Live-Blog Türkvizyon: Kasachin Zhanar Dugalowa gewinnt – Türkei stürzt ab

Zhanar Dugalova

Das größte Binnenland der Welt, Kasachstan, hat die zweite Ausgabe des von TRT initiierten Alternativ-ESC der turksprachigen Welt gewonnen. Im tatarischen Kazan holte sich Zhanar Dugalowa, die im Halbfinale noch als Dritte durch die Ziellinie gegangen war, den Sieg. Der Gastgeber Tatarstan musste sich mit dem zweiten Platz zufrieden geben, knapp dahinter Baschkortostan. Ein böses Erwachen gab es für die Türkei: Mit knappem Höschen reichte es im Halbfinale noch für Platz 2. Beim große Finale landete Funda Kilic in seriösem Outfit abgeschlagen auf dem letzten Platz.

Bereits am Mittwoch fand in der Hauptstadt der autonomen russischen Republik Tatarstan das Semifinale aller 25 Songs statt, das wir nicht live gebloggt haben. Einige Leser haben die Show verfolgt und hier live kommentiert, sodass wir bereits mehr als 120 Kommentare zum Thema gesammelt haben.

Hier und hier sind die Livestreams des ausrichtenden Senders Maidan TV zu finden. Weitere mögliche Livestreams haben die Kollegen von eurovoix hier zusammengestellt. Eurovoix hat auch auf mehrere Fehler im Voting des Semifinals hingewiesen, die aufgrund der engen Punkteabstände zu zwei falschen Qualifikationen führten! Statt Bulgarien und Jakutien wurden Bosnien und Turkmenistan als Finalisten angekündigt.

25 Juroren (je einer pro Land/Region/Gebilde) gab zwischen 1 und 10 Punkten pro Lied, außer dem eigenen. Im Finale wird das wohl genauso laufen. Der deutsche Beitrag „Sevdiğim“ (Die eine, die ich liebe) von Fahrettin Güneş schied auf Rang 21 abgeschlagen aus.

Mittlerweile hat man in Kazan nachgerechnet und nun einfach das Teilnehmerfeld aufgestockt. Nun werden 15 Songs im Finale zu hören sein, inklusive dem auf Rang 14 eigentlich unbestritten ausgeschiedenen Aserbaidschan.

+++Live-Blog+++

So, in zehn Minuten beginnt die Show in Kazan. OLiver und Douze Points sitzen im Hamburger Nebel und freuen sich auf die Show. Bisher haben sie auf den Genuss von Alkohol verzichtet – ob das eine weise Entscheidung war? Gleich wissen wir mehr. Wobei: Das bereits laufende Vorprogramm auf Maidan TV uns bereits Angst einflößt. Viele Trachten, stampfender Beat – eigentlich ein gefundenes Fressen für Douze Points. Aber in diesem Fall…

Das aktuelle Wettersatellitenbild der Region Tatarstan zeigt viele graue Wolken und wirkt etwas ungastlich. Wetteronline bestätigt: Minus 5 Grad. Am Wochenende sollen es minus 15 werden. Dann doch lieber Nebel in Hamburg.

Im Vorprogramm pflügt gerade ein älterer Herr mit Stirnglatze seinen Kartoffelacker und singt dabei ein herzhaftes Lied zum Mitklatschen. Wir fragen uns, ob es um Landwirtschaft oder etwas anderes im Lied geht. Mittlerweile kommt auch ein Pferd zum Einsatz – ist das ein Zeichen, wer die heutige Türkvizyon gewinnen wird? Aufgrund des Videos bekommt OLiver Lust auf Kartoffelrösti mit hartgekochten Eiern. Wir stellen fest: Maidan TV ist das MTV von Tatarstan. We like.

Es läuft Werbung – unter anderen für Klingeltöne. Wir haben ein schlimmes VIVA-Flashback. Obwohl es nur noch zwei Minuten bis zum Sendestart sind, kommt noch eine Video Premiere: Jasmin singt in einem Reisebus sitzend. Die könnte gern auch gleich auf der Bühne in Kasan auftreten. Ende des Videos, wir wissen nicht, wie ihre Fahrt aussgeht. Dafür geht die Show los!

