Melodifestivalen 2015 (1): Jessica Andersson (Fame), Eric Saade, Magnus Carlsson und Marie Bergman zurück

Melodifestivalen2015

Melodifestivalen-Sieger, ehemalige Teilnehmer, Teenie-Stars, Opersänger, Hardrock. Das schwedische Fernsehen präsentiert uns auch in diesem Jahr beim Melodifestivalen wieder einen bunten Querschnitt der schwedischen Musikwirtschaft. Am heutigen Montag wurden bei einer Pressekonferenz in Stockholm die Teilnehmer der ersten beiden Semis vorgestellt. Da in diesem Jahr nur sieben Beiträge pro Semi antreten, sind nun also 14 Interpreten, ihre Songtitel sowie die Komponisten und Texter bekannt. Und die Papierform macht bereits jetzt richtig Lust auf die Shows im Februar.

Am Anfang der Pressekonferenz informierte Christer Björkman, dass von den 28 Teilnehmern 20 Novizen und 12 Mello-Wiederholungstäter sind. Dann ging es umgehend in die Vorstellung:

Semi 1: Göteborg, 7. Februar 2015

Melodifestivalen 2015 Semi 1 Göteborg

 

1. Jessica Andersson – Can’t Hurt Me Now
Songschreiber: Aleena Gibson, Fredrik Thomander

Jessica Andersson ist bereits zum sechsten Mal beim Melodifestivalen dabei. 2003 war sie Bestandteil des Duetts Fame, die mit „Give me your love“ gewannen und später in Riga Fünfte wurden.

Fame – Give me your love

Ihre anderen Mello-Versuche:
2004 Fame – „Vindarna vänder oss“ (6. Platz im Finale)
2006 „Kalla nätter“ (5. im Semi)
2007 „Kom“ (Andra Chancen)
2010 „I Did It for Love“ (8. im Finale)

Jessica Andersson – I Did It for Love

Nach ihrem letzten Mello-Versuch wurde es etwas ruhiger um Jessica Andersson. Mit ihrer letzten Single „Septembermorgon“ trat sie häufiger im TV auf und war auf verschiedenen Radiosendern zu hören. Ein Hit war es aber nicht.

 

2. Behrang Miri feat. Victor Crone – Det rår vi inte för (Dafür können wir nichts)
Songschreiber: Behrang Miri, Albin Johnsén, Måns Zelmerlöw, Tony Nilsson

Behrang Miri nahm bereits 2013 am Melodifestivalen teil. Damals mit dem Titel „Jalla Dansa Sawa“ und begleitet u. a. von Oscar Zia.

Behrang Miri – Jalla Dansa Sawa

Zuvor war Behrang Miri nur durch „Tintingate“ bekannt: Als künstlerischer Leiter für Kinder und Jugendliche im Stockholmer Kulturhaus wollte er 2012 alle Tintin-Comics aus der Bibliothek verbannen, weil sie ein negatives Bild von Afrikanern aus kolonialer Perspektive darstellen würden.

Über Victor Crone ist im Moment kaum etwas bekannt. Umso mehr über einen der Songschreiber: Måns Zelmerlöw. Er hatte erst beim schwedischen Idol, dann beim Melodifestivalen mit „Cara Mia“ seinen Durchbruch. Sein letztes Album „Barcelona Sessions“ war weniger erfolgreich als von vielen erwartet. Da im Vorfeld bekannt war, dass er ein Lied zum Mello 2015 eingereicht hatte, wurde spekuliert, dass er selbst auch auftreten würde. Das ist offenbar nicht der Fall.

Ebenfalls unter den Autoren: Albin Johnsén. Er hatte diesen Sommer mit „Din Soldat“ einen Überhit in Schweden. Unterstützt wurde er dabei von Kristin Amparo, die angeblich auch am Melodifestivalen 2015 teilnehmen soll.

 

3. Dolly Style – Hello Hi
Songschreiber: Emma Nors, Palle Hammarlund, Jimmy Jansson

Bei der bisher recht unbekannten Band Dolly Style ist der Name Programm. Sie setzen voll auf den Dolly-Style-Trend und kleiden sich wie … Puppen. Das scheint – ähnlich wie in den Vorjahren bei Yohio – so ein Japan-Ding zu sein. Bemerkenswert ist nicht nur ihr Äußeres, sondern auch ihre Namen: Molly, Holly und Polly.

Bei den Songschreibern fällt der Name Jimmy Jansson auf, der 2005 („Vi kan gunga“) und 2007 („Amanda“) selbst am Melodifestivalen teilgenommen hat. Im letzten Jahr hatte er die Mello-Beiträge für Janet Leon („Hollow“) und Elisa Lindström („Casanova“) geschrieben. Er ist in dieser Hinsicht also durchaus flexibel, so dass wir bei der Band sicher einen Japan-inspirierten Electro-Plastic-Popsong erwarten können.

 

4. Molly Pettersson Hammar – I’ll Be Fine
Songschreiber: Molly Pettersson Hammar, Lisa Desmond, Tim Larsson, Tobias Lundgren, Gavin Jones

Molly wurde 2011 Vierte beim schwedischen Idol. Damals – Achtung: Doppeldeutigkeit – unterlag sie Robin Stjernberg, mit dem sie dann auch zusammenkam. Dank ihm hat sie bereits insofern Mello- und ESC-Erfahrung, als dass sie mit Robin Stjernberg zusammen war, da sie ihn damals stets begleitete.

Molly Pettersson Hammar – Listen

 

5. Elize Ryd & Rickard Söderberg – One By One
Songschreiber: Elize Ryd, Jimmy Jansson, Karl-Ola Kjellholm, Sharon Vaughn

Rickard Söderberg ist vor allem bekannt als Sänger von Barockmusik, Mozart und Wagner, wagt sich aber auch gern mal an profanere Dinge wie Musicals ran. Die beiden Platten, die er bisher veröffentlicht hat, lassen auf einen interessanten Menschen schließen: Auf „The Perfect Man“ (2008) sang er mit Fredrick Haglund romantische Weisen mit einem homopolitischen Twist. Mit „Castrato Arias – Uncut Edition“ (2009) brachte er eine CD mit den wildesten Barock-Arien, die für Kastraten geschrieben wurden, auf den Markt. Ein Must-Have für jeden Musik-Connoisseur.

Gleicher Make-Up-Artist? Charlotte Perrelli & Rickard Söderberg – Prayer

Irgendwie überrascht es da auch nicht mehr, dass er bei der Grammisgala (schwedischer Musikpreis) 2013 im Cirkus in Stockholm in einem ausladen Barockkleid auftrat und Carmen interpretierte.

Rickard Söderberg

Der Lebenslauf der Musicalsängerin Elize Ryd ist zwar auch vielfältig, aber nicht ganz so schillernd. Ich würde mal auf ein Pop-Rock-Electro-Opern-Crossover tippen, das uns die beiden beim Mello servieren werden. Mit angerichtet u. a. vom bereits o. g. Jimmy Jansson.

 

6. Daniel Gildenlöw – Pappa
Songschreiber: Daniel Gildenlöw

Daniel Gildenlöw ist Melodifestivalen-Fans durchaus bekannt: 2010 stand er als Sänger der Gruppe Pain of Salvation auf der Bühne des schwedischen Vorentscheids. Damals war für den Song „Road Salt“ in Andra Chancen Schluss. In diesem Jahr versucht er es solo, wobei der Liedtitel schon einen Fingerzeig gibt, worum es inhaltlich gehen könnte.

Pain of Salvation – Road Salt

 

7. Eric Saade – Sting
Songschreiber: Sam Arash Fahmi, Fredrik Kempe, Hamed ”K-one” Pirouzpanah, David Kreuger

Eric Saade muss man auf diesem Blog eigentlich nicht mehr vorstellen: Kopfnässer, Dauerfreund von Prinz-Blog-Liebling Molly Sandén und ESC-Teilnehmer. Mit „Manboy“ sang er sich beim Melodifestivalen 2010 auf den dritten Platz und in die Herzen der vorrangig sehr jungen weiblichen Fans. 2011 schaffte er mit „Popular“ den Sieg und holte für Schweden beim Eurovision Song Contest in Düsseldorf den dritten Platz.

Eric Saade – Popular

Erics folgende Titel waren deutlich kleiner als sein Ego. Damals schloss er eine Rückkehr zum Melodifestivalen auch kategorisch aus. Insofern hat dieses Wiedersehen auch etwas Tragisches. Seine Fans dürften aus dem Ich-sms:e-mir-die-Finger-wund-Alter heraus sein. Bleibt zu hoffen, dass Fredrik Kempe, der auch für Erics anderen Mello-Titel verantwortlich zeichnete, etwas passendes geschrieben hat. Da auch Hamed ”K-one” Pirouzpanah seine Finger im Spiel hat, ist das gar nicht unwahrscheinlich. Im letzten Jahr gingen Sanna Nielsens „Undo“, Oscar Zias „Yes We Can“ und Alcazar „Blame It on the Disco“ auf ihre Rechnung. Ebenfalls mit geschrieben hat das Lied David Kreuger, der bereits für Westlife und Britney Spears gearbeitet hat und 2012 mit „Youngblood“ beim Mello seine Premiere feierte. Ein Fest für alle Freunde des Scandipops.

 

Semi 2: Malmö, 14. Februar 2015

Melodifestivalen 2015 Semi 2 Malmö

 

1. Mariette – Don’t Stop Believing
Songschreiber: Miss Li, Sonny Gustafsson

Mariette Hansson ist über das schwedische Idol 2009 bekannt geworden, bei dem sie vierte wurde. Im Frühjahr des Folgejahres wurde sie von den Lesern der schwedischen Zeitschrift QX zum Homo des Jahres gewählt. Musikalisch trat sie in der Folgezeit solo kaum in Erscheinung. In diesem Jahr tourte sie aber mit der Mello-Zweiten Ace Wilder durch Schweden.

Mariette – If Only I Can

Miss Li, die für den Beitrag musikalisch verantwortlich zeichnet, ist auch als Solokünstlerin bekannt. Sie hatte 2006 mit dem Titel „Oh Boy“ ihren Durchbruch und das Duett „Om du lämnar mig nu“ mit Lars Winnerbäck schaffte es bis an die Spitze der schwedischen Single-Charts und war mit einer Dauer von 240 Wochen ein Dauerbrenner in Svensktoppen.

 

2. Emelie Irewald – Där och då med dig (Dort und damals mit dir)
Songschreiber: Emelie Irewald

Emelie Irewald hat in der The-Voice-Schnellschuss-Kopie von TV3 mit dem Namen „True Talent“ auf sich aufmerksam gemacht. Damals war sie im Team von Tommy Körberg. Derzeit bietet sie auf ihrer Homepage ihre gesanglichen Leistungen auch für Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen an.

Emelie Irewald – Gabriellas sång

 

3. Linus Svenning – Forever Starts Today
Songschreiber: Aleena Gibson, Anton Malmberg Hård af Segerstad, Fredrik Kempe

Linus „Außen hart, innen zart“ Svenning hatte beim Melodifestivalen 2014 seinen Durchbruch, wo er mit „Bröder“ nach einem Umweg über Andra Chancen den fünften Platz im Finale belegte. Seinerzeit bekam er von deutschen Jury sogar die Höchstpunktzahl. Im Sommer war seine neue Single „Dansa sakta“ bei einigen Radios zu hören.

Linus Svenning – Bröder

Für seinen zweiten Versuch beim Mello hat er sich wieder Unterstützung von Fredrik Kempe geholt, diesmal aber im Team u. a. mit den Mello-erfahrenen Aleen Gibson („Why am I crying“, „Empty Room“) und Anton Malmberg Hård af Segerstad (MF-Teilnehmer als Mitglied der Gruppe Le Kid und dem Titel „Oh My God“, Autor von „Beggin'“).

 

4. Samir & Viktor – Groupie
Songschreiber: Anton Malmberg Hård af Segerstad, Kevin Högdahl, Maria Smith, Viktor Thell

„Success“ – das haben sich Samir und Viktor auf ihre Klamotten geschrieben und ihren ersten und bisher einzigen Hit so benannt. Samir Badran wurde in der letzten Staffel der TV3-Serie „Hotel Paradise“ bekannt und beliebt. Inhalt der Show: Gutgebaute schwedische Twens trinken und flirten mehrere Wochen lang in einem Hotel in den Tropen – natürlich unter ständiger Kameraüberwachung. Viktor Frisk ist ein bekannter Lifestyle-Blogger. Als Duo hatten sie mit „Success“ einen Sommerplagehit. Beim Melodifestivalen dürfen wir sicher einen Gute-Laune-Hit ähnlicher Qualität erwarten.

Samir & Viktor – Success

 

5. Neverstore – If I Was God For One Day
Songschreiber: Thomas G:son, John Gordon, Jacob Widén

Kein Melodifestivalen ohne Rock, in diesem Fall Punk-Rock. Neverstore haben 2007 ihr erstes Album veröffentlicht, sind seitdem regelmäßig auf Tour und geben weitere Platten heraus.

Neverstore – For the Rest of My Life

Für das Mello haben sie sich niemand geringeres als John Gordan und Thomas G:son an ihre Seite geholt. John Gordon schrieb u. a. den ESC-Sieger „Satellite“. Thomas G:son hat bereits bewiesen, dass er nicht nur ESC-Sieger wie „Euphoria“ oder Powerballaden wie „Quédate conmigo“ kann. So trat 2010 die Rockband Dynazty mit G:sons „Land of Broken Dreams“ an und kam damit immerhin bis Andra Chancen.

 

6. Magnus Carlsson – Möt mig i Gamla stan (Triff mich in der Altstadt [vermutlich der von Stockholm])
Songschreiber: Thomas G:son, Lina Eriksson

Thomas G:son die zweite – zumindest in diesem Jahr. Und Magnus Carlsson, der ist bereits zum achten Mal beim Melodifestivalen dabei: Dreimal mit Barbados (2000 „Se mig“ – 2. Platz, 2001 „Allt som jag ser“ – 2. Platz, 2002 „Världen utanför“ – 4. Platz), zweimal mit Alcazar (2003 „Not a sinner nor a saint“ – 3. Platz, 2005 „Alcastar“ – 3. Platz) und zweimal solo (2006 „Lev livet“ – 8. Platz, 2007 „Live forever“ – Semi)

Magnus Carlsson – Live Forever

Die Solo-Ergebnisse sprechen nicht unbedingt für einen Erfolg beim aktuellen Melodifestivalen. Und auch seine letzten Singles waren keine Hits in Schweden – im Gegensatz zu seinen Weihnachtsalben. In diesem Sommer war er mit „Tillsammans“ in Schweden unterwegs, das Thomas G:son extra für ihn geschrieben hatte. Es ist denkbar, dass der neue Titel ähnlich klingt.

Magnus Carlsson – Tillsammans

 

7. Marie Bergman & Sanne SalomonsenNonetheless
Songschreiber: Andreas Stone Johansson, Allison Kaplan

Marie Bergman hat dreimal das Mello gewonnen, zweimal mit Family Four und 1994 zusammen mit Roger Pontare („Stjärnorna“). Bergman hat auch in den letzten Jahren immer wieder Platten veröffentlicht, mehrere davon waren Neuinterpretationen von klassischen schwedischen Liedermachern.

Marie Bergman & Roger Pontare – Stjärnorna

Auch Sanne Salomonsen hat schon einige Jahrzehnte im Musikbusiness verbracht. Beim Melodifestivalen waren sie bisher nur einmal dabei: 2005 wurde sie mit dem Beitrag „Higher Ground“ siebte im Finale.

Sanne Salomonsen – Higher Ground