Mehr Überraschung geht nicht: Das OGAE-Germany-Fanclubtreffen 2015 in München

OGAE Germany Fanclubtreffen 2015Ray Caruana, Hersi und Krista Siegfrids: die Headliner für das diesjährige Fanclubtreffen des OGAE Germany in München erzeugten – gerade unter Nicht-Münchner-Fans – wenig Euphorie. Auch unter den angekündigten sieben (!)  „Überraschungsgästen“ konnte man sich wenig vorstellen. Ob aus Neugier oder Tradition – das Gasthaus im Isartal war auch in diesem Jahr wieder sehr gut besucht. Und enttäuscht wurde niemand. Im Gegenteil! Jetzt ergänzt mit weiteren Fotos.

Um 15 Uhr startete das abwechslungsreiche Programm, durch das wie in den Vorjahren Reinhard Ehret und Frank Albers führten. Erster großer Punkt war der Karaoke-Wettbewerb namens Eurovision Cover Song Contest, an dem sich in diesem Jahr sieben Personen beteiligten. Das Ergebnis, das sich aus diversen internationalen Jurys zusammensetzte und später am Nachmittag bekanntgegeben wurde, sah „Burning Alive“ auf Platz 3, „Cake to Bake“ auf 2 und „Running“ auf 1.

Der Siegertitel wurde interpretiert von Christian Deußen (Foto unten). Seinen Erfolg schmälert dabei ein wenig die Tatsache, dass er ebenfalls mit „Running“ bereits den Karaoke-Wettbewerb beim Fantreffen in Berlin im Juli 2014 gewonnen hatte. Da hätte ruhig noch ein anderes Lied einstudiert werden können.

OGAE Clubtreffen 2015: Christian Deußen
Die Verantwortlichen hatten vorgesorgt und vereinbart, dass Christian im Fall eines Sieges nicht noch einmal „Running“ singen sollte, sondern als Welturaufführung seinen Titel „That’s Why“, den er für die Wildcard beim deutschen Vorentscheid eingereicht hat. Eine Antwort vom NDR steht dazu noch aus.

Der österreichische Fanclubpräsident Markus Tritremmel berichtete kurz über die Vorbereitungen für den ESC in Wien: Zwar sei es bedauerlich, dass der ORF nicht mehr Karten für Fans zur Verfügung stellen konnte. Insgesamt sei er aber sehr zuversichtlich, dass die Vorbereitungen gut laufen und die Show top würde. Kern des Eurovision Village vor dem Rathaus in Wien soll die Bühne des Life Balls werden, der am 16. Mai und damit eine gute Woche vor dem ESC stattfindet. Die Bühne bleibt dann einfach stehen.

Zwischen den Karaoke-Beiträgen und der Siegerehrung wurde ein bunter Video-Rückblick auf den ESC in Kopenhagen gezeigt, der von Karl Jakob zusammengestellt worden war. Bevor es an die Bekanntgabe der Top 10 des OGAE Member Song Contests ging wurde noch Ralph Siegel begrüßt, der auch in diesem Jahr im Wirtshaus zum Isartal vorbeischaute und dem die anwesenden Gäste erneut frenetisch zujubelten.

OGAE Clubtreffen 2015: Ralph Siegel
Beim nächsten OGAE Member Song Contest wird es zum ersten Mal eine Wildcard geben, mit der ein Teilnehmer automatisch mit seinem Beitrag für das Finale gesetzt ist. Diese Person wurde ausgelost. Und als Glücksfee hatten die Organisatoren passenderweise die blendend aussehende Karin Tietze-Ludwig (73, Foto unten) eingeladen. Dieser erste Überraschungsgast des Tages hat dank seiner beiden Vorentscheid-Moderationen 1972 und 1975 auch einen ESC-Bezug. Von ihr erfuhren die Gäste dann unter anderem, wie sie sich fühlte, als beim Vorentscheid 1975 plötzlich der Strom ausfiel, wie sie überhaupt zum Fernsehen kam und dass sie selbst nie mehr als einen Dreier im Lotto hatte.

OGAE Clubtreffen 2015: Karin Tietze-Ludwig OGAE Clubtreffen 2015: Karin Tietze-Ludwig

Bevor das geplante Bühnenprogramm weiterging, wurde Christian Bruhn auf die Bühne gebeten, der ebenfalls in diesem Jahr aus Lust an der Freude wieder beim Fanclubtreffen vorbeischaute. Der vor zwei Monaten 80 Jahre alt gewordene Komponist zeigte sich bestens aufgelegt und wurde wieder von den Gästen im Saal gefeiert.

Nach einer kurzen Rundschau auf ESC-Vorentscheidbeiträge der aktuellen Saison (eigentlich nur aus Malta) durfte der OGAE-Fantreffen-Techniker Thomas T. mit seinen ehemaligen WG-Kollegen ihren Lieblings-ESC-Song auf der Bühne darbieten. Die Wahl fiel auf „Sing Sang Song“, was voller Inbrunst und mit viel Freude vorgetragen wurde.

OGAE Clubtreffen 2015: Tommy T. & FriendsAnschließend war es Zeit für die nächsten Überraschungsgäste. Diese wurden von schönen Filmzusammenschnitten vorgestellt, die Stefan Leidner liebevoll und mit einem Twinkle in the eye produziert hatte. Auch wenn sich keiner vorstellen konnte, dass nunmehr „Weltstars“ auf der Bühne im Wirtshaus stehen sollten – so war es wirklich. Alice und Ellen Kessler waren da!

Sie sangen und tanzten zwar nicht (so wie erst letztes Jahr in Sanremo), zeigten sich aber nicht nur in bester körperlicher Verfassung, sondern auch bei hervorragender Laune. Leichte Anstöße genügten, um sie ins Plaudern zu bringen. Und zwei Weltstars mit zusammen 124 Bühnenjahren können einiges berichten. So erfuhren die Zuschauer vieles über den Start ihrer Karriere – und die Großen der Showbranche.

OGAE Clubtreffen 2015: Kessler ZwillingeSammy Davis Junior war demnach der größte von all den Stars, mit denen sie zusammengearbeitet haben. Dean Martin war toll, aber faul und wollte eigentlich immer nur zurück zu seiner Frau und auf den Golfplatz. Frank Sinatra konnte sich alles leisten – auch in der ersten Show eines Abends nur zu pfeifen, um seine Stimme für die zweite Show zu schonen.

OGAE Clubtreffen 2015: Kessler Zwillinge OGAE Clubtreffen 2015: Kessler ZwillingeAber auch Persönliches wurde ausgeplaudert. Ellen, die sich selbst als den Motor und Alice als die Bremse sieht, erzählte fröhlich, dass Alice 20 Jahre mit einem Mann liiert war, während sie 20 Männer in einem Jahr hatte. Ihren ESC-Beitrag von 1959 „Heute abend wollen wir tanzen geh’n“, den sie nie mochten, haben sie seitdem nie wieder aufgeführt. Den ESC selbst schauen sie heute zwar noch, aber nur als Aufzeichnung, um das Schlimmste vorspulen zu können. Und Conchita finden sie gut, raten ihr aber, den Bart abzunehmen.

Die Anwesenheit der Kessler Zwillinge hatten die Organisatoren und die Gäste wohl nicht zuletzt Carolin Reiber zu verdanken, der ihr Auftritt im letzten Jahr bei der Veranstaltung so gut gefallen hatte, dass sie – wie im letzten Jahr bereits von Blogger WM vermutet – in diesem Jahr wieder zur Stelle war. Wie sie dem Publikum stolz berichtete, ist sie mit den Kesslers befreundet und hat ihnen zugeraten zu kommen.

Bevor es um 18.30 Uhr in die große Pause ging, stellten die Organisatoren des Berliner Eurovision Weekends, Frank Lochthove und Salman Tanzeem, die Planungen für 2015 vor. Das Wochenende findet vom 17. bis zum 19. Juli statt. Partnerland ist diesmal Dänemark, wobei aber noch keine Künstler feststünden. Ein fünfminütiger Film vom 2014er Event ließ in Erinnerungen schwelgen und machte Lust auf mehr.

OGAE Germany München 2015 Pause
Die anschließende Pause ließ Zeit zum Austausch zwischen den Fans, für Fotos mit den (bereits) anwesenden Stars und natürlich zur leiblichen Stärkung (Foto oben). Der erste Act am Abend war wieder ein Überraschungsgast, der allerdings bereits vorher beim Italiener gesichtet worden war: Michael Holm, der Autor des deutschen Beitrags von 1975: „Ein Lied kann ein Brücke sein“. Er berichtete, dass ihm lange der passende Text zur Melodie fehlte, dann aber schnell kam, als er mit einem Auto von der Winkelmoosalm über eine Brücke fuhr.

OGAE Clubtreffen 2015: Michael HolmÜber die Zeit in Stockholm berichtete er, dass der Dirigent Reiner Pietsch, der am Anfang des Songs so energisch auf den Boden stampft, diesen beim Finale des Titels tatsächlich zerstampft hat. Dieser war danach auf der Stelle zerstört. Das enttäuschende Abschneiden war wohl einer der Gründe weshalb Holm heute sagt, dass er in Stockholm zum ersten und letzten Mal in seinem Leben „stockbesoffen“ gewesen sei.

Er eröffnete sein Set mit „Ein Lied kann eine Brücke sein“ und setzte es mit „Lucille“ und „Nur ein Kuss Magdalena“ fort. Zwischen den Liedern lobte Holm immer wieder die menschliche und musikalische Größe von Siegel und Bruhn, die ihrerseits klarstellten, was auch Holm für ein Schlagerriese sei. Das war genauso faszinierend wie grotesk, aber eben nur logisch, wenn die größten des deutschen Schlagergeschäfts der letzten 50 Jahre in einem Raum versammelt sind.

Auch bei seinen Moderationen und seinen Bewegungen während des Singens war Holm höchst überschwänglich. Dass er dabei heftig ins Schwitzen kam und bisweilen der Gesang litt, ist wenig überraschend. Als Zugabe und nach einer ausführlichen Beschreibung, wie weit es wirklich bis nach Mendocino ist, wurde ebendieser Song noch in einer Rockversion dargeboten. Krista Siegfrids feierte derweilen gut gelaunt mit. Über Hersis Reaktion ist nichts bekannt, da sie sich vermutlich bereits für ihren Auftritt umzog.

Nach Holm kam der erste angekündigte Stargast auf die Bühne, Ray Caruana. 1989 war er als Frontmann der Gruppe Live Report knapp hinter Riva Zweiter geworden. Seine Moderationen auf Englisch waren zielgerichtet und führten direkt zum jeweiligen Song. Nach einem unbekannten Titel folgte ein ESC-Medley aus „Puppet on a String“, „Save your kisses for me“, „Après toi“ auf Englisch und „Boom Bang-a-Bang“. Seinen Beitrag „Scarlet“ aus der maltesischen Vorentscheidung 1994 bot er in neuem Arrangement dar, „Mr. Bojangles“, „Candyman“ und „Another Star“ (bei uns bekannter als „Brazil“) in gewohnter Form. Von der Bühne gelassen wurde Ray erst, als er auch seinen ESC-Song „Why do I always get it wrong“ gesungen hatte, auch diesen mit einem neuen Arrangement.

OGAE Clubtreffen 2015: Ray CaruanaZwischenzeitlich erfuhren die Gäste noch, dass er seine Bandkollegen seit dem Auftritt in Lausanne kein einziges Mal mehr wiedergesehen hätte. Sie wären eben nur für den ESC gecastet gewesen. Heute beschäftigt er sich hauptsächlich – wie der Prinz-Blog auch bereits berichtete – mit der Verarbeitung von Leder zu Kleidungsstücken.

Der nächste Überraschungsgast waren Silver Convention. Eigentlich sollten alle drei zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder gemeinsam auf der Bühne stehen. Aber Ramona Wulf konnte nicht nach München kommen, da sie kurzfristig am Meniskus operiert werden musste. Sie hatte aber eine Videobotschaft geschickt und bat um eine Einladung zum Fanclubtreffen 2016.

Auf Wunsch eines einzelnen Bloggers ein ESC-bezugloser Silver-Convention-Hit: Fly Robin Fly

Rhonda Heath und Penny McLean waren hingegen vor Ort und plauderten über ihre Teilnahme beim ESC, wo es 15 Minuten vor ihrem Auftritt noch einen Schreckmoment gab: Ramona hatte zu tief eingeatmet, so dass ihr Reißverschluss riss. Penny, die sich selbst nicht zuletzt aufgrund ihrer Ausbildung an der Frauenfachschule als „Spezialistin für Reißverschlüsse“ bezeichnete, behielt die Ruhe, bat um Nadel und Faden und reparierte das Malheur. Da es nun nicht mehr schlimmer kommen konnte, waren sie beim Auftritt ein paar Minuten später entspannt und genossen ihn sichtlich.

OGAE Clubtreffen 2015: Silver Convention OGAE Clubtreffen 2015: Silver Convention OGAE Clubtreffen 2015: Silver ConventionHeute ist Rhonda vor allem als Musiklehrerin aktiv und lernt mit „immenser Freude“ Geige. Penny gibt Vorlesungen in spiritueller Wissenschaft und hat bereits ihr 20. Buch veröffentlicht. Für den Auftritt in München verließ sie sich jedoch auf die real-existierende Kosmetikindustrie und schminkte sich zwei Stunden lang, um gut auszusehen. Ihr Hinweis, dass Ralph Siegel diese Bemühungen in einer Minute zunichte gemacht hätte, quittierte Rhonda mit einem: „Don’t blame it on him!“

Anschließend übernahm der zweite angekündigte Star, die Albanerin Hersi. Gekleidet in ein weißes Netzkleid und mit roten Pumps eröffnete sie ihr Set mit Adeles „Someone like you“. Es folgten „I will always love you“ (Whitney Houston), „All I can do is cry“ (Etta James), „Hallelujah“ (nicht das vom ESC) und ihr eigener ESC-Beitrag „One Night’s Anger“. Warum ihr im Anschluss ein Gast aus Schweden eine Kette mit einem Raubtiereckzahnanhänger umhängte, wird wohl (s)ein ewiges Geheimnis bleiben. Hersi zeigte dann auch noch, warum sie erfolgreich an der Oper in Rom singt, und präsentierte (ohne Mikrofon) eine Arie unbekannter Provenienz.

OGAE Clubtreffen 2015: Hersi OGAE Clubtreffen 2015: Hersi OGAE Clubtreffen 2015: HersiGegensätzlicher hätte der folgende Act nicht sein können. Krista Siegfrids (Foto unten) betrat mit einem Aerobic-Outfit und zwei Ding-Dong-Girls die Bühne und rockte das Wirtshaus zunächst mit zwei Titeln ihres Albums: „More is more“ und „Money“.

OGAE Clubtreffen 2015: Krista SiegfridsBesonders hellhörig wurden die Fans, als sie danach die erste Strophe von „Fångad av en stormvind“ a cappella intonierte. Es folgte der ruhige Titel „Can you see me“, bevor es mit „Amen“ und „Like a Virgin/Marry Me“ wieder laut wurde. Am Ende verriet Krista auch noch den bisher geheim gehaltenen Titel ihrer neuen Single, die Ende Februar erscheinen wird: „On and off“.

OGAE Clubtreffen 2015: Krista Siegfrids OGAE Clubtreffen 2015: Krista SiegfridsTraditionell wurde zum Abschluss wieder gemeinsam mit allen Gästen ein ESC-Lied gesungen, diesmal „Telegram“. Nach neun Stunden endete dann der Showteil des Fanclubtreffens. Danach übernahm DJ Ohrmeister die Turntables und rockte das Wirtshaus bis 3 Uhr morgens.

OGAE Germany Fanclubtreffen München 2015
Auch wenn es vor ein paar Jahren nicht so schien: Der Münchner ESC-Weekender befindet sich derzeit in allerbester Form. Das Konzept ist stimmig. Dabei sind es vor allem die tollen Überraschungsgäste – wenn auch überwiegend für die schon etwas älteren Semester – die einen Mehrwert erzeugen und die zum Teil weite Reise nach München lohnenswert machen. Augenzwinkernd wurde bereits die Gefahr thematisiert, dass in ein paar Jahren die ersten Reihen voller ehemaliger deutscher Schlager- und TV-Größen sein könnten. Das können wir aber getrost auf uns zukommen lassen und uns schon einmal auf das Treffen 2016 freuen.