Live-Blog Melodifestivalen, 4. Runde – Perrellis Schiffbruch

Der Mello-Tross machte am heutigen Abend in Malmö Station – und wieder stellte sich die Frage: Welche zwei Songs kriegen das direkte Ticket fürs Finale in Stockholm? Und welche zwei bekommen eine „andra chans“ in einer Woche? Der Kampf war hart… vor allem zwischen Danny (im Foto kaum zu sehen), Charlotte und Lotta/Christer. Doch wie in der vergangenen Woche gab es auch wieder Überraschungen – hier ist unser Liveblog zum Nachlesen!

Unser Live-Blog hat sich heute in den Sonntags-Club im Berliner Szenebezirk Prenzlauer Berg verirrt. Hier schauen eine Handvoll Eurovisions-Fans auf einer Großleinwand die Liveübertragung der 4. Melodifestivalen-Vorrunde aus Malmö. Also: herzliche Grüße aus der Greifenhagener Straße in den Rest der Welt!

Eine kurze Umfrage unter den Anwesenden ergab: Man ist vor allem auf Charlotte „Take me to your…Hero“ Nilsson-Perrelli gespannt, und auch Danny sorgt für erhöhten Puls (ansonsten: Axel Algmark… who the f*** is Alice Axel?)

Also: Lassen wir uns auf die acht Künstler des Abends und ihre Songs ein. Bleibt uns ja nix anderes übrig… 😉 Um 20 Uhr beginnt die Liveshow auf SVT und der Website des Senders, HIER!

Es geht los! Erst zeigt SVT in einem Einspielfilm wieder, was letzte Woche geschah: Molly Sandén und „Mirakel“ (würg…) direkt ins Finale…

Und Helena Bergström ist auch wieder da, in einem Kleid zwischen festlich und Oma. Hätte auch die Moderatorin des Grand Prix 1990 in Zagreb tragen können…

„Hon är här igen“ (Sie ist wieder da) ist das passende Eröffnungslied für die schwedische Schauspielerin, die dieses Jahr neben Gina Dirawi und Sarah Dawn Finer das Mello moderiert. Die Halle in Malmö jubelt. „Då kör vi“, heißt es jetzt – es geht wirklich los.

1. Charlotte Perrelli, „The Girl“

„Sieht besser aus als in Belgrad“, „Hat die sich nachspritzen lassen?“ lauten hier die Kommentare im Sonntags-Club. Dann ein erster Schock: Was trägt die Perrelli denn da? Ein pinkfarbenes Kleid mit kurzem Höschen – aber am auffälligsten sind die Nägel, die seitlich an den Hüften herausstechen. Das Lied selbst: gut gemachter Schwedenpop – weniger schlagerig als „Hero“, aber auch nicht unbedingt das modernste vom modernen. Eingängig und rhythmisch ist es jedenfalls. Nicht unbedingt douze points, aber akzeptabel.

 

2. OPA!, „Allting blir bra igen“

„Fängt beides mit GR an“, sagt mein Sitznachbar, „Griechenland und gruselig.“ Sechs Männer singen einen griechischen Folkloretitel mit schwedischem Text. Würden sie auf Griechisch singen, wäre das was für das Hellas-Pendant vom Musikantenstadl im griechischen Fernsehen. „Der Applaus ist auch mäßig“, kommentiert hier jemand, als das Lied vorbei ist. Kurzum: Füllmaterial, das man hier nicht braucht.

3. Dynazty, „Land Of Broken Dreams“

Kann sich noch jemand an Europe erinnern, die schwedische Rockband aus den 80ern („The Final Countdown“)? Da war aus dem Jahr 1986 wohl noch ein Lied übrig, das es damals nicht auf Europes Langspielplatte schaffte.

Selbst Dennis, die gute Fee im Sonntagsclub und eigentlich Rockfan, nutzt „Land of Broken Dreams“ für eine Toilettenpause. „Langweilig“, sagt er nur. Belangloser Hardrock, den die Schweden aber gern mal ins Finale wählen. Wir erinnern uns an H.E.A.T., die 2009 ins MF-Finale kamen. Zwischendurch erinnert uns „Land of Broken Dreams“ auch ein wenig an Wigwam, die norwegische Rockband vom ESC 2005.

