Live-Blog Österreich – Runde 3: Show und Songs lecker wie Mozartkugeln

VE Österreich 2015 - Johann Sebastian Bass

Spannung – endlich bekamen wir die ESC Songs aus Österreich auf die Ohren. Aus 12 Titeln suchte die Fachjury um The BossHoss, Nazar und Anna F. die sechs ESC-tauglichsten Songs aus und gaben dabei eine überwiegend gute Figur ab. Hier der LiveBlog einer kurzweiligen Show zum Nachlesen.

Heuer kommt in Österreich das Televoting erst in der letzten Show, dem Finale, am Freitag in einer Woche zum Einsatz. Zunächst entscheidet die Fachjury, welcher der beiden Songs pro Interpret der bessere ist. Nur dieser kommt dann im Finale ins Voting. Hier haben wir über die erste Runde mit noch 16 Acts berichtet. Und hier haben wir die zweite Runde kommentiert, als es darum ging „zu überraschen“.

Beim Saalpublikum waren letzte Woche Folkshilfe, Celina Ann und The MakeMakes die Abstimmungssieger. Bei unserem BlogLeser Voting führen Stand 19:30 Uhr übrigens Johann Sebastian Bass mit 47% klar vor Zoe 17% und Celine Ann mit 15%.

Herzlich Willkommen zum LiveBlog aus Stuttgart. Mirjam Weichselbraun begrüßt uns heute Abend wieder aus Wien und es wird spannend: Wir hören zum ersten Mal die Vorausscheidungssongs. Welcher Song fruchtet heuer wohl, fragt die Werbung. Miriam hat sich passend zum Wetter schon mal frühlingshaft orange und mit Schlabberhose gekleidet.

In der Fachjury sind wieder Nazar, Anna F. sowie Alec und Sascha von The BossHoss. Mal sehen, ob sie sich in der weiteren Show über das verkümmerte Ergebnis beim Deutschen Vorentscheid äußern. Alec von The BossHoss hatte sich ja heute zu Wort gemeldet, dass er sich über Andreas Kümmerts ESC Vorentscheid-Teilnahme SEHR gewundert habe, schließlich habe er schon zu The Voice-Zeiten psychische Probleme gehabt und konnte den Druck kaum aushalten.

Aber heute Abend sind wir nun hier um herauszufinden: „Wer singt für Österreich?“. Jeder Act durfte mit internationalen Songwritern und Produzenten jeweils 2 Songs entwickeln und dazu in ein Songwriter-Camp nach Niederösterreich auf das Schloß Wasserburg bei St. Pölten.

Als internationale Songwriter hat der ORF ausgewählt:
– Julie Frost (Golden Globe-Gewinnerin und Satellite-Komponistin)
Jimmy Harry (US-Produzent von Bruno Mars, Pink und Madonna)
Ian Dench (Produzent von u.a. Beyoncé und Shakira)
Sharon Vaughn (US Songwriterin und Produzentin von Sunrise Avenue, Country-Ikone Dolly Parton und Jedward)
Lukas Hillebrand
Wolfgang Schlögl

Danach ging es ab ins Studio (u.a. auch nach Deutschland und in die USA). Hier feilten dann die Produzenten Jimmy Harry, Philipp Schwär, Patrick Pulsinger, Vlado Dzihan und Wolfgang Schlögl an den insgesamt 12 potenziellen Wettbewerbssongs.

Erste Runde:

AUT 3 MakeMakes - Big Bang

1. The MakeMakes – (Song 1) – Big Bang

Für The MakeMakes ging’s zum jammen in die USA,wo sie sich mit Jimmy Harris getroffen haben. Sie wollen Traditionelles mit Pop mischen, während Harris sie eher bei den 70er Jahre Rockbands einsortiert und an The Rolling Stones erinnern möchte. Oh ja, das erinnert gleich mal etwas an „Satisfaction“. Der Song geht gleich ab wie die Post und kommt cool lässig und auch etwas country-angehaucht rüber. Die Outfits sind schwarz und passen gut zum Song. Nach der Bridge gibt der Song nochmal Gas. Schöner Start. Aber ist der Rolling Stones Sound wirklich ESC kompatibel? Ich bin etwas skeptisch.

Punkte 5/10

Jurywertung: The BossHoss finden den Song live besser als auf Platte und stufen es als ziemlich retro ein.

