Melodifestivalen 2015, Quick-Songcheck Semi 4: Der Angriff auf die Mello-Krone

Monz Zelmerlöw auf Instagram - God morgon

Måns Zelmerlöw is back (hier auf einem Foto, dass er jüngst mit dem Kommentar „God morgon“ bei Instragram veröffentlichte). Nach dem Finaleinzug von Eric Saade in Mello Runde 1 wartet Schweden gespannt, ob das auch seinem Mello Kumpel Monz (der bei Erics Auftritt dabei war) gelingen wird. Speziell die schwedische Boulevardpresse wünscht sich dieses Duell der Swedish-Heartthrob-Giganten. Wir haben alle sieben Titel der letzten Melodifestivalen Vorrunde mit neuen Songs einem Quickcheck unterzogen.

Blogger-DJ Douze Points hat vor dem Start des Mello alle 28 Kandidaten bereits kurz vorgestellt (Runden 1 und 2, Runden 3 und 4).

Heute können wir nur kurz reinschnuppern in Ausschnitte aus den laufenden Proben (hier auf svt.se). Kurz vor jeder Vorrunden-Show schreiben Euch auch diese Woche zwei PRINZ ESC-Blogger ihre spontanen Eindrücke auf und geben ein Rating von bis zu 5 Sternen ab.

Dann wollen wir – Jan und Peter – doch mal sehen, was das letzte Semi zu bieten hat und ob hier vielleicht der Mello-Sieger drin steckt.

 

1. „Don´t say No“ – Midnight Boy
(Johan Krafman, Kristofer Östergren, Olle Blomström)

Janni: Boah, was ist das denn? Ich glaube ja meinen Augen nicht zu trauen! Eine solche Frisur habe ich ja schon seit mindestens 30 Jahren nicht gesehen! Über das ganze Erscheinungsbild des „Mitternachtsjungen“ breiten wir mal lieber ein kurzes gestreiftes Jäckchen des Schweigens…Zu dieser billigen Präsentation, von der man nicht weiß, welche zurückgebliebene Community sie eigentlich ansprechen will, passt sein Liedchen ganz gut. Irgendwo angesiedelt zwischen Modern Talking und den Talking Heads – jedenfalls eindeutig in den Achtzigern! Für mich liegt das irgendwo im Mittelmaß, mit Punktabzug aus optischen Gründen.
Bewertung: 2 Sterne

Peter: Nachdem schon in den ersten drei Runden viel Stuff für die Schlagergay Community dabei, glaubt man nicht, dass es noch schwuler geht. Aber mit Midnight Boy geht das. Er liefert einen gefälligen eingängigen Popschlager, der etwas gestrig klingt. Er selbst deklariert Song und Staging als Hommage an die glamourösen 80er „I’m mainly influenced by The Doors, Madonna, Depeche Mode and Prince but I also get a lot of inspiration from the early 80’s New Wave era.sagt er hier. Mit der New Romantic Bewegung kann man ein Halde herumstehender nackter Schaufensterpuppen logischrweise auch begründen und interpretieren. Nicht nur die Schaufensterpuppen sind hüllenlos. Auch Midnight Boy selbst ist gerne nackt – in allen seinen bisher veröffentlichen Videos ist das der Fall. Auch in Örebro trägt er über dem nackten Oberkörper nur eine viel zu kurze und zu enge buntgestreifte offene Jacke, die selbst Kate Moss in ihren Hungerjahren noch zu klein wäre. Aber wir gehen hier ja sowieso nicht nach dem Aussehen.
Bewertung: 4 Sterne

 

2. „Black Swan“ – Caroline Wennergren
(Nicklas Eklund, Joel de Luna, Aimée Bobruk)

Janni: Du meine Güte, zehn Jahre habe ihre Spuren hinterlassen! Caroline hat sich vom Mauerblümchen zum heißen Feger entwickelt und präsentiert sich auch musikalisch deutlich offenherziger und präsenter als einst. Das schüchterne Bossanova-Girl hat sie an der Garderobe abgegeben und eingetauscht gegen figurbetontes Glitzern mit Big-Band-Wumms. Ich hoffe, sie zeigt sich noch ein wenig lasziver als in diesem Clip, diese gefühlte Las-Vegas-Shownummer schreit geradezu danach!
Bewertung: 4 Sterne

Peter: Ihren 2005er Mello Beitrag fand ich smarter, eleganter und eigenständiger vor allem. Diese Midtempo-Soulrock-Nummer ist aber auch nicht verkehrt, vor allem ihre Big Band macht einen guten Eindruck, der Trompeter scheint auch optisch herauszuragen. Im engen und megakurzen silbernen Glitzerkleid macht auch Caroline ansehnlich Krach. Das passt alles gut zusammen, die erste Minute ist vielversprechend, das kann am Samstag noch deutlich an Format gewinnen. Mindestens Andra Chansen.
Bewertung: 4 Sterne

 

