosa). Lucio singt vom Dirigentenpult ein paar Töne mit, ansonsten wirkt das alles recht pathetisch, aber „Nani“ erzählt ja offenbar auch eine tragische Geschichte… heute wirkt es auf mich runder und gefälliger – ein Song, der bei mehrmaligem Hören gewinnt. 6/10 Punkte.

7. Noemi – Sono solo parole

Castingstar Noemi mit feuerrotem Pumucklhaaren, ebenfalls asymmetrisch, trägt tiefblau wie die Zilli und singt tief und nachdenklich ein Lied, das wunderbar zu einer 30 bis 40 Jahre älteren Frau passen würde – Patty Pravo mit ihrer schleppenden Aussprache fällt mir da ein… aber Noemi ist gut bei Stimme, fast alle sind heute besser als zu Beginn des Festivals, das ist ein großer Vorteil von Sanremo, das Publikum hört die Titel drei Mal – wenn ein Titel zur Abwahl nominiert ist sogar vier Mal, und die Künstler können sich steigern. Punkte 7/10.

Jetzt tanzen die Herrschaften wieder den Ententanz und ich schlage Michelle Hunziker für die nächstjährige Sanremo-Moderation vor…

8. Arisa – La notte

Arisa ebenfalls in Schwarz – ob die Kleidungsvorschriften heute alle zu Ehren von Whitneys Trauerfeier angeordnet wurden? Und jetzt folgt die erste echte Ballade, Arisa ganz in sich gekehrt… der Titel ist weit entfernt von ihren üblichen Comedynummern und daher ganz angenehm überraschend… eine schöne Komposition, ein klassisches Chanson… ich finde ihre Stimme allerdings etwas zu niedlich, um die ganz großen Gefühle transportieren zu können. Daher nur 6/10 Punkten.

So, dann fehlen uns noch 2 Titel, die ESC-Verkündung, die Cranberries und das Celentano-Potpourri… und natürlich das Superfinale mit den drei besten Songs… Gianni und Geppy jetzt im trauten Gespräch… zum Glück nur kurz, der vorletzte Campioni wird angekündigt:

9. Eugenio Finardi – E tu lo chiami Dio

Und nun wird geknödelt – reichlich operettenhaft kommt Eugenio daher, der natürlich ebenfalls schwarz trägt… auf mich wirkt der Titel reichlich maniriert, doch Eugenio war nie in Gefahr abgewählt zu werden, wer weiß, vielleicht ist das der Titel, der insbesondere beim älteren RAI-Publikum gut ankommt. Finale? Wer weiß? Baku? Himmel hilf, bloß nicht… 2/10 Punkten.

und nun last but not least:

10. Francesco Renga – La tua belleza

Vor sieben Jahren siegte er mit „Angelo“ – und heute könnte er ebenfalls sehr gute Karten haben, das Gesamtpaket ist einfach bestechend. Ein flotter, leicht angerockter, wenn auch nicht sonderlich innovativer Titel, mit effektvollen Tempiwechseln und eine außergewöhnliche Stimme, die Renga sehr sicher bis zum Äußersten dehnt. Könnte auch in Baku klappen… und ein Killersmile hat er auch, über den Bart würde ich aber nochmal nachdenken… 7/10 Punkte.

Grazie mille, Ciao, wir sind durch und jetzt wird gevotet… das Orchester wertet, die TV-Zuschauer und die Presse im Pressezentrum, das ebenfalls im Ariston untergebracht ist. Ich hatte 2003 das Vergnügen, der Probenwoche in Sanremo beizuwohnen (unter anderem auch Dolceneras Probe, sie gewann in jenem Jahr das Giovani-Festival) und konnte nicht fassen, wie klein und familiär im Vergleich zum ESC alles ist… schon das Theater ist winzig… es kommt viel größer im TV rüber… nochmal Werbung…

Ecco, jetzt haben wir noch 2 Stunden Zeit – bevor Celentano uns wieder ins Koma fallen lässt, wäre jetzt doch der richtige Zeitpunkt, das Ticket nach Baku zu vergeben… ich wiederhole nochmal: Dolcenera, Zilli, Emma, Renga, auch die ausgeschiedenen Chivello oder Matia Bazar wären eine gute Wahl. Aber auch der Zweitplatzierten aus der Giovani-Sektion, Erica Mou (sie gewann den Preis der Presse) werden Chancen eingeräumt… kann natürlich auch sein, dass die RAI sicherstellen will, auf keinen Fall zu gewinnen und Eugenio Finardi schickt! Oder gleich Celentano…

