Live-Blog Malta: Christabelle Borg fährt mit „Taboo“ nach Portugal

16 Teilnehmer kämpften heute um das maltesische Ticket nach Lissabon im Finale des „Malta Eurovision Song Contest 2018“. Es gewann eine der Favoritinnen des Abends: Wiederholungstäterin Christabelle Borg mit dem dramatischen Song „Taboo“. Hier unser Live-Blog zum Nachlesen.

Das maltesische TV zeigt im Vorfeld hier ebenfalls schon Ausschnitte von den Vorbereitungen auf das Finale. Hier haben wir die 16 teilnehmenden Lieder bereits kurz vorgestellt.

Der Livestream zum MESC 2018 ist hier zu finden.

 

Schönen guten Abend aus Köln Heute meldet sich DJ Ohrmeister mit den Gastbloggern Dirk, Benni und Flo – 50% Düsseldorf, 50% Köln!

Colin Fitz moderiert die heutige Show – er ist Radiomoderator und kennt sich mit Musiksendungen wohl gut aus. Und soll Humor haben… Der Abend zieht sich bestimmt wieder wie Kaugummi in die Länge ziehen wird, nicht zuletzt wegen der legendären Werbeblöcke, die man am Ende des Abends auch als Nicht-Malteser auswendig aufsagen kann. Sie wiederholen sich fast halbstündlich und sind traditionell den Abend lang immergleich…

Vorjahresmoderator Daniel Azzopardi übergab diese Woche die Moderation des Malta ESC an Colin Fitz

Übrigens bindet man wieder zu 50% eine Jury ins Voting ein (das war letztes Jahr nicht so, wenn ich mich recht erinnere). Das Televoting zahlt demnach wieder nur 50%.

Unsere Bloggerkollegen Marc und Salman sind live vor Ort und werden im Nachgang noch einen Bericht zu ihren Eindrücken veröffentlichen.

Geht los. Dunkle Bühne, Und plötzlich wahnsinnig viele Frauen und Hände… Ist das Britney Spears? Ethnopoppiges Soundbed mit Streichern zum Fernsehballett…. Teilnehmer werden nacheinander eingeblendet und angesagt.

Flo fragt sich, warum so viele der Sängerinnen eher… wohlgenährt sind. Und nach dem letzten Teilnehmer übernimmt wieder das Ballett. Dazu machen die Teilnehmer in einem großen Kreis aufgestellt eine Art Sekten-Choreo mit Armheben. Und Claudia erscheint im weißen Spitzenkleid mit „Breathlessly“… Die Halle mag’s, ich auch.

Gracia Bauer steht da und geigt! Grandios!

 

Nun also Colin Fitz, der diese Woche quasi von Vorjahresmoderator Daniel Azzopardi den Staffelstab übernommen hat. Eine Mischung aus Elton und Reiner Calmund, schallt es in meinem Wohnzimmer. Er begrüßt die Zuschauer in Landessprache, und dann die internationale Jury, unter anderem mit Beteiligung aus Mazedonien und Island.

Und jetzt ein Nachruf an Bayzo, einem der Großen der maltesischen Musikszene, vor allem in den 60ern mit der Band Malta Bums. Flo stellt fest, dass Colin transpiriert, und dass dies im TV eher abträglich ist. „Stellt Euch mal vor, Elton moderiert und schwitzt dann auch so….“

 

Here we go…

1/ Aidan – Dai laga (M/T: Aidan Cassar)

Wir fragen uns erst, was das für eine Sprache ist – maltesisch? Suaheli? Es ist alles sehr rot, wie grade vorhin bei Benjamin Ingrosso. Aidan mit vier Tänzern und einer Videowall und paar Gimmicks, die an Greta Salome 2016 erinnern. Der Song ist aktuelle Stangenware aus den Charts, bisschen was von Waka Waka machen wir auch ausgemacht. Gefällig, aber nichts Aussergewöhnliches.

Wir geben 23/40 Punkten.

 

2/ Mariana Conte – Rocket (M/T: Cyprian Cassar, Muxu)

Letztes Jahr wurde sie Letzte. Heute mit frischerem Sound und auch vier Tänzerinnen. Langweilige dunkle Garderobe. Es ist leidlich tanzbar, aber wir suchen verzweifelt.eine Melodie. Sie singt gut, aber Benni findet es eher gebrüllt. Irgendwie ist das auch zu unfertig. Die wird nicht weit kommen.

