Live-Blog Polen: Gromee ft. Lukas Meijer grooven nach Lissabon

Der Publikumsfavorit Lukas Meijer darf mit dem groovigen „Light me up“ – einer Pop-Rock-Dance-Melange – Polen in Lissabon vertreten. Das kurzweilige und musikalisch sehr sehenswerte polnische Finale bot mehrere würdige Songs für das Ticket nach Lissabon. Hier unser Live-Blog des abwechslungsreichen Krajowe Eliminacje do Konkursu Piosenki Eurowizji 2018 mit Super-Monz als Special Guest noch einmal zum Nachlesen.

Aus HH Altona statt aus Harvestehude meldet sich Peter. Mein Internet hat sich heute verabschiedet (Telefon auch), aber ich habe Unterschlupf gefunden bei unserem Fotograf Volli, der derzeit irgendwo anders einen Geburtstag feiert. Leider habe ich hier nirgendwo Rotwein gefunden, im Kühlschrank steht allerdings eine halbvolle Riesling-Auslese von Willi Haag von der Mosel. Damit kann ich ja erstmal anfangen und mich von der Restsüße für das Geschehen in Warschau motivieren und stimulieren lassen.

Die Polen werden beim – wie Konsti schrieb – „schlicht betitelten“ Krajowe Eliminacje do Konkursu Piosenki Eurowizji 2018 wieder zehn Songs ins Rennen schicken um die Ehre, das Land beim ESC in Lissabon zu vertreten. TVP streamt live ab 21.25 Uhr.

Future Folk – „Krakowiacy i górale“
Gromee feat. Lukas Meijer – „Light Me Up“
Happy Prince – „Don’t Let Go“
Ifi Ude – „Love Is Stronger“
Isabel Otrębus – „Delirium“
Maja Hyży – „Skin“
Marta Gałuszewska – „Why Don’t We Go“
Monika Urlik – „Momentum“
Pablosson – „Sunflower“
Saszan – „Nie chcę ciebie mniej“

Und es geht auch schon los. Moderator Artur Orzech spricht einführende Worte und – schwupps – die Show ist keine zwei Minuten alt, und Monz darf singen. Er sieht einmal mehr stunning aus und eröffnet den polnischen Abend mit einer ge-revampten Version von „Heroes“. Nice.

Monzi geht ab, Artur stellt die Interpreten vor. Wird es heute ein Rennen geben zwischen „Delirium“ und „Light Me Up“, wie die meisten Umfragen vermuten lassen?

In Vollis Arbeitszimmer ist es relativ kühl. Ich vermisse jetzt doch etwas Rotwein.

Die fünfköpfige Jury wird vorgestellt, darunter Kasia Mos, die sexy as ever aussieht.

Das Artwork auf der LED Screen ist noch das aus 2017, in Polen ist 2018 optisch noch nicht vollständig angekommen.

 

Pablosson – Sunflower

Pablosson darf anfangen. „Sunflower“ ist – wie der Titel schon suggeriert – ein Feel-Good-Popsong, wo man sofort mitwippt. Pablosson hat einen Mann am Synthesizer dabei, einen Gitarristen und zwei sehr hübsche Backgrounds, einmal Boy, einmal Girl. Alles sehr optisch, lediglich die Jacke von Pablosson im Karstadt-Chic ist nicht so Burner. Der Song ist catchy und die Inszenierung sympathisch.

Ich habe heute mal für mich selbst eine Höchstpunktzahl von 17 festgelegt (17 is my lucky number) und gebe 11/17.

 

Marta Gałuszewska – „Why Don’t We Go“

Choreo-Alarm. Marta (mit furchtbar pink-orange gefärbten Haaren) hat vier Täter am Start, die ihre schwarzen Hemden offen tragen. Beschwingt! Der Radiopop-Song liegt etwa auf Augenhöhe mit „Sunflower“ – eigentlich doof, dass zwei Songs, die den gleichen Style bedienen, den Auftakt hintereinander machen. Auch Martas Titel ist groovy und eingängig, auch hier animiert der gefällige Uptempo-Rythmus zum Mitwippen. Nicht aufregend, aber durchaus zugänglich.

12/17 (incl. Skin Plus)

 

Es folgt ein Blick über die Grenzen und es werden einige wenige bereits für Lissabon ausgewählte Songs vorgestellt. Mikolas‘ Clip bekommt richtig viel Applaus, da sind anscheinend viele Kenner (= Community) im Saal.

 

 

Maja Hyży – „Skin“

Huch, das ist ja in Landessprache. Toll. Und gewinnt mich gleich die ersten dreißig Sekunden. Ein wunderbarer Backing-Rhythmus, ein bissel Ed-Sheeran-like. Maja hat ein vierköpfiges Mixed Backing Vocals Team dabei, auch alle sehr ansehnlich und Maja selbst sieht fantastisch aus, sie hat ein sympathisches Lächeln. Der Song ist klasse, ein großer Spritzer Pop, ein mittlerer Spritzer Soul, ein kleiner Spritzer Commercial Jazz. Sehr gewinnend. Mein Favorit bislang.

14/17

 

Future Folk – „Krakowiacy i górale“

Es rockt – aber auch sehr mainstreamig. Mit Geige zwischendrin. Funky. Was für ein toller Vorentscheid, wieso wollte den keiner haben? Ich blogge hier ja überwiegend, weil das Ding „liegengeblieben“ war. Nur San Marino war noch weniger begehrt, bis sich Matthias erbarmte.

Future Folk liefern einen soliden Poprocksong, der aber jenseits der Geige nicht viel Eigenständiges zu bieten hat und auch nicht so viel „Instant Appeal“ hat wie das bisherige Angebot.

9/17

 

Isabel Otrębus – „Delirium“

Nun also einer der beiden Favoriten. Modern produziert und mit eigener Soundfarbe, dazu die kraftvolle Stimme von Isabel, die etwas weniger Make-up hätte auflegen dürfen. Oops, jetzt ist kurz die Stimme gekippt.

Der Song ist klasse, ein schöner Mix aus Top-40-Radio und Dancefloor-Soul. Sollte er gewinnen, dürfte er im oberen Drittel der Titel liegen, die bisher für Lissabon feststehen. Isabel sieht außerdem elegant-streitsmart aus (tolle Augen), wiewohl ich Majas Lächeln bisher am stärksten fand, wenn es um optische Signale geht.

14/17

 

Gromee feat. Lukas Meijer – „Light Me Up“

Auf Favorit No. 2 folgt Favorit No. 1. Drei Jungs, zwei Mädels, Lukas als gutaussehender bärtiger tätowierter Hipster mit Hut mit Krempe. In Lederjacke, logo.

Das Intro ist relativ konventionell, aber wenn die Bassline zum Refrain losgeht, geht der Song stark ab. Das wird ein Euroclub-Floorfiller, was immer heute noch passiert.

Im zweiten Teil spielt Lukas auch auf der Gitarre, die er bisher nur umgehängt trug. Diese Song bringt viel Abwechslung, ein Essential, um beim ESC erfolgreich zu sein. Es ist ein schmissiger Charthit mit gezielt eingesetzten Clubhit-Bausteinen. Clever.

14/17

 

Happy Prince – „Don’t Let Go“

Prince, der gar nicht so happy aussieht, hat es mit seiner balladesken Midtempo-Nummer logischerweise sehr schwer nach Lukas. Vielleicht hat er sich deshalb ein Tanzpaar (beide in weiß) auf die Bühne geholt, die Eiskunstlauf-Figuren simulieren.

Der Drummer gibt alles und entwickelt deutlich mehr Dynamik als Somehow-Unhappy Prince, der irgendwo zwischen eindringlich und bemüht rüberkommt. Der Song ist so lala, man mag ihn keinesfalls dissen, aber bei spotify würde ich vermutlich weiterklicken.

7/17

 

Wieder eine MAZ mit den ESC-Songs 2018, die mit Michael Schulte startet. Den großen Applaus erntet aber der ukrainische Beitrag.

Ich habe hier inzwischen einen Heizlüfter aufgetrieben, bestimmt gefallen mir die Titel ab sofort noch besser.

 

Saszan – „Nie chcę ciebie mniej“

Tolles deepsoul Groove (erinnert in Ansätzen an die Garage-Zeit), eingängige Midtempo Nummer und dazu der Bonus Landessprache. Saszan, die super aussieht (abgesehen von den gefärbten Haaren), hat drei Backgroundsängerinnen in weiß dabei. Sie selbst trägt eine gehobene Essort-Kombi, Hot Pants, weißer offener Mantel, lange graue Stiefel, die über den Knien enden. Viel Haut.

Was für ein beschwingter Vorentscheid. Auch dieser Song ist zugänglich, sympathisch und animierend. Kein Instant Top 10 Hit, aber dennoch hitverdächtig. Der Groove macht’s.

12/17

 

Ifi Ude – „Love Is Stronger“

Eine sehr moderne Produktion, ein Midtempo souliger Popsong, erneut mit einem einnehmenden Groove. Zu Ifi mit Rastalocken in rotem Kleid passt der Song gut, der allerdings nicht so abwechslungsreich ist wie es die Female-Voices-Nummern zuvor waren. Die drei Mixed Backgrounds ganz in schwarz machen synchrone pathetische Bewegungen. Kann man machen, muss man aber nicht (um mal Ulf Ansorge zu zitieren).

10/17

 

Monika Urlik – „Momentum“

Monika schließt den LineUp ab. Ist das ein Vorteil? I guess it is. Auch sie hat drei Backgrounds dabei, drei Mädels in Tosenprint-Blusen.

Monika bringt „Momentum“ mit viel Ausdruck und presst den Song sehr leidenschaftlich raus, aber die Melodie ist nicht so eigenständig und eingängig wie es die Beiträge ihrer Wettbewerberinnen Maja und Isabell und Saszan sind. Nice but not nice enough. Ich mag ihr schwarzes Samtkleid.

9/17 (+1 für die Blusen)

 

Nach dem ersten Schnelldurchlauf darf Monz noch mal ran. Er hat eine Affinität zu Polen. In einem Interview hat er mir mal erzählt, dass der schönste seiner ca. 500 Cara Mia Auftritte auf einem Summer Outdoor Festival in Polen stattgefunden hat.

Er singt den kinder (Ferrero) No. One Germany Hit „Happyland“. Der werdende Vater sieht einfach STRIKING aus, sorry, das mag ich jetzt mal sagen. Best looking ESC Guy of all times!!

Auch fashiontechnisch ist Monz ganz vorne. Schwarze Jeans, Olive T unter offenem schwarzen Slimfit Hemd. Einzig kürzere Haare würden ihm NOCH besser stehen.

Super-Monz im Klub Stodola in Warschau im April 2017 mit „Happyland“ – Ganz groß!

Es folgt ein Werbebreak. Zeit zum Luftholen und zur Zwischenbilanz, dass heute in Polen einer der besseren VEs stattgefunden hat – sowohl hinsichtlich der Titelauswahl als auch in Bezug auf die Inszenierung und die Produktion der Show.

Die Entscheidung in Polen fällen das Publikum im Televoting und eine fünfköpfige Jury, bestehend aus

Kasia Mos (Teilnehmerin Polens 2017)

Maryla Rodowicz (die hat die ganze Zeit grimmig bis verstört geguckt)

Jan Borisovich

Tabb

Stefano Terrazzino (Eye Candy, Tänzer, Sänger und Schauspieler aus Italien)

Weiß jemand mehr über Jan und Tabb?

 

Wer soll’s machen? Aus Chancen-Sicht empfehle ich die Favoritin Isabell. Ich persönlich würde mich auch über Maja oder Saszan freuen. Frauenpower in Poland.

Nach einem weiteren Schnelldurchlauf stehen Blue Café auf der Bühne und singen „Buena“. Wieso dieser langweiligen Slow-Salsa-Song? Kommt „Love Song“ auch noch?

Es wird besser. Der zweite Titel (oder mglw. der zweite Teil des ersten Songs) groovt sexy und es sind auch zwei Tänzerinnen in weißen Badeanzügen unter weißem Jacket auf der Bühne und bemühen sich um Synchronität auf hochhackigen Schuhen. Funny.

Nach dem dritten Schnelldurchlauf hab‘ ich mal eine SMS für Maja abgesetzt. Das macht der Riesling.

Die nächste MAZ ist ein Rückblick auf Kiew, v.a. auch auf Kasia in Kiew. Ich hätte drauf gewettet, dass sie jetzt den Siegertitel von Salvador singt, aber sie performt ihren eigenen ESC-Hit „Flashlight“, mit dem sie Polen immerhin ins Finale gesungen hat. Ich erinnere mich an einen sympathischen Moment in Kiew, als sie auf der PK nach der Finalqualifikation ihr Bedauern darüber artikulierte, dass Finnland es leider nicht ins Finale geschafft hat. Was vielen Fans aus der Seele gesprochen hat.

Die Acts versammeln sich auf der Bühne, es wird also ernst.

Die Jurymitglieder vergeben ihre Punkte gemäß der klassischen 12-8-7-6-5-4-3-2-1 ESC Skala einzeln. Lukas kriegt die 12 von Maryla und die von Tabs auch.

Monika kriegt die 12 von Jan. Kasia bedenkt Happy Prince mit der 12. Really Kasia? Nun, Stefano macht’s genauso.

Happy Prince führt vor Ifi vor Lukas vor Monika. Das ist überraschend – für mich zumindest.

Es folgen die Televoting-Punkte!

Das Publikum favorisiert den Favoriten Lukas, der sich vor den glücklichen Prinzen schiebt und damit für Polen nach Lissabon fahren darf.

Sichtlich gelöst singt Lukas „Light me up“ noch einmal und beim erneuten Hören gefällt er mir gleich besser und es geht mir wie Kasia, die fröhlich mitschwingt. Das Publikum tanzt ausgelassen, es ist eine Freude, Polen hat einen guten VE hinter sich und einen guten Song in Lissabon vor sich.

 

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