Live-Blog UK: SuRie gewinnt „You Decide“ und singt „Storm“ in Portugal

Mit schwedischer Schützenhilfe und an historischem Ort, dem Brighton Dome, in dem ABBA den ESC 1974 gewannen, kürten die Briten am Mittwochabend ihren Beitrag für Lissabon. Ob es eng war und wie das Publikum bzw. die Jury gevotet haben, wissen wir nicht, da nur das Endergebnis bekanntgegeben wurde: SuRie, die offensichtliche Favoritin der (überwiegend tragisch veranlagten) Fans in der Halle gewann das Ticket mit ihrem Song „Storm“.

Und auch unter der Woche geht es weiter mit der Suche für Lissabon, und wieder war ein Big-5-Land fleißig. Die Briten suchten ihren Act für den ESC 2018. Moderieren haben die BBC2-Show live aus dem Brighton Dome auch dieses Mal (die etwas unterkühlte) Mel Giedroyc, glücklicherweise jedoch mit Unterstützung von Måns Zelmerlöw. Und selbst die Songs waren tatsächlich knackiger als im Vorjahr. Eurovision: You Decide!

Die sechs Beiträge kamen vor einigen Tagen online und wir haben sie bereits kurz vorgestellt. Hier gibt’s bei der BBC noch Hintergrundinfos und kurze Clips zur Einstimmung (leider etwas unübersichtlich eingestreut in Videos zu den Vorjahren). Und hier wird voraussichtlich live gestreamt.

Good Evening, Europe (hier auch als musikalischer Gruß vom norwegischen Vorentscheid 2003) aus Palma! Nach dem Schweizer Live-Blog am Sonntag freue ich mich, auch die britische Vorauswahl von hier aus begleiten zu können. Das setzt natürlich voraus, dass die Briten nachher ihre Geoblocker aussetzen und wir den Stream verfolgen können. Das war aber in der Vergangenheit nie ein Problem. Funktionierende Stream-Links könnt Ihr auch gern im Kommentarfeld eintragen.

Dass der Vorentscheid um 19:30 Uhr beginnt, ist schon etwas kurios. Wir sind hier doch nicht beim ZDF und „Der große Preis“ oder der „Pyramide“! Aber so sind sie, unsere Freunde von der Insel… Ich hatte mir die sechs Songs mal angehört, als sie rauskamen. Seitdem habe ich mich aber nicht mehr damit beschäftigt. Ich schaue jetzt auch bewusst nicht auf unsere Umfrage, um womöglich offener zu sein, für das, was mich erwartet. We’ll see.

Vielen Dank für die Link-Tipps. Die hier funktionieren auch bereits vor der Show.
https://watchbritishtv.com/live-tv/bbc-2/
https://tvcatchup.com/watch/bbctwo

Und die Show beginnt mit einem kleinen Rückblick auf den ABBA-ESC-Sieg. Dann begrüßt erstmal nur Mel die Zuschauer vor Ort. Anschließend holt sie Måns Zelmerlöw auf die Bühne. Mein Stream spinnt gerade immer mal. Er kommt zu seinem Siegersong auf die Bühne. Während sie eine weiße Jacke trägt, ist er ganz in schwarz gekleidet. Måns ist mit einer Britin verlobt und wird offenbar Vater. Mel meint: Das Verhältnis der Briten zum ESC sei so wie das von Theresa Mays Haar zu Wind. Damit meint sie wohl nicht die deutsche Band.

Jetzt sitzt Måns am Flügel. Ich weiß aber nicht, was er spielt, weil ich nur ein Standbild habe. Hilfe! So, habe den Stream geändert. Da ist eine Frau mit Måns auf der Bühne. Ist das die Siegerin vom letzten Jahr, die mit ihm „Dancing Queen“ singt? Oh, es ist ein Medley. Jetzt singen sie im Duett mit moderner Instrumentierung „S.O.S.“ Ich bin jetzt übrigens auf dem tvcatchup.com-Link. Nächstes Lied: „The Winner Takes It All“. Von der musikalischen Umsetzung her etwas schäbig, aber wirklich nett und sympathisch. Die überwiegend männlichen Zuschauer in der Halle sind begeistert. Und prompt kommt Mel mit einem Napoleon-Hut auf die Bühne. Und ja, es war Lucy Jones.