Wir geben 9/40 Punkten.

 

3/ Jasmine – Supernovas (M/T: Charlie Mason, Jonas Thander)

Dieser Beitrag polarisiert die Leser hier in den Kommentaren massiv. Jasmine in einem abenteuerlichen rot-orangenen Zweiteiler mit ausladenden Hosenbeinen und hohen Stiefeln. Das Lied ist eine zersungene, dramatische Pop-Ballade mit vielen Drums. Und Key Change! Etwas übermotiviert vorgetragen. Dieses Lied überzeugt uns nicht so ganz, aber wir bewerten es ganz anständig.

Wir geben 22/40 Punkten.

 

4/ Matthew Anthony – Call 2morrow (M/T: Jonas Gladnikoff, Tom Wiklund, Peder Eriksson)

Schöner straighter Popsong mit für Malta sehr modernen Klängen. Matthew hat zwei Dancers dabei und drei Stühle. Sie spielen Reise nach Jerusalem, merken aber nicht, dass sie einen Stuhl zu viel haben. Er singt gut (alles recht tief) und recht sicher. Würde beim ESC untergehen, weil es nicht heraussticht.

Wir geben 16/40 Punkten.

 

Werbeblock. Lippenstift. Juwelen, Kekse. Und Colin begrüßt uns zum nächsten Vierer-Block zusammen mit einem gaaaanz jungen Nachwuchsmoderator in Anzug und Fliege (Gianluca Cilia vom JESC 2017).

 

5/ Danica – One step at a time (M/T: John Ballard, Ruth Mussie, Jerusalem Yemane, Irena Krstva, Kian Fakhar)

John Ballard, einer der Komponisten, war beim ESC zuletzt an This is love“ (Demy) und „You are the only one“ (Sergey Lazarev) beteiligt – ob das nun also ein Knaller wird? Oh Mann, es fängt fast a capella an wie „One step out of time“ von 1992, wir sind nostalgisch verzückt. Dann moderne Synthiklänge. Also für Malta modern, sehr 90er. Sehr unruhiges Stück mit viel Stop&Go. Danica singt es schlecht, und der Chor hilft auch kaum. Sie trifft wirklich kaum einen Ton, und wird dazu auch noch erschlagen von einem Bombast-Beat.

Wir geben 13/40 Punkten.

 

6/ Dwett – Breaking point (M/T: Elton Zarb, Muxu)

Der Anfang beginnt tröpfelnd, pianolastig, sehr schön. Sie beginnt, dann erscheint er auf der Videowall hinter ihr, bis auch er die Bühne betritt. Sie singen sich an, leise sich steigernd. Sehr harmonisches Zusammenspiel, optisch, wie auch stimmlich. Und dann seine Augen… das Sofa neben mir röchelt. Hinten tropft roter Feuerregen auf der Videowall. Toll gesungen, nur ganz wenige Töne leicht daneben.

Wir geben 31/40 Punkten, unser Favorit aktuell.

 

7/ Lawrence Grey – Love renegade (M/T: Cyprian Cassar, Muxu)

Nach drei Sekunden hat Flo schon keine Lust mehr. Lawrence macht auf George Michael, bemüht die Kopfstimme. Drei weibliche Backings. Der Song ist midtempo mit sphärischen Klängen, aber weder Strophe noch Chorus haben eine besondere Melodie. Alles plätschert so dahin, die Damen ziehen sich fast komplett aus. Man schaut nur hin, hört aber kaum zu, denn da gibt es nichts Spannendes zuzuhören. Zwischendurch wird unten Pick-Up-Keks-Werbung eingeblendet, gleich gibt‘s bestimmt auch ein Dschungelcamp-Update. Spoiler…

Wir geben 9/40 Punkten.

 

8/ Richard & Joe – Song for Dad (M/T: Cyprian Cassar, Richard Micallef)

Richard startet auf der Bühne, der Song klingt nach irgendeinem irischen Beitrag Anfang der 2000er. Ziemlich nostalgisch. Das Lied hat aber immerhin eine Melodie. Auf der Videowall dahinter werden alte Fotos aus dem Familienalbum gezeigt. Joe sitzt erst im Publikum in Reihe 1, beginnt zu singen und geht dann auf die Bühne. Es ist nicht so innig auf der Bühne wie man erwartet hätte, aber einigermaßen gut gesungen. Wir sind etwas gespalten.

Wie geben 21/40 Punkten.

 

Werbeblock. Joghurt, Cola, Wohninterieurs.

 

9/ Tiziana – First time (M/T: Tina Stenberg)

Etwas hausbacken zurechtgemacht in einer orangenen Stoffbahn mit grauen Gürtel, ist auch der Song eher konservativ. Zeitlose Country-Ballade (Shania Twain?), und sie singt es sehr gut, knödelt bisschen in den häufigen Tiefen. Sie ist aber sehr präsent in der Kamera. Schade, dass der Song keine Höhepunkte mehr hat. Tiziana hat beim maltesischen VE schon mal den dritten Platz gemacht, dieses Mal wird das nicht klappen.

Wir geben 21/40 Punkten.

 

10/ Eleonor Cassar – Back to life (M/T: Jonas Gladnikoff, Michael James Down)

Eins der fleißigsten Komponistengespanne versorgt auch den MESC mit diesem Lied, das langsam-getragen beginnt, dann mit einem Knall plötzlich ganz da ist. Wummernde langsame Beats mit einem rauschenden Chorus. Eleonor ist aber irgendwie nicht die richtige Sängerin für das Lied, sie bewegt sich fast nicht (zu statisch für das Lied), geht nur etwas umher.

Wir geben 23/40 Punkten, Platz 2 momentan.

 

11/ Rhiannon – Beyond blue horizons (M/T: Rhiannon Micallef, Cyprian Cassar)

Diese Stimme ist mit einem Wumms da, dass man denkt, die Weather Girls stünden persönlich auf der Bühne des MESC. Eine der vorhin erwähnten wohlgenährten Damen in einem dunklen Kleid mit bunten Applikationen. Ein etwas gospeliger Song, mit toll gesungen hohen Passagen. Es wird mit den Fingern geschnippt und Töne werden rausgehauen, was das Zeug hält. Wahnsinn!

Wir geben 28/40 Punkten, unser neuer 2. Platz.

 

12/ Brooke – Heart of gold (M/T: Borislav Milanov, Dag Lundberg, Niklas Lif, Brooke Borg)

Eine der Favoritinnen, und man weiß nach wenigen Sekunden, dass sie auch um den Sieg mitsingt. Da wird auch mit Licht (Ingrosso-Rot?) gearbeitet, dazu ein Beat 1:1 aus Wiktoria’s letztem Mello-Klopper. Hat eine gute Melodie, ist gut von Brooke gesungen, aber dann häufen sich die Wiktoria-Anleihen doch erheblich. Plötzlich nimmt sie halb liegend Platz auf einem Podest, die Kamera nimmt sie von der Seite. Da hat man alle Zutaten von „As I lay me down“ nochmal durch den Quirl gedreht. Trotzdem hat das Ding „winner“ written all over.

Wir geben 34/40 Punkten. Wir freuen uns auf den Shitstorm in den Kommentaren.

 

Ein herzallerliebstes lustiges Video aus einer Schulklasse, die am Ende Chiara’s „Angel“ ansingt. Und Werbeblock. Margarine. Supermärkte. Ist gut jetzt.

 

13/ Christabelle Borg – Taboo (M/T: Johnny Sanchez, Thomas G:son, Christabelle Borg, Muxu)

Auch hier ein richtiges Bühnenkonzept. Eine Wildkatze im Hintergrund, ganz viel Ingrosso-Rot. Synthie-Gewummer, aber leider keine echte Hook. Das Publikum tobt bereits in der Halle. Mehr Theatervorführung als Gesang hier, wir sind nicht überzeugt. Und sie hat es nicht gut gesungen.

Wir haben 23/40 Punkten.

 

14/ Deborah C – Turn it up (M/T: Christian Schneider, Aidan O’Connor, Sara Biglert, Erik Grönwall)

Latino-Sound mit richtig Pfeffer dahinter, leider verkauft sie es nicht so gut. Stimmlich etwas wacklig (ist man gewohnt von ihr). Tänzer wirbeln umher, Bühne in warmen, mediterranen Farben, aber sie ist einfach nicht die Richtige für so ein Lied. Schade!

Wir geben 22/40 Punkten.

 

15/ Avenue Sky – We can run (M/T: Jonas Gladnikoff, Matthew Ker, Glen Vella)

Jetzt wissen wir auch, warum der Vierer-Block nicht durchgespielt wurde, sondern wieder schnell Logo und Werbung kam. Es gab „technicul complicazie“. Jetzt aber das Sextett um Joseph Refalo und Aidan.

Sehr moody stehen sie erstmal asymmetrisch rum, jeder kommt mal dran. Das Stück ist unruhige „Soundmatsche“ von One Direction, irgendwie zu gewollt präsentiert, keine große Komposition.  Einigermaßen passabel gesungen, und es wird richtig viel mit Kameraschnitten gearbeitet.

Wir geben 21/40 Punkten.

 

16/ Petra – Evolution (M/T: Elton Zarb, Muxu)

Oh, da kriegen wir Angst. Ein ruslanahaftes Busenwunder mit Bildern auf der Haut („Tattoo auf der Titte find ich doof“, sagt das Sofa). Eine düstere Trommelnummer mit viel Dramatik, und einen geschickt eingesetzten Chor vom Band. Petra steht „Skeletons“-mäßig vor einer Tafel mit Schrift und wird von einem Kollegen gestikulierend von der Seite angegangen. Bleibt nicht im Ohr. Zu pseudo-sophisticated. Ist das Kunst oder kann das weg?

Wir geben 9/40 Punkten.

 

Am Ende darf Deborah C nochmal, wahrscheinlich wegen der technical disorder von vorhin.

Unsere Favoriten sind also Brooke mit 34/40 Punkten, Dwett mit 31 und Rhiannon mit 28 Punkten. Werbeblock.

Und das Fernsehballett in futuristischen Kostümen und in Quietschfarben angestrahlt ist wieder da, dieses Mal klingt das Backing Track aber nun wirklich wie ein kaputter Synthesizer. Nun gut, ist Kunst. Dann meldet sich Colin wieder aus dem Green Room und kündigt den nächsten Schnelldurchlauf an. Wir sind weiterhin von Dwett angetan, und können mit „Song for Dad“ nichts anfangen. „Ich will, dass Brooke gewinnt!“ meint jemand auf dem Sofa. Der Ausschnitt von Christabelle’s „Taboo“ ist aber tatsächlich auch nicht schlecht muss ich zugeben. Vorhin mochte ich es nicht. Bloggerkollege Salman meldet direkt aus der Halle, dass die Stimmung sehr pro-Christabelle ist.

Das waren also die canzunetti.

Meanwhile wird diskutiert, wie Maltesisch wirkt. „Von allen Sprachen das Furchtbare zusammengemischt“, sagt einer, andere nicken zustimmend. „Schwedisch find ich aber auch schlimm“, sagt Flo. Lauter Protest von allen Seiten. Tja, sind halt wieder ein paar Mello-Addicts am Start heute…

Der letztjährige Junior-Teilnehmer für Malta, Gianluca Cilia, singt seinen 9. Platz vom JESC 2017. Und er darf mit der gesamten Cheerleaderschaft der Insel noch einen zweiten Song performen.

Und dann kommt Claudia Faniello mit drei Songs, teilweise recht schmissig. Und immerhin kann sie den Green Room (also die Künstler auf ihren weißen Hockern ganz vorn im Publikum) zum Aufstehen und Klatschen animieren.

 

Nun also das Voting der Jury:

Regina Osk startet mit 12 Punkte Taboo und 10 an Dai Laga.

Jan Bors gibt auch 12 an Taboo.

Kleart Duraj gibt auch 12 an Taboo.

Meri Popova auch. Dai Laga ist Zweiter und Heart of Gold Dritter.

Bruno Santori auch 12 an Taboo.

 

Das war das Jury-Voting:

1. Taboo 60

2. Heart of Gold 37

3. Dai Laga 34

 

Und „Taboo“ gewinnt auch das Televoting deutlich vor „Song for Dad“ und „Heart of Gold“. Christabelle Borg fährt also im vierten Anlauf zum ESC!

 

Das Schlussresultat zeigt eine weit abgesetzte Top 3 und lautet:

1. Taboo (133 Punkte)

2. Song for Dad (98)

3. Heart of Gold (84)

4. Dai laga (42)

….

16. One step at a time (3)

 

 Malta 2018: Christabelle Borg – Taboo (live beim Finale)

 

Wie bereits erwähnt sind unsere Bloggerkollegen Marc und Salman live vor Ort und werden im Nachgang noch einen Bericht zu ihren Eindrücken veröffentlichen. Wir verabschieden uns aus Köln und freuen uns auf den nächsten Live-Blog morgen abend, wenn die Schweiz ab 20:05 Uhr ihren Beitrag für Lissabon auswählt. Bis dann!

 

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