Melodifestivalen 2012 (1): Das erwartet uns

Gleich vier alte Bekannte wagen sich am Samstag in Växjö auf die Bühne: Die erste Runde im Melodifestivalen 2012 beginnt mit Knaller-Kandidaten! Wir stellen sie vor.

In der VIDA Arena in Växjö wird die diesjährige Melodifestivalen-Saison eröffnet, es ist die elfte mit dem inzwischen schon fast klassisch gewordenen Tourneeplan – also einem insgesamt sechsteiligen Festival mit vier Vorrunden, einer Trostrunde („Andra chansen“) und dem großen Finale im Stockholmer Globen. Wieder treten 32 Songs an, von denen am Ende nur 10 im Finale stehen werden.

Mit Spannung werden wie immer die kurzen Schnipsel erwartet, die SVT wieder jeweils am Donnerstag unter die Leute werfen wird, um die Vorfreude auf Samstag weiter anzuheizen. Ab Samstag 14:00 Uhr stehen dann die Songs komplett online. Doch wen werden wir da hören? Nun, los geht’s mit…

1. Sean Samadi – in Schweden besser bekannt als Sean Banan. Der 26-Jährige sieht mit seiner Baseballkappe aus wie der ältere Bruder von Pietro Lombardi, ist im Iran geboren und zog als Kleinkind mit der Familie nach Göteborg. Inzwischen lebt er in Stockholm und hat sich in Schweden als Tänzer, Sänger und Komiker einen Namen gemacht.

Viele Schweden denken bei Sean Banan vor allem an eins: „Ruuuumpaa!“ (was soviel heißt wie „Hintern“) Der Ausruf stammt aus einem inzwischen legendären Interview mit Sean aus dem Jahr 2006, als er gefragt wurde, was er lieber mag: Brüste oder Hintern. Das Video wurde bei Youtube mehr als vier Millionen Mal angeklickt; seither ist er in Schweden bekannt (unter anderem durch den Hit „Skaka Rumpa“), 2011 spielte er sogar im eigenen Film „Sean Banan“ neben Kikki Danielsson!


Sean Banan: Skaka Rumpa

In Växjö singt er den Titel „Sean den förste banan“, er krönt sich also selbst zum König Sean der Erste. „Jeder kann auf seine Weise König sein“, meint Sean. Ob er zum König der erste Mello-Runde wird, müssen die Zuschauer am Samstag entscheiden.

2. Mit den Abalone Dots kommt wieder eine etwas andere Musikfarbe ins Melodifestivalen: Das Damen-Trio (bis 2010 ein Quartett) spielt „Softgrass“, eine Mischung aus Country und Bluegrass. Die Bandmitglieder kennen sich schon seit mehr als zehn Jahren, haben auf Bluegrass-Festivals in den USA gespielt und erhielten 2009 einen Grammis (das schwedische Pendant zum deutschen Musikpreis „Echo“) in der Kategorie Folkmusik.


Abalone Dots: Long Lonely Road

„Die Zuschauer werden sich an uns erinnern wegen unserer ungewöhnlichen Instrumente“, sagt Sophia Hogman mit Blick auf Banjo und Schlüsselfidel. Die 25-Jährige hat zusammen mit ihren Kolleginnen Rebecka Hjukström (25) und Louise Holmer (27) auch den Mello-Beitrag „På väg“ (Auf dem Weg) geschrieben. Durchaus ungewöhnlich für die Mädels, die bisher auf Englisch gesungen haben, aber jetzt – für ihre dritte CD – auch einige Stücke in ihrer Muttersprache aufnehmen.

3. Den Dritten im Bunde muss man nicht mehr großartig vorstellen: The Moniker alias Daniel Karlsson hat im vorigen Jahr beim Melodifestivalen einen hervorragenden dritten Platz belegt mit seiner Nummer „Oh My God!“ – nachdem er zunächst gar nicht direkt ins MF-Finale gewählt worden war.


The Moniker: Oh My God!

Jetzt wagt der 30-Jährige, der 2007 in Schweden durch das TV-Casting „Idols“ bekannt geworden war, seinen zweiten Versuch beim Melodifestivalen. Wie „Oh My God!“ stammt auch sein diesjähriger Wettbewerbsbeitrag „I Want To Be Chris Isaak (This Is Just The Beginning)“ aus eigener Feder. Man darf gespannt sein, worum es in dem Song geht: Chris Isaak jedenfalls ist kein Unbekannter – der amerikanische Sänger hatte 1989 einen großen Hit namens „Wicked Game“, der auch in Deutschland erfolgreich war (nicht zuletzt dank des Schwarz-Weiß-Videos mit Model Helena Christensen).

4. Auf The Moniker folgen schon die nächsten Mello-Veteraninnen: Afro-Dite are back!! 2002 gewannen sie das Melodifestivalen mit „Never Let It Go“ und belegten beim Eurovision Song Contest in Tallinn damit den 8. Platz. Jetzt wollen es Gladys del Pilar, Kayo Shekoni und Blossom Tainton Lindquist als Gruppe noch einmal wissen – nachdem Gladys und Kayo solo schon eher erfolglos beim MF angetreten waren (Gladys 2004 mit „Baby I Can’t Stop“, Kayo 2006 mit „Innean natten är över“).