Eine mutierte Riesenmotte mit Neon-Applikationen hebt von der Bühne ab und schwebt davon. Die Teilnehmer des „Show-Theaters Charme“ tanzen in langen Gewändern auf der Bühne. Über ihnen schweben die Motte und andere Figuren. Konkret: andere Motten. Dazu erklingt die ganze Zeit eine rhythmisch-folkloristische Musik, die man sonst auch laut OLiver beim Grand Prix Special im Dressurreiten hören könnte.

Zusätzlich zum „Show-Theater Charme“ sind nun auch die heutigen Interpreten auf die Bühne gekommen und schwenken ihre jeweilige Fahne. Und da sind auch schon die drei Moderatoren: Artem (Mann, schwarze Jacke), Narmin (Frau in grün) und Ranil (Mann, rotes Jacket). In der Tatneft-Arena sind außerdem maximal 8.000 Leute.

Ein Einspieler stellt die aktuelle turksprachige Kulturhauptstadt Kazan vor und erklärt den Wettbewerb. Die Moderatoren sprechen in einer Türksprache, die wir nicht genau identifizieren können. Vermutlich Tatarisch. Artem spricht aber Russisch. Es folgt ein Rückblick auf das Semi-Finale. Artem und Ranil tragen Jeans zum Sakko.

Der ESC-Sieger Eldar wird eingeblendet, der für Aserbaidschan votet. Die gleichen 25 Juroren, die bereits vorgestern beim Semi abgestimmt haben, werden auch heute die Entscheidung fällen. Warum sollte das Ergebnis heute dann anders aussehen als vorgestern?!

Artem steht neben der Bühne, wo er mit den Interpreten vor den Auftritten sprechen und auch singen wird. Er begrüßt die ersten Teilnehmer aus Baschkortostan.

Wir sehen gerade: Das ist gar nicht Baschkortostan, sondern die Türkei. Offenbar hat man die Startreihenfolge noch einmal geändert.

1. Türkei: Funda Kılıç – Hoppa (Leichtfertig) (Semi: Platz 2)

Funda, die selbst Henna-Tattoos hat, henna-tätowiert Artem an der Hand. Wir hätten eine andere Stelle ausgesucht. OLiver berichtet, dass Henna heftige Allergien auslösen kann. Gerade hat die Bild-Zeitung am Beispiel einer deutschen Urlauberin darüber berichtet.

Hoppa gewinnt sehr dadurch, dass Fundas Schenkel nicht mehr so deutlich zu sehen sind wie im Semi. Musikalisch ist es ziemlich untere Schublade, allerdings mit erheblichen Mitwipppotenzial. Und einem höchst attraktiven bärtigen Hintergrundsängertänzer. Mit dem mitreißenden und durchaus zeitgenössischem Beat ist das Lied eine hervorragende Eröffnungsnummer. Stimmlich hat Funda aber noch Luft nach oben. OLiver findet ihren Look heute deutlich besser.

Wir geben 12/20 Punkten.

 

2. Krim: Darina Siniçkina – Suya gider (Ich ging zum Wasserholen) (Semi: Platz 9)

OLiver übernimmt, weil Douze Probleme mit dem Stream hat. Darina trägt ein langes rotes Abendkleid (ein passendes Outfit zum Wasserholen) und singt eine groß angelegte Ballade. Wir bemerken die russische Fahne neben der Fahne der Krim, klar, wir sind in Russland und da kann man nochmals ein Ausrufezeichen unter die Annexion setzen… Darina schreitet ein wenig umher und singt sich die Seele aus dem Leib, es wirkt auf uns allerdings nicht. Auch der Kameraführung fällt wenig ein. Wir verstehen natürlich den Text nicht und fragen uns, was kann so dramatisch sein, wenn man Wasser holt?

Wir machen 6/20 Punkten locker.