4. Lotta Engberg & Christer Sjögren, „Don’t Let Me Down“

Lasse Holm ist sowas wie der schwedische Ralph Siegel – in den 80ern hatte er durchaus Verdienste für Schwedens Teilnahme beim ESC. 1986 war er selbst dabei, und er schrieb immer wieder Songs fürs Mello. Und noch was verbindet Lasse mit Siegel: Beide sollten es heutzutage lieber lassen. „Don’t Let Me Down“ ist ein furchtbar altbackenes Liedchen, das die Welt nicht braucht. Warum kommt Lasse ausgerechnet damit zurück zum Mello?

Okay, die Leute um mich herum finden es ganz akzeptabel. „Ich find’s lustig“, sagt mein Sitznachbar. Von der Couch kommt: „Klingt etwas nach Barry White.“ – „Ja, aber wie ’ne B-Seite von Barry.“ Und Lotta und Christer singen ganz gut. „In seiner Behäbigkeit hat das ja sogar irgendwie etwas“, meint sogar Dennis. Wir rechnen definitiv damit, dass das weiter kommt…

5. Hanna Lindblad, „Goosebumps“

Warum laufen die heute Abend eigentlich immer am Anfang ihres Liedes den Laufsteg runter wie bei Germany’s next Topmodel? Naja, gut. „Alles so schön bunt hier“, würde Nina Hagen ausrufen. „Da hat sich der Kauf eines Farbfernsehers schon gelohnt“, lästert Frank. Er ist großer Kylie-Minogue-Fan und hat natürlich sofort erkannt, dass sich Hanna den Stofffetzen, den sie über den Schultern trägt, bei dem australischen Popstar abgekuckt hat. „Da ist alles drin“, meint mein Sitznachbar. Die Popnummer ist eingängig, die kurzzeitige Tanzeinlage in der Mitte – inklusive Bodenturnen – ist bei Loreen abgeschaut. Wir sind uns uneins, ob Hanna weiterkommt. „Und wenn ich extra wegen den Klamotten anrufe“, sagt Frank.

6. Axel Algmark, „Kyss mig“

Ich fühle mich musikalisch an Dexy’s Midnight Runners erinnert (sangen Anfang der 80er) – „die haben ein neues Album rausgebracht“, sagt mein Nachbar. Lustig, dass Axel in ein Mikro singt, das von der Decke hängt – wie bei Boxkämpfen, wenn die Ansager in den Ring steigen. „Ein Gutelaune-Lied“, kommt es von der Couch, „das ragt zwischen den anderen heraus.“

Manche hier glauben, dass das weiterkommen könnte. „Klasse-Lied!“ Hmmm…. da stehe ich mit meiner Meinung wohl allein – ich finde es nach 2 Minuten etwas nervig. Am Ende des Liedes gibt es sogar erstmals Applaus im Sonntagsclub. „Das MUSS weiterkommen!“ Ich zweifle noch. „Ich liebe Schwedisch“, kommentiert einer, während der Film die nächste Sängerin ankündigt.

7. Lisa Miskovsky, „Why Start A Fire“

Die anerkannte Singer-Songwriterin allein auf der dunklen Bühne… ach nee, im Hintergrund stehen links und rechts je eine Dame in weißem, leuchtendem Tuchkleid. Sollen die Engelchen vom Lied ablenken? „Hatten in Schweden wohl keine Sandmalerin“, lästert einer.

Das Lied ist leider nix halbes und nix ganzes. Radiopop, belanglos, stört nicht beim Bügeln. „Auf der Landstraße zwischen Malmö und Ystad ist das vielleicht ein netter Soundtrack – aber gefährlich. Am Ende schläft man am Steuer ein oder fährt einen Elch um“, kommentiert der Sitznachbar.

Am Ende bilden wir uns unser hartes Urteil: „Hatte gut angefangen, aber stark nachgelassen.“ – „Langweilig.“ Na, immerhin hat Frau Miskovsky ab und zu nett in die Kamera gelächelt. Ob das reicht?

8. Danny, „Amazing“

Ein weiteres Highlight zum Schluss. Der Zweite vom letzten Jahr! Als er in die Halle einläuft, ist Eric Saades „Popular“ im Hintergrund zu hören. SVT ist auch ein bisschen böse…. 😉 Die Künstler haben ihre „Catwalk“-Songs selbst ausgewählt, sagt SVT. Dann hält sich Danny also für „popular“. Das Ergebnis am Ende wird’s zeigen…

„Amazing“ ist deutlich eingängiger als Dannys 2011er-Versuch „In The Club“. Wir finden die leuchtenden Anzüge mit den LED-Effekten klasse – aber können die nach dem Sieg der Trackshittaz in Österreich gestern Abend noch mithalten? Wir sind jedenfalls geflasht. Danny singt einen gut produzierten Ohrwurm. Ich find’s am besten, hier um mich herum wird Charlotte favorisiert. Aber jeder stimmt zu, dass dieser Auftritt im Gedächtnis haften bleibt.

