Live-Blog Ukraine: Rockband O.Torvald gewinnt dank Televoting

O.Torvald Pressefoto

Jamala hat mitentschieden. Sie setzte O.Torvald auf Rang 1. Platz 2 der Jury und Platz 2 im Televoting genügten der in der Ukraine sehr bekannten Rockband für das Ticket zum Heim-ESC in einem abwechslungsreichen, wenn auch langwierigen Vorentscheid. Hier unser Live-Blog zum Nachlesen.

Der Livestream des ukrainischen Fernsehens befindet bei youtube hier. Und die Finaltitel haben wir hier vorgestellt.

Es moderiert Serhiy Prytula. Die Jury besteht aus ESC-Siegerin Jamala, Verka Serduchka (als Alter Ego Andriy Danylko) und dem Komponisten und Produzenten Konstantin Meladze. 6 Songs stehen zur Wahl. Entschieden wird in einem Mix aus Jury und Televoting (je 50 Prozent).

 

Guten Abend aus Hamburg,

hier meldet sich OLiver mit dem ersten und höchstwahrscheinlich auch letzten Liveblog des Abends. Wenn ich das im Programm des Senders richtig lese, haben wir erst 2,5 Stunden Show und dann eine lange Pause. Die Entscheidung fällt dann erst spät am Abend gegen 0.30 Uhr. Aber wie wir vom letzten Jahr wissen, es kann alles passieren – auch dass man eben mal die Sendung um das Doppelte (!) überzieht, weil noch so viele Dinge ausgesprochen werden müssen…

Jan, unser armer Liveblogger des ukrainischen Finals 2016 leidet noch heute an den Spätfolgen dieses Blogs und hofft, diese mit einem Besuch in Kiew und einer dortigen Konfrontationstherapie erfolgreich kurieren zu können. Als an Sanremo gewöhnter Blogger richte ich mich also auf einen laaangen Abend ein und freue mich, wenn mir einige Leser, die nicht nach Schweden oder Dänemark abwandern, dabei Gesellschaft leisten.

Es geht los um 18 Uhr, der Countdown im youtube-Livestream läuft bereits zurück, ich werde Euch die ersten Minuten noch allein überlassen müssen, weil ja auch noch das neue Lesergame online gestellt werden muss… ich hoffe, da kommen keine Stimmen mehr in letzter Minute… doch!

18 Uhr, es geht los… und ich bin gleich wieder da…

So, das Lesergame ist erledigt und ich komme gerade rechtzeitig zurück, um die Bilder der über den roten Teppich schreitenden Stars des heutigen Abends zu sehen. Nun begrüßt Serhiy alle der Reihe nach… sie schreiten durchs Publikum auf die Bühne. Die Streamqualität ist sehr gut.

Der Abend fängt gut an, soeben habe ich ein Glas Cola-Zero umgeworfen… zum Glück liegt das Handy, auf dem ich den Stream schaue, auf der anderen Seite des Laptops… und nein, das ist keine Produktplatzierung wie im Semifinale, als die Jury vor Pepsi-Bechern urteilte… heute sind die Becher ohne Logo. Oho, hat die EBU dazu was gesagt oder werden die erst später umgedreht?

Wir sehen Konstantin (rechts) und Verka (links) alias Andriy… ja, das ist Verka Serduchka mal ohne Kostüm… von Jamala noch keine Spur, ihr Stuhl ist noch leer… wir nehmen an, weil sie gleich auftritt? Beide Herren waren letztes Jahr schon in der Jury, Jamala ersetzt Ruslana, die mitverantwortlich war für das endlose Palaver… sieht fast so aus, als würde uns das heute auch wieder drohen…

Jetzt ein Filmchen über Jamala mit Ausschnitten ihres reichhaltigen musikalischen Oeuvres… ihr Sieg im Vorentscheid 2016 war extrem knapp, nur dank Ruslana fuhr sie letztlich zum ESC, ihre heutigen Jurykollegen hatten sie nicht auf Rang 1 gesetzt…

Und jetzt tritt sie auf – mit einem neuen Song und langem gelben gemusterten Mantel! Wieder sehr avantgardistisch und nicht sehr melodisch… aber ganz interessant, bin ganz fasziniert von ihren dynamischen Bewegungen und ihrem Look mit der strengen Frisur, erinnert mich an die verstorbene deutsche Schauspielerin Ortrud Beginnen (u.a. aus den Loriot-Filmen, das ist die, die so schön „Presswurst“ sagen konnte…).