AUT 3 Celina Ann When I fall

2. Celina Ann – (Song 1) – When I Fall

Celina Ann reiste zu Ian Dench (Produzent von u.a. Beyoncé und Shakira) und Sharon Vaughn. Der Song startet ruhig mit Finger-Schnippen und entwickelt sich zur großen ESC Ballade. Stimmlich ist Celina Ann top. Der Refrain mit Chor hebt sich schön ab und Celina kann ihre Stimmgewalt schön demonstrieren. Der Song wird sehr reduziert in blauem Licht und ganz auf Celina zugeschnitten präsentiert. Wir haben zwar schon viele Balladen von weiblichen Acts in Wien, aber mit dem Song müsste sich Austria nicht verstecken.

Punkte 7/10

Jurywertung: Nazar hat der Song nicht „gecatcht“. Alec hingegen wurde mit viel Pathos abgeholt und fand’s geil. Sascha ist vom Live-Gesang begeistert.

AUT 3 Dawa If you return

3. Dawa – (Song 1) – If You Return

Dawa hatten den Song schon im Gepäck mit ins Wasserschloß gebracht und ließen sich wohl nicht mehr von dem Song abbringen, sagt der Produzent und auch Nazar gab kritisch konstruktives Feedback. Er moniert die Sturheit der Band. Auch Dawa treten ganz in schwarz auf. Die Stimme Dawas geht echt unter die Haut, der Song leider eher nicht. Jetzt auch noch ein längerer Mitklatsch-Part. Die Strophen sind ja ganz nett, aber es verpufft dann leider ohne Höhepunkt. Die Kritik an der Optik zu arbeiten, haben sie immerhin gut umgesetzt. Das war nett anzuschauen, aber zu gewollt.

Punkte 3/10

Jurywertung: Anna F. mag die Melancholie und die Tiefe. Sie findet es war mit zuviel Druck gesungen, sonst aber super. Nazar ist traurig, es fehlt ein Refrain und sieht es eher als Album-(Füll)-Titel.

AUT 3 Folkshilfe Ned au

4. Folkshilfe – (Song 1) – Ned Au

Folkshilfe haben laut Miriam hin und wieder Textprobleme. Sie arbeiten mit Produzent Vlado, der eher auf Elektro und Clubhits spezialisiert ist. Klingt ja schon mal vielversprechend. Jetzt gibt’s Mundart. Wie schön. Ich versteh immer nur „Kum her“, ansonsten ist es echt schwierig was zu verstehen. Ich würde daher einen Texthänger eh nicht bemerken 😉 Der Song passt auf jeden Fall herrlich zu Österreich. Und nach der Bridge dreht der Song nochmal richtig auf und die Quetschkommode kommt wirkungsvoll zum Einsatz. Kein Killersong, aber es versprüht sehr viel gute Laune und ist toll zum Mitgrölen. Könnte aber polarisieren!

Punkte 8/10

Jurywertung: Anna F. findet den Song cool und tanzbar. Alec ist positiv überrascht. Der Song groovt wie Sau. Er findet’s einen geilen Hit. Nazar findet es ebenfalls unfassbar krass und prophezeit eine große Karriere zumindest in Österreich.

AUT 3 JSB Monsters

5. Johann Sebastian Bass – (Song 1) – Monsters

JSB hatten wohl einen Unfall im 17. Jahrhundert und haben ein Rad verloren. Trotzdem schafften sie es zum Produzenten Wolfgang Amadeus Schlögl, der auf elektronische Klänge spezialisiert ist. Der Song wird als „Phantom der Oper“ meets Daft Punk angekündigt und soll für gehobene Augenbrauen Sorgen.  Der Start ist mit einem sakral angehauchten Intro. Toll, dass die Stimme des Sängers heuer nicht zu sehr verzerrt ist. Nette Strophe, aber der Refrain haut mich nicht so wirklich um, auch gesanglich könnte es eine Schippe mehr sein. Optisch find ich’s große klasse, daher wohlwollende 5 Punkte.

Punkte 5/10

Jurywertung: Sascha findet den Refrain nicht ganz passend und wacklig. Das Songwriting findet Alec sperrig und auch den Gesang wünscht er sich stärker.

AUT 3 Zoe My Heart

6. Zoe – (Song 1) – My Heart Still Beats

Zoe ist natürlich wieder mit Papi auf das Schloß gekommen und fühlt sich nun wie eine Prinzessin. Mich nervt der „Papi“ jetzt schon, sorry. Der Song ist natürlich auch mit Papi geschrieben. Sie bekommt Unterstützung von Julie Frost, der Satellite Komponistin und Sharon Vaughn. Insgesamt war der Output wohl 5 Songs. Nun der Song: blau schwarzes Setting. Ganz auf Zoe reduziert. Zunächst plätschert der Song, aber dann gibt es Zwischenapplaus und einen schönen Refrain mit Steigerung. Zoe kommt diesmal sexier und nicht mehr so püppchenhaft daher. Glatt produzierte nette Pop-Ballade. Im Background gibt es Trommler.

