Live-Blog Deutschland: Michael Schulte singt unser Lied für Lissabon!


Heute war es nun soweit. Kurz vor 22 Uhr stand fest: Michael Schulte vertritt Deutschland in Lissabon mit seinem bewegenden „You let me walk alone“, das er in Erinnerung an seinen verstorbenen Vater geschrieben hat. Hier ist unser Live-Blog zum Nachlesen.

Soviele Informationen sind in den letzten Tagen auf uns niedergeprasselt bezüglich „Unser Lied für Lissabon“, dass man kaum noch den Überblick behalten kann. Hier haben wir das Wichtigste für Euch übersichtlich zusammengepackt.

Hier könnt Ihr Euch vorab nochmal in die Songs einhören, hier und hier unsere Blogger-Meinungen dazu lesen.

Und bei eurovision.de wird das Ganze auch live gestreamt, falls jemandem Fernsehen zu oldschool ist 🙂

Schönen guten Abend aus Köln-Sülz. Leser Ansgar hat mal wieder sein Zuhause als Live-Blog-Asyl geöffnet, und so begrüßen Euch heute neben DJ Ohrmeister auch Gastbloggerin Verena und natürlich auch Ansgar zu diesem langersehnten Abend.

Das Live-Blog-Team – erkennt Ihr unsere Favoriten?

Vier Monate sind nun fast ins Land gegangen, seit der NDR die ersten Informationen zum diesjährigen mehrstufigen Auswahlverfahren veröffentlicht hat und einen „radikalen Neuanfang“ versprach. Was einigen von uns als ein sehr technisch, wissenschaftlich anmutendes Konzept vorkam, hat nun aus 4000 ursprünglichen Aspiranten ein Starterfeld mit sechs Kandidaten hervorgebracht, das sich sehen lässt.

Wir haben durchweg professionelle, teilweise sehr bühnenerfahrene Acts mit dabei, teilweise mit einer „The Voice“-Vergangenheit, teilweise aber auch Kandidaten, die sicherlich durch das Verfahren an sich noch einen kräftigen Schub an Bekanntheit erlangt haben. Die Auswahl durch das 100-köpfige Eurovisions-Panel, das heute zu einem Drittel auch das Ergebnis bestimmen wird, der anschließende Eurovision Workshop und das Song-Writing-Camp, in dem einige Melodien für heute Abend entstanden oder gereift sind, waren die wichtigsten Stationen der Reise.

Das ist das musikalische Programm für den heutigen Abend, das zur Auswahl steht (in Startreihenfolge):

  1. Natia Todua – My Own Way
  2. Ryk – You and I
  3. voXXclub – I mog Di so
  4. Xavier Darcy – Jonah
  5. Ivy Quainoo – House on Fire
  6. Michael Schulte – You Let Me Walk Alone

Einer dieser Songs wird also Deutschland beim ESC-Finale am 12. Mai in Lissabon vertreten. Und auch sonst gibt es einige Veränderungen an der Show an sich. Barbara Schöneberger übergab das Moderatoren-Szepter an Elton und Linda Zervakis. Abstimmen dürfen neben dem erwähnten Panel zu gleichen Teilen auch die Fernsehzuschauer, sowie erstmals auch eine internationale Jury aus 20 ESC-erfahrenen internationalen Experten.

Es geht los!

Linda geht heute als Susanne Daubner von der tagesschau – in einem blauen Jumpsuit! Und Elton muss schuften und schiebt Fotowände…. Elton in einem weißen T-Shirt mit blauen Jackett und Jeans – ganz leger.

Die beiden eröffnen mit viel Spaß und begrüßen die sechs Kandidaten im Green Room (die sitzen auf alten Sofas und mit Ann-Sophie-Gedenklampen im Hintergrund). Und jetzt gegenseitige Kommentare. Sie hat Beine, er hat Hals…. Und die Bühne hat…öhm, Penis! Schaut merkwürdig aus, der Satellit heute.