 

Schöner, ungewöhnlicher, total ESC-untypischer Auftakt. Mehr davon.

Jetzt gibts einen Plausch mit Serhiy… vermutlich über all das, was seit ihrem Sieg 2016 so passiert ist… im slowenischen Finale sagte sie gestern, der ESC-Sieg hätte ihr ganzes Leben geändert. Da musste sie sicher früh aufstehen, um den Rückflug zu bekommen und hat wohl nicht mehr so lange mit Omar Naber gefeiert? Jetzt aber rasch auf die Jurybank.

Und los geht’s – die Interpreten werden jeweils mit kleinen Filmchen vorgestellt.

1. Salto Nazad – O, mamo!
(Ivan Klimenko)

Einziger Song auf Ukrainisch, auch wenn es sich wegen des Arrangements eher wie eine afrikanische Sprache anhört. Ich denke da an Youssou N’Dour aus den 90ern. „O mamo!“ ist höchst ungewöhnlich, Leadsänger Sasha wie im Semi ganz in Schwarz, hat die Ausstrahlung eines dynamischen Yogalehrers und macht entsprechende Bewegungen. Der Song ist flott, mitreißend und macht Spaß. Das Publikum klatscht vom ersten Ton an mit. Erinnert mich an „Mamy blue“ aus den 70ern (es gibt auch eine Version von Daniela Simmons), das auch die Mama-Zeile immer wiederholt und einen gewissen hypnotischen Sog entwickelt. Diesmal hat Sasha auch eine echte Mamo auf der Bühne, die jetzt wild zu tanzen beginnt… und einen Kopfstand macht!!! Gefällt mir trotz der heutigen Klamaukelemente gut, das könnte die Überraschung im Televoting werden. Und mit dem Yogalehrer würde ich gern noch einen Chai latte trinken nach dem Kurs…

 

8/10 Punkte. Wäre eine höchst ungewöhnliche Wahl für die Ukraine und extrem anders als der letztjährige Siegertitel – was mir sinnvoll erscheint.

Die ältere äußerst fitte Dame ist nicht seine Mutter und sie spricht auch nicht Ukrainisch, sie kommt aus Schweden! Sie ist wohl auf andere Art und Weise über eine Community mit Salto Nazad verbunden und möchte die Band unterstützen… jetzt gibt’s eine kleine Comedynummer, die beiden stoßen Hundelaute aus… das Publikum ist entzückt.

Nun die Jury und Verka müsste eigentlich erfreut sein, tritt ja sonst auch mit Mutter auf… wir verstehen natürlich kein Ukrainisch (oder Russisch) und schauen mal auf die Uhr, wie lange die Beurteilung dauert…. ah, ich sehe gerade die Kollegen von esckaz twittern die Show, da schauen wir doch mal, was sie übersetzen… Jamala fand es toll und sie dachte, die Dame sei wirklich die Mutter des Sängers. Konstantin fand die Performance sehr geeignet für den ESC. Und Verka meinte, Mütter seien keine neue Idee, es sei aber sehr berührend gewesen. Fazit: Nur Lob, keine Kritik.

 

2. Melovin – Wonder
(Konstantin Bocharov, Mickey Mic)

Nun der X Faktor Sieger mit den verschiedenfarbigen Augen – der ist doch nicht wirklich hetero-chrom, oder? Womöglich eine Hommage an Marilyn Manson oder David Bowie, letzterer war wirklich heterochrom. Er hat wohl den am meisten zeitgemäßen Song im Angebot und ist erklärter Favorit der ukrainischen OGAE-Gemeinde. Melovin trägt einen halblangen schwarzen Ledermantel und ist gut bei Stimme. Der Song ist rhythmischer Pop mit mehreren Tempowechseln, leisen Stellen und einigen effektvollen Eh-he-eh-Ausrufen und sehr vielen sehr langen Tönen, bei denen er stimmlich überzeugen kann. Gut und effektvoll gemacht finde ich, auch wenn er mir noch zu sehr nach Castingstall riecht. Es fehlt noch an Ausstrahlung.

 

7/10 Punkte. Was meint die Jury?

Konstantin findet, Melovin sei noch nicht soweit für den ESC und man habe gemerkt, dass er nervös gewesen sei. Verka widerspricht, für Newcomer sei der ESC doch genau richtig und er (Verka) will diesmal einen Mann als Interpret für die Ukraine! Und Jamala, meint, er wäre besser gewesen als im Semi, aber noch immer nicht 100 Prozent. Also ein äußerst gemischtes Stimmungsbild der Fachjury, die ja 50 Prozent der Wertung zählt!

 

Werbung und der Stream stoppt nun erst einmal. Das kann nun erfahrungsgemäß dauern. Gut, dann kann ich die verschütteten Colareste endlich richtig beseitigen…

Wahnsinn, Pausen von 20 Minuten und mehr… da kann man ja wirklich noch andere Dinge tun, zum Beispiel Staubsaugen oder den Müll sortieren. Oder nach Moldawien schauen, wo Ralph Siegel einen Song im Finale hat…

Jetzt geht es weiter. Serhiy begrüßt uns zurück und wir machen weiter mit Lied Nummer 3.

 

3. O.Torvald – Time
(O.Torvald)

Sicher der größte Name im Vorentscheid. Die Rockband O.Torvald ist schon mehr als 10 Jahre im Geschäft und will jetzt zum ESC. Ihre Nummer fängt aber eher poppig an, rockig wird es erst zum Refrain hin, wenn sie die Gitarren zum Glühen bringen. Erscheint mir etwas auf den ESC hin getrimmt, aber sehr sonor, sehr melodisch. Das Setting ist verändert im Vergleich zum Semi: Der Ledsänger hat zerissene Kleidung an und blutende Schrammen. Sie stehen auf kleinen Vulkanhügeln und der Leadsänger trägt eine Digitaluhr auf dem Körper. Im Semi wurde er „erschossen“, sein Westchen wurde blutrot… das war wohl zu heftig und ist nun geändert worden, ist ja eine Familienshow. Viel Lichteffekte am Ende, was soll die Digitaluhr? Sie zeigt 1 Uhr an, bis dahin sind wir hoffentlich hier fertig.

 

6/10 Punkte. Nicht ganz mein Ding, wäre aber seit Kiew 2005 endlich wieder was Männliches aus der Ukraine. Und der Titel ist angesichts der wiederaufflammenden Kämpfe in der Ostukraine wohl auch recht aktuell…

Jamala gratuliert dem Choreographen für die Umsetzung der Show und hebt die enorme Live-Erfahrung der Band hervor, es hat ihr gefallen, auch wenn es stimmlich nicht perfekt war! Konstantin gefiel es auch sehr, aber Verka-Andriy hat eher gemischte Gefühle, auch wenn er O.Torvald einen ESC-Einsatz gönnen würde.

Wir nutzen weiterhin die aktuellen Tweets von esckaz, um mitzubekommen, was hier auf der Jurybank geredet wird.

 

4. Illaria – Thank You for My Way
(Ivan Rozin, Anna Rozina, Illaria)

Nun Illaria bei ihrem zweiten Anlauf zum ESC, sie mischt sehr gekonnt und auf unverwechselbare Weise Pop und Folk und ist damit sehr erfolgreich. Nach dem Semi habe ich ihren Song nicht mehr aus dem Kopf bekommen und täglich (!) gehört und dabei halte ich mich sonst von esoterisch angehauchtem Liedgut weitgehend fern.

Sie hat das Outfit vom Semi gewechselt trägt eine Art Feenkleid. Im Semi stand sie noch im flusigen Bademantelkleid im Wald, denn Wald (oder Moor?) war das Thema im Hintergrund. Der Song öffnet sich erst bei mehrmaligem Hören, er ist enorm vielschichtig und ein wenig sperrig. Im Refrain entfaltet er sich aber unerwartet weit. Ein Lied mit Textur und vielen Details. Und einer eigenwilligen Stimme, die man nervig, aber auch faszinierend finden kann. Insbesondere, wie sie den Refrain moduliert und beinahe mehrdimensional gestaltet, finde ich höchst angenehm. Natürlich ist das sonst recht bieder inszeniert: Windmaschine und viel fließende Bewegungen. Sie schafft die hohen Töne aber prima.

 

10/10 Punkte. Ich kann nicht anders. Entrückt und selbstvergessen könnte man zu ihrem Auftritt sagen. Oder umnachtet, je nachdem…

Was meint die Jury? Verka/Andriy bleibt schmallippig und wünscht ihr viel Glück (das heißt wohl, für ihn ist sie Letzte). Jamala sagt, Engel würden aussehen wie Illaria und sie habe tolle Harmonien und sie wünscht ihr auch viel Glück. Oh-oh… und Konstantin spricht von einem märchenhaften Auftritt und Frieden für die Seele, die Illaria mit sich bringe. Aber er kann sich diesen Auftritt nicht beim ESC vorstellen. Tja, sie muss dann wohl schon sehr aufs Televoting setzen.

Und nun die erklärte Favoritin des heutigen Abends…. Nein, wir haben erst nochmal eine weitreichende Werbepause… seufz. Schauen wir dann eben kurz nach Moldawien, wo der Siegelsong schon dran war und wo es keine derartigen Pausen gibt… aber einen qualitativ viel schlechteren Stream… nach dem Schnelldurchlauf in Chisinau entschließe ich mich, schnell den Stream dort wieder zu schließen…

Und wir sind auch wieder in Kiew. Serhiy nun hinter der Bühne im Greenroom. Aber nur kurz. Wir kommen wie schon erwähnt zur Top-Favoritin. Sie hatte das beste Televoting-Ergebnis im Semi. Die Jury kann sie aber verhindern…

 

5. Tayanna – I Love You
(Max Barskih, Tetiana Reshetniak)

„I Love You“ ist eine klassische generische Schreiballade, ein typisches Dependent-Victim-Epos. Tayanna schreit einem ihren offenbar autobiographischen Trennungsschmerz mitten ins Gesicht. Der Song ist nicht sonderlich innovativ, besitzt aber einen extrem mitreißenden ungeheuer kraftvollen Refrain, dem sie in der Studioversion auch gewachsen ist. Dieser Song ist in russisch bereits ein Hit gewesen, für den Vorentscheid hat sie ihn mit Max Barsiykh auf Englisch übersetzt und neu produziert. Sie trägt nicht mehr den billigen roten nuttigen Ledermantel aus Video und Semi, sondern ein elegantes rotes Abendklied im Stil von Melania Trump (oder Esma Redzepova?). Und sie ist live besser als im Semi und bemüht sich um viel mehr Kameraorientierung. Oh, ein Trickkleid, jetzt trägt sie ein goldenes Fähnchen. Und nochmal oh, ein sehr dicker Fehler im Refrain, als die Stimme bricht. Und noch eine Unsauberkeit am Ende. Schade. Wie ein Sturz in der Kür am Ende…

 

Natürlich auch 10/10 Punkte. Ich bin songtechnisch romantisch veranlagt und kann mir diese orkanartigen Schmerz-Songs ewig anhören, Tag und Nacht in voller Lautstärke, bis die Nachbarn bei der Hausverwaltung eine Räumungsklage verlangen.

