Live-Blog Slowenien: History Repeating – Omar Naber fährt erneut nach Kiew

2017 EMA Omar Naber On my way

Slowenien hat sein nationales Auswahlverfahren EMA 2017 ordentlich gepimpt. Viele erwarteten ein knappes Rennen zwischen Raiven, der mystischen Rabenfrau und BQL (Be Cool) mit ihrem schmissigen Boyband-Popsound. Doch Omar Naber, der schon 2005 das ESC Ticket nach Kiew löste, trumpfte mit seiner klassischen Ballade groß auf. Hier unser Live-Blog zum Nachlesen.

Herzlich willkommen zu EMA 2017 – in einem neuen und vielversprechenden Konzept haben sich in zwei Halbfinals insgesamt 8 Titel für das große Finale qualifiziert. Die Shows finden 2017 nicht mehr im TV Studio statt, sondern in einer Arena. ManuElla hat (hier in unserem Interview) bereits ESC Feeling versprochen. EMA steht übrigens für Evrovizijska Melodija. Als Gäste sind ManuElla , ESC-Siegerin Jamala und Toni Cetinski (Kroatien 1994) angekündigt.

In unserer Leserumfrage deutet sich (Stand 19 Uhr) ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen BQL (38% der Stimmen) und Raiven (37%) an. Wir sind gespannt. Der Sieger wird heute Abend durch Televoting (50%) und Jury (50%) ermittelt. Insgesamt 6 regionale Jurys sollen zur Stimmabgabe aufgerufen werden.

Los geht’s. In Slowenien wird gleich groß aufgefahren: die Moderation übernimmt ein Quartett: Tina Gorenjak, Maja Martina Merljak, Tanja Kocman und Mario Galunic. Mario erinnert entfernt an Antonio Banderas und bei 2 der Moderatorinnen dachte ich zunächst, upps, die tragen ja dasselbe Kleid.

2017 EMA Moderatoren

Und als Opener geht’s gleich gut zur Sache: ManuElla im sexy schwarzen Fransen-Outfit intoniert „Blue and Red“ in einer Gitarrenversion und dazu gibt’s feurige Trommler und viel Artistik. Dann der Einmarsch der 8 Finalteilnehmer und mit anschließendem Small Talk im Green Room, der mitten in der Arena platziert ist.

Hier die Startreihenfolge:

1. Sell Out – Ni panike
(Miha Gorše, Uroš Obranovič, Tina Muc)

Eröffnet wird der Wettbewerb mit einer unterhaltsamen Ska-Nummer, präsentiert von 6 gestandenen Männern in schwarz mit auffälligen weißen Hosenträgern. Sie wirbeln wild auf der Bühne herum und animieren das Publikum. Eine Klatsch-Falle gibt’s gratis dazu. Schöne fröhliche Ska-Nummer, die etwas an Athena „For real“ erinnert.  Vielleicht könnte der Refrain noch einen Tick eingängiger sein.
Punkte: 6/10

 

2. Nuška Drašček – Flower in the Snow
(Pelé Loriano, Lina Button, Brendan Wade)

Nuska versuchte bereits 2006 und 2009 bei EMA iht Glück. Klappt es im dritten Anlauf? Düsterer balladesker Beginn. Die Bühne ist ganz in dunklem blau. Sie trägt schwarz. Zum Refrain wird’s dann bombastisch und flotter. Sie schaut aber immer wieder sehr grimmig. Ist zwar gefällig, aber  würde sich eher unauffällig in den diesjährigen ESC Balladenberg einfügen.
Punkte: 5/10

 

3. Tim Kores – Open Fire
(Jeff Lewis, Drew Lawrence)

Auch Startnummer 3 ist ein Wiederholungstäter. Er war bereits bei EMA 2015 am Start. Viel Feuer gleich zu Beginn. Tim kommt lässig und cool rüber in seinem Lederjacken-Outfit.  Seine Popnummer hat Power und macht sich im Radio sicher ganz nett. Er hat eine Projektionswand dabei, allerdings wirken manche seiner Gimmicks wie bei Mans Zelmerlöw abgeschaut. Stimmlich mit ein paar Wacklern zuviel. Trotz viel Feuer zündet es nicht so ganz.
Punkte: 4/10

 

Etwas nervig ist die gegenseitige Lobhudelei im Green Room. Das zieht die Sendung in die Länge und es scheint, als finden alle einfach nur alles gut.

4. Nika Zorjan – Fse
(Maraaya, Nika Zorjan)

Sie war bereits 2012 bei EMA am Start, als Eva Boto gewann. Hinter dem Song stecken u.a. Maraaya. Nika hat auffällige schrille lila Haare und hat sich für ein assymetrisches Outfit entschieden. Die Bühne ist blau und ebenfalls lila. Immer wieder wird die Erde eingeblendet. Modern klingender Clubsound mit leichtem Ethno-Touch, der sich schön steigert und zum Ende hin nochmal richtig explodiert mit den ganzen Lichtblitzen. Leider etwas steif präsentiert.
Punkte: 5.5/10

 

5. KiNG FOO – Wild Ride
(Rok Golob, Cherie Lucas)

Das Klavierintro erinnert etwas an „Don’t you worry child“. Die Sängerin agiert recht charismatisch und knödelt etwas mit ihrer Stimme – das erinnert an Anastacia. Die Stimme hat Wiedererkennungswert und der Song hat ordentlich Power und rockige Elemente, passend zum Titel „Wild Ride“. Auf die Dauer finde ich die Stimme und den Song allerdings etwas anstrengend.
Punkte: 4.5/10

 