3. „Building it up“ – JTR
(John Andreasson, Tom Lundbäck, Robin Lundbäck)

Janni: Na super, endlich mal ´ne Boyband! Leider eine sowohl optisch (ja, für mich spielt das tatsächlich auch eine Rolle!) als auch musikalisch nicht gerade mitreißende. Der Song klingt wie vom Reißbrett, irgendwie so, als sei er in irgendeiner hinteren Schublade gefunden worden. Immerhin gibt es mit dem o-o-oh-Teil eine Hook, an die man sich erinnert. Flott ist es auch , auf der Bühne wird gehüpft, gute Laune wird versprüht. Kommt bei mir aber irgendwie nicht an.
Bewertung: 2 Sterne

Peter: Endlich ´mal wieder ´ne Boyband – nicht originell aber immer wieder gerne genommen. Nun, das wäre der richtige Beitrag für die australischen Punkte. Die drei schwedentypischen Schweden John, Tom und Robin haben dort dank ihrer Teilnahme an X Factor Australia immer noch eine gewisse Popularität. Der Song ist geradezu der Prototyp des Boyband-Popsongs, oh oh oh bulding it up – Singalong inklusive. Immerhin bringen sie nicht nur Eye Candy Lässigkeit mit auf die Bühne, sondern haben den Titel auch selbst geschrieben. Der Song geht sicher nicht nach Wien, aber wir werden ihn dort im Euroclub hören.
Bewertung: 4 Sterne

 

4. „Guld och gröna skogar“ – Hasse Andersson
(Anderz Wrethov, Elin Wrethov, Johan Bejerhol, Johan Deltinger)

Janni: I break together! Nein, jag bryter ihop! Ich hatte bei dem Titel des Liedes („Gold und grüne Wälder“) schon arges befürchtet. Aber dass es so schlimm wird, habe ich nicht kommen sehen. Nichts gegen Dansbands-Musik, die kann auch bisweilen richtig frisch klingen. Aber hier haben wir nur einen alten Mann, der in einem grauenhaften schonischen Dialekt die Vokale zieht, im Hintergrund wird lustig Volkstanz aufgeführt, bis die Schwarte kracht. Erstaunlich, dass solche Musik auch hier einen Platz findet. Bei uns würde das über den Mutantenstadl nicht hinaus kommen. Ich will das nicht sehen – mach das weg!
Bewertung: 1 Stern

Peter: Horror, so traditionelles Dansband-Zeug ist absolut nicht mein Ding. Aber Christer mischt so ´was ja gerne in sein buntes Haribo-Colorado-like-Mello-Angebot unter. Dies dürfte auf das Publikum über 50 zielen, denn Hasse Anderesson hat seine besten (will sagen erfolgreichsten) Jahre in den 80ern – wenn auch in einem sehr biederen, sehr anderen Genre als die New Wave Ära der 80er, von der sich Midnight Boy (was für ein Name) hat inspirieren lassen. Die Volkstanz-Gruppe im Hintergrund ist adrett anzusehen, die könnten auch in Werbespots für choleresterin-senkende Öko-Magarine auftreten. Und ´ne Geigenspielerin gibt´s zu allem Klischee-Überdruß auch noch. Ich befürchte, das landet unter den vorderen Vier und wir werden das ein weiteres Mal an uns vorbeiöden lassen müssen.
Bewertung: 1 Stern

 

5. „Make me (La, La, La) – Dinah Nah
(Dinah Nah, Dr. Alban, Jakke Erixson, Karl-Ola Kjellholm)

Janni: Das will ich in diesem Jahr definitiv wieder auf dem Dancefloor hören! Ein bisschen stark inspiriert von Ivi Adamous „La La-Love“, aber das hat den Schweden ja seinerzeit auch gut gefallen. Ob die rotgefärbten Haare aber jetzt unbedingt nötig waren? Nach vier insgesamt doch eher durchschnittlichen Nummern wird jetzt endlich mal etwas Energie auf die Bühne befördert. Überhaupt fehlen mir in diesem Jahr die richtig mitreißenden Nummern – das schafft Dinah letztlich auch nicht nicht, aber sie kommt schon ziemlich in die Nähe. Auch choreographisch bisher der Höhepunkt des Abends!
Bewertung: 4 Sterne

Peter: Dr. Alban hat hier mitgeschrieben? Diese Runde hat wirklich viel (synthetischen) 80s Flavour. Das einzige, was mir an Dinah Nah, von der ich vorher noch nie ´was gehört hatte, gar nicht gefällt ist ihre Haarfarbe, das aggressiven Plastikpink passt allerdings ganz gut zum Songkonzept, ein perfekt tanzbarer Velvet-Style-Schlager, den Dinah – und das ist ein groooooses Plus – mit sechs männlichen, im Halbdunkel sehr butch wirkenden, Tänzern darbietet. Stimmlich auch nicht gerade breathtaking, aber der Rhythmus, der catchy Sex-Appeal des Songs und die Testosteron-Choreo lassen über die kleinen Schwächen in stimmlicher Hinsicht hinweg sehen. Kein Titel für die Ewigkeit aber für das Zelebrieren der Mello-Saison optimal. Kommt sicher nicht weiter, wenn das Snippet repräsentativ ist. Schade eigentlich.
Bewertung: 4 Sterne