 

3. Kasachstan: Zhanar Dugalowa – Izin kөrem (Ich sehe Deine Spur) (Semi: Platz 3)

Douze Points übernimmt wieder. Im Gespräch mit Zhanar wirkt Artem etwas erschrocken, als sie zu singen anfängt. Das mag auch an ihrem kronenartigen Kopfschmuck liegen. Das Lied liegt steigert und düdüdüdüdeleit schnell vor sich hin. OLiver erspäht bei Zhanars Gesicht und Bewegung Ähnlichkeiten zu Anna Oxa. Ein Tänzer kämpft umrahmt von Ventilatoren mit einer roten Stoffbahn. In Kazan muss der Stromverbrauch gerade sehr hoch sein. Zum Schluss des Liedes ist noch ein Mandolinenspieler dazugekommen, der wild das Instrument bearbeitet.

Wir geben 14/20 Punkten (von OLiver kommen 9).

 

4. Usbekistan: Aziza – Dunyo bolsin omon (Welt, sein unser!) (Semi: Platz 10)

Im Einspielfilm lernen wir, dass Azizas Lieblingsbuch Anna Karenina ist. Zuvor wurde noch die Schmuckfrage geklärt: Man hat viel Metall – bevorzugt vor der Stirn.

Aziza trägt das Outfit eines Lederschlumpfs. Ihr Lied ist ein Crossover aus Jazz, RnB und wiederum folkloristischen Elementen. Die Stimme klingt blechern, so wie sonst gern bei ESC-Sängerinnen aus dem südosteuropäischen Bereich. Die beiden Tänzerinnen haben ihre Sackhosen aus der Aerobic-Stunde anbehalten. Überhaupt sind die Outfits sehr schwarz und sehr züchtig. Die Musik tut nicht weh, abgesehen vom leichten Schreien am Ende.

Wir verständigen uns auf 11/20 Punkten.

Es folgt ein kleiner Werbefilm über Kazan. Dort gibt es offenbar eine Metro, Pferderennen und Gebäude. Außerdem einen breiten Fluss.

 

5. Iran: Barış Grubu – Heydar baba (Vater Haydar) (Semi: Platz 8)

Im Vorgespräch mit Artem gibt der iranische Sänger schon einmal eine a cappella Einstimmung.

Wow! Hard-Rock trifft Folklore. Erinnert ein bisschen an Santiano, wobei der Geiger fehlt und Baris Grubu noch etwas härter ist. Finnisch? Die Stimme des Sängers hat dazu eine Opern-Färbung. Interessant. Wenn man jetzt noch verstünde, worum es genau geht. Nur um Vater Haydar? OLiver bemerkt ganz richtig, dass die Musik gar nicht dem entspricht, was man sich unter iranischer Musik vorstellt. Visuell (leider) auch nicht. Die alternden Rocker könnten es locker mit den Skorpions aufnehmen.

OLiver und Douze Points sind sich nicht ganz einig und kommen auf 11/20 Punkten.

 

6. Baschkortostan: Zaman – Kubair (Semi: Platz 4)

Eigentlich sollte diese Kombo ja da Finale eröffnen. Wir nicht, was in Kazan los ist. Aber jetzt dürfen sie dran.

Sphärisches Geflöte bildet den Einstieg, gefolgt von einem elfenhaften Gesang einer blonden Sängerin in einem roten Kleid. Nach diesem enya’esken Intro übernehmen Trommeln und eine Mundleier (so hört es sich zumindest an) die musikalische Führung. Alles wird schneller – auch der Gesang der Interpretin. Die Hintergrundsängerinnen bewegen sich synchronisiert, als ob es kein Morgen gäbe. Die ganze Nummer passt wunderbar zu einem gemütlichen Fest in Mittelerde. Falls der Hobbit Teil 3 noch Musik bräuchte – hier würde er fündig. Douze Points fehlt allerdings etwas die Struktur.

Verelft geben wir (wieder) 11/20 Punkte.

