Malta ESC 2018: Behind the Scenes

Wenige Tage ist es erst her, da triumphierte Christabelle mit „Taboo“ beim Malta Eurovision Song Contest 2018. PrinzBlogger Marc war in Ta‘ Qali live vor Ort und berichtet von der OGAE Party, vom Red Carpet Empfang, der Siegerpressekonferenz sowie der After Show Party und vieles mehr.

Malta ist für ESC Fans im Jahr 2018 gleich aus mehreren Gründen eine Reise wert. Valletta ist zwar die kleinste Hauptstadt eines EU-Staates, aber 2018 auch die Kulturhauptstadt Europas und offeriert somit ein Programm mit über 400 Events und 140 Projekten. Gleich zum großen Eröffnungsspektakel am 20. Januar 2018 gab es einen sehenswerten und vielumjubelten Auftritt von Maltas ESC-Größen Amber und Glen Vella vor der St. John Co Kathedrale.

Valletta Culture Capital 2018: Opening Ceremony mit Amber & Glen

Da auf Malta nur etwas mehr als 400.000 Menschen auf rund 300 Quadratkilometern leben, ist es das Land mit der fünfthöchsten Bevölkerungsdichte weltweit. Somit kann man seine ESC-Reise ideal mit Sightseeing verbinden – die Wege sind immer kurz. Tolle Paläste, prunkvolle Gebäude und mediterranes Klima locken. Mein Sightseeing-Tipp ist die St. John Co Cathedral mit ihren fantastischen Gemälden von Caravaggio. Sofort fühle ich mich an Claudia Faniellos gleichnamigen Song erinnert.

Nun aber zum Malta Eurovision Song Contest 2018: bis 1. September 2017 durften bei TVM Beiträge eingereicht werden. Dabei musste man 150 Euro Teilnahmegebühr bezahlen. 129 Beiträge kamen so zusammen und wurden von lokalen Jurys auf 30 Beiträge gekürzt. Mittels lokaler und internationaler Jury wurden dann die 16 Finalbeiträge bestimmt.

Überraschenderweise richtig groß und professionell aufgezogen ist dann die Finalwoche. Es gibt ein eigenes Motto „Join the Magic“ und einen detaillierten Probenplan. Bereits am Montag morgen starten die Einzelproben und am Freitag abend sowie Samstag nachmittag gibt’s den kompletten Durchlauf der Show – alles sehr ähnlich wie beim „großen“ ESC. Auch ein optimal situiertes Pressezentrum mit guten Interviewmöglichkeiten ist vorhanden.

Auf Malta ist das öffentliche Interesse am ESC viel größer als in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Nahezu täglich kommen in den Tagen vor dem Finale in den Hauptnachrichten Vorberichte vom ESC. Der Empfang mit Rotem Teppich wird live übertragen und so verwundert es auch kaum, dass sogar der Minister Dr. Owen Bonnici persönlich im Pressezentrum vorbei schaute und sich u.a. nach dem Wohlbefinden der Journalisten erkundigte.

Aber auch OGAE Malta steuert seinen Teil zu einer schönen ESC Woche bei: Donnerstag abend steht ein Clubtreffen mit gemeinsamem Essen und Disco auf dem Programm. So findet man schnell Kontakt zu den einheimischen ESC Fans. Auf Malta ist die Dichte an ESC Hardcore-Fans erstaunlich hoch – zu erkennen an diversen ESC Tattoos, ESC Autokennzeichen uvm.

Beim Fachsimpeln mit den einheimischen Fans stellte sich schnell heraus, dass es vier Favoriten auf den Sieg gibt: Richard & Joe Micallef, Brooke Borg, Eleanor Cassar und Christabelle Borg. Von Letzterer war bekannt, dass sie wohl eine nicht unerhebliche Summe Geld in die Hand genommen hat, um im dritten Anlauf endlich das ESC Ticket für Malta zu lösen.

Christabelle

Bereits bei den Proben fiel daher auf, dass Christabelle hier mit einem runden und fertigen Gesamtkonzept am Start ist.  Insbesondere ihre Bühnenshow zu „Taboo“ wirkte bereits so ausgereift, als könnte sie 1:1 in Lissabon umgesetzt werden.

Claudia Faniello

Das nächste Highlight wartete bereits: am Samstag um 18:30 Uhr gab es dann einen Gala-Empfang mit Rotem Teppich, der auch live im TV übertragen wurde. Vorjahressiegerin Claudia Faniello begrüßte in eleganter Robe die Teilnehmer des aktuellen Jahrgangs.

Brooke Borg
Eleanor Cassar
Tiziana Calleja
Avenue Sky
Richard & Joe Micallef
Christabelle Borg
JESC Teilnehmer Gianluca Cilia

Wie immer beim Roten Teppich gab es bei den Outfits natürlich Tops und Flops zu bewundern. Auffällig auch, dass beim Malta ESC immer ein Bezug zu Junior Eurovision hergestellt wird. Fast selbstverständlich ist somit, dass auch der JESC Teilnehmer Gianluca Cilia auf dem Catwalk erscheint und in der Finalshow auftreten darf.

Am Samstag um 21 Uhr beginnt dann in der Ta‘ Qali Halle die große Primetime Show (Live-Blog). Mit rund 4.400 Zuschauern ist das Finale ausverkauft. Ich sitze beim Maltesischen Fanclub in einem der vorderen Blocks (Ticketpreis 35 Euro). Das Publikum ist bunt gemischt: von jung bis alt und auch sehr viele Familien. Auffällig ist, dass sich viele Gäste schick gekleidet haben.

Meine Befürchtung, dass die Show durch die Werbeblocks zu langatmig ist, bewahrheitet sich vor Ort jedoch nicht. Die Werbepausen entpuppen sich als ideal zum Getränke holen und für Socializing oder einfach zum Diskutieren der Beiträge. Die Stimmung ist ausgelassen und insbesondere bei den Favoriten und bei Christabelle geht das Publikum voll mit und es gibt tosenden Applaus.

Finalauftritt Malta ESC: Christabelle – „Taboo“

Dass Christabelle dann das Juryvoting so haushoch gewinnt und von allen Juroren einheitlich die Höchstpunktzahl bekommt, ist dann aber doch überraschend und für manche fragwürdig. Da Christabelle auch das Televoting dominiert, ist sie letztendlich aber die unangefochtene Nummer 1. Sie kann sich mit viel Rückenwind auf den Weg nach Lissabon machen.

Nachdem TVM die Gesamtzahl der Anrufe im Televoting bekannt geben hat, kursierte schnell eine Hochrechnung, wie viele Stimmen die einzelnen Acts dann ungefähr erhalten haben müssen um auf die entsprechende Punktzahl zu kommen. Ich selbst war sehr erstaunt, wie niedrig die Anzahl der abgegebenen Stimmen war. Ernüchterung vermutlich bei Danica Muscat: sie kann sich bei so wenig Anrufern immerhin bei allen persönlich bedanken, die für sie gestimmt haben (wahrscheinlich ausschließlich ihre eigene Familie).

Malta ESC 2018: Winners Press Conference

Nach der Show rief TVM zur Winners Press Conference. Christabelle konnte ihr Glück kaum fassen. Sie erzählte dabei auch recht glaubhaft, dass ihr der ESC wirklich sehr viel bedeutet und mit ihrer Teilnahme für Malta nun ein Kindheitstraum in Erfüllung geht.

Muxu

Auch Komponist Muxu (Matthew „Matt“ Mercieca) freute sich, dass „sein“ Beitrag, den er gemeinsam Christabelle, Thomas G:son und Johnny Sanchez komponierte und textete, gewonnen hat. Er erzählte, dass die Idee zum Song „Taboo“ während seiner 8-monatigen Weltreise in Südostasien entstanden ist. Über Christabelle, mit der er schon viele Jahre befreundet ist, kam dann der Kontakt mit Thomas G:son („Euphoria“) zustande.

Zum krönenden Abschluss fand im Nite Club Gianpula eine After Show Party statt. Das Publikum bestand sogar zum überwiegenden Teil aus dem aktuellen maltesischen ESC Jahrgang sowie den Teilnehmern vergangener Jahre wie z.B. Kurt Calleja. Trotz weit vorgerückter Stunde ließen es sich viele Acts nicht nehmen, nochmal kurze Auftritte hinzulegen (z.B. Claudia Faniello, Deborah C) und die Stimmung weiter anzuheizen. Gefeiert wurde bis in den frühen Morgen.

„Mittendrin statt nur dabei“ – Ich habe in den vergangenen Jahren schon einige ‚National Finals‘ live vor Ort erlebt. In Malta kann man als ESC Fan jedoch so nah dran am Geschehen sein, wie kaum irgendwo sonst. Denn wo wird man schon mal von einem ESC Teilnehmer zum Flughafen chauffiert? Danke an Glen Vella („One Life“/Düsseldorf 2011)!

Damit verabschiede ich mich und sage „Goodbye“ aus Malta, dem Land in dem es gefühlt mehr ESC Beiträge als Einwohner gibt 🙂