Dann wird Peter Urban kurz befragt, der sehr zuversichtlich ist. Und die internationale Jury und das Panel werden auch kurz ins Bild gestellt, und ich denke es geht gleich mit Startnummer 1 los. So isses…. Die Kandidaten werden in kurzen Filmchen vorgestellt, die auch gestern auf der PK liefen und diese Woche auch beim MoMa in der ARD.

 

1/ Natia Todua – My Own Way (Musik und Text: Loren Nine Geerts, Ricardo Bettiol, Martin Gallop, Jaro Omar)

Auch heute ist Natia im selben Outfit wie gestern bei den Proben – komplett in weiß gekleidet, eine weite Stoffhose und ein Top, und noch die ausladende, fast durchsichtige Bluse. Der Song ist ja ein netter Pop-Song, die Weihnachtsglöckchen ein hübsches Gimmick. Allerdings singt sie die Höhen durchgehend gequiekt, kommt nicht ganz hoch, und beim Gang zum Satelliten in der Bridge krächzt sie bonnie-tyler-mäßig. Das Ganze ist seeehr harmlos. Und nicht mal gut dargeboten.

Wir geben gerade mal 12/30 Punkten.

 

2/ Ryk – You and I (Musik und Text: Rick Jurthe)

Ryk zeigt im Film seine Akrobatik-Leidenschaft, die mit seinem aktuellen Projekt zusammenhängt, für das er als musikalischer Leiter tourt. Der Ausschnitt mit seiner früheren Band Foxos zeigt die musikalische Vielfalt, die er in seinem Wirken hat.

Ganz in blau die Bühne, er am Flügel im Close-up. Und direkt als die Kamera wegfährt, gleich die Hände der sich windenden Tänzerin Felice Aguilar auf dem Klavier. Im Hintergrund ein Streicherquartett. Ansgar bezeichnet es als Dima Bilan Teil 3. Er singt es sehr gefühlvoll, hat die Augen geschlossen. Szeneapplaus bei den Höhen. Er macht es toll – aber Verena und Ansgar sind nach eigener Aussage „Banausen“. Sehr viel Applaus in der Halle.

Wir geben zusammen 9/30 Punkten, aber sind sehr unterschiedlicher Meinung. Ich bin in der Minderheit!

 

3/ voXXclub – I mog Di so (Musik: Merty Bert, Mike Busse, Philipp Klemz, Lennard Oestmann / Text: Joe Walter, Philipp Klemz, Martin Simma, Merty Bert, Mike Busse)

Das Quintett ist Botschafter für die gute Laune heute Abend, auch wenn es etwas aufgesetzt und auswendig gelernt klingt. Lederhosen und Holzfällerhemden sind jedenfalls Trumpf!

Zu Beginn stehen alle auf diesen Podesten, super Jodel-Intro! Ganz dunkler Hintergrund. Es leuchten neonfarben auf den Klamotten. Dann springen sie runter, helle Farben, Rhythmusmaschine. Choreo. Ja, es macht Spaß, aber geht für mich nicht so wirklich los. Irgendwie gebremst. Hulapalu! ruft Ansgar. Gerade in der Bridge wirklich gut und hinterher bewegen sie sich noch etwas mehr und gehen ins Publikum. Aber der Song hat für mich Brüche, wirkt wie eine Aneinanderreihung von mehreren Songs, Intro, Strophe, Refrain – das hat keinen echten Flow, das finde ich schade. Hätte grundsätzlich nichts gegen einen Après-Ski-Knaller, aber auch der Text ist irgendwie sehr berechnend – bisschen Diversity, bisschen Inklusion, bisschen Tango, irgendwie mit aller Macht alles in drei Minuten gepresst. Das Sofa jedenfalls ist begeistert!

21/30 Punkten

 

Und nun wird die internationale Jury etwas vorgestellt – zum Beispiel Ruth Lorenzo und Margaret Berger aus Norwegen.

 

4/ Xavier Darcy – Jonah (Musik und Text: Xavier Darcy, Loren Nine Geerts, Axel Ehnström, Thomas Stengaard)

Xavier stellt sich als internationale Mischung aus englisch / französisch / bayrisch vor. Und er hat es verstanden – dass es um den Moment geht. Zumindest im Film erklärt er gut – ob er das auch umsetzt?