 

7. Kirgisistan: Non Stop – Seze bil (Rhythmus der Jahreszeiten) (Semi: Platz 6)

Die Kazaner Stadtbibliothek scheint so gut sortiert zu sein, dass auch die kirgisischen Teilnehmer ihr Lieblingsbuch finden: Manas.

Es folgt Choreographie mit Fesselung. Nach einem ruhigen Auftakt, bei dem sich die beiden Sänger sympathisch ansingen, wird der Beat nach oben gedreht. Im Hintergrund tanzen maskierte Pantominen-Soldaten. Es ist schon ein bisschen schäbig, aber wunderbar großraumdiskomäßig. Dann werden beide gefesselt – und befreien sich daraufhin wieder. Der Rhythmus des Liedes wird nicht jedem Gefallen, entspricht aber in der Tat der aktuell gängigen DJ-Logik. Grandiose Hebefigur der Sängerin. Trickkleidalarm: Der Sänger wirft (leider nur) seine Ärmel weg. Süß!

Geradezu hingerissen geben wir 18/20 Punkten.

 

8. Turkmenistan: Züleyha Kakajewa – Shikga-Shikga bilerzik (Semi: Platz 15)

Es folgt die Republik, die sich nur dank eines Regelfehlers ins Finale geschlichen hat. Die Jury hatte sich selbst nämlich versehentlich 5 Punkte gegeben. Dieser Fehler wurde erst bemerkt, als das Land schon als Finalteilnehmer bekanntgegeben war. Umso schöner für uns, auch wenn es eine der schlimmsten Diktaturen der Welt ist.

Sowohl der Gesang als auch die Outfits sind hochgradig traditionell. Den Auftritt hätte es so auch schon vor 500 Jahren geben können. OLiver fragt sich, ob Giftstoffe verwendet wurden, um die Kleider der Backgroundtänzerinnen zu färben – das Grün ist nicht von dieser Welt. Außerdem stellt er fest, dass das Land ein Stück Teppich in der Fahne hat. Er ist offenbar nicht ausgelastet – oder ihm fehlt der Alkohol. Und er schiebt nach: Das ist Musik, die man als Taxifahrer gern hört. Als Taxifahrer in Aschgabat.

Wenn alles mit rechten Dingen zugeht, müsste Turkmenistan letzter werden.

Wir geben 7/20 Punkte. Bei uns liegt das Land vor der Hol-Wasser-Frau.

Es folgt ein weiterer Einspieler. Es gibt also auch einen Freizeitpark in Kazan. Und Sportler haben sie dort auch. Aber heute geht es um die Musik.

 

9. Jakutien: Vladlena Iwanowa – Kyn (Semi: Platz 12)

Im Vorgespräch überreicht de Sängerin Artem eine schlimm bemalte Tasse mit drei Standbeinen, die aussehen wie Kuhzitzen.

Der bzw. die mit dem bzw. den Wolf bzw. Wölfen tanzt. So geht es auf jeden Fall los: Heulende Wölfe. Ob der ganzen Maskulinität werden wir ganz wuschig. Dann betritt Vladlena die Bühne und stimmt in den sehr rhythmischen Gesang ein. Neben den zu Wölfen verkleideten Männern passt sie mit ihrem Festoutfit hervorragend, wobei wir nicht wissen, warum sie an den Hüften überproportional große Fellpuschel trägt. Das Lied bleibt mittelschnell und wird von einer schlimmen E-Gitarre begleitet. Die Wölfe kommen zurück. Das Lied geht trotzdem nicht mehr ab. Da fehlt was. Das kann auch das abschließende Geschreie der Sängerin nicht kompensieren.

Wir geben 15/20 Punkten. Für Artem gibt Douze Points mittlerweile auch 9 Punkte.

