London Eurovision Party 2018: Michael in der „Eurovision Community“

25 Acts, rund 450 Fans: Die London Eurovision Party war auch 2018 wieder ein Erfolg. Und mittendrin Michael Schulte, der sich freute, so herzlich in die – wie er selbst sie nannte – „Eurovision Community“ aufgenommen worden zu sein. Unser Konzertbericht

Michael gehörte zu den letzten Acts, die am Donnerstagabend die kleine Bühne im Café de Paris in Londons Ausgehviertel Soho betraten. Wir mussten also lange auf den deutschen ESC-Teilnehmer warten. Aber: Das Warten hat sich gelohnt. Der 27-Jährige begeisterte die Menge nicht nur mit einer gefühlvollen Performance von „You Let Me Walk Alone“, bei der die Fans beinahe ergriffen lauschten, sondern er spielte zwei weitere Songs, einen zu Halbplayback („Rusted Blood“ von seinem letzten Album „Hold the Rhythm“), einen mit Akustikgitarre („Holding Back the Fire“ vom Album „Wide Awake“).



Zwischendurch erzählte Michael den Gästen, dass er schon als Kind den ESC gesehen und er immer davon geträumt habe, dort mal mitzumachen – jetzt sei sein Traum wahr geworden, und er freue sich riesig auf Lissabon. Er freue sich außerdem, dass er jetzt Teil der „Eurovision Community“ sei und von dieser so herzlich aufgenommen wurde.

In der Tat war das Interesse an Michael am Nachmittag im „Ruby Blue“ groß, wo die akkreditierten Fanmedien (und auch BBC sowie Channel 7 und SBS aus Australien) die meisten der Künstler vor/nach ihrem Soundcheck interviewen konnten. Alle wollten den deutschen Act an ihrem Tisch oder draußen auf dem schmalen Balkon mit Blick über den Leicester Square haben! So erzählte Michael Kollegen aus Spanien, er betrachte es als Ehre, als „deutscher Ed Sheeran“ bezeichnet zu werden.

Wir PRINZ Blogger waren zu dritt (Peter, Fotograf Volli und ich) vor Ort, Salman war leider kurzfristig erkrankt. Volli hatte sich wie im Vorjahr im Eingangsbereich des Ruby Blue platziert, um alle ankommenden Künstler direkt vor der fancy Goldtapete abzulichten. Mehr dieser Fotos demnächst hier auf dem Blog.


Für großes „Hallo!“ sorgte übrigens der Überraschungsauftritt von Saara Aalto (auf dem Foto fast Ton-in-Ton mit SuRie) – Saara war im Vorfeld nämlich nicht als „confirmed act“ angekündigt worden, sondern war Surprise des Abends! Naja, nicht ganz des Abends, denn nach ihrem Soundtrack kam die sympathische Finnin natürlich auch vom Café rüber ins Ruby Blue.

Doch ich schweife ab… zurück ins Konzert, auf die kleine Bühne, auf der wie in den Vorjahren ESC-Schlachtross Nicki French gemeinsam mit Paddy O’Connell den Abend moderierte. Die beiden sind inzwischen ja ein eingespieltes Team, das merkte man auch an den gegenseitigen Frotzeleien. So kündigte Paddy gleich zu Beginn an, Nicki werde später „a medley of her hit“ (!) singen – was Nicki mit dem Hinweis konterte, Paddy werde wieder seine alten Witze aus den Vorjahren rauskramen…

So munter begann also der Abend schon, da musste ja was Gutes bei rauskommen. Obwohl die LEP vom Sonntagabend auf den Donnerstag gewechselt hatte, waren viele Fans an den Leicester Square gekommen, um das erste größere Pre-Event vor dem ESC in Lissabon zu feiern. Mein Eindruck war, dass es etwas weniger stark besucht war als voriges Jahr, aber recht voll war es im Café de Paris dennoch.

Noch ehe Paddy und Nicki die Bühne betraten, durften Stella Mwangi und Alexandra Rotan als Opener um kurz nach 19 Uhr die Menge anheizen, erst mit „Haba haba“, dann mit einem mir nicht bekannten Popsong sowie ihrem MGP-Song „You Got Me“. Da waren die Fans schon in perfekter Stimmung. Wir hatten uns einen Platz auf der Empore erkämpft, mit gutem Blick auf die Bühne und die Fans davor.

Nach der netten Begrüßung von Nicki und Paddy zur inzwischen 11. LEP ging es mit Rasmussen weiter. Der Däne bewies, warum er für Lissabon auf ein düsteres Licht wie beim Vorentscheid in Aalborg setzen sollte – ohne sieht der Redhead nämlich eher brav und überhaupt nicht furchteinflößend aus. Er präsentierte nur seinen ESC-Song „Higher Ground“, ebenso wie Ryan O’Shaughnessy nach ihm lediglich „Together“ performte – gut gesungen, aber halt etwas langweilig. Der Menge gefiel’s so leidlich.




Weiter ging es mit den beiden Vertreterinnen für San Marino. Erst durfte Jennifer Brening ihr VE-Lied „Until the Morning Light“ präsentieren, dann Jessica ihr „Hypnotica“ aus dem maltesischen Vorentscheid 2014, ehe beide zusammen auf die Bühne kamen und „Who We Are“ performten. Ich fand’s gut, aber da waren wir uns im Prinz-Team nicht einer Meinung.




Weiter ging es mit Margaret Berger, die neben ihrem ESC-Song „Feed You My Love“ noch „Samantha“ sang, ein Lied von ihr aus dem Jahr 2006. Nach ihr kam UKs Vorjahreshoffnung Lucie Jones, die die Menge mit zwei ESC-Hits begeisterte: „Euphoria“ und „Shady Lady“. Ihren ESC-Song „I Will Never Give Up on You“ sang sie in der Dance-Remix-Fassung (Kommentar eines englischen ESC-Fans: „Mit dieser Version hätten wir vielleicht letztes Jahr gewonnen…“) Bei Lucie hing ein Fan eine walisische Fahne über die Brüstung – Lucie stammt ja aus Wales.





Nach einer 10-minütigen Pause ging es weiter mit ZiBBZ aus der Schweiz. Co und Stef machten eine Super-Figur im Café de Paris. Die Fans gingen bei „Stones“ gut mit, und Stef bewies anschließend, dass er grandiose Beatboxing-Qualitäten besitzt, als er Co bei der A-cappella-Version von „Stones“ begleitete und Co die Menge aufforderte, das markante „Uh-huh“ mitzurufen. Die beiden sympathischen Schweizer standen uns schon am Nachmittag im Ruby Blue Rede und Antwort – das Interview gibt’s demnächst hier auf dem Blog.




Danach ein kurzer Fremdschämmoment: Nicki und Paddy holten ein Mädel auf die Bühne, die im Jahr von Nickis ESC-Teilnahme – also 2000 – geboren wurde. Die faktisch am Tag von Nickis Auftritt noch gar nicht auf der Welt war. Die angetrunkene Teenie machte auf One-Woman-Show, hörte gar nicht auf, mit ihrem Smartphone zu fotografieren oder zu filmen und musste auch später bei Suzy mühsam von der Bühne geholt werden…

Alasdair Randall (Präsident OGAE UK) begrüßte kurz die Fans und sagte dann die ESC-Siegerin von München 1983, Corinne Hermès, an. Die quatschte erst mal ein bisschen auf Französisch, was in der Menge für Unruhe sorgte – die Redelautstärke wurde spürbar höher, und das ließ dann auch kaum nach, als Corinne „Si la vie est cadeau“ mit englischem Refrain präsentierte. „I Will Always Love You“ aus Bodyguard wäre danach verzichtbar gewesen…. Corinne kündigte zum Schluss den Frankreich-Act 2018, Madame Monsieur an.



Madame Monsieur hatte sich für den Abend etwas Besonderes ausgedacht: einen englischen Text zu „Mercy“, der dem französischen Original inhaltlich recht nah kam. So präsentierten die beiden ihren ESC-Beitrag gleich zwei Mal, erst zum Halbplayback auf Französisch, dann nur mit der Begleitung  von Jean-Karls Gitarre auf Englisch. Berührend. Und die Menge rief am Ende das „Mercy, Mercy“ lautstark mit. Ein toller Auftritt des Duos.



Nicki French, die sich im Lauf des Abends mehrmals umzog, sang – jetzt ganz in Rot – ihre neue Single, die sie voller Stolz („ist heute erschienen und schon Platz 1 bei iTunes“) ankündigte, „Steal the Crown“, eine gute Popnummer im 70er-Disco-Retrostil. Darum trug Nicki auch ein Diadem auf ihrem Haupt.

Anschließend kündigte sie Vanja Radovanovic an, den Vertreter Montenegros in Lissabon. Der war mir am Nachmittag im Ruby Blue gar nicht aufgefallen, er muss aber da gewesen sein, denn Volli hat ihn vor der Goldtapete fotografiert. 😉

Sein „Inje“ gehörte jetzt sicher nicht zu den Höhepunkten des Abends, aber es war zwischen den vielen Mainstream-Popsongs eine nette Abwechslung.

Dann wurde es Zeit für ein kleines Smörgåsbord: Aus Schweden kam ja nicht nur der ESC-Vertreter Benjamin Ingrosso angereist, sondern auch der Zweitplatzierte des Melfest, Felix Sandman (kahlrasiert – das ließ ihn gleich nochmal vier Jahre jünger aussehen). Der durfte als erster ran und sang seine einfühlsame Ballade „Every Single Day“. Danach präsentierte Benny seine beiden Mello-Songs „Good Lovin'“ und „Dance You Off“ – bei letzterem natürlich wieder mit seinen (in Fankreisen nicht unumstrittenen) Gesten: dem Kopfnicken und dem Halbausziehen der Jacke über die Schulter. Na, wer’s mag… Am Ende des Songs knallte es über unseren Köpfen und es regnete Glitzerpapier auf die Tanzfläche. Am Schluss sangen die beiden Jungs kurz den Refrain von „Dance You Off“ acappella.






So aufgeheizt, brauchten die Fans erst mal Abkühlung – 10 Minuten Zeit, um Getränke an der Bar zu holen. Wir stärkten uns mit Gin Tonics.

Anschließend ging es als erstes weiter mit dem polnischen Act: Gromee und Lukas Meijer hatten wieder ihre breitkrempigen Hüte auf, und Lukas sang – so schien mir – dieses Mal besser als beim VE in Polen (da hatte „Light Me Up“ teilweise eher schief geklungen). Die beiden sangen neben ihrem Lied für Lissabon auch „Without You“, eine gemeinsame Single aus dem vergangenen Jahr.



Mit Ari Ólafsson aus Island ging es weiter. Ein sympathischer Typ, wie er am Nachmittag im Ruby Blue gezeigt hatte, und er sang sein „Our Choice“ auch sehr schön. Zwei Engländer neben uns, die das Lied noch nicht kannten, fanden es aber eher langweilig – waren aber beeindruckt von Aris Stimme und vor allem von dem einen Ton, den er – sich immer leicht krümmend – seinem Körper entlockt.


Wo wir gerade bei Balladen waren: Die von Nicki als schüchtern angekündigte Ieva Zasimauskaitė war die nächste auf der Bühne. Es war ein schöner Auftritt der Litauerin, die ganz bewegt war davon, dass die Menge beim Refrain das „oh-oh-old“ immer laut mitsang. Sie hatte sichtlich Freude auf der Bühne.



Nach „Our Choice“ und „When We’re Old“ wurde es wieder Zeit für Flotteres. Nicki kündigte einen Gast aus dem ESC-Gastgeberland 2018 an. Aus Portugal war nicht der Act für dieses Jahr angereist, aber Fanfavorit Suzy (ESC 2014) ließ die Menge toben. In einem silbernen Kleid, das viel Bein zeigte, kam sie nicht schnöde aus dem Backstage auf die Bühne, sondern stöckelte langsam die Treppe hinab, während sie Dami Ims „Sound of Silence“ zum besten gab. Danach sorgte sie für Stimmung mit „My Number One“ – hier erklomm wieder das schon erwähnte Teenie-Girl die Bühne, um mit Suzy zu tanzen, ehe nach etwa 40 Sekunden Paddy einschritt und sie von der Bühne bat.


Klar, alle hatten nun natürlich auf „Quero ser tua“ gewartet – und Suzy enttäuschte uns nicht. Und kam zum Refrain von der Bühne, um in der Menge zu baden und mit den Fans zu tanzen.


Das hätte schon der Moment für die nächste Pause sein können, aber stattdessen wurde noch ein Act angekündigt: Cesár Sampson aus Österreich. Er präsentierte nur „Nobody But You“, dabei bewies er aber, welch guter Sänger er ist und was er aus dem Song gerade live rausholt.


Nun also die letzte Pause des Abends, während der ein großes Keyboard auf der Bühne aufgebaut wurde. An dem nahm anschließend Amaia Romero Platz nahm, die Siegerin von Operación Triunfo 2018, die zunächst allein ein Lied sang (irgendwas mit „bailar un vals“), danach war ihr (Gesangs-)Partner Alfred García an der Reihe, der mit Akustikgitarre und Loop was präsentierte.


Danach kam Amaia zurück, und nun durfte zu „Tu canción“ geschmachtet werden. Das Lied ist mir zu kitschig, aber die beiden brachten es echt gut rüber, und Amaia ist ein total süßes Mädel, wie ich am Nachmittag im Ruby Blue erleben durfte. Ich muss gestehen, ich hatte Alfred auch erst gar nicht erkannt, als er ins Ruby Blue kam. Ich stand gerade im Eingangsbereich mit Volli bei der Goldtapete, auf die Ankunft des nächsten Acts wartend, und dann kam da einer die Stufen hoch und ich dachte: „Wer ist denn der Typ mit der Gitarrentasche?“

Weiter ging es mit einem Highlight, dem tschechischen ESC-Favoriten Mikolas Josef. Er erklomm die Bühne mit E-Gitarre, die allerdings zunächst technische Probleme bereitete. Als die behoben waren, sang Mikolas mit Gitarre einen Popsong, ich glaube, es war sein Lied „Free“ von 2016. Zwischendurch gab er noch einem Mädel aus dem Publikum einen Kuss („das ist das erste Mal, dass ich jemanden geküsst habe, von der ich den Namen gar nicht weiß – wie heißt du denn?“)


Danach legte er die Gitarre beiseite, hängte sich seinen Rucksack um – mit dem er vermutlich die gesamten zwei Wochen durch Lissabon und durchs dortige Pressezentrum ziehen wird – und setzte sich die Brille auf die Nase. Zeit also für den Nerdy-Schoolboy-Look und für „Lie To Me“. Großer Jubel im Saal.


Und schon folgte das nächste Highlight: EQUINOX aus Bulgarien. Schließlich hatten wir „Bones“ noch nicht live gehört. Durchaus beeindruckend performt, gesanglich harmonieren die fünf gut zusammen. Peter ließ sich zu der Aussage „hidden champion“ hinreißen – da sang das Quintett schon John Lennons „Imagine“, glaube ich. Kann man machen, muss aber nicht zwingend. Nett war’s. Ach ja, irgendein Lied von Jay-Z sangen sie auch noch.


Und nun der Moment, auf den wir den Abend über gewartet hatten: Unser Michael Schulte live on stage! Ein Topauftritt, bei dem der Engländer neben mir (der, der vorhin Aris „Our Choice“ abgekanzelt hatte) mit Thumbs up seinem Wohlgefallen Ausdruck gab. Er war beileibe nicht allein damit – Michael bekam ordentlich Applaus, nicht nur für seinen ESC-Beitrag, sondern auch für seine beiden anderen Songs „Rusted blood“ und „Holding back the fire“.


Danach ging es weiter mit der Frau mit der weitesten Anreise: Jessica Mauboy aus Darwin, Australia. Die supersympathische Sängerin (hier der Autor dieser Zeilen mit Ms Mauboy)…

… performte nicht nur „We Got Love“ (großartige Stimmung), sondern auch ihren Interval-Act-Song von Kopenhagen, „Sea of Flags“. Sie freute sich sehr über den warmen Empfang in London und man merkte ihr wirklich an, wie viel Spaß sie im Café de Paris hatte.



Ein echtes Highlight erwartete uns als nächstes: Surprise Act Saara Aalto. Ihre Show gehörte an dem Abend definitiv zu den absoluten Höhepunkten. Zwei Fans reckten, je einer seitlich auf den herabführenden Treppen, eine riesige Finnland-Flagge und einen riesigen Union Jack schräg nach oben; auf die Bühne kamen zwei halbnackte Tänzer und Saara herself in einem roten Königsmantel. Der Opener für ihre Show: „Your Disco Needs You“ – der Kylie-Hit passte nach Jessica Mauboy natürlich auch geographisch perfekt. Saara machte aus der Nummer ihr Ding, als wäre der Song nie für jemanden anderen als sie geschrieben worden. Grandiose Show!




Aus „Your Disco Needs You“ wurde auf den Plakaten der beiden Tänzer „Saara Needs You“ – wenn man sich die fallenden Wettquoten für Frau Aalto im Hinblick auf den ESC anschaut, wird sie jede Menge Unterstützung auch brauchen können.

Anschließend präsentierte Saara ihren VE-Song „Queens“ (ironischerweise nachdem sie den Königsmantel abgelegt hatte…) und danach natürlich „Monsters“. Beides weniger überzeugend als „Your Disco Needs You“, fand ich. Durchaus mit Rampensau-Qualitäten, aber man merkte nach dem Kylie-Knaller halt so richtig, dass „Monsters“ der letzte Kick fehlt („Queens“ auch).


Und zum guten Schluss noch – die Uhr ging langsam auf Mitternacht – der eigene Act für Lissabon: SuRie aus Essex. Sie sang „Rhythm Inside“ und ihren eigenen Beitrag „Storm“, der von den britischen Fans im Saal natürlich bejubelt wurde.



Doch keine LEP darf selbstverständlich zu Ende gehen, ohne dass Host Nicki French „Don’t Play That Song Again“ zum besten gibt. Damit wurde dann der Party-Teil des Abends eingeläutet…

Alles in allem war auch die elfte Auflage der London Eurovision Party ein gelungenes Fan-Get-Together und eine wunderbare Einstimmung auf Lissabon – nächstes Wochenende geht es, noch größer, in Amsterdam weiter. Auch dort sind wir vor Ort und werden berichten.

Vorher gibt es auf dem PRINZ Blog natürlich auch noch mehr Backstage-Material zu Michael Schulte, Vollis Photo Shots vor der Goldtapete und unsere Interviews mit Mikolas Josef und ZiBBZ. Stay tuned!