Apropos… mir schwant Böses, im Hintergrund ist schon Adriano Celentanos Theaterstück-Bühnenbild mit dem unordentlichen Schreibtisch aufgebaut… aber zuvor singt Gianni Morandi selbst erst noch mal… zur Erinnerung: Er vertrat Italien 1970 beim ESC (Platz 8) und Sanremo hat er 1987 gemeinsam mit Umberto Tozzi und Enrico Ruggeri auch schon mal gewonnen.

Und jetzt singt Adriano Celentano – auf Englisch! Und gar nicht schlecht… die RAI spannt uns also auf die Folter… aber das italienische Publikum will natürlich den Meister hören und sehen und nicht irgendwelche hergelaufenen Eurofestival-Sieger aus einem Land, das vielen Zuschauern ebenso unbekannt sein dürfte wie die äußere Mongolei.

Immer noch Celentano, der kein Schwarz sondern eine Hausmeister-Kluft trägt, und zu dem sich jetzt nach einigen Titeln und viel, sehr viel Applaus aus dem Auditorium Gianni gesellt. Jetzt ein paar Spielchen mit dem Orchester, ein Schluck Wasser… und noch ein Song… schönes Duett von Adriano & Gianni – alte Herren unter sich –  und ich brauche jetzt umgehend ein koffeinhaltiges Colagetränk… auch weil sich mein Abendessen aus der Trattoria, die Nuttenspaghetti (wir sind in Hamburg St. Georg, so heißt das Gericht tatsächlich – weil es wegen der Sauce mit Kapern so scharf ist) im Magen rumorend bemerkbar macht….

Ewig anhaltender Orchesterdonner… und Adriano verabschiedet sich von Sanremo… nun, das hielt sich ja zeitlich noch halbwegs in Grenzen… erfahren wir jetzt, wer nach Baku fährt?

Nein, jetzt kommt Werbung…. Oro Kekse, Wüber Würste, Tier-Sammelbildchen (weiß man schon, ob Panini wieder San Marinos ESC-Teilnahme bezahlt und auch gleich den Künstler aussucht?), Mercatore Küchen, Danone Actimel, Hyundai Autowerbung, Caffe Motta, Maalox Magentabletten (wieder was für Christine Neubauer), TIM Telekom… und nun noch ein paar Teaser für das RAI-Programm…

Zurück im Ariston: die Codices fürs Televoting werden wiederholt… ein Anruf kostet 1,01 Euro und man darf maximal 5 mal anrufen… gute Idee: so kann man sich nicht ruinieren wie bei USFB mit Blitztabelle….

Jetzt wird der gestrige Giovani-Sieger präsentiert: Alessandro Casillo mit „E vero“ im Anzug mit Turnschuhen – letztes Jahr war das der Moment, wo Raphael Gualazzi gesagt wurde, dass er AUCH die Ehre habe, nach Dusseldorf zu fahren…. aber Casillo ist vier Wochen zu jung für Baku laut dem Reglement des ESC… weiß das die RAI? Alessandro bekommt jetzt seine Palme (an der ein Löwe kratzt), singt er nochmal?

Nein, die Presse will noch ein Bild haben von Casillo nebst Palme… und nun hören wir doch nochmal den Siegertitel der Giovani-Kategorie, gewissermaßen der Nachfolger von Raphael Gualazzi auf diesem Feld. „E vero“ ist ein ruhiger Midtempo-Track mit Steigerung im Refrain, softer Italo-Pop, nichts besonderes und live auch nicht besonders überzeugend dargeboten… nun ja, das Arrangement und der Chor vereiteln das schlimmste… man möchte dem Kerlchen eigentlich sanft über die Haare streichen (um dann sofort die Schermaschine zu zücken und ihm so etwas wie eine Frisur zu verpassen…)

Wenn jetzt Ell & Nikki auf die Bühne kommen schrei ich… aber nein, er wird weggeschickt… fährt also nicht nach Baku… Geppi kommt nochmal und fällt fast die Showtreppe runter… gibts jetzt RESULTATI?