Xavier im Karo-Hemd mit Gitarre. Steht irgendwie bisschen da, als ob er aufs stille Örtchen müsste. Dann rollt der Song los, eine Mumford & Sons-One-Man-Show. Strahlt für seine zarte Person viel Energie aus. Ansgar müsste ihn haartechnisch favorisieren meint er, aber das ist musikalisch nicht so seine Baustelle. Ich bin etwas enttäuscht, dass gar nichts passiert auf der Bühne außer Xavier selbst. Aber vielleicht ist es am Ende auch einfach das, was er wollte. Er selbst sein. Die Bühne in warmen Farben und wieder mit den Spiegeln im Hintergrund. Die Kamera hat ihn besser eingefangen als bei den Proben.

14/30 Punkten, aber auch hier wieder sehr unterschiedliche Wertungen.

 

5/ Ivy Quainoo – House on Fire (Musik und Text: Jörgen Elofsson und Ali Tamposi)

Ivy wird als sehr vielseitige, sympathische Frau vorgestellt, ständig ein Lächeln auf den Lippen, und sehr selbstbewusst. Sie hat schon viel erlebt mit ihren 25 Jahren!

Sie steht wieder auf der blauen Bühne im Halbkreis aus Lichtsäulen. Sehr schönes, classy Intro, und ihre Stimme ist meilenweit vorne. Irgendwie fehlt noch Backgroundchor, und der Beat könnte noch prägnanter sein in den Strophen.

Schwarzer Zweiteiler aus Top und Hose, im Dekolleté und auf den Armen golden bemalt. Zwischendurch geht sie zum Satelliten, kauert sich hin, sehr zerbrechlich und schön. Verena meint, man hätte aus dem Lied eine Hymne machen können, aber es verläuft irgendwie. Zum Schluss brennt das stilisierte Haus im Hintergrund, und versinnbildlicht den Liedtitel, was aber auch nicht ganz verständlich ist, wenn man die Redewendung nicht kennt.

Wir geben einheitliche Wertungen und landen bei 19/30 Punkten.

 

6/ Michael Schulte – You Let Me Walk Alone (Musik und Text: Michael Schulte, Thomas Stengaard, Nisse Ingwersen, Nina Müller)

Auch Michael wird sehr sympathisch und vielseitig gezeigt. Er verrät, dass er auch Dänisch spricht, und gibt sogar eine Kostprobe von den Olsen Brothers. Er wirkt bescheiden und könnte der Darling des Abends werden. Die Geschichte mit seinem verstorbenen Vater, um den es hier geht, wird sehr behutsam und nicht aufdringlich eingeführt. Gut so.

Er steht am Mikro, im Hintergrund wieder der aufgeklappte Riesenlaptop aus den Proben. Und er ist wieder nur in T-Shirt und Jeans da, sehr gut. Genauso wie die Kollegen es gestern im Rollblog empfohlen hatten. Stimmlich ist das ziemlich gut, nur leichte Wackler gegen Ende. Wir fanden es sehr bewegend und Verena hat noch Minuten später Gänsehaut. Am Ende vergleicht Peter Urban ihn noch mit Ed Sheeran. Ach, nee… das Publikum tobt!

Wir geben 25/30 Punkten! Toll, unser Sieger!

 

Für uns drei sind es also Michael Schulte (25), voXXclub (21) und Ivy Quainoo (19). Und mein Xavier Darcy immerhin Vierter! Schnelldurchlauf!

Elton erklärt nochmal das Voting. Zu je einem Drittel werten also die 20-köpfige internationale Jury (im Bild wirken sie eher sediert – Songwriter, Sänger, ein Casting Director, Vocal Coaches, Moderatoren, Radio-Leute, Produzenten….), das 100-köpfige Eurovisions-Panel und die Fernsehzuschauer. Jan Ola Sand wird vorgestellt und versucht sich auf Deutsch! Immerhin mehrere Sätze wurschtelt er sich zusammen und macht Werbung für den positiven Effekt der internationalen Jury in anderen Ländern. Jede dieser Gruppen vergibt 5, 6, 7, 8, 10 und 12 Punkte.