Die Kandidaten für Lissabon werden einzeln auf die Bühne gerufen. Die Outfits der sechs sind ja schon einmal vielversprechend … not. Naja, never judge a book by its cover. Oh, ein Brexit-Gag von Måns. Nice. Nachdem die beiden Moderatoren das Voting durch die Zuschauer erklärt haben, werden drei Expert-Panelisten präsentiert. Die drei werden allerdings nicht mit abstimmen. Die Jury, die das machen wird, wird nicht gezeigt.

Die Künstler werden mit einem kurzen Film präsentiert, in dem sie selbst zu Wort kommen. Sie erzählen auch, was es mit ihrem Song auf sich hat.

01. – Raya – Crazy
(Emil Rosendal Lei, Greta Salóme Stefánsdóttir und Samir Salah Elshafie)

Die Sängerin trägt ein schwarzes, Latzhosen-inspiriertes Outfit aus den 90er Jahren. Nach einem kurzen Intro kommt ein Tänzer hinzu. Und schwups ist sie im Refrain, den sie etwas zu sehr schreit. Oh, zur zweiten Strophe kommen vier weitere Tänzer in Träger-Shirts dazu. Das Publikum beginnt mitzuklatschen.

Raya – Crazy

Insgesamt wirkt die Instrumentierung auf mich aber etwas dünn. Nach einer Brücke explodiert das Lied … ein bisschen. Das wird aber vom Bühnenbild überhaupt nicht aufgegriffen. Vielleicht wirkt das deshalb auch so billig. In Portugal würde da nicht viel passieren, weshalb ich hier auch nur

4 von 10 Punkten gebe. 

Die Aussagen der Panelisten kann man natürlich direkt in die Tonne treten. Da wird gelobt, wo es kaum etwas zu loben gibt. Sorry, that ain’t gonna work.

 

02. – Liam Tamne – Astronaut
(Ashley Hicklin, Jacob Pedersen, Jeanette Bonde und Rune Braager)

Liam steht allein auf der Bühne auf einem Podest an einem Mikrofon-Stativ. Schwarze Lederjacke, weißes T-Shirt, schwarze Hose. Die Strahler, die sich bei ihm treffen, machen einen netten Eindruck. Oh, jetzt singt er den Refrain mit der Kopfstimme. Da sitzt nicht jeder Ton. Eigentlich ist er doch eher ein Musical-Sänger, oder? Also ich weiß nicht.

Liam Tamne – „Astronaut“

Netter Sound, der nicht weh tut (hat jemand Perfect Life gesagt?). Oh je, Liam will es unbedingt wissen. Das wirkt alles wild zusammenzimmert, Kraut und Rüben. Dabei ist der eigentliche Sound gar nicht mal verkehrt. Nein, das werden nicht mehr als

3 von 10 Punkten. 

Überraschung, zwei von drei Panelisten haben tatsächlich auch mal konstruktive Kritik. Die ist durchaus angebracht.

 

03. – Asanda – Legends
(Christopher Wortley, Laurell Barker und Roel Rats)

Huh! Großer Auftakt. Mann mit Hut auf einem Gestell, dann übernimmt Amanda in ihrem roten, übergroßen, glänzenden Trainingsanzug zusammen mit vier Tänzern. Ok, etwas schäbiger Sound. Aber ganz ehrlich: das macht Spaß. Auch wenn die Stimme von Asanda an der ein oder anderen Stelle mal schwankt.

Asanda –Legends“

Die Kameraführung ist eher schwierig. In der Brücke kommt der Hut-Mann wieder mit seinem… Rap? Ok, mir kommt das länger vor als drei Minuten. Aber, im Gegensatz zu Raya ist das wirklich energie-geladen. Also, das wird nicht mein Lieblingslied, aber es ist auf jeden Fall

7 von 10 Punkten wert. 

Der Über-ESC-Fan im Panel bringt es gut auf den Punkt. Der Beitrag zieht die Aufmerksamkeit auf sich. I’m in!

 

04. – Jaz Ellington – You
(Ashley Hicklin, Herman Gardarfve & Laura White)

Eine Soul-Ballade. Jaz steht in einem schwarz-weißen Bühnenbild, ist selber schwarz gekleidet und trägt Hut (das scheint heute so ein Ding zu sein). Was passiert jetzt? Nach dem schlüssigen ersten Teil, bricht der Refrain damit und klingt nach einem anderen Lied.

Jaz Ellington – You

Jaz kann zweifelsohne singen, und das auch kräftig. Beim zweiten Refrain (wenn er das denn ist) hat er mich wieder … so ein bisschen. Wie schon Liams Lied geht es ziemlich stark hin und her. Es reicht dann aber doch für

5 von 10 Punkten.

 

05. – SuRie – Storm
(Nicole Blair, Gil Lewis und Sean Hargreaves)

SuRie war 2015 beim ESC in Wien als Background-Sängerin dabei und letztes Jahr für Blanche in Kiew. Hatte ich gar nicht auf dem Schirm… Sie trägt auf der Bühne ein ärmelloses, petrolfarbenes Kleid. Sie ist sehr statisch, aber das Lied hat durchaus dynamische Momente. Das Bühnenbild gefällt mir sehr gut, schöne Effekt. Clean und modern.

SuRie – „Storm“

Das Lied geht wieder etwas zu sehr hin und her, und weiß nicht, was es sein will. Darüber verliert man den Anschluss. Und der Refrain ist etwas zu simpel, dafür dass die Erwartung vorher so hochgeputscht wurde. Bis zum Ende des Liedes hat SuRie übrigens ihren Platz am Mikrofonständer nicht verlassen. Dafür gibt es von mir

6 von 10 Punkten.

Sehr großer Applaus. Allerdings ist das Publikum natürlich auch … speziell. Also im positiven Sinne. Einschlägig vorbelastet.

 

06. – Goldstone – I feel the love
(Eric Lumiere, Joakim Buddee, Laura White und Roel Rats)

Goldene Bühne, Glimmer und Glitzer. Deutlicher Clap-Beat. Die drei Damen klingen so wie eine Mischung aus 70ies und Uplifting-RnB, wenn es so etwas gibt. Und ja, sie verlassen im ersten Refrain die Mikrofonständer. Keine überbordende Choreo, aber das passt ganz gut. Ein bisschen bitchy, ein bisschen sexy (also das komplette Gegenteil von Ann-Sophie). Schön dynamisch.

Goldstone – I feel the love

Ein bisschen wie OG3NE auf Speed. Herrlich! Ich vermute mal, dass wird Peters Top-Song aus den nationalen Vorentscheiden dieses Jahr. Also, ich bin angetan und gebe

7 von 10 Punkten. 

Der ESC-Panelist sieht auch die Ähnlichkeiten zu OG3NE und bezeichnet Goldstone als den Uplift der Holländerinnen.

Die Kandidaten sind durch. Für mich wäre es Asanda oder Goldstone. Persönlich am sympathischstes finde ich SuRie. Leider passte bei ihrem Lied nicht wirklich alles. Da waren die anderen beiden Songs schon schlüssiger.

Die Zuschauer haben jetzt 15 Minuten, um für ihre Favoriten abzustimmen. Schnelldurchlauf. Dann spielen sie dieses YouTube-Ding, wo Leute Sachen gezeigt kriegen und dann darauf reagieren. Das machen sie mit Highlights vom ESC in Kiew. Schweden wird gezeigt, Salvador Sobral und Moldawien.

Mel testet die Britishness von Måns Zelmerlöw in einem Schnellrate-Quiz mit lustigen Fragen. Schöne Idee, wo er doch da jetzt lebt. Noch ein Schnelldurchlauf. Einspieler: Måns schaut sich in Brighton um. Selbstironisch, lustig, sympathisch. Hier merkt man dann doch die Hilfe von Edward af Sillén. Ok, haha, das ist gutes City-Marketing: Måns redet fast eine Minute mit einem Guide über die LGBT-Community in Brighton.

Das Voting ist beendet. Ein weiterer Rückblick auf den ESC 1974. Sehr lustig. Und auch mit deutlicher Handschrift von Edward af Sillén. Am Ende wird noch einmal der gesamte „Waterloo“-Auftritt von damals zeigt. Da muss wohl Sendezeit geschunden werden.

Zurück zum hier und heute: Alle Kandidaten stehen mit den beiden Moderatoren auf der Bühne. Die Stimmen sind ausgezählt. Offenbar wird nur der Sieger bekanntgegeben.

Gewonnen hat: SuRie

Ehm, ob sich die Briten damit einen Gefallen getan haben? Ich bin mir nicht sicher. Aber wir werden nie wissen, ob jemand anderes besser abgeschnitten hätte. Aber die linke Tabellenhälfte in Lissabon scheint mir bei der jetzigen Fassung des Songs nicht wirklich erreichbar.

SuRie singt noch einmal den Siegersong „Storm“. Das (betroffene) Publikum ist wieder aus dem Häuschen. Naja, zumindest das wird in Lissabon wohl ähnlich sein.

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