Afro-Dite: Never Let It Go

Exakt zehn Jahre nach ihrem MF-Sieg versuchen Afro-Dite es wieder mit einem Discotitel namens „The Boy Can Dance“. Das Stück stammt unter anderem von Figge Boström, der schon mehr als eine Handvoll Melodifestivalen-Stücke geschrieben hat, zuletzt 2011 „In The Club“ von Danny (immerhin Zweiter im vergangenen Jahr). Mit einem Alter von deutlich jenseits der 40 gehören die drei Damen zu den älteren Teilnehmern des diesjährigen Melodifestivalens (aber im vierten Semi kommt ja noch Großpapa Christer Sjögren…).

5. Auf Dance folgt Hardrock: Dead By April ist eine 2007 in Göteborg gegründete Metal-Band, die auch schon etwas Mello-Erfahrung hat: Die ordentlich tätowierten Jungs traten voriges Jahr zusammen mit Lena Philipsson als Pausenact auf und rockten das Cloetta Center in Linköping mit einer englischen und sehr gitarrenlastigen Version von Lenas 80er-Jahre-Pophit „Dansa i neon“.


Dead By April & Lena Philipsson: Dance In Neon Light

Die Jungs, die zu den wichtigsten Metalbands Schwedens zählen, haben offenbar gern Melodifestivalen-Luft geschnuppert und sind nun mit im Wettbewerb. „Mystery“ heißt der Beitrag, den Band-Gitarrist Pontus Hjelm geschrieben hat. „Das Lied dreht sich um Gefühle, Gedanken, die man vielleicht nicht haben möchte, aber die einem trotzdem kommen und die man nicht los wird“, sagt Hjelm über seinen Song. Wenn er im üblichen Dead-by-April-Stil ist, werden wir harte Gitarrenriffs und ordentliche Metal-Schreie hören.

6. Und noch eine alte Bekannte: Marie Serneholt kehrt zum Melodifestivalen zurück – als Sängerin. Vergangenes Jahr hatte sie zusammen mit Rickard Olsson durchs Programm geführt, 2009 war sie mit „Disconnect Me“ auch schon mal singend auf der MF-Bühne (in der Vorrunde ausgeschieden).


Marie Serneholt: Disconnect Me

2012 versucht es die Ex-Freundin von Måns Zelmerlöw noch einmal. Die 28-Jährige – Ende der 90er Jahre als Mitglied der Band A*Teens auch bei uns bekannt geworden – singt „Salt And Pepper“, ein Lied des bereits erwähnten Figge Boström, der es gemeinsam mit Lina und Mårten Eriksson („Genom eld och vatten“, „Underbart“) geschrieben hat.

7. Als vorletzter Beitrag erwartet uns wieder etwas Ausgefallenes. Thorsten Flinck ist in Schweden zunächst als TV-Schauspieler und Moderator bekannt geworden, er spielte aber auch am Stockholmer Dramaten und arbeitete dort auch als Regisseur. 2008 gründete er das Revolutionsorkester, mit dem er voriges Jahr eine CD veröffentlichte. Da sang Flinck u.a. Stücke des US-Sängers Townes van Zandt und von Nick Cave nach. Hier präsentieren Thorsten Flinck und Revolutionsorkestern eine schwedische Version des Nick-Cave-Hits „Where The Wild Roses Grow“:


Thorsten Flinck och Revolutionsorkestern: Vildvuxna rosor

Jetzt ist die Combo beim Melodifestivalen zu Gast. Angesichts ihrer musikalischen Vergangenheit mit van Zandt und Cave verwundert allerdings, dass die Gruppe sich nun für eine Komposition des Schwedenschlager-Spezialisten Thomas G:son entschieden hat: „Jag reser mig igen“ (Ich erhebe mich wieder). G:son schrieb das Lied mit MF-Neuling Ted Ström. Der 50-jährige Flinck sagt aber: „Das ist ein gutes Lied – einfach zu gut, um Nein zu sagen.“ Lassen wir uns überraschen.

8. Die erste Vorrunde des Mello 2012 wird beendet von Loreen. Wer das Festival im vergangenen Jahren verfolgt hat, kann sich an die Sängerin mit marokkanischen Wurzeln erinnern: Ihr Lied „My Heart Is Refusing Me“ schied zwar in „Andra chansen“ aus, wurde dann aber doch ein Top-10-Erfolg in den schwedischen Charts.


Loreen: My Heart Is Refusing Me

Nun bekommt die 28-Jährige beim MF ihre zweite Chance. „Euphoria“ heißt der Song, der ebenfalls von Thomas G:son stammt (hier zusammen mit Peter Boström, der 2010 mit Fredrik Kempe „Manboy“ für Eric Saade schrieb). Loreen beschreibt „Euphoria“ als dramatisches Liebeslied. „Es geht darum, wie man sich fühlt, wenn man richtig, richtig verliebt ist.“ Das wäre dann wohl das Gegenstück zu „My Heart Is Refusing Me“… Loreen ist übrigens, ähnlich wie The Moniker, eine ehemalige Castingshow-Kandidatin: 2004 wurde sie bei „Idols“ Vierte.

In den vier Vorrunden-Sendungen kommen von den acht Titeln die fünf mit den meisten Anruferstimmen in die 2. Runde. Dort kommen dann die zwei mit den meisten Stimmen direkt ins Finale, das am 10. März in Stockholm ausgetragen wird – die Plätze 3 und 4 landen in „Andra chansen“, das eine Woche zuvor in Nyköping ausgespielt wird.

Anders als im Vorjahr wird man nicht mehr erfahren, wer Erster wurde und wer Zweiter. Neu ist auch, dass die fünf Songs, die nach der Präsentation aller acht Titel weiter kommen, ihre Televoting-Stimmen behalten, also die Stimmenzahl nicht wieder auf 0 zurückgesetzt wird.