 

10. Bulgarien: İsmail Matew – Yollara, taşlara (Zu den Straßen, zu den Steinen) (Semi: Platz 11)

Ismail hat von der ganzen Rechenfehler-Geschichte profitiert und darf heute im Finale auftreten. Beim Betreten auf die Bühne lässt er sich erst einmal feiern, als sei er auf einem Hochzeitsfest. ESC-Fehler 1: Er ist allein auf einer riesigen Bühne. ESC-Fehler 2: Er versucht, die Leute zum Mitklatschen zu animieren. Das Lied ist SEHR türkisch, wie man es vom lokalen Friseur, Dönerladen oder Taxifahrer kennt. Es mäandert popfolkloristisch vor sich hin. Das Augen-Make-Up und die sonstige Erscheinung dürfen getrost dem metrosexuellen Zeitgeist zugeschrieben werden. Wir halten Conchita für männlicher.

Douze Points ist diese Art Musik so vertraut, dass er sich zu 6 Punkten hinreißen lässt. Zusammen mit OLiver sind es 8/20.

 

11. Aserbaidschan: Elvin Ordubadlı – Divlərin yalqızlığı (Die Einsamkeit der Riesen) (Semi: Platz 14)

OLiver gibt gleich einen Rat: Wenn man so klein ist, darf man weder Umhänge noch Turban tragen, weil man dann gleich sehr puschelig aussieht.

Der kleine Aserbaidschaner mit seinem Umhang singt eine weiß-gekleidete Tänzerin an, die sich dann doch dem schwarz-gekleideten Tänzer zuwendet. In der Zwischenzeit singt der Azeri viel zu tief und verbissen vor sich hin. Und zwar einen schlimmen Stilmix. Zwischen Folklore mischt sich ab und zu weiblicher Ariengesang. Am schlimmsten ist aber dazu die Harry-Potter-Erscheinung. Man wartet darauf dass eine Frau hereingeschoben wird, die von Elvin als Magier zersägt wird. Douze Points kommt von einem Lachflash in den nächsten.

Mit Tränen in den Augen geben wir 7/20 Punkte.

Und jetzt muss Douzey mal aufs WC und OLiver übernimmt. Kleidungsmäßig wird’s nun schäbig, die Hotpants der Bosnierin gehen gar nicht… und jetzt wird im Vorfilm auch noch gerappt… also, da sind wir ja fast froh, dass Bosnien dem ESC den Rücken gekehrt hat… mal sehen was uns erwartet.

 

12. Bosnien & Herzegowina: Mensur Salkić – Šutim (Ich bin still) / Semi Platz 13

Es wird rockig, Mensur ganz in Schwarz mit Balkan-Pop. Hört sich slawisch und nicht turksprachig an. Salto auf der Bühne, hier wird gerockt, getanzt und die Hotpantsfrau spielt Schlagzeug und Bassgitarre… ein Multitalent. Oder man hatte kein Geld für mehr und richtige Musiker auf der Bühne. Recht melodisch, für den ESC wäre das aber zu anonym, zu wenig akzentuiert, zu sehr Schülerband, meint Douze. Tonartwechsel mit Rückung gefällt Douze und wir finden die Lederhose auch ganz passend. Weichgespülter Billo-Rock-Pop. Hat auch vom Rechenchaos im Semi profitiert.

Wir geben 9/20 P.

Nun die Zweiten der tatarischen Vorenstcehdiung, die man unter dem Label „Moskau“ eingeschmuggelt hat. Natürlich auch klar im Semi qualifiziert. Doch zuerst ein Filmchen, dass Tatarstan als Infrastrukturparadies und ökonomisches Powerhouse präsentiert.

Artem hat riesige Kulleraugen, ist das schon jemand aufgefallen…?

Hups, falsche Ankündigung, erst geht es nach Skopje… das Reiterdenkmal kommt mir doch sehr bekannt vor…

 

13. Mazedonien: Kaan Mazhar – Yolumu bulurum (Ich finde meinen Weg) /Semi Platz 7

Platz 7 im Semi, damit ist Mazedonien in der Türkvizyon schon besser als in der ESC-Geschichte. Kaan singt etwas, dass sich sehr nach Tarkan anhört – melodiöser Türkpop, moderner als der Titel des Bulgaren. Douzey erkennt wenig Unterschiede, abgesehen von der Optik. Kaan hat allerdings weitaus weniger Ausstrahlung als Tarkan, da hilft auch das Ziegenbärtchen nicht… dem Kazanischen Publikum in der Halle scheint es aber sehr zu gefallen. Kenan Dogulu (Shekerim) fällt uns hier auch noch ein…

9/20 Punkte von uns.

