Melodifestivalen 2018 – Quickcheck Semi 1: Benjamins große Show

In zwei Tagen heißt es wieder „Nu kör vi!“ und der schwedophile Teil der ESC-Bubble begibt sich auf eine fünfwöchige Reise, bis dann im Finale die magischen Worte fallen werden – „Vi har ett resultat!“. Vor jeder Vorrunde schauen wir natürlich auch 2018 wieder jeden Donnerstag in die Schnipsel rein und sagen Euch, was wir davon halten. Heute starten die beiden DJ-Blogger Douze Points und Ohrmeister mit Semifinale 1. Ob’s auch was für unsere EuroClub-Playlists geben wird?

Einminütige Ausschnitte von allen sieben Songs sind hier zu finden, Ausschnitte aus allen Proben gibt es hier zu sehen. Einen Überblick über alle Teilnehmer des diesjährigen Melodifestivalen gibt es hier, die Startreihenfolge hier.

 

1. Sigrid Bernson – Patrick Swayze
(Andrej Kamnik, Josefin Glenmark, Peg Parnevik, Sigrid Bernson)

DJ Ohrmeister: Songs mit solchen Titeln sind entweder billigste Fremdschäm-Plastikware oder pathetische Schnulzen. Dieser fällt unter Kategorie 1, obwohl der Beat zunächst 80er-Jahre-mäßig nostagisch-frisch klingt (die Oh-Oh-oh’s erinnern mich an die besten Zeiten von Pia Zadora) und Lust auf mehr macht. Leider fällt der Chorus dann – schlecht und matschig abgemischt – völlig ab davon, von der einfältigen Melodie ganz zu schweigen. Schade. Die Strophe hat mir mehr gefallen. Das hat leider keinen Dolly-Style-Charme. Eher „Road Trip“-2017-Niveau.
Bewertung: 1 Stern

Douze Points: EuroClub-Dancefloor, ick hör Dir wummern. Der andernorts mehrfach bemühte Vergleich mit Icona Pop hinkt meiner Meinung. Wenn überhaupt, ist es sehr weichgespülter Icona Pop. Aber energetisch. Und eine Hebefigur wird sie auch machen. Aber insgesamt ist es nicht besonders eingängig bzw. auffällig und etwas zu sehr Hausmannskost, um höher zu punkten. Für mich dennoch ein gelungener Auftakt für die Mello-Saison.
Bewertung: 3,5 Sterne (ein halber Sonderpunkt wegen der Hebefigur)

 

2. John Lundvik – My Turn
(Anna-Klara Folin, John Lundvik, Jonas Thander)

DJ Ohrmeister: Optisch wie musikalisch ist John und „My Turn“ eine runde Sache – klassisches Liedgut verpackt in moderner Soundkulisse (zumindest lässt die eine Minute das erahnen). Dieser John sieht irgendwie aus wie eine Mischung aus The Weeknd und John Legend, und wenn der weitere Verlauf sich so gelungen weiterentwickelt, wie das Snippet verspricht, könnte das der Überraschungssong dieses Semis werden. Schade, dass er im Probenclip etwas blutleer inszeniert wurde – kommt da noch was? Sonst wirkt es wie ein müder Abklatsch von „Undo“.
Bewertung: 3,5 Sterne

Douze Points: Schöne, klassische und doch nicht unmoderne Ballade. Dafür sorgen typische RnB-Motive. Hymnenhaft und zumindest in der Studioversion grandios gesungen. Einziges Manko: Ich kann mich an den Refrain nicht erinnern. Hier wird’s auf das Staging und die Ausstrahlung ankommen. Sonst wird das nicht his turn.
Bewertung: 3 Sterne

 

3. Renaida – All The Feels
(Laurell Barker, Jon Hällgren, Peter Barringer, Lukas Hällgren)

DJ Ohrmeister: Wunderbarer, spannender Trip-Beat, wie er die letzten Jahre immer wieder im Mello auftauchte – leider meist eher unter ferner liefen. Dazu eine bildhübsche Person – ich bin sehr gespannt, was die restlichen zwei Minuten zu bieten haben. Die Choreo ist zwar etwas von der Stange, aber wir haben noch nicht alles gesehen. Könnte auch gradewegs den oberen Rängen der britischen Charts entsprungen sein. Manche werden es repetitiv finden, aber für mich trägt der Sound auch mehr als drei Minuten. Cooler Song, aber kein Mello-Winner!
Bewertung: 4 Sterne

Douze Points: Sehr modern. Cool und rhythmisch. Typischer Radio-Spotify-Sound. Gesanglich zwischen kräftig und hingerotzt (allerdings sympathischer als Ace Wilder). Dass der Refrain dann eigentlich ein Instrumentalstück ist, ist heute ja nichts ungewöhnliches. Kann trotzdem funktionieren.
Bewertung: 3,5 Sterne

 

4. Edward Blom – Livet på en pinne
(Edward Blom, Thomas G:son, Stefan Brunzell, Kent Olsson)

DJ Ohrmeister: Die Redewendung „livet på en pinne“ („das Leben auf einem Stöckchen“) bezeichnet ein sorgenfreies, lustiges Leben, und genauso leicht und unbeschwert kommt diese Melodie im Film-Orchester-Sound daher. Da hat sich G:son mal zum Durchschnaufen ein kleines, dreiminütiges Musicalstückchen geschrieben und einem Kulturhistoriker auf den wohlgenährten Leib geschrieben, der über Kulinarisches bloggt und forscht. Das wird das schwedische Publikum sicherlich lustig finden, als Nichtschwede kann man da immerhin bisschen mit den Füßen wippen. Musikalisch ist das aber doch eher leichte, salzarme Kost. Und die Show hat was von Alf Poier – mit Sahnetörtchen und Weintrauben statt irgendwelchem Getier. Och, nö.
Bewertung: 2 Sterne