Punkte 6/10

Jurywertung: Sascha hat das Traditionelle sehr gefallen, aber das Französische und das Verspielte hat ihm gefehlt. die Popecke ist nicht so das optimale Genre findet Alec.

Auf zur zweiten Runde…

AUT 3 Dawa Feel Alive

7. Dawa – (Song 2) – Feel Alive

Dawa wollen mit dem zweiten Song und Dank Produzent Patrick Pulsinger und Jimmy Harry Vollgas geben. Das wäre auch dringend notwendig, wenn Dawa das Ruder nochmal rumreissen möchten. Xylophon-Start und dann folgt ein fröhlicher Popsong, sehr Gitarren und Cello-lastig. Das Publikum geht gut mit. Bei diesem Song sind Dawa aufgetaut, habe ich das Gefühl. Allerdings wirkt der Gesamtauftritt etwas hausbacken.

Punkte 6/10

Jurywertung: Sascha findet den Song richtig gut und vergleicht es mit „Atemlos“ (Peter, Du musst nun nächste Woche 5000 Mal dafür anrufen). Alec fand den Song 100% Dawa, aber moniert die Show. Anna F. hingegen findet es gut, dass es eher ruhig zu geht ohne große Show.

AUT 3 JSB Absolutio

8. Johann Sebastian Bass – (Song 2) – Absolutio

JSB bezeichnen sich als Händel meets Falco. Sie wollen popkulturell an etwas Neuem graben und tüfteln. Die Produzenten sind sich schon mal sicher, dass es ein Hit wird. Crash-Boom-Bang – sakraler Start. Erinnert irgendwie an Army of Lovers. Dann kommt wieder exzessiv der Stimmenverzerrer zum Einsatz. Der Song passt gut zu JSB und ist extrem abwechslungsreich und mit vielen Tempi-Wechseln. Den hohen Gesang der Backing-Sängerinnen finde ich etwas grenzwertig. Ansonsten sehr auffällig bis schrill. Traut sich Österreich was? Hoher Wiedererkennungswert und hochinteressantes Gesamt-Package.

Punkte 7/10

Jurywertung: Alec findet das JSB Konzept international vielversprechend. Den Song findet er mega, aber vermisst die Explosion. Anna F. findet es heuer gesanglich gut.

AUT 3 Celina Ann Utopia

9. Celina Ann – (Song 2) – Utopia

Celina Ann reiste nach Hamburg zu Philipp Schwär. Die Beiden haben sich wohl prima verstanden. Philipp war von Celinas Stimm-Organ sofort umgehauen. Celina Ann nun im sexy silber Kleid. Schöner Popsong, der mal in Richtung Uptempo geht und etwas soulig angehaucht ist. Stimmlich wieder top. Der Song nimmt schnell und gut Fahrt auf. Celina kommt nun auch mehr aus sich raus. Zum Ende kann sie stimmlich richtig brillieren. Viel Applaus vom Publikum.

Punkte 7/10

Jurywertung: Nazar findet Celinas Song 2 besser, weil es beim ESC in Wien schon so viele Balladen gibt. Gut beobachtet Nazar. The BossHoss hingegen fanden ihre Stimme beim ersten Song herausragender.

AUT 3 The Makemakes Im Yours

10. The MakeMakes – (Song 2) – I Am Yours

Für The MakeMakes ging es in The City of Dreams nach L.A. zu Jimmy Harris.Es wird eine richtig schöne Ballade angekündigt, die wohl zügig in 2 1/2 Stunden eingespielt wurde. Beim letzten Refrain geht es steil nach oben und der Sänger wird sich „zammaraissa“ müssen. Schöner ruhiger Start am Piano. Stimmlich wird der Sänger nun sehr gefordert, er knödelt aber gut und bekommt Szenenapplaus. Das Ganze kommt sehr relaxed und chillig rüber und ist wohlig angenehm.

Punkte 7/10

Jurywertung: The BossHoss finden es einen Spitzensong. Beste Nummer von allen. Aber sie fordern aber die Klamotten vom ersten Song. Anna F. ist ebenfalls angetan.