So jetzt Moskau, beziehungsweise Team Tartarstan II. Die beiden eigenen Titel also zum Schluss. Von wegen Auslosung. Die Gruppe bringt ein Reisgericht mit Fleisch und Möhrchen mit. Jetzt wird aber gesungen, nicht geschlemmt. Wir fragen uns inzwischen, wie viel russische Entitäten und Gebilde es überhaupt gibt. An die Hundert, denke ich…

 

14. Oblast Moskau: Kazan World – Sine kötem / Semi Platz 5

Die Sängerin trägt Turban und ein klassisches langes rotes Kleid und beginnt mit unstrukturiertem Geschrei, dann setzt ein wilder Beat ein. Eine Schattenwand ist der Special Effect, allerdings passen die Bewegungen nicht zum Geschrei jetzt wird’s irisch-folkoristisch eine ziemlich wilde Mischung finden wir. Der treibende Beat ist etwas enervierend, alles etwas zu forciert… ein Bosnier im Publikum schlägt trotzdem Salti… schmerzhaft, die hohen Töne. Und das Gitarren-Geigensolo aktiviert womöglich einen Tinnitus bei den Zuschauern. 

Wir geben sparsame 5/20 Punkte, unser letzter Platz, noch hinter der Wassertransport-Fachkraft.

Und nun – ich sage es nochmal: von wegen Auslosung – der Gastgeber und klare Favorit: die rennenden Pferde aus Tatarstan. Ajdar trägt wie im Semi sein Schnürkostüm, dass sehr eng im Schritt sitzt… dann klappen die hohen Töne sicher besser…

Die Idee mit „mein Lieblingsbuch“ im Vorfilm finden wir gar nicht schelcht, hier ist es ein Gesangsbuch…

 

15. Tatarstan (Gastgeber): Ajdar Sulejmanow – Atlar chaba (Rennende Pferde)  (Semi: Platz 1)

Sicher die beste Inszenierung: Der Background jongliert eine große Kugel, Ajdar ist geschnürt und sehr konzentriert. Ein rennendes Pferd wird auf die Kugel projiziert. Alles sehr mitreißend und ausgeklügelt choreographiert. Hier stimmt vieles, auch wenn das Pferd mit Flügeln (Pegasus?) nun etwas over the top ist… die Bühne wird voll ausgenutzt, nun fliegt Ajdar, er hängt an Schnüren und steht auf der Kugel… stimmlich auch sehr gut. Großes Finale, hier wird alles aufgeboten, was möglich ist, das Publikum tobt. Keine Frage, Ajdar wird gewinnen, die Juroren konnten sich schon im Halbfinale dem Pferdesong nicht entziehen. Wir auch nicht.

18/20 Punkte. Top bei uns, zusammen mit dem Duo aus Kirgisistan.

Nach einem kurzen Einspieler über Kazan sind wir wieder in der Halle. Artem liest eine Grußbotschaft des russischen Kulturministers vor. Renil und die Moderatorin sagen auch was. Keiner hat sich bisher umgezogen.

Sinan Akcil ist der Intervall-Act und singt „Tabi Tabi“. Wir kennen ihn nicht. Das Lied ist sowas von eindeutig Playback. Jetzt haben wir uns schlau gemacht: Akcil hat „Düm Tek Tek“ geschrieben, ein besonders ärgerliches ESC-Lied, wie OLiver findet. Laut Google Translate heißt „Tabi Tabi“ soviel wie „Yeah Yeah“. Na dann.

Im Greenroom herrscht ein Durcheinander wie sonst nur auf der Istiklal Cadesi zur Rushhour. Von den Kostümen her ist hier alles viel opulenter als bei einem ESC.