 

6. „Ett andetag“ – Annika Herlitz
(Amir Aly, Maciel Numhauser, Robin Abrahamsson, Sharon Dyall, Sharon Vaughn)

Janni: Im ersten Moment dachte ich, Andrea Sawatzki singt mich aus Örebro mit ihren irren aufgerissenen Augen an. Aber es ist doch nur Annika. Was heißt „nur“? Ihr Song ist eine veritable schwedische Schlagerballade, die auch schon Sonja Aldén hätte vor zehn Jahren  – ach, was sag ich- vor zwanzig Jahren vortragen können. Das ist gefällig, ohne Ecken und Kanten und auch gerade deswegen so schönes, altvertrautes Mello,dass ich ganz sentimental werde. Unverzeihlich wäre aber diese Klamotte, Frau Herlitz! Insbesondere die Strickjacke von Filippa K im Winterschlussverkauf. Die weht zwar schön im Carola-Fläkt, aber das muss noch siebzehn Spuren mondäner gehen! Aber insgesamt not bad at all! Vermutlich gibt es damit aber heutzutage auch keinen Blumentopf mehr zu gewinnen.
Bewertung: 4 Sterne

Peter: Noch ein Mello-Standard, eine rhythmische Drama-Ballade mit ganz viel Windmaschine. Annika trägt bauchfrei und guckt aus markant und dunkel geschminkten Augen sehr eindringlich. Man fühlt sich fast bedrängt. Und dann hat sie noch eine Kette um, die auf einem Dritte-Welt-Basar erworben sein könnte (ist das noch pc, sowas zu schreiben, bin etwas unsicher). Und ihr langer weißer Rock ist im Gegenlicht durchsichtig, das sieht aus wie aus eineem UFO-Film. Will sagen: Outfit und Präsentation sind gewöhnungsbedürftig und ein schwer zu verarbeitender Mix aus Klischees und „passt nicht zusammen“. Die Ballade ist ok (schöner Hook) und ich mag es immer sehr, wenn in der Landessprache gesungen wird.
Bewertung: 3 Sterne

 

7. „Heroes“ – Måns Zelmerlöw
(Anton Malmberg Hård af Segerstad, Linnea Deb, Joy Deb)

Janni: So, nun wissen wir jedenfalls endgültig, dass wir uns am Samstag in 14 Tagen auf einen Zweikampf einstellen müssen, aber nicht, wie oben vermutet, zwischen „Monz“ und Eric, sondern ganz klar zwischen Monz und Jon Henrik Fjällgren. Einer fährt nach Wien, da bin ich sicher! Ja, Monz ist superklasse, man sieht auf der Stelle, was für eine relaxte Personality er zwischenzeitlich auf der Bühne geworden ist. Der Song klingt total spannend und hat einen richtig guten Refrain mit Wiedererkennungswert. Optisch und technisch wird natürlich alles herausgeholt – Regen, Animationen, Farbenspiele (sic!)! Ich vermute , dass auch dieser Song sogar noch etwas mehr zu bieten hat und dass dies nicht die spektakulärsten 20 Sekunden waren. Am Finaleinzug kann es überhaupt keine Zweifel geben. Und da bin ich wirklich gespannt, was uns im Kampf Monz gegen Joik erwartet…
Bewertung: 5 Sterne

Peter: Is it me or is it Monz? Bin ich dank der großartigen Mello und Skansen Vergangenheit von Monz zu positiv voreingestellt? Der Titel ist einfach klasse! Und für Monz maßgeschneidert. Schon in den 30 Sekunden gibt es mitreissende Tempowechsel bei diesem klasschen, modern und hochklassig produzierten Popradiohit. Das dunkelblau illuminierte Bühnenbild mit animierter Lasergraphik in grün kommt perfekt rüber und die ganze Show ist auf Monz zugeschnitten, der alleine auf der Bühne steht und das Ding souverän rockt. Einen tollen Chorus aus dem Off (Kinderstimmen so ein bissel wie bei Pink Floyds ANOTHER BRICK IN THE WALL) hat der Track auch noch. Jetzt weiß ich echt noch nicht, soll Jon Henrik Fjällgren nach Wien oder Monz? Erstmal Monz, würde ich mit Blick auf unser Aufmacherbild sagen.
Bewertung: 5.000 Sterne

Tipp fürs Finale:
Janni: Måns Zelmerlöw, Caroline Wennergren
Peter: Måns Zelmerlöw, Caroline Wennergren

Tipp für Andra Chansen:
Janni: Dinah Nah, JTR
Peter: JTR, Hasse Andersson