AUT 3 Zoe Quel Filou

11. Zoe – (Song 2) – Quel Filou

Zoe hat nun das Luxusproblem, dass sie aus 5 Songs auswählen darf. Da auch ein Album produziert wird, wird aber kein Song verloren gehen. Als Zoe im Studio heiß wird, gönnt ihr der Papa immerhin 1 Minute Pause. Endlich wird’s französisch. Sie entscheidet sich für den „Schlitzohr-Song“. Zoe nun Lady-like im schwarzen Anzug. Der Song passt zu ihr wie die Faust aufs Auge. Ich höre Charleston-Anklänge heraus. Klingt alles sehr nach dem Frankreich der 30er Jahre. Mir fehlt etwas das Moderne im Song. Schön gesungen, aber das verspielte und Vanessa Paradis-hafte vermisse ich jetzt bei Zoe. Im Song geht es um einen Aufreisser, der Spazieren geht.

Punkte 6/10

Jurywertung: Alec findet den zweiten Song viel besser und auch Anna F. hat bemerkt, dass Zoe sich beim 2. Song Zoe viel wohler fühlt.

AUT 3 Folkshilfe Who you are

12. Folkshilfe – (Song 2) – Who You Are

Folkshilfe bekamen Satellite-Komponistin Julie Frost extra aus den USA eingeflogen, denn sie haben den Song bereits mitgebracht, aber der Text fehlt noch. Angeblich wurde das dann in 10 min eingetütet. Es gab wohl Verständigungsprobleme, aber es wurde laut Einspieler auch viel gelacht. Wir sind gespannt. Die Jungs nun in schwarzen Westen. Schöner Quetschkommoden-Start, dann geht es fast etwas reggae-artig weiter. Cool, die Strophe in Mundart und der Refrain dann auf Englisch. Schöne Message „Be who you are“. Der Gesang der Buben harmoniert im Refrain gut. Hintenraus wird dann nochmal richtig Gas gegeben. Finde die Mischung aus Tradition und Moderne im Song klasse, allerdings sind die einzelnen Songbausteine und Stile schon recht krass zusammengesetzt. Die Jungs haben Spaß, das merkt man. Trotzdem heute mein Fave.

Punkte 9/10

Jurywertung: Nazar fragt nach, wer die Idee mit dem Englisch hatte. Er fordert vehement 100% Österreich und ist gar nicht begeistert. Das ist so, als ob ich die Haar blond färbe, wettert er. Alec hingegen findet die Idee super clever. Er erkennt die Aussage im Song und findet, der Song holt gerade wegen dem Englischen alle ab. Sascha findet die verrückte Reggae-Hip-Hop Mischung toll.

Nun sind alle 12 Songs durch und es gibt einen Schnelldurchlauf. Die Jury legt nun fest, welche Songs nächste Woche ins Finale kommen.

Mein Tipp wäre:
Celina Ann – Gleichstand (eher „Utopia“)
The MakeMakes – I’m Yours
Johann Sebastian Bass – Absolutio (ganz klar)
Zoe – Gleichstand (eher „Filou“)
Dawa – Feel Alive (ganz klar)
Folkshilfe – Who you are

Jetzt der spannende Moment. Die Acts werden nun einzeln zur Verkündung nach vorne gerufen.

Zuerst ist Celina Ann dran. Es ist „Utopia“ die Uptempo-Nummer geworden. Gute Wahl und Celina ist hoch zufrieden damit.

Jetzt The MakeMakes. Die Jury sieht die Ballade „I’m Yours“ klar vorne. Auch das ist gebongt.

Nun geht’s ins 17. Jahrhundert zu Johann Sebastian Bass. Die Jury wählt „Absolutio“ und fordert JSB auf, den Song noch anzufüttern.

Voilà – nun ist Zoe dran. Das war klar, denn es wird die französische Nummer und wir werden den „Filou“ im Finale hören.

Bei Dawa war sich die Jury auch schnell einig. Es wird „Feel Alive„. Die Band kommentiert das trocken mit „passt“.

Jetzt die Folkshilfe – Anna und The BossHoss müssen sich den Mund fusselig reden um Nazar zu überreden, „Who You Are“ zu nehmen. Ich bin erleichtert. Well done!

Es fällt auf, dass die meisten Acts ihren besseren Song in der zweiten Runde präsentiert haben. Das ist natürlich dramaturgisch ganz okay. Insgesamt war das wieder ein recht kurzweiliger und unterhaltsamer Abend mit teilweise richtig guten Songs in Runde zwei. Da hat sich der ORF wirklich eine pfiffige Mischung aus Casting-Show und Vorentscheid ausgedacht.

Gute Nacht und lasst euch die Fruckade schmecken. Prost.

In der Videothek des ORF gibt es den Schnelldurchlauf und ausgewählte Songs als Video.

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