Douze Points: Edward Blom hat sich über die letzten Jahre immer mehr zur intellektiv-humorvollen TV-Persönlichkeit gemausert. Eine besondere Vorliebe hat er für das Thema Essen. Insofern passt der Text, dass man jeden Gelegenheit nutzen soll, um zu genießen. Das Ganze ist musikalisch gefühlt in der Schwarz-Weiß-Ära anzusiedeln und natürlich ist Edward kein besonderer Sänger. Ich finde das, was ich bisher gehört habe, auch nicht lustig. Das funktioniert höchstens in Schweden.
Bewertung: 1 Stern

 

5. Kikki Danielsson – Osby Tennessee
(Sulo Karlsson, Kikki Danielsson)

DJ Ohrmeister: Unsere liebe Tante Kikki präsentiert – wie soviele alte Hasen bei ihren Mello-Comebacks – eher getragene Töne in angestaubter Klampfatmosphäre. Lässig auf einem Barhocker sitzend passt das eher zu „Inas Nacht“ als auf die große bunte Mello-Bühne. Und leider scheint dieses Stück nicht den leisesten Anflug einer geschickten Kombi von Altvertautem in irgendwie modernem Gewand mitzubringen. Es klingt halt einfach nur nach – Tennessee. Immerhin bleibt sie beim Schwedischen, was zumindest ein kleines bisschen Farbe in diesen sonst so unspektakulären Beitrag scheinen lässt. Harmlos, nett – aber ein sicherer Kandidat für den letzten Platz im Semi.
Bewertung: 2 Sterne

Douze Points: Auch an Kikki, dem „Mädchen aus Nord-Schonen, aus Osby, Tennessee“, und ihrer Stimme ist die Zeit nicht spurlos vorbeigegangen. Das Ganze klingt glaubwürdiger als letztes Jahr die Masche von Charlotte Perrelli. Aber holt der recht schlichte und getragene Country-Sound die Zuschauer ab? Wenn, dann nur weil’s Kikki ist und weil’s „hinter Licht und Glitter Tränen in ihrer Seele gab“.
Bewertung: 2 Sterne

 

6. Kamferdrops – Solen lever kvar hos dig
(Herbert Trus, Danne Attlerud, Martin Klaman, Kristoffer Tømmerbakke, Erik Smaaland, Kamferdrops)

DJ Ohrmeister: Bürgerlich Heidi Musum, singt diese Norwegerin einen fröhlichen, saxophonbegleiteten Radio-Titel, der mich tatsächlich titelgemäß an einen Sonnenaufgang über einer frühlingshaften Wiese denken lässt. Ihre Stimme schwebt gleichsam über zuckersüßen Synthisounds, steckt mich aber im Snippet jetzt noch nicht so richtig an. Das Bühnen-Setting hat dann leider nichts von grünen Wiesen, sondern eher was von „Codo“ düsend im Sauseschritt. Das Momentum mit einem Nr. 1-Hit in den schwedischen Charts 2017 dürfte einen möglicherweise schwachen Titel aber durchaus eine Runde weiterbringen.
Bewertung: 3 Sterne

Douze Points: Das haben wir doch schon mal gehört?! Gut, das ist bei Kamferdrops-Liedern nicht ungewöhnlich, weil die meisten Cover sind. Aber das darf beim Mello ja nicht sein. Und trotzdem fühlt es sich so an. Auch das Saxofon erinnert stark an „Jag trodde änglarna fanns“. Kann man gut hören, diesen Mix aus Electro und Tanzband-Musik. Aber durchstarten wird das nicht wirklich – höchstens bei der Kinderzielgruppe.
Bewertung: 3 Sterne

 

7. Benjamin Ingrosso – Dance You Off
(Benjamin Ingrosso, MAG, Louis Schoorl, K Nita) 

DJ Ohrmeister: Klar, dass Benjamin auf die letzte Startposition gesetzt wurde, da werden Fast-Überflieger der Vorjahre (und Christers Wunschfinalisten) immer platziert. Das Snippet deutet erwartungsgemäß auf einen Justin-Bieber-Klon-Song hin, groovig und nicht allzu übermotiviert – etwas weniger instant als „Good Lovin'“ im Vorjahr. Aber ich befürchte hier schon einen Ohrwurm, wenn ich das 10x durchgespielt habe… Und die 30 Sekunden von der Probe zeigen, dass das hier der Beitrag ist, wo man mit Licht und Kameraschnitten eine Videoclip-Optik erzeugen möchte, die schon andere beim Mello weit gebracht hat. Sehr effektvoll. Klar kommt das weiter.
Bewertung: 4 Sterne

Douze Points: Die Stimme von Benjamin Ingrosso geht mir ja tendenziell auf die Nerven. Das war schon letztes Jahr so. Trotzdem ist das musikalisch natürlich ganz aktuelle Kost, die so auch problemlos in den Charts vorkommen kann und von Weltstars gesungen werden könnte, ohne sich zu blamieren. Das Finale dürfte gesetzt sein, zumal mit der Bühnenshow, die ich nun auch im ersten Clip gesehen habe. Dass so etwas nicht in Deutschland mal geht…
Bewertung: 3 Sterne (wegen der Stimme einen Punkt Abzug)

 

Tipp fürs Finale:
DJ Ohrmeister: John Lundvik, Benjamin Ingrosso
Douze Points: Benjamin Ingrosso, Edward Blom

 

Tipp für Andra Chansen:
DJ Ohrmeister: Edward Blom, Kamferdrops
Douze Points: Renaida, Kamferdrops