Mike Singer macht den Interval Act – Elton verrät, dass er erst im Jahr 2000 geboren wurde. Als er vorn auf der Satellitenbühne steht und sein „Deja vu“ zu rappen beginnt, haben wir ein seltsames Gefühl. Ist das das richtige Publikum für ihn da im Saal? Wirkt leicht deplatziert. Aber die Beats gefallen uns! „Solche Beats brauchen wir in Lissabon“, sagt Ansgar. Und hinten tanzen seine Buddies. Etwas bemüht interviewt ihn dann Linda kurz. Nun ja. Aber wie gesagt – gute Beats!

Schnelldurchlauf!

Kurzer Gang ins Publikum, das sich nur leidlich gut auskennt beim ESC. Warum der ESC in Lissabon ist? Weil Portugal gewonnen hat im letzten Jahr! Also ein Film über Salvadors Sieg 2017. Nochmal die Clips, und dann Countdown. Stimmzettel werden gleich eingesammelt.

Green-Room-Schalte. Irgendwie wirkt Xavier aufgekratzt. Die Stimmung sehr wohnzimmerhaft. Sind ja auch so wenige Leute da hinten, passen alle auf eine Einstellung – Linda und Elton befragen alle mal kurz. Bei Ryk ist die Tänzerin nicht in die Tastatur gefallen (er hätte aber weitergespielt). Voxxclub fanden die Taxifahrt mit Linda toll. Ivy ist happy. Alles gut.

Und jetzt geht es um die anderen Songs, die schon gewählt wurden. Und ausgerechnet um Griechenland und das Chaos um deren ausgefallenen Vorentscheid, was Linda recht „charmant“ erzählt („Vier von fünf wurden disqualifiziert – ich glaube, es ging da um Geld“). Und es folgen ein paar Videos von anderen Ländern, u.a. Frankreich, Tschechien…

 

Und jetzt das Voting! Die drei Gruppen geben abwechselnd ihre Punkte ab.

Natia bekommt die 5 vom Panel, die Jury gibt 5 an voXXclub, und das Televoting 5 an Ryk.

Panel gibt 6 an voXXclub (Ansgar zieht die Lederhose aus!), die Jury die 6 an Natia, und das Televoting auch 6 an Natia. Natia führt zwar, scheidet aber jetzt schon aus.

Zwischenstand: Ansgar hat die Lederhose gegen den Schlafanzug getauscht…

 

Das Panel gibt 7 an Ivy, Jury auch 7 an Ivy, und das Televoting gibt die 7 an Xavier.

Das Panel gibt die 8 an Xavier (ist Michael Schulte jetzt eigentlich schon durch??!), die Jury gibt 8 an Ryk, und das Televoting gibt die 8 an Ivy. Kann jemand rechnen, kann jemand anderes als Michael Schulte noch gewinnen?

Nun gibt das Panel 10 an Ryk und 12 an Michael (er hat längst gewonnen, oder?). Die Jury gibt 10 an Xavier und 12 an Michael. Das Televoting die 10 an voXXclub und die 12 an Michael! Er gewinnt eindeutig!

Unser Lied für Lissabon heißt „You let me walk alone“ von Michael Schulte!

Unglaublich! Genau unser Wunschvoting, das wir Blogger gestern als Summe von 11 Einzelwertungen hier veröffentlicht hatten, ist herausgekommen!

Michael darf nochmal ran, wir sind total happy und drücken die Kommentare weg, die jetzt online schon wieder meckern. Toller Song, toller Auftritt! Er singt nochmal so bewegend im Glitterregen. Danke Michael!

Deutschland 2018: Michael Schulte – You let me walk alone

 

Wir verabschieden uns aus Köln, wünschen allen, die in Berlin vor Ort sind, viel Spaß auf der Aftershowparty der Fanclubs mit DJ Douze Points, und verweisen auf den Super Saturday übermorgen mit fünf Entscheidungen. Wir bloggen alle live!

 

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