Nicht direkt. Geppi spricht von „Eurovisione“… und kündigt … Gianni Morandi an, er bekommt also auch noch mal einen Extra-Applaus… offensichtlich sind wir wieder in einer Comedy-Nummer… aber sie hält ein Clipboard, auf dem durchaus RESULTATI stehen könnten… oder ihr Comedy-Text … oder ihr Einkaufszettel fürs Wochenende… molto parole parole parole…

Die Spannung steigt ins Unerträgliche… ALLORA… stop al televoto… wird das Orchester das Ergebnis akzeptieren? Vor zwei Jahren gab es am Finaltag wüste Szenen, als das Publikum für das Superfinale ganz anders wählte als die technische Jury, die minutenlang revoltierte und die Moderatorin Antonella Clerici zu resoluter Krisenbewältigungs-Hochform („Ma che??“) auflaufen ließ… werden heute ebenfalls wieder die Fetzen fliegen?

Erstmal sind die Superospitis Irlandese dran: Die CRANBERRIES treten auf und ich frage mich, ob sie wirklich so eine große Nummer in Italien sind… offenbar muss die RAI auch sparen, früher hätte man Madonna oder Adele aufgefahren… na, Ell & Nikki sind sicher umsonst, oder werden von der EBU bezahlt (oder dem aserbaidschanischen Fremdenverkehrsamt in Rom – falls so etwas überhaupt existiert…)

Und weil Gianni kein Englisch spricht, kommt nun eine Dolmetscherin auf die Bühne, damit so etwas wie ein kleines Interview mit der Lead-Cranberry geführt werden kann… das allerdings ziemlich inhaltsleer daherkommt… schnell die Überleitung zu ihrem zweiten Lied „Tomorrow“. Deutsche Künstler waren übrigens auch schon mal als Superospiti in Sanremo eingeladen… allerdings mussten sie dazu schon Welthits gelandet haben… Dieter Bohlen mit Modern Talking etwa war in den 90ern da, Sarah Connor 2002 und zuletzt 2010 auch Tokio Hotel. Schade, dass es Nina Hagen nicht geschafft hat in diesem Jahr…

Wir gehen auf Mitternacht zu und haben weder das Superfinale noch die Entscheidung für Baku. Jetzt wirds aber Zeit… vor 1 Uhr wird das wohl nix mit dem Ende der Sendung…

Schalte ins Pressezentrum, die Presse vergibt offenbar einen Preis an Arisa. Moment, das ist offenbar ein Zwischenstand. Jetzt geht es um den Golden Share der Journalisten: NOEMI hat bei der Presse gewonnen und rückt im Gesamtranking nach vorne… jetzt kann ich den Herrschaften nicht mehr folgen… wer ist jetzt weiter?

Reichlich unspektakulär, die Bekanntgabe: ARISA. EMMA und NOEMI sind im Superfinale. Keine Zilli, keine Dolcenera, keine Berte, die offenbar nur ganz knapp an den Top3 vorbeigerauscht ist. Dennoch ein All-female-Cast mit eher bedeutungsschwangerem Liedgut. Eine der drei wird Sanremo gewinnen. Zwei Castingstars, nicht verwunderlich. Tippe auf EMMA.

Aber wer fährt nach Baku???

Jetzt kommen wieder zwei Komiker, die schon am Dienstag das Festival eröffnet haben…Luca und Paolo mit Clownsgesichtern… und ich stelle fest, dass es mir auf gut schwäbisch „grad wurschtegal“ ist, wer hier gewinnt, wenn die RAI nur die richtige Wahl für Baku trifft…

So jetzt tanzt das Fernsehballett der RAI… zusammen mit Assistentin Ivanka Mrazova, die sich in einen Nancy-Sinatra-Look geworfen hat, passend zum Song „These boots are made for walking….“ – also wirklich, als hätten wir jetzt nichts wichtigeres zu entscheiden…

Nochmal Werbung… aber jetzt muss es doch passieren, her mit dem ESC-Clip, Ell & Nikki und der Entscheidung!!!! Bin schon ganz kribbelig, dabei ist gar keine Blitztabelle beteiligt, muss wohl an den großen Mengen Cola-Zero liegen, die ich in den letzten drei Stunden zu mir genommen habe…

Und jetzt Ornella de Santis mit den RAI-Nachrichten zur Nacht… nein, es ist Mariasiliva Santelli… habe schon Visionen…

0.12 Ultimi minuti del festival, sagt Gianni… wirklich? Jetzt kommen die drei Superfinalistinnen nochmal auf die Bühne… und singen alle drei nochmal. Zuerst NOEMI.

Das heißt dann wohl, der ESC-Teil wird in 90 Sekunden kurz vor der Siegerehrung abgehandelt und Ell und Nikki sind nur Grüßauguste… die Sauce meiner „Nuttenspaghetti“ in der Trattoria hatten ungefähr die gleiche Farbe wie Noemis Haupthaar.

Aber Pumuckl singt kraftvoll, ich weiß wirklich nicht, wen von den drei jungen Damen ich mir als Vincitrice des Festivals wünschen soll. Jetzt ist EMMA dran und auch sie macht ihre Sache gut, wirkt befreit. Denke es entscheidet sich zwischen den Castingstars Emma und Noemi. ARISA ist wohl aufgrund des „Golden Shares“ der Presse ins Finale gerückt, sie hat den nachdenklichsten und erwachsensten Titel.

Emma erinnert ein wenig an die Junge Irene Grandi, die vor 12 Jahren Zweite in Sanremo wurde mit einem Titel ganz ähnlichen Zuschnitts. Jetzt ARISA, deren Sprechstimme auch ein wenig piepsig daherkommt… ihr melancholischer Titel gefällt mir eigentlich jetzt im direkten Vergleich besser als die lärmendere Konkurrenz. Wer gewinnt? Warum fehlt mir jetzt eine Blitztabelle? 8 mal USFB hinterlässt eben Spuren…

Bocca lupo… das Televoting läuft noch… und wieder eine messagio promozionale für… Glühbirnen!!… ich fass es nicht, hier hätte ich Schmuck & Pelze oder zumindest Luxus-Autowerbung erwartet… aber klar, Beghelli ist einer der Sponsoren des Festivals, daher tritt Gianni auch im Werbespot auf…

Geht uns jetzt also endlich ein Licht auf? RESULTATI PRONTO… jetzt kommt ein Clip von Gianni aus dem Jahr 1962… und drei Damen und ein weiterer Toupetträger kommen auf die Bühne… und unterhalten sich anregend… während ich auf einen Nervenzusammenbruch zusteuere… fehlt nur noch Adriano Celentano mit einer Zugabe…

Wenn ich daran denke, dass man jetzt hübsch ein ESC Medley italienischer Beiträge hätte bringen können… vielleicht mit Raphael Gualazzi als Gast… aber nein, wir werden auf die Folter gespannt und erleiden unendliche DOLORE…

ATTENZIONE UN ANUNZIO IMPORTANTISSIMO

Pffff…. Rocco singt jetzt ein Lied… und ich beiße vor lauter Frust in die Matratze… ich möchte die Balkontür aufreißen und laut in die Nacht schreien… ganz ruhig… PIANO PIANO… tief durchatmen… am besten in eine Plastiktüte… wo ist der Baldrian…?

Rocco wird von einer Art Pfuri-Gorps-Kniri mit einer blasbaren Harmonica begleitet. Wie nett. Sonnenblumen für den Bläser von Ivanka und die Spannung wird immer weiter ausgewalzt… Werbung…

Lese gerade die Kommentare – schön, dass ihr alle noch wach seid und diese Tortur mit mir durchsteht…. wenn das sammarinesische TV klug ist, nehmen sie auch jemand aus Sanremo – obwohl es letztes Jahr ja einen Brief einheimischer Künstler (es gibt also tatsächlich welche) an die TV Station gab, die sich beschwert haben, dass man nicht an sie gedacht habe und mit Senit eine Italienerin eritreischen Ursprungs verpflichtet habe, die Sanmarino nur als Touristin kannte…

Es geht stramm auf 1 Uhr zu und – STOP AL TELEVOTO. Jetzt wird das Orchester beklatscht und ich frage mich, haben sie Ell & Nikki in der Garderobe eingesperrt und vergessen? Oder gibt es hinter den Kulissen noch Verhandlungen mit dem ausgesuchten Künstler für Baku? Will Loredana etwa einen Firstclassflug und Extrahonorar?

Nun ein Intermezzo des Sanremo-Dirigenten (was hat er denn da für ne schrammelige Hose an) am Klavier… um fair zu sein, ich meine mich zu erinnern, dass es letztes Jahr auch 1.15 Uhr wurde bis zur Siegerehrung, aber das Dusseldorf-Problem war da schon lange zuvor gelöst…

Nun grüßt Gianni seinen alten Kegelclub im Publikum (?) und das Publikum scheint nun auch langsam ungehalten zu werden… wer hat denn nun gewonnen? Und wer zum Teufel fährt nach Baku?

1 Uhr (4 Uhr in Baku). Ein Clip mit schönen Bildern von Sanremo. Nun werden alle, die mit der Produktion zu tun hatten, gegrüsst und beklastcht – warum nicht einzeln, wir haben doch Zeit…

Und da ist Guppy wieder, diesmal in Blau… bitte jetzt keine Comedynummer… sie tritt an ein Pult… und hält offenbar eine witzige Ode auf Gianni und das restliche RAI Personal des Festivals… TATSÄCHLICH einzeln, Person für Person…. und ich bin so herrlich entspannt, der Baldrian scheint zu wirken… ich darf nur die Balkontür nicht aufmachen, sonst kommen die Katzen…

1 Uhr 07 und der Name Raffaella Carra fällt… ist es etwa soweit? Kommt jetzt der ESC Bezug? EUROSONG!!!!  Es ist soweit… die Komiker sind wieder da. Habe ich das jetzt richtig mitbekommen: Marco Guazzone nach Baku? Der Giovani?

Nein, er hat einen anderen Preis bekommen. Jetzt der ESC Clip… läppische 30 Sekunden… und jetzt werden Ell & Nikki erwähnt und Gianni erklärt, dass jemand aus Sanremo nach Baku fährt, wobei ihm EUROVISION SONG CONTEST schwer über die Lippen geht.

Ell & Nikki sind da und sehen asymmetrisch süß aus und haben einen Umschlag!!! Ell spricht englisch und Nikki erklärt in Italienisch:

NINA ZILLI nach BAKU!

Si. Si. Si. Si. Si. Si. Si. Hier ihr Auftritt vom ersten Abend:

Für Baku muss der Titel natürlich noch auf die 3 Minuten gekürzt werden.

GROSSARTIG. Das Warten hat sich gelohnt! Eine hervorragende Wahl und Nina freut sich!!! Hätte man auch schon vor 3 Stunden bekannt geben können.

Samuele Bersani gewinnt den nach Mia Martini benannten Kritikerpreis. Und Sanremo gewinnt in diesem Jahr:

EMMA!

Geht auch in Ordnung. Ein würdiger Abschluss einer langen, langen, sehr langen Woche…. die Schnipsel regnen von der Decke, Emma schaut wie ein geprügelter Hund und ist in Tränen aufgelöst, aber sicher molto felice… und jetzt wird sie gleich noch mal singen.

So, meine Lieben, Grazie für die Geduld, wir wurden mit einem hervorragenden Beitrag für Baku belohnt. Morgen geht es weiter mit dem Finale in Georgien, natürlich auch hier auf dem Prinz Blog. Grazie a tutti y CIAO.

Hinweis: Alle Videoclips des Sanremo Festivals sind hier veröffentlicht.
Der Liveblog des ersten Sanremo-Abends findet sich hier.

Und noch ein Hinweis: Laut RAI ist „Per sempre“ nicht unbedingt das Lied für Baku. Nina Zilli DARF auch etwas anderes singen. Damit folgt die RAI der Tradition der 80er und 90er Jahre als die für den ESC ausgesuchten Sanremo-Interpreten nahezu immer ein anderes Lied als ihren Sanremo-Beitrag zum ESC mitnahmen. Und wir erkennen, dass wir nach 5 Tagen Festival und den heutigen 5 Stunden immer noch kein (sicheres) Lied für Baku haben…