6. Omar Naber – On My Way
(Omar Naber)

Omar Naber durfte Slowenien bereits mit seinem Song „Stop“ beim ESC in Kiew 2005 vertreten. Ein gutes Omen für Kiew 2017? Diesmal hat er sich für eine Inszenierung in Retro-Optik entschieden, dazu passt sein eher modernes Outfit nicht so ganz. Zu Beginn ist das Setting komplett schwarz-weiss. Zum Refrain kommt blau hinzu. Beschwingte klassisch schöne Ballade, die aber erst zum Schluss richtig aus den Puschen kommt. Absolut ESC-kompatibel und sehr schön gesungen. Dürfte der Favorit der Nostalgiker heute Abend sein und Jurys mögen sowas auch ganz gerne.
Punkte: 7/10

 

7. BQL – Heart of Gold
(Maraaya, Anej Piletič)

BQL (sprich „Be Cool“) haben sich einen ESC erfahrenen Coach ins Boot geholt – Raay von Maraaya. Zwei niedliche Jungs, die dafür wahrscheinlich ein paar extra Televoting-Stimmen einheimsen und apropos Stimme,  mir geht es wie unseren Lesern Jorge und Kathrin, ich kann die Stimmen kaum unterscheiden. Im Gepäck haben sie eine sehr eingängige Radio-Pop-Nummer, die sich klebrig in den Gehörgang frisst und dort auch bleibt. Im Hintergrund gibt’s Vögel zu sehen, die der Sonne entgegen fliegen. Ich sehe die Jungs mit ihren feschen Undercuts dem Superfinale entgegen fliegen.
Punkte: 8/10

 

8. Raiven – Zažarim
(Jernej Kržič, Tadej Košir, Sara Briški Cirman)

Raiven hat die vermeintlich beste Startnummer erwischt. Sie polarisiert bereits durch ihr Aussehen. Das ist Gundel Gaukeley Style, nur mit knalligen lila Haaren (scheint ja gerade der letzte Schrei in Slowenien zu sein!) und einem glitzernden Body. Für das Intro hat sie eine Harfe mitgebracht. Aber nicht nur das Aussehen polarisiert, auch der Song. Sehr sphärisch und auch sperrig, aber das macht den Song wiederum interessant und herausstechend. Sehr reduzierte Show, fast etwas Angst einflößend und alles ist auf Raiven fokussiert. Ich finde es fesselnd und erfrischend anders, aber der Song findet sicher auch seine Hater. Das „th“ bei „the show“ muss sie aber noch üben.
Punkte: 7.5/10

 

Nun haben wir alle Wettbewerbsbeiträge durch. Ich sehe BQL knapp vor Raiven und Omar. Mal sehen wie es kommt.

2017 EMA ManuElla Salvation

Als Interval Act Nummer 1 tritt ManuElla auf. Schön, dass Sie auch 2017 einen Platz in der Show hat. Sie ist erst kürzlich nach Stockholm gezogen. Im Gepäck hat sie ihre neue Single „Salvation“. Sie zeigt sich heute freizügiger und wilder als wir sie bisher kannten. Ihr Boyfriend Marjan ist mit dabei und begleitet die schmissige Country-angehauchte Popnummer am Klavier.

2017 EMA Toni Cetinski

Der zweite Interval Act dürfte die Balkan-Seele erfreuen: Toni Cetinski, der 1994 für Kroation beim ESC mit seinem Song „Nek‘ ti bude ljubav sva Platz 16 in Dublin belegte präsentiert seinen ESC Song ganz gefühlvoll am Klavier. Als zweite Nummer singt er „Laku noc„.

2017 EMA Jamala

Als dritter Interval tritt nun die ESC Siegerin Jamala auf. Sie hat ihren Song „1944“ mit nach Slowenien gebracht. Im Interview lobt Jamala anschließend die Konzert-Atmosphäre bei EMA 2017.

Nun das Jury-Voting. Die 6 Regionen werden aufgerufen. Zuerst Ljubljana, dann Kranj, dann Maribor (Eva Boto) und Koper, zuletzt Celje (mit ManuElla).

Omar Naber greift die meisten 12 Punkte-Sets ab und geht in Führung. Nuska Drascek hält sich überraschend gut und bekommt mehrmals die 10 Punkte. Die Favoriten BQL können nicht wirklich mithalten und Ska (Sell Out) floppt bei der Jury vollkommen (Zero Points).

Hier der Stand nach allen 6 Jury-Wertungen:

2017 EMA Jury Endergebnis

Tja und ein Superfinale gibt es diesmal gar nicht. Da bin ich leider einer Fehlinformation einer ESC Fanseite aufgesessen. Sorry! Nun wird durch das Aufaddieren des Televotings direkt der Sieger ermittelt. Es bleibt spannend. Hier die Televoting-Ergebnisse:

3. Platz beim Televoting: Raiven mit 48 Punkten
2. Platz beim Televoting: Omar Naber mit 60 Punkten
1. Platz beim Televoting: BQL mit 72 Punkten

EMA 2017 Televoting

Damit sind die beiden Topfavoriten BQL und Raiven auf den Plätzen 2 und 3 gelandet und wieder einmal in dieser Saison löst der Televoting-Sieger nicht das ESC Ticket!

2017 EMA Omar Naber Sieger

Damit haben wir einen lachenden Sieger: Juryliebling Omar Naber fährt wie schon 2005 auch 2017 wieder nach Kiew. Mit seiner Power-Ballade „On my Way“ wächst der Balladenberg des aktuellen Jahrgangs weiter an. Damit gute Nacht und bis morgen zum nächsten Super Saturday. Stay tuned!

 

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