Was zunächst wie ein Schnelldurchlauf wirkt, ist bereits die Punktevergabe. Nachdem jeder Song kurz angespielt wurde, wird die Wertung von allen Jurys für den Beitrag eingeblendet. Kurz darauf ist die Gesamtpunktzahl zu sehen.

128 Punkte für die Türkei
186 Punkte für die Krim
225 Punkte Kasachstan
183 Punkte für Usbekistan
167 Punkte für den Iran
199 Punkte für Baschkortostan
196 Punkte für Kirgisistan
192 Punkte für Turkmenistan
183 Punkte für Jakutien
172 Punkte für Bulgarien
177 Punkte für Aserbaidschan
176 Punkte für Bosnien-Herzegowina
166 Punkte für Mazedonien
170 Punkte für den Oblast Moskau
201 Punkte für Tartastan

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Sieger ist NICHT Tartastan, sondern Kasachstan!!

Wir sind überrascht. OLiver freut sich, denn das ist ein Lied mit Qualität. Die Sängerin bricht in ihrer Ansprache in Tränen aus. Großer Applaus und entsprechendes Abschlussbild. Damit hat das größte Binnenland der Welt gewonnen.

Aber warum ist die Türkei so abgestürzt? Sie sind abgeschlagen Letzte. Vorgestern im Halbfinale war sie noch Zweite! Dass sich so viel ändert… Hat der Verzicht auf die Hotpants die Sängerin gleich 100 Punkte gekostet?

Der mitgereiste kasachische Fanblock rastet aus. Drei Männer im Anzug betreten die Bühne und gratulieren. Es spricht der Präsident der Republik Tartastan, Rustam Minniskharov.

Insgesamt war die Show aber viel schneller und lebhafter als im letzten Jahr in der Türkei, als die Sendung mit vielen langweiligen Reden begonnen hatte.

Es spricht der Präsident von Türksoy, der internationalen Organisation für türkische Kultur. Anschließend spricht der Kulturminister von Turkmenistan. Warum auch immer. Die Sängerin erhält ein überdimensioniertes Diplom (mindestens A2-Format). Vielleicht weil sie sich am meisten um die türkische Kultur verdient gemacht hat?

Konfetti zum großen Finale. Aber das Siegerlied gibt’s nicht noch einmal zu hören. Aber sehen kann man die Sieger noch einmal. Sie freuen sich.

Wir schieben hier den Siegertitel nochmals ein:

Türkvizyon Winner 2014: Kasachstan!

Die Türkvizyon 2014 ist damit zu Ende. Es war ein unterhaltsamer Spätnachmittag/Vorabend. OLiver und Douze Points verabschieden sich für heute. Nachher findet auf Malta das Halbfinale statt. Wir haben den Live-Blog zum morgigen Finale. Dann begrüßt Euch Jan an dieser Stelle.

 

Nachtrag: Dank Leser Ali, der die Moderatoren verstanden hat, wissen wir nun: Turkmenistan wurde nicht gesondert geehrt, sondern es wurde gewissermaßen die Verantwortung für die Türkvizyon 2015 weitergereicht. Nächstes Jahr findet der Contest in Aschgabad statt. Daher war der turkmenische Kultusminister vor Ort. Womöglich kehrt die Türkei dann zu den Hotpants zurück…

Und noch ein Nachtrag: Die Kollegen von Eurovoix haben eine sehr plausible Erklärung für das Desaster. Der türkische Juror Sinan Akçıl ist gleichzeitig der Komponist des türkischen Beitrags. Er hat etliche Länder im Semi sehr schwach (mit einem Punkt) bewertet. Diese haben sich dann im Finale direkt revanchiert und ihren Ärger über den Juror an Funda ausgelassen. In manchen Wertungen fiel sie von der Höchstwertung 10 auf einen Punkt zurück! Diese Erklärung macht Sinn und deckt die große Schwäche dieses Jurorensystems auf:
http://eurovoix.com/2014/11/21/turkey-juror-may-have-had-a-hand-in-last-place-result/

Die komplett Show: