Melodifestivalen 2015, Quick-Songcheck Semi 1: Schade, Saade!

Eric und Monz shirtless

„Sanna-Festspiele“, das schrieb Peter voriges Jahr über unseren Liveblog zum Mello-Finale 2014. Und nichts anderes als „Sanna-Festspiele“ sind auch die 6 Shows, die uns in diesem Jahr erwarten, schließlich führt die ESC-Dritte von Kopenhagen durch das diesjährige Melodifestivalen, das am kommenden Samstag in Göteborg startet. Sanna selbst sucht also ihren Nachfolger bzw. ihre Nachfolgerin. In Runde 1 begrüßt sie gleich zwei, die auch schon beim ESC waren: Jessica Andersson und Eric Saade (oben links im Bild neben Måns Zelmerlöw, der in Runde 4 antreten wird). Schaffen die es ins Finale? Wir werfen einen Blick auf die sieben Songs.

Richtig, sieben Songs! Das schwedische Fernsehen hat in diesem Jahr das Melodifestivalen ein wenig auf Diät gesetzt und die Zahl der Beiträge von 32 auf 28 reduziert – um dann das Finale von 10 auf 12 aufzustocken. Die 28 Acts, die in den vier Vorrunden um den Finaleinzug kämpfen, hat Douze Points bereits vorgestellt (Runden 1 und 2, Runden 3 und 4).

Nun sind die ersten sieben Songs, die am Samstag ab 20 Uhr im Scandinavium zu Göteborg ins Finale wollen (oder wenigstens in die Andra chansen), zumindest in Ausschnitten zu hören (hier auf svt.se). Kurz vor jeder Vorrunden-Show werden immer zwei PRINZ ESC-Blogger ihre spontanen Eindrücke der Titel aufschreiben und diese auf einer Skala (1 bis 5 Sterne) bewerten.

Bevor wir loslegen, noch kurz ein Blick auf die Statistik. Dieses Jahr findet zum 14. Mal das Melodifestivalen in der bewährten Form mit vier Vorrunden, Andra chansen und Finale statt, und in den zurückliegenden 13 Ausgaben hat nur ein einziges Mal ein Titel aus der ersten Vorrunde das MF gewonnen: „Euphoria“ von Loreen (2012). Am häufigsten – sechs Mal – kam der spätere Mello-Sieger aus Vorrunde 4 (etwa Carola, Malena Ernman und zuletzt Robin Stjernberg). Rein statistisch betrachtet also ein schwerer Gang, unter anderem für Eric Saade und ein leichterer für Måns, um auf unser Foto von oben zurückzukommen.

Aber alles hängt ja auch vom Lied ab. Darum:

Los geht’s mit dem Quick-Songcheck zum ersten Semi mit Peter und Matthias.

1. Molly Pettersson Hammar: I’ll Be Fine
(Molly Pettersson Hammar, Lisa Desmond, Tim Larsson, Tobias Lundgren, Gavin Jones)

Matthias: Mit ordentlichem Ell&Nikki-Pyroregen und einer dynamischen Nummer eröffnet Molly (die schwedische Schwester von Adele?) das Melodifestivalen. „I’ll be fine“ hat, wie im Schnipsel zu hören ist, einen starken Refrain mit souligen 60’s-Elementen – hoffentlich ist der Rest des Liedes ähnlich überzeugend. Dann könnte das schon gleich der erste Finalist für Stockholm werden. Ordentlichen Stimmumfang hat Molly schon bei „Idol“ bewiesen, und das hört man auch hier.
Bewertung: 5 Sterne

Peter: Sie sieht irgendwie so aus, wie sie heißt. Pyrotechnik gibt es diesmal schon zum Start, damit das Mello auch so richtig losgeht. I like. Die eindringlichen, souligen Vocals kommen gut, zu dem Song selbst mag ich noch keine abschließende Meinung bilden. Der Refrain ist catchy, aber trägt die Melodie die vollen drei Minuten lang? Aber ich tippe drauf, dass Christer diesen Knaller ganz bewusst als Saisonauftakt gewählt hat, das ist ein stimulierendes Angebot zum Göteborg-Auftakt.
Bewertung: 4 Sterne

 

2. Daniel Gildenlöw: Pappa
(Daniel Gildenlöw)

Matthias: Daniel knüpft da an, wo er mit der Band Pain Of Salvation beim Mello 2010 aufgehört hat. Auch „Pappa“ ist eine Ballade, allerdings nicht ganz so extrem ruhig wie „Road Salt“. Zudem singt Daniel hier auf Schwedisch; der Text ist die Ansprache eines Kindes an den fehlenden Vater, weil die Eltern geschieden sind („Hey Papa, ich vermisse dich. Was machst du gerade, kommst du an Weihnachten zu mir heim?“) Der Text könnte beim Publikum ziehen – der Falsettgesang im Refrain vermutlich weniger.
Bewertung: 3 Sterne

Peter: Mir gefällt es immer gut, wenn die Songs in Landessprache gesungen werden, und der Typ sieht klasse aus. Der Text ist allerdings kitschig und passt auch nur in Grenzen zum Look von Daniel. Seine Stimme finde ich eindringlich toll, aber die hohen Stimmlagen sind an der Grenze zum Kitsch. Insofern also wieder passend zum Text. Ein Song für moderne Schwiegermamas, die sich ein verstecktes Schmetterlings-Tattoo gönnen.
Bewertung: 3 Sterne

 

3. Elize Ryd & Rickard Söderberg: One By One
(Elize Ryd, Jimmy Jansson, Karl-Ola Kjellholm, Sharon Vaughn)

Matthias: Gegen Paradiesvogel Rickard – Tenor mit langen Haaren, dunkel lackierten Nägeln und gern mit Lidschatten und Mascara – wirkt Elize Ryd besonders farblos. Auch stimmlich übertrifft Herr Söderberg seine Duettpartnerin. Der Schnipsel dieser Rockmusical-Nummer haut mich nicht vom Hocker, so sehr die beiden sich auch die Seele aus dem Leib schreien/singen. Schwer einzuschätzen, ob sowas ankommt, finde ich.
Bewertung: 2 Sterne

Peter: Um etwas Gutes vorweg zu schicken: Die Lichtinszenierung finde ich bombastisch gut, die passt auch zu diesem Pathospopsong. Rickard und Elize stehen hier allerdings auf der Bühne, als hätten sie nichts miteinander zu tun. Keine glaubwürdige Interaktion untereinander und zu wenig Blickkontakt mit der Kamera. Beides lässt sich logischerweise noch verbessern, der Song aber leider nicht. Und der ist maximal Hausmannskost.
Bewertung: 5 Sterne fürs Licht, 1 Stern für den Rest

 

4. Dolly Style: Hello Hi
(Emma Nors, Palle Hammarlund, Jimmy Jansson)

Matthias: Die pastellfarbene Mädchenpuppen-Version von YOHIO im günstigen Dreierpack – die Girls von Dolly Style singen, in überdimensionalen Spieldosen stehend, billigen Plastikpop (à la Aqua). Und ich muss mich mit einem Blick auf die Lyrics (hier) vergewissern, ob ich den Refrain wirklich gerade richtig gehört habe: „I am Molly, I am Holly, I am Polly. Hello Hi.“ Tatsächlich. O Schreck! Das wäre eher etwas für Junior Eurovision gewesen. Vielleicht schicken die schwedischen Kids am Samstag ja reichlich SMS…
Bewertung: 2 Sterne

Peter: Wenige Minuten, nachdem das Snippet online gestellt war, simst Douze Points: „Also ich liebe ja jetzt schon Hello Hi.“ Wie Recht er hat! Das ist genau der Trash, für den wir das Mello lieben. Das kommt definitiv nicht mal in Andra Chansen und wird ein großer Hit auf den ESC-Partys dieser Saison. Gut, dass es nur noch sieben Songs pro Vorrunde gibt, so bleibt Dolly Style (was für ein passender Name) der achte Platz erspart. Auf Tonträger klingt das sicher besser als live, denn singen können die Mädels nicht. Alles in allem ein formidabler Kultsong.
Bewertung: 5 Sterne

 

5. Behrang Miri feat. Victor Crone: Det rår vi inte för
(Behrang Miri, Albin Johnsén, Måns Zelmerlöw, Tony Nilsson)

Matthias: SVT nimmt ja gern mal Rap auf Schwedisch fürs Mello, und selten mag ich’s. Darum ist auch Behrang Miri eher nichts für mich, der Gesang, den Victor Crone dazu liefert, schon eher. Zumal man sich Herrn Crone gern anschaut. Behrang Miri hatte ja schon 2013 bei „Jalla dansa sawa“ gerappt, aber da war der Refrain besser (wenn auch recht nah am französischen ESC-Beitrag von 2010). Überzeugt mich alles in allem nicht.
Bewertung: 1 Stern (4 Sterne für Victor)

Peter: SVT kann’s einfach. Anscheinend werden hier neu jetzt auch Graphics bei der Songinszenierung eingesetzt werden. Ein neues Stilelement, das mir spontan zusagt. Anders als der Song. Zwar mag ich – wie gesagt -, wenn in der Landessprache gesungen wird, aber ein rauher (etwas kurzatmiger) Rap über Smoothgrooves ist sowas von tausendmal dagewesen, da wird schnell „Skip“ gedrückt. Es gibt allerdings einen fulminanten Stimmungsaufheller auf der Bühne, und das ist Victor Crone, dieser ist Mega Eye Candy. Aber darum geht’s auf diesem Blog ja nie.
Bewertung: 3 Sterne (incl. Optikzuschlag für Victor)

Victor Crone

6. Jessica Andersson: Can’t Hurt Me Now
(Aleena Gibson, Fredrik Thomander)

Matthias: Hach, Frau Andersson singt wieder ’ne Ballade. Einen Tick moderner als das traditionelle „I did it for love“ 2010, aber ähnlich behutsam instrumentiert – recht typisch mit Piano und Streichern. Böse Stimmen könnten sagen: schon tausendmal dagewesen. Jessica singt in diesem Proben-Schnipsel allerdings wieder mal klasse. Und dann erst der Glitzer-Mikrofonständer! Allerdings müsste sich das Lied im weiteren Verlauf der 3 Minuten schon noch steigern. Tut es vermutlich auch. Bin gespannt auf Samstag!
Bewertung: 3,5 Sterne

Peter: Das wird Ende dieses Jahres ein Top-10-Airplay-Winner im schwedischen Radio sein. Unorigineller geht’s nicht, aber halt super zum Nebenbeihören. Und Jessie sieht immer noch sehr gut aus und ist unverändert gut bei Stimme. Textlich starke Anlehnung an UNDO oder WHY AM I CRYING, um nur zwei bessere Titel mit identischer musikalischer Stoßrichtung zu nennen. Ein typischer Song, der in Andra Chansen rausfliegt, aber bei Åhlens in Dauerschleife zum Kauf von dekorativer Kosmetik animieren soll.
Bewertung: 3 Sterne

 

7. Eric Saade: Sting
(Sam Arash Fahmi, Fredrik Kempe, Hamed „K-one“ Pirouzpanah, David Kreuger)

Matthias: Das Ziel hat Eric schon ausgegeben: Diesmal will er nicht nur zum ESC, er will das ganze Ding gewinnen. Nach dem 30-Sekunden-Schnipsel bin ich mir aber nicht mal mehr sicher, ob er das Mello gewinnt. Ich bin etwas enttäuscht. Das synchrone Tanzen sieht immer noch so gut aus wie bei „Manboy“ und „Popular“, aber irgendwie fehlt dem Song der letzte Kick. Vielleicht kommt der ja noch nach dem Ausschnitt. Ansonsten müssen halt die Special Effects wirken, etwa das „Ufo“, mit dem Eric laut SVT über das Publikum fliegen wird.
Bewertung: 2,5 Sterne

Peter: Heute morgen habe ich mir fest vorgenommen, „Sting“ supertoll zu finden. Aber es wird schwer mit den guten Vorsätzen. Hoffentlicht hat der Song viele Chorus-Passagen, denn wenn Eric solo (um nicht zu sagen alleine und verloren) singt, dann ist das nicht wirklich erfrischend. Tanzen kann er unverändert gut, optisch ist er ebenfalls top (siehe Aufmacher, wobei Monz den Sieg nach Punkten davonträgt). Die Choreo ist ordentlich, aber gleichzeitig ein Aufguss von ungezählten anderen Mello-Boygroup-Inszenierungen. Da verspricht dieses runde Gestell, mit dem Eric auf die Bühne transportiert wird, schon mehr Impact zu versprechen. I’m not convinced right now.
Bewertung: 2 Sterne

 

Tipp fürs Finale:
Matthias: Eric Saade, Molly Pettersson Hammar
Peter: Eric Saade, Molly Pettersson Hammar

Tipp für Andra Chansen:
Matthias: Jessica Andersson, Elize Ryd & Rickard Söderberg
Peter: Daniel Gildenlöw, Jessica Andersson