Beim Schnelldurchlauf fällt uns Christer/Lottas Schlager nochmal auf: „Klingt so vertraut, wie schon zigmal gehört.“ Ansonsten kommt hier Axel Algmark (für mich überraschend) gut an. „Der war irgendwie herrlich durchgeknallt.“

Die 1. Abstimmungsrunde ist durch. Wir sind gespannt: Welche fünf kommen weiter? Die Plätze 6-8 fliegen jetzt raus. Wir tippen auf OPA! (no chance), Lisa Miskovsky und… hmmm… Nach etwas Small Talk mit Charlotte, Christer und Lotta (und einem uns unbekannten Mann, „dessen sexuelle Orientierung ziemlich offensichtlich ist“, so Dennis) wollen wir nun doch „ett resultat“ hören. Aber Gina wendet sich noch schnell Danny zu.

Jetzt aber… Eine Runde weiter sind: Lisa Miskovsky („das ist ja schrecklich“), Dynazty, Danny (logisch), Charlotte Perrelli und Lotta/Christer. Das letzte war ja zu erwarten, auch wenn mein Sitznachbar es nicht glauben kann.

Es kommt der 2. Schnelldurchlauf. Als Christer und Lotta kommen, sagt Frank: „Das könnten auch Claudia Jung und Hansi Hinterseer singen. Die nehmen in 2 Wochen die deutsche Version auf…“

Als Pausenact singt Sarah Dawn Finer zusammen mit ein paar Streichern „The Hunter“, das Lied, das Melody Club 2010 beim Melodifestivalen präsentierten. Die Telefonleitungen sind inzwischen wieder geschlossen – Schweden hat gewählt! Ich genieße drei schöne Minuten mit der Dame, die mir dieses Jahr im Teilnehmerfeld des MF total gefehlt hat (2009 fand ich ihr „Moving On“ grandios). Nächstes Jahr wieder mitmachen, nicht moderieren, Sarah! (Die Leute um mich rum unterhalten sich…)

Vi har ett resultat. Das Ergebnis steht fest.

Wer kommt direkt ins Finale? Es ist……… Lisa Miskovsky. Wir sind entsetzt, fassungslos. Klar, Lisa hat ihre Fans, hat in den letzten 10 Jahren ganz gut ihre Alben verkauft. Aber direkt ins Globen? Das ist dann doch etwas zu viel des Guten. Wir langweilen uns nochmal 3 Minuten lang, während Lisa auf der Bühne steht…

Und nun: Wer darf nächste Woche in der Trostrunde nochmal sein Glück versuchen?

Es sind: Christer und Lotta… („Na gottseidank“, sagt Dennis) und Dynazty. Oh mein Gott – Danny gegen Charlotte? Einer muss gehen. Und raus ist… Charlotte!! Wer hätte das gedacht. Danny ist direkt ins Finale gekommen. Freut mich, aber ein paar entsetzte Gesichter um mich herum.

Danny singt nochmal sein „Amazing“. Ich muss mich bei einem Besucher im Sonntagsclub entschuldigen, der erst später gekommen war und Charlotte verpasst hatte – ich hatte ihm versprochen, sie würde am Ende eh nochmal kommen und ihr Lied singen…. so kann man sich irren.

Das war die 4. Vorrunde des Melodifestivalen 2012. Damit stehen acht Songs fürs Finale fest: Neben „Amazing“ und „Why Start A Fire“ sind es „Mystery“ von Dead By April, „Euphoria“ von Loreen, „Soldiers“ von Ulrik Munther, David Lindgrens „Shout It Out“, „Mirakel“ von Björn Ranelid und Sara sowie „Why Am I Crying“ von Molly Sandén.

Damit verabschieden wir uns aus dem Sonntagsclub, der sich im Lauf der vergangenen 1 1/2 Stunden ganz gut gefüllt hat (gleich machen wir dort noch Eurovisions-Karaoke). Nächsten Samstag gibt’s hier beim PRINZ-Blog den Liveblog der „andra chansen“-Trostrunde aus Nyköping (meine Favoriten sind dann Youngblood, Andreas Johnson und die Top Cats).

Einen schönen Abend noch! Und möge der Richtige in Finnland gewinnen!