Tja, Tayanna weiß, dass das nicht perfekt war… und die Jury auch. Konstantin erwähnt ihre Erkältung (achso) und vergleicht sie mit einem Gewichtheber, der einen Rekord anstrebt, für den das Gewicht aber zu schwer ist. Andriy/Verka spricht davon, dass das ein typischer ESC-Song sei, er aber lieber etwas Besonderes hätte. Und Jamala lobt ihre Kämpferqualitäten. Recht hat sie, der Song ist sicher am schwierigsten zu singen von allen sechs Finalsongs. Für mich heißt das, die Jury wird sie nicht auf der Eins und auch nicht auf der Zwei haben… dann hilft ihr ein Televotingsieg vermutlich auch nichts…

So, und nun nach diesen unangenehmen Jury-Momenten noch ein hübscher Song zum Runterkommen von den großen schmerzhaften Emotionen…

 

6. Rozhden – Saturn
(Panos Liassi, Rafael Ishman, Rozhden)

Rozhden (wird er vielleicht privat Rozhy genannt?) macht musikalisch alles Mögliche, auch Hip-Hop und verehrt Jamiroquai. Sein Titel erinnert auch an den US-Musiker, die Ikone des Acid Jazz, einer Melange aus verschiedenen Stilen, darunter auch Funk. Rozhden hat Spaß und einen Chor im Hintergrund, der ihn unterstützt. Im Song ist auch alles Mögliche drin, aber er ist flott und flüssig und man kann dazu tanzen. Na ja, er zumindest. Er hampelt ein wenig viel herum, nach der etwas verkrampften Angestrengtheit von Tayanna ist das aber schon irgendwie Labsal… das muss auch ich als Dramafetischist erkennen. Ein netter Song.

 

6/10 Punkte. Rozhden kennt sich aus, er weiß, dass es bisher kaum männliche Sänger im ESC gibt, daher sollte die Ukraine einen wählen… hat Verka ja auch schon angedeutet. Aber dann vielleicht doch besser „O mamo!“ mit Mutter. Oder den hetero(chromen) Castingboy?

Jamala nun sehr mütterlich-freundlich, er habe sich sehr verbessert, aber sie habe eine Band auf der Bühne vermissst, das gehöre doch bei so einem Song einfach dazu. Konstantin hat es gut gefallen, er meint Rozhden könnte auch moderieren (den ESC), weil er so schnell spricht. Und Verka/Andriy fand, es sei eine Erholung gewesen nach all den Balladen. Laut esckaz schwingt da ein „scheußlich“ auf die Balladen bezogen mit… Verka hat nun keine Ahnung, was er machen soll mit den Punkten…

Tja, es ist ja sicher genug Zeit darüber nachzudenken, wir sind schließlich in der Ukraine, im Land der endlosen Pausen…

 

Mittlerweile haben die heutigen Loreen-Festspiele begonnen und ich frage mich, ob überhaupt noch jemand die Geduld für die Ukraine aufzubringen vermag. Serhiy bringt  uns nun erst einmal einen Schnelldurchlauf und die Televoting-Nummern.

Ich dachte ja, das Duell heute wäre der Kampf der beiden Diven, aber die Jury hat sie glatt beide durchfallen lassen… bin selbst etwas ratlos und würde nun doch zum kahlköpfigen Yogalehrer mit artistischer Mutti tendieren. Es wird auf jeden Fall spannend. Das Rennen scheint offen und ich prognostiziere, dass Jury und Televoting deutlich differieren werden.

Die Kollegen von esckaz glauben, dass Melovin vor O.Torvald das Televoting für sich entscheiden werden. Sie plädieren für O.Torvald als geeignetste Kandidaten für die Ukraine. Da ist natürlich was dran, im weiblichen Balladenmeer von gefühlvoll bis schrill hebt sich eine „ehrliche“, etwas dreckige Rockpopnummer deutlich ab.

Und erneut Pause. Das dürfte nun eine längere, richtig lange Pause sein. Richtig, es geht weiter um 21.20 Uhr mit den Gastauftritten von Kasia Mos aus Polen und Alma aus Frankreich. Da sind wir doch gespannt. Ich freue mich, wenn dann noch jemand vorbeischauen mag angesichts des heutigen Überangebots an Vorentscheiden. Bis später, stay tuned…

So, wir sind wieder da… in einer Stunde kann viel passieren, zum Beispiel kann man alle dänischen VE-Titel hören… oder mitverfolgen, wie Epic Sax Guy in Moldawien ein ESC-Comeback gelingt und die Jury Ralph Siegel schlachtet… oder wie Loreen einen verstörend dramatischen Mello-Auftritt hinlegt und sofort in den Wettquoten zurückfällt… oder auch ein Kartoffelbrötchen mit Hähnchen in Aspik und Schaschliksauce essen und danach ein Schälchen Kuhbonbons in Geschmacksrichtung Erdbeer-Lakritz… zur Vorbereitung auf die noch folgenden Anstrengungen des heutigen Abends…

Wir haben Bild und sehen, wie die Jury abgepudert wird, aber noch keinen Ton… man ist wohl noch nicht ganz bereit in Kiew… es dauert noch ein paar Minuten, da war wohl die Livestream-Regie zu schnell…

Serhiy kündigt nun Alma aus Frankreich an. In einer Einspielung wird erklärt, wer sie ist und was sie singt – Requiem nämlich, den hoffnungsvollen und bei unseren Lesern bisher hoch im Kurs stehenden französischen Beitrag. Der erste und bisher einzig bekanntgebene von 18 intern ausgewählten ESC-Beiträgen 2017! Die Frage nun: welche Version wird sie singen und wie ist sie live?

Hört sich nach Playback an, sie performt im geschmackvollen kleinen Schwarzen vor Teilausblicken auf den Eiffelturm im Hintergrund. Das Publikum johlt und klatscht, es scheint gut anzukommen. Ihre Ausstrahlung gefällt mir auch, aber schade, dass das wohl nicht live ist, oder doch? Es gibt Stimmen, die ihre Live-Qualitäten nämlich in Frage stellen… können wir jetzt aber nicht klären.

Serhiy begrüßt sie nun, spricht er etwa „franzi“? Sieht so aus. Ein kurzer Gruß und weg.

Nun werden die Interpreten auf die Bühne gebeten und wir erwarten ein Zwischenergebnis. Die Jury nun:

Konstantin gibt 1 Punkt an Salto Nazad, 2 an Melovin oder doch nicht… jetzt habe ich den Faden verloren und die Jury beginnt plötzlich zu diskutieren. Oh, es riecht nach Drama. Jetzt ist Jamala dran, es geht wohl nur um Statements? Oder sie zählen quer zusammen?

Wie ich das hasse… kann man nicht mal eine Punktewand einblenden…

Ah ok, jetzt habe ich es kapiert, es handelt sich bereits um die fertigen Jurypunkte:

1 an Salto, 2 an Melovin, 3 an Rozhden, 4 an Illaria, 5 an O.Torvald und 6 an Tayanna, die damit die Jurywertung gewonnen hat! Jetzt bin ich wirklich platt, das hörte sich doch vorher noch völlig anders an!!

Das bedeutet, Tayanna genügt nun ein zweiter Platz im Televoting, denn bei Gleichstand zählt das Televoting als Entscheidungfaktor. Falls O.Torvald nicht das Televoting gewinnen, reicht ihr womöglich auch Rang 3…. vieles spricht nun für sie, der Fanfavorit Menovin nur auf Rang 5 bei der Jury. Tayanna oder O.Torvald??

Die Rocker müssten nun das Televoting gewinnen und dann muss noch jemand anders als Tayanna hinter ihnen landen… damit sie beim ESC singen… das wird schwer… gab wohl große Uneinigkeit bei der Jury, laut esckaz hatte Verka Menovin auf Rang 1 und konnte sich nicht durchsetzen… daher wohl auch gerade die gespannten Minen auf der Jurybank… hat es da gescheppert hinter den Kulissen?

Die Interpreten stehen ziemlich bedröppelt (oder im Schock) auf der Bühne herum, Tayanna wirkt nun etwas entspannter. Ich bin sicher, sie hat nicht mit Platz 1 bei der Jury gerechnet, nach den Kommentaren nach ihrem Auftritt…

Natürlich sind wir noch lange nicht fertig, jetzt hören wir erst einmal den Song der polnischen Nachbarn. Kasia Mos ist da. Sie trägt ein kleines Beiges mit transparenter Ansteckschleppe und scheint live zu singen. Der Hintergrund wirkt stimmungsvoll mit Friedenstauben und verschiedenen Konterfeis ihrer selbst. Sie überperformt den Song meiner Meinung nach, es wirkt kraftvoll, aber eben auch angestrengt und gewollt… fast zehn Sekunden langer Schlusston! Will sie einen neuen Rekord aufstellen? Auch hier Applaus, aber weniger als bei Alma zuvor.

Serhiy, das Ferkel, muss sie auf ihre Playboy-Bilder ansprechen… und sie entschuldigt sich scherzhaft bei ihrer Mutter. Na dann, wissen es jetzt alle, dass es Kasia auch künstlerisch-anspruchsvoll textilfrei im Bild gibt… sie ist ja erst 29, wirkt aber doch etwas älter in diesem Outfit heute.

Wir nähern uns der Entscheidung. Das Televoting bringt eine Notarin oder eine Fachfrau vom Sender?

1 Punkt für Illaria. Macht 5 insgesamt.
2 für Rohzden. Macht auch 5.
3 für Salto Nazad. Macht 4.
Nur 4 für Tayanna! Macht 10. Das wird NICHT reichen. Sie ist raus!!
5 für O.Torvald. Macht 10. Das langt.
und 6 für Melovin. Macht 8.

O.TORVALD haben gewonnen und werden die Ukraine vertreten in Kiew. WOW!

Es braucht etwas, bis Seryih den Gleichstand begreift und es verkündet. Jamala hatte O.Torvald offebar auf Rang 1. Ich glaube, es ist eine gute Entscheidung, das Publikum hat letztlich entschieden –  auch das Publikum im Saal ist sehr zufrieden.

So, die Jury darf sich nun noch erklären. Jamala freut sich und O.Torvald werden bejubelt, singen aber nicht nocheinmal. Die Show ist nun doch schon zu Ende. Schade, ich hätte den Song doch gern nochmal gehört. Wir haben also hier einen der seltenen Fälle, wo weder der Televotingsieger, noch der Juryfavorit den Gesamtsieg davonträgt!

Endergebnis also: 1. O.Torvald 10 (5P Jury, 5P TV), 2. Tayanna 10 (6 Jury, 4 TV), 3. Melovin 8 (2 Jury, 6 TV), 4. Rohzden 5 (2 Jury, 3 TV), 5. Illaria 5 (4 Jury, 1 TV) und 6. Salto Nazad nebst Zirkusmutti 4 (1 Jury, 3 TV).

Ukraine 2017: O.Torvald – Time

 

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Vielen Dank für Eure Geduld, die Ukraine wird einen unerwartet anderen musikalischen Farbtupfer setzen im ESC in Kiew. Hoffen wir mal, dass sie besser abschneiden als die letzte männliche Gruppe Greenjolly, die 2005 in Kiew unter ferner liefen landete. Ich sage Tschüss und empfehle morgen die Liveblogs aus Lettland und Portugal. Und mich gibt’s dann erst wieder am letzten VE-Wochenende mit der Entscheidung live aus Norwegen. Gute